Belizianische Inselwelt

Gepostet am Jul 17, 2013 in Alle Berichte, Belize, Geschichten sind Speisen für's Ohr.., Zentralamerika | Keine Kommentare

Belizianische Inselwelt

Caye Caulker

eine nicht tsunamiüberlebensfähige Trauminsel

[9 – 14 de julio]

Mitten in der Nacht waren wir von der Aufwachmusik geweckt worden, um die Reise von San José in Costa Rica nach Belize anzutreten. Aus Zeit- und vor allem auch aus Sicherheitsgründen hatten wir uns wohl oder übel für den Flieger entschieden, um die Länder Honduras und Guatemala nicht auf dem Landweg queren zu müssen. Vormittags waren wir bereits in Belize City angelangt, der grössten Stadt des einzigen englisch-sprachigen mittelamerikanischen Landes. Die nahegelegenen Inseln lockten und deshalb schnappten wir last-minute das Caye-Caukler-Water-Taxi. Eine knappe Stunde später setzten wir unsere Füsse auf den sandigen Boden von Caye Caulker, ausgesprochen „Ki Koker“ und wurden vom Schild an Boden gewarnt: „Go slow!“. An einer Hausmauer lasen wir: „No flipflop, no shirt – no problem!“, erneut waren wir in karibischem Feeling angekommen.

Die kleine Koralleninsel ist nur 8Km lang, maximal 2Km breit und nur 35Km nordöstlich von Belize City entfernt. Der Hurrikan Hattie hatte 1961 an einer schmalen Stelle einen Graben in der Insel hinterlassen und sie somit entzweit. Dieser Graben wird nun „The Split“ genannt.

In der 2nd Avenue hatten wir in Maxhapan in einem palmengesäumten Garten mit Hammocks eines der drei Cabanas bezogen. Im wunderschön angelegten Garten stand ein grosser Maxhapan-Baum mit riesigen gerübelten hellgrünen Früchte – Maxhapan ist das Maya-Wort für Brotfruchtbaum.

Für zwei, die quasi in den Bergen leben, ist es schon ein seltsam prickelndes Gefühl auf einem Inselchem zu stehen, bei dem links und rechts das Meer in greifbarer Nähe ist und die höchste Erhebung 1.50m hoch ist! Doch Louise, die Besitzerin der Cabanas versicherte uns, dass die Inselbewohner bei heranziehenden Hurricans informiert werden würden und so genug Zeit bliebe für eine Evakuation. Trotz Hurrikansaison gaben wir uns mit ihren beruhigenden Worten zufrieden. Ausserdem war unser Cabana auf ca. 1 Meter hohen Stelzen gebaut. Im Falle eines Tsunamis gab es ohnehin keine Chance, aber Caye Caulker war auf jeden Fall ein reläxter Ort, für welchen es sich lohnte, das Risiko einzugehen. =)

Caye Caulker

Caye Caulker

Hurricans hatten sich glücklicherweise nicht angekündigt, jedoch haben wir ein paar Regentage erlebt mit manchmal nicht enden wollenden Gewittern. Zeus hat wild Blitze auf die kleine Insel niedergeschmettert, uns jedoch nicht getroffen. So haben wir jeweils nur nasse Füsse bekommen und nach einem Fussmarsch auf den Pisten von Caye Caulker klebte die sandige Erdmasse wie Beton an den Beinen. Von herabfallenden Kokosnüssen und Maxhapan-Früchten wussten wir uns in diesen Tagen auch zu schützen, wobei ein bisschen Glück auch dabei war!

Als es eines Nachmittags endlich aufgehört hatte zu regnen, mieteten wir kurzerhand ein Kanu, um den nördlichen Inselzipfel zu erkunden, welcher durch den Hurrican Hattie von Caye Caulker abgetrennt wurde. Denn dieses Gebiet ist von Mangroven bedeckt und bekannt für seine Vogelwelt. Doch unser Vorhaben sollte nicht als positives Erlebnis in unseren Köpfen bleiben. Die Geschichte ist kurz erzählt. Wir sahen ein paar einzelne Kormorane auf den Mangroven am Ufer, wurden von der Strömung ein paar Meter zu nahe an sie heran getrieben, ein Mosquito-Schwarm griff uns unbarmherzig aus dem Hinterhalt an. 50 Mosquitostiche später (eine Mindestangabe, pro Person gemeint) sahen wir uns mit voller Kraft voraus zurückpaddeln, mit den Armen und Beinen wild umherfuchtelnd, da wir noch nicht alle Viecher getötet oder abgehängt hatten. Eine Stunde später hatten wir das Kanu frustriert wieder abgegeben. Auch Misserfolge in unserer Erkundungsgeschichte müssen hingenommen werden.

 

Schnorcheln mit Stechrochen und Ammenhaien

[12 de julio]

Der Wetterbericht (Belize National Meteorological Service) war für ein Tag positiver als die Tage zuvor und danach, weshalb wir für eine Schnorcheltour zum nahegelegenen Riff abgemacht hatten. Carlos, ein aufgeschlossener, lebensfreudiger Belizianer war unser Guide. Im Korallengarten, in der Allee der Stechrochen und Ammenhaien und in einem Riff-Kanal erklärte er uns die Unterwasserwelt, welche fast sein zweites Zuhause zu sein schien. Wir bekamen einige tropische Fische in wunderbar leuchtenden Farben zu sehen und aus einer Spalte kamen neugierig zwei ekelerregende, grüne Muränen hervor. Diese schlangenartigen, ca. 1.5m langen Getiere waren nicht gerade unsere Favoriten, weswegen wir auch mal ein bisschen schneller weg schwammen.

In der Alle der Stechrochen und Ammenhaie bekamen wir die hier versprochenen Meeresbewohner bereits vom Boot aus zu sehen – die nachtaktiven Tiere halten sich tagsüber im seichten Wasser auf. Die Stechrochen liegen leicht eingegraben im sandigen Untergrund und können beim Auftreten auch mal den giftigen Stachen zur Abwehr benutzten. Doch hier wird durch den Menschen in die Evolution der Tiere eingegriffen, wodurch sie wohl langsam von nachtaktiven zu tagaktiven Tieren gezüchtet werden. Konditioniert auf die Ankunft der Boote und das erwartete Futter kamen sie sogleich im Schwarm daher. Bevor wir ins Wasser stiegen, warteten wir erst einmal ab, was mit Carlos passierte. Doch vergnügt schnorchelte er inmitten der Tiere, hielt die Rochen in den Händen und sogar aus dem Wasser. Als wir eine ernste Bedrohung durch die Meeresbewohner ausgeschlossen hatten, stiegen wir diesmal nur mit Schnorchel und Brille und ohne Flossen ins Meer, um die Tiere nicht zu erschrecken oder zu verletzten.

 

Südliche Stechrochen und Ammenhaie

 

Scheinbar schwebend bewegten sich die ca. 1.5m langen Stechrochen oben, unter und neben uns im Wasser. Auch die Ammenhaie zeigten sich unbeeindruckt von den Schnorchlern und waren wohl in der Nacht zuvor auf ihrer Futtersuche satt geworden. Carlos hielt eine Roche in den Händen und wir konnten sie berühren – dies fühlte sich kühl und schlabbrig an, wodurch ich einen dezenten Schrei durch den Schnorchel leider nicht vermeiden konnte. Bereits im Boot zuvor hatte er erklärt, dass auch die Haie berührt werden könnten, ohne sich einem Angriff auszusetzen. Doch die Haie am Bauch zu krabbeln, liessen wir dann doch lieber sein. Unmittelbar unter ihnen zu schnorcheln und ihre Bewegungen im Wasser beobachten zu können, war Höhepunkt genug. Mit diesen Bildern im Kopf ging ein eindrücklicher, spannender Schnorchelausflug zu Ende.

 

 

Die faulen Tage auf Caye Caulker genossen wir in vollen Zügen. Nach langem konnten wir wieder mal ausgiebig brunchen – die Mikrowelle und der Kühlschrank erweiterte unseren Speiseplan auf unschätzbaren Wert. Kaffe, frische Mango mit Mangoyoghurt und eine Caye-Caulker-Müslimischung zauberte jeweils eine gute Laune her. Vollkornbrot von der Bäckerei im Dorf und Käse zwischendurch, frische Popcorn und Ananas zum z’Vieri. Für die kulinariche Verköstigung blieben da für uns keine Wünsche mehr offen.

Nach fast einer Woche packten wir das kleine „Tropen-Rücksäckchen“ und machten auf der Landeskarte von Belize bei Caye Caulker ein rotes Kreuz. Denn wir durften bei Louise die grossen „Patagonien-Anden-Rucksäcke“ zurücklassen und wollten sie in ca. 10 Tagen bei ihr abholen. Aus vergangener Reisegeschichte hatten wir gelernt, dass der Name eines Hostals nach erlebnisreichem Reisen leicht in Vergessenheit geraten kann (besonders in einer Grossstadt wie Dar es Salam in Tanzania) und das deponierte Gepäck so beinahe nicht mehr gefunden werden konnte.

 

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