Circuito Grande Torres del Paine

Gepostet am Mrz 25, 2013 in Alle Berichte, Chile, Geschichten sind Speisen für's Ohr.., per pedes, Südamerika, Wandern T4+ | 3 Kommentare

Circuito Grande Torres del Paine

Circuito Grande Torres del Paine

Lange Jahre wurde die patagonische Wildnis, deren Inbegriff für viele Touristen heute der Nationalpark Torres del Paine ist – der Landwirtschaft überlassen. Die hier in der Region Magallanes und Chilenischen Antarktis ansässigen Bauern brannten dann auch mächtige Teile der dichten und alten Wälder ab, um ihre Schaf- und Rinderzuchten Jahrein und Jahraus (im Sommer der Südhalbkugel) da grasen zu lassen. Später als dem Naturraum und seiner überdurchschnittlichen Ästhetik wieder mehr Wert beigemessen wurde, anstelle ihn „nur“ als Grundlage für die Ernährung der Bevölkerung zu betrachten und gleichzeitig eine strak anziehende touristische Begeisterung zu verzeichnen war, wurde das Gebiet um den Gebirgszug Torres del Paine in einen Nationalpark umgewandelt und unterliegt bis heute, abgesehen von der touristischen Nutzung, strengen Regelungen. Im Jahr 2005 und 2011/2012 zerstörtern allerdings jeweils von Touristen verursachte riesige Waldbrände grosse Teile des Nationalparks. Die Wälder erholen sich zwar, dies bedarf allerdings einen grösseren Zeitraum.

Die meisten Touristen wandern den sog. Double-U also den W-Trek. Dieser heisst so, weil die Route auf der Landkarte ein W darstellt. Nur noch wenige – in einer Prozentzahl nicht eruirbar – gehen auf einen 7-9 tägigen rund 140Km langen Trek um den ganzen Gebirgszug Torres del Paine. Die lange Tour (sie wird von den US-Amerikanern auch oft als Pain-Trek beschrieben, also Wanderung mit Mühe/Schmerz.. oder so ähnlich..) bedarf einer guten Grundkondition, etwas Durchhaltevermögen und etwas Verständnis für die Navigation in der Natur (auch wenn dies nicht überwertet werden darf). Sehr wichtig gilt folgendes (in einem Camp gelesen) zu beachten: Do not ask about the weather, we are in Patagonia, the only thing we know is, that sunrise is at 07:30am. So ist’s dann auch von a bis z eine Lotterie wie das Wetter gerade ist. Wir hatten Sturm und Kampf gegen unermessliche Windböen und starke Niederschläge bei für gut prognostiziertem Wetter und einen völlig wolkenfreien Tag bei schlecht prognostiziertem Wetter. Ein weiterer sehr massgebender Punkt ist die kurze Zeit in der das Wetter sich ändert. Diese Tatsache ist auf der einen Seite bewundernd, aber manchmal beängstigend zugleich. Es bewährte sich zu jeder Zeit, Geduld und Zuversicht zu bewahren, das kann Sarah viel besser als Raphael – es ging am Schluss alles auf… =) !

Wir planten den Circuito Grande, also eine lange 8-tägige Tour in der Wildnis. Was man für 8 Tage alles mitnehmen muss – das war nicht sehr einfach zu bestimmen. Wichtig war, v.a. dass wir viel Essen brauchten, ein Zelt, unsere guten Sleepingbags, warme Kleider und generell für alle Witterungsbedingungen. Am Abend vor dem Aufbruch sah unser Zimmer darum so aus:

DSC01342

8-Tagesrationen für 2 hungrige Hiker…
Avocados, Chips, Baquettes noch nicht auf dem Bild.

Día 1: Portería y Guardería Laguna Amarga – Campamento Serón

15 Km Distanz – 4.5h unterwegs (11:00 – 15:30) – 220 Hm ↑, 110 ↓ Hm
Eintrittskosten Nationalpark: 18’000 CLP (chilenische Pesos)

[18.03.2013] Frühmorgens um etwas nach 05.00 Uhr standen wir auf um die letzten Vorbereitungen für die lange Zeit in der Wildnis zu tätigen. Die Rucksäcke sahen überwältigend aus und liessen uns zum ersten mal etwas an unserer Unternehmung Zweifeln. Wir müssten ja auch tagsüber grosse Distanzen, hohe Pässe und nicht so leichte Wege passieren. Die sehr freundliche Madre unseres Hostals Chorillos stand wegen uns früher auf, um uns trotzdem Frühstück zu servieren. Bereits eine halbe Stunde später sassen wir schlafend im Bus auf der zweistündigen Fahrt in den Nationalpark. Praktisch beim Parkeingang erwacht, starteten wir mit einer guten Stunde Verspätung vollbepackt in unser Abenteuer. Der Himmel war stahlblau, es ging kein Lüftchen. Von der Laguna Amarga, einem etwas kargen Ort führte der Weg zuerst ein kleines Steilstück auf einer sandigen Strasse bergauf. Schnaufend und uns ernsthaft fragend ob dieses Abenteuer gut kommen würde, zweigte der Weg dann rechts ab Richtung Lago Dickson (so war’s angeschrieben). Wir streiften im leichten auf und ab über weitläufige Steppenlandschaften, mit knallgelben kniehohen Gräsern und immer wieder abwechselnder Buschlandschaft, die zu einem grossen Teil abgebrannt war. Unser bereits mehrmals erprobter Laufrythmus wurde strikte eingehalten: 1h konstant gehen, dann 5-10Minuten Pause zwecks Energie-, und Flüssigkeitszufuhr. Bald gelangten wir an einen wilden Bach, den wir längs auf einer Anhöhe von nun an begleiteten. Es war unerwartet heiss, geschätzte 28 Grad. Wir waren weitgehend alleine unterwegs – genau das war auch der Reiz, den grossen Circuito zu machen. Hinten rum gehen nämlich nur wenige, den W-Trek dagegen tun auch jetzt in der Nebensaison immer noch viele. Nach knapp 12Km kam ein Schild, dass uns vermittelte, dass wir noch gut 4Km weiterlaufen müssten, um zum angestrebten Campamento Serón zu gelangen. Endlich, abgemüht und mit verschiedenen Wehwehchen kamen wir nach knapp 16Km im noch fast leeren Campamente Serón an. Es liegt im Nordosten des Nationalparks – dieser Teil ist der trockenste Teil des Gebiets und liegt in der Lee-Seite des Gebirges. Wir kochten Tortellini mit Reibkäse mit dem Gaskocher, unserer Pfanne und der EINEN Schale, die wir gemietet hatten. Müde legten wir uns nach Sonnenuntergang – ca. 19:30Uhr auf unsere gemütlichen Expedmatten und schliefen schnell ein.

 

Día 2: Campamento Serón – Glaciar Dickson – Campamento Dickson

19 Km Distanz – 5.5h unterwegs (8:20 – 14:00) – 400 Hm ↑, 500↓ Hm

[19.03.2013] Kurz nach 8:00 verliessen wir das Campamento Serón bei morgendlicher Bewölkung – nach den gestrigen kräfteraubenden Temperaturen wollten wir bei potentieller Mittagssonne die Hälfte der Wegstrecke passiert haben. Nach einem leichten Abstieg vom Camp wanderten wir in weiterhin trockener Steppe auf schmalem Pfad im Valle Encantado am westlichen Ufer des Río Paine entlang. Dann begann der Weg anzusteigen und drehte in nordwestliche Richtung – eine halbe Stunde später hatten wir den „Paso Lago Paine“ (eigene Namensgebung, eigentlich ein Bergrücken) bereits erreicht – erstaunlich gut mit dem immer noch schweren Baggage. Die Temperaturen waren zwar optimal zum Wandern, aber nicht zum lange Pause machen. Deshalb gings nach einer kurzen Verschnaufs- und Esspause gleich weiter. Von der Anhöhe aus konnten wir bereits den Lago Paine begutachten, zusammen mit dem oberen Flusslauf des Río Paine, welcher den höher gelegenen Lago Dickson mit dem Lago Paine verbindet.

Auf der weiteren Passage verliert der Pfad an Höhe, führt jedoch weiterhin an der nördlichen Bergflanke entlang, mit ständigen kurzen Auf- und Abstiegen. Auch wenn das Laufen schon etwas besser ging, fühlte sich der schwere Rucksack noch immer wie ein Fremdkörper am Rücken an, welchen man möglichst schnell loswerden wollte. Um die Mittagszeit hatte sich die Bewölkung über uns gelichtet, die sonnigen Abschnitte wurden ausgeprägter. Wir genossen diesem Moment mit einer Pause in der Horizontale ohne Schuhe & Gepäck im Grünen – das Ausspannen tat gut! Gerade im letzten Drittel der heutigen Wegstrecke ging’s auch nicht ohne „auf die Zähne beissen“. Das Gewicht wurde zunehmend lästig, doch wir waren noch früh dran und das Ziel fast in Sichtweite.

Der Bergflanke entlang querten wir ca. 7 kleine Bachläufe und die von ihnen verursachten Sumpfgebiete. Balancierend über runde, glatte Baumstämme ging’s langsam voran, auch wenn dies bisher nicht aller Wanderers Stärke war! =) Die stabilen Nothofagus-Sträucher zum Festhalten im Dickicht des Sumpfes kamen da sehr gelegen. Zum Ende der heutigen Etappe stiegen wir nochmals leicht hoch auf die Frontmoräne, welche der Glaciar Dickson zurückgelassen hatte, um kurz danach in nördlicher Richtung wieder davon abzusteigen, um das heutige Campamento Dickson – nahezu auf einer Halbinsel gelegen – zu erreichen. Nach Material- und Körperpflege legten wir uns flach ins Gras. Leider wurden in Kürze dunkle Regenwolken vom Glaciar Dickson hergeblasen und es begann leicht zu regnen. Wir nutzten den Regen für einen Nap im Zelt. Gut eine Stunde später begutachteten wir den Zustand unseres Zeltes von aussen – nicht wie erwartet perlte der Regen vom Aussenzelt ab, nein – es saugte sich während diesem harmlosen Regenguss langsam auf wie ein Schwamm. Eine gute Imprägnierung vor der nächsten Vermietung hätte diesem Zelt wohl gut getan, doch nun war es für uns zu spät. Unter dem dichten Blätterdach der Nothofagus-Bäume hatten die zuvor gewaschenen Kleider trotz Regen getrocknet, deshalb zügelten wir kurzerhand das Zelt dorthin.

Gekocht wurde wie immer hier im Park auf einem Holztisch. Auf unserem Speiseplan stand heute Teigwarensuppe zur Vorspeise und danach Garden Vegetable Risotto. Das Essen am Waldrand war jedoch kein Vergnügen – der ständige Kampf mit den wilden Mücken hatte vor allem in unseren Gesichtern trotz Mosquito-Spray bereits ihre buckeligen Spuren hinterlassen, sie zögerten auch nicht, durch die Wanderhose zu picksen. Nach 20:00 dämmerte es ohnehin, so nahmen wir die Einladung an und verkrochen uns früh in unser Zelt mit dem Wunsch, dass es nachts nicht wieder zu regnen begann.

 

Día 3: Campamento Dickson – Glaciar Los Perros – Campamento Los Perros (Campamento en el Bosque)

9 Km Distanz – 4h unterwegs (10:00 – 14:00) – 650 Hm ↑, 100↓ Hm

[20.03.2013] Der Morgen im Campamento Dickson brachte wieder etwas besseres Wetter hervor, unser Zelt konnten wir noch etwas an die Sonne zum trocknen legen. Bevor es los ging, wollten wir nochmals über den dicht bewaldeten Hügel steigen, um auf dem mit schwarzen und weissen Steinen belegten Strand den Glaciar und Lago Dickson zu betrachten. Eine atemberaubende Landschaft offenbart sich einem, die vor allen Dingen natürlicher und unbelassener nicht sein kann. Die Stimmung an diesem Morgen war unvergleichbar ruhig nahe an der Erdoberfläche, gleichzeitig unruhig an den Bergflanken und über den zwei mächtigen Gletscherabbrüchen des Glaciar Dickson, die über einen Nunatak in den Lago Dickson tief abbrechen.

Losmarschiert über das deltaähnliche Campgelände gelangten wir schnell in tiefen Nothofaguswald, der Weg stieg in einem mittelbreiten V-Tal an. Bald, ca. nach einer Stunde eröffnete sich uns der Rückblick auf den begangenen Weg – ein Panorama auf den Glaciar Dickson. Nach einer kurzen Pause ging’s weiter, unwegsamer wurde die Route, in tiefem Wald folgten wir den manchmal spärlich markierten Zeichen, die auf einen Weg hindeuteten.

Stetig steigend und in bald schon von uns als typisch für diesen Trek bezeichnender Manier verlief es bergauf und -ab. Wo in der Schweiz aufwändig ein Weg entlang der Flanken oder eine Brücke gebaut wird, führen die Wege hier in Patagonien bei jedem kleinen und grossen Bachverlauf (und deren hat es unzählige) bergauf und bergab! Gerne hätten wir in Erfahrung gebracht, wieviele Höhenmeter nur dadurch bewältigt werden mussten. Aber wir hatten ja jede Menge Zeit…

Nach gut 3.5h erreichten wir die sich mit grossen Felsen aufbauende Endmoräne des Glaciar Los Perros. Auch dieser Gletscher besitzt einen, wenn auch kleineren Gletschersee. Der Gletscher selber liegt allerdings rund 200m höher und kalbt dadurch 200m über einen Felsvorsprung in den See. Durch die schnell vorbeiziehenden Wolken im ständig abwechselnden Licht zwischen Sonne und Dunkelheit ergriff uns eine mahnende Stimmung die die Pracht und gleichzeitig die Wucht der Natur fühlbar machte. Nach Karte dürfte das nächste Camp, in einem dichten Wald gelegen (deswegen nannten wir es Campamento en el bosque), nicht mehr weit sein. Wir querten die westliche riesige Seitenmoräne und gelangten zum dahinter gelegenen Zeltplatz.

Wir machten uns im sehr kalten Wald auf, unser Zelt so rasch wie möglich aufzustellen. Ich machte Nachtessen, während Sarah für das Innenleben des Zeltes zuständig war. Die Kälte rührte daher, dass sich einerseits das Wetter spürbar verschlechterte und andererseits ein relativ starker Bergwind wehte (später Nachmittag). Wir legten uns noch in der Dämmerung in den Windschatten des Zeltes und schliefen beide rasch ein.

 

Día 4: Campamento Los Perros ca. 665m ü. M. – Paso John Gardener 1241m ü. M. – Refugio Grey 50m ü. M.

22 Km Distanz – 7.5h unterwegs (7:30 – 15.00) – ca. 600 Hm ↑, 1200↓ Hm

[21.03.2013] Für den heutigen Tag waren die Ziele hoch gesteckt – aufsteigen, den Paso John Gardener überwinden, absteigen, ein Camp überspringen und nicht zu vergessen, 22 Km zu wandern – doch wir nahmen diese Herausforderung gerne an. Der Schlüssel zum Erfolg war wohl früh aufstehen – und das taten wir dann auch. Um 5:15 montierten wir die Stirnlampen, packten und stärkten uns mit einer gesunden Portion Pulver-Milch & Schoggi-Müesli, bevor wir kurz vor 7:30 noch im Dunkeln in den Aufstieg direkt über dem Camp gingen.

Das Gelände erwies sich erstmals als nicht einfach. Über hohe Stufen und Wurzeln, unter umgefallenen Bäumstämmen hindurch und einmal mehr durch Sümpfe ging’s anfangs nur beschwerlich voran – doch die Abwechslung kam gelegen, die Kraftreserven noch gut. Bald waren die Stirnlampen überflüssig und von einer Lichtung aus konnten wir am Horizont pinkige Wolken eingehüllt in eine dunkle Wolkendecke und den tiefgrünen Wald unter uns geniessen- ein neuer Tag begann! Die wiederkehrenden tiefen Sumpfgebiete wollten kein Ende nehmen – einmal konnte sich Räphu in letzter Sekunde vor dem vollständigen Versinken des Bergschuhs in der schlammig-stinkenden Erdmasse retten – wieder einmal mehr bot ihm ein stämmiger Nothofagus-Baum mit stabilen Ästen Hilfe an.

Nachdem wir den Wald verlassen hatten, passierten wir ein Geröllfeld mit abwechslungsweise kleinen Waldabschnitten – hier bliess uns erstmals ein heftiger Wind um die Ohren, das Wetter schien sich eher zu verschlechtern. Doch wir hörten noch immer die Worte des Rangers vom Vorabend in unseren Ohren: “ No, mañana no lluvia!“ Deshalb marschierten wir auch ohne Befürchtungen weiter, er war ja hier zu Hause, und nicht wir. Trotzdem waren wir zügig unterwegs, völlig in unserem Element und kamen somit gut voran. Nach einer Stunde machten wir im Schutz des letzten Waldabschnittes vor dem Pass Halt für eine Verpflegungspause. Einschüchternd dunkel war es über uns geworden, so richtig Tag wollte es heute nicht werden. Mit ehrgeizigen Schritten stiegen wir in eine steilere, steinige Passage mit grossen Felsblöcken, um welche der Pfad – markiert mit orange angemalten Steinen – führte. Auch wenn in diesem Abschnitt die Route ziemlich weglos ist, verirrt man sich nicht, wenn man stets den farbigen Steinen folgt. Schon seit einiger Zeit tropfte es und just in dem Moment, als wir uns entschieden, Regenjacke und Rucksackhülle zu montieren, wurden wir von einer ersten heftigen Sturmböe überrascht und wir warteten kniend über unsere Rucksäcken gebeugt auf Besserung – dies war wohl die Begrüssung der hiesigen Berggötter. Ab jetzt ging’s mit kleinen, sicheren Schritten vorwärts, da man sich auf einem Bein stehend die nächste Felsstufe anstrebend nie sicher sein konnte, wann man von der nächsten Böe hinderrücks angegriffen wurde. Phasenweise bliess uns nur ein starker Wind entgegen, dann wurden wir wieder alle 10m gezwungen, nieder zu knien und abzuwarten. Obwohl dieser Pass genau für diese Wetterbedingungen berüchtigt ist, war es doch eindrücklich, diese unbarmherzige, raue Naturgewalt am eigenen Leibe zu erfahren. Doch statt Angst blieb es für uns beim grossen Respekt – und ein bisschen Abenteuergeist kam nun in uns auf. Deutlich schneller als erwartet kamen wir voran und der Pass war bald in Sichtweite. Gerade auf den letzten Metern mussten wir uns gegenüber den Berggöttern nochmals behaupten und uns mit vollem Gefühl gegen oder mit den Windböen bewegen. Dann waren wir am heutigen Höhepunkt angekommen: Paso John Gardener – 1241m. ü. M. An ein „Pass-Foto“ wäre nicht zu denken gewesen, die rund 1kg schwere Kamera hätte es uns im Nu weggeblasen. =) In dieser lebensfeindlichen Umgebung ohne sichtbare Vegetation erblickten wir beim Abstieg 3 hühnerartige Vögel, welche sich geduckt vorsichtig am Boden entlang bewegten – ein Flugversuch hätte sie wohl an die nächste Felswand geklatscht.

Der Regen wurde nun stärker, noch immer begleitet von starkem Wind. Mit dem Erfolgserlebnis im Kopf, gutem Vorankommen und dem Wissen, dass wir heute die ersten auf dem Pass waren, ging der Abstieg wie von selbst. Vom Paso John Gardener hätte man bei gutem Wetter einen traumhaften Ausblick. Erst jetzt beim Absteigen nahm unmittelbar im Westen des Weges im dichten Nebel jemand Gestalt an – der gewaltige Glaciar Grey, sichtbar durch seine einzigartige Struktur, gemalt durch die dunklen Steine, abgebrochen aus dem geologisch instabilen, darüberliegenden Gebiet. Vom ungeschützten Geröllfeld führte uns der Weg wieder in den Wald, wo wir uns etwas Schutz vor dem Regen und Wind erhofften. Nun ging’s steil bergab über tiefe Wurzelstufen, an Bäumen am Wegrand festhaltend. Nach einiger Zeit kamen uns die beiden ersten Mitstreitter entgegen – wir wollten wissen, wie weit es noch bis zum Camp Paso war und sie natürlich, wie wir den Pass überwunden hatten. Wir redeten einander gut zu und verabschiedeten uns mit „Good luck!“. Überraschend frühzeitig erreichten wir das Camp Paso nach 4.5h wandern mit kurzen energietankenden Pausen alle Stunde. Im Shelter, dem windgeschützten Unterstand zum Kochen hängten wir kurz unsere Regenjacken an die Wäscheleine und liessen unsere weich gewordenen Beine ausruhen. Da wir noch guten Mutes waren und zeitmässig gut im Plan, war für uns klar, dass wir das nächste Camp zum Übernachten anstrebten.

Nochmals verloren wir an Höhe, immer noch in recht dichtem Wald unterwegs. Das Blätterdach bot zwar kurzfristig Schutz vor dem Regen, doch bei jeder durch die Baumkronen rauschende Windböhe erwischten uns immer wieder giesskannenartige Ergüsse. Doch nass waren wir ohnehin längst, ohne dass die Regenkleidung nachgegeben hätte. Nur Räphu’s Schuhe hatten wohl morgens im Schlamm ihren Schaden genommen und waren nicht mehr dicht.Nachdem wir den Wald verlassen hatten führte der Weg weiter in südlicher Richtung auf einem schmalem Pfad, mal steil ansteigend um dann hinter der nächsten Kurve wieder abzugsteigen. Zwei tiefe V-Täler waren nur mit montierten, nicht Schweiz-konformen Leitern, jede ca. 20 tief, zu bezwingen. Dass sich nur eine Person auf der Leiter befinden durfte, war für uns auch nicht gerade vertrauenswürdig. Mit vorsichtigen Schritten, geduckt und gefasst für die nächste Windböe konnten wir ohne Probleme ab- und wieder aufsteigen. Erstmals dachten wir an die Irländer-Wandergruppe, welche sich hinter uns befanden und diese Passage früher oder später auch noch in Angriff nehmen mussten…

Über einen recht steil abfallenden Wildbach führte eine Nepalbrücke, welche wir dank stabilem Eindruck geniessen konnten. Seit dem Verlassen des Waldes war der schmale Pfad meist sehr ausgesetzt und vor allem mit den unberechenbaren Sturmböen musste man stets gefasst und sicher unterwegs sein. Doch dicht hintereinander gehend bewältigen wir auch diese Wegstrecke gut. Auf dieser Etappe begleitete uns der Glaciar Grey stets im Westen, aus der Nähe konnten wir immer wieder ein paar eindrückliche Blicke erhaschen. Vom Ex-Campamento Los Guardas ging’s ziemlich flach und erneut im Wald bis zum Refugio Grey. Unterwegs hatten wir uns zuvor für eine Erholungspause mit den Rucksäcken unter einen Felsen gedrängt und kurz danach bemerkt, wie nass wir eigentlich waren und dass uns schnell eine unangenehmen Kälte bis auf die Knochen überkam. Beim zügigen Weiterwandern heckten wir den Plan aus, dass wir mal im Refugio nach freien Plätzen nachfragen könnten, damit wir unsere Kleider & Schuhe über Nacht trocknen lassen konnten und zudem nicht eine regnerische und windige Nacht im prekären Zelt riskieren mussten.

Nach unglaublichen 7.5h wandern (nach Plan hatten wir 11h eingerechnet) erreichten wir das Campamento & Refugio Grey. Und sie hatten sogar noch freie Zimmer dank der angebrochenen Nebensaison. So kamen wir dann mit den beiden Guides der Iren-Wandergruppe in einem 4er-Schlag unter. Im rustikalen, sehr gemütlichen Refugio genossen wir in vollen Zügen eine warme Dusche, Café, trockene Kleider, die Wärme des Cheminées. Wir hatten nur einen Schlafplatz bezahlt und deshalb mussten wir später – der Regen & starke Wind hatte aufgehört – wieder nach draussen unter einen Baum, um dort im Windschatten den Gaskocher anzuwerfen und das Garden Vegetable Risotto zuzubereiten. Ein Bier gab’s dann zum Apéro auch noch! Zurück im Refugio quatschten wir mit anderen Mitleidenden am Cheminée, jeder hielt im Kreis irgend ein Kleidungsstück oder Schuh an den heissen Ofen – zunehmend bekamen auch die Gesichter rote Wangen.

Höchst zufrieden mit dem heutigen Tag legten wir uns in die trockenen Penntüten auf trockener Matraze  mit einem dichten Dach über dem Kopf – zumindest diese Nacht mussten wir keine Sorgen haben wegen der drohenden Nässe.

 

Día 5: Campamento Grey 50m ü. M. – Campamento Paine Grande 40m ü. M. – Campamento Italiano 170m ü.M.

19 Km Distanz – 7h unterwegs (8:45 – 18.00) – ca. 590Hm ↑, 490↓ Hm

[22.03.2013] Nach dem stürmischen Vortag waren wir am Morgen um ca. 07.00Uhr beim Aufstehen gespannt wie die nach hinten gezogene Schnurr des Pfeilbogens, wie das Wetter des erwachenden Tages aussehen würde. Gemäss den letzten über Funk eingeholten Informationen des Refugio Grey würden nämlich die zwei nun folgenden Tagen für uns das selbe Schicksal voraussagen wie der Vergangene. Nun, erinnern wir uns an das obige Sprichwort? Do not ask about the weather, we are in Patagonia…

Die Spannung wich der Gelassenheit.. Einerseits bedingt dadurch, dass wir auch im nächsten Campamento (Paine Grande) im Trockenen unterkommen könnten, wenn es denn so schlimm wäre und andererseits weil die Wolkendecke nach dem Besuch des Miradors aufriss und das erste mal seit nun rund 35 Stunden blauen Himmel zeigte.

Nach dem Ausblick vom Mirador Grey, woher wir den wunderbaren Glaciar Grey, durch 2 Nunataks getrennt, dreifach in den Lago Grey kalbert, betrachteten, liefen wir zurück zum Refugio Grey und begaben uns mit unserem Gepäck auf den Weg (nun befanden wir uns im W-Trek). Die 11 folgenden Kilometer zum Campamento Paine Grande waren zwar mit immer wieder schönen Ausblicken zurück auf den Glacier Grey versehen, allerdings vermochten wir uns auf Grund unserer Müdigkeit bedingt durch den Vortag nicht so recht motivieren. Das ewige auf und ab war zudem etwas kräftezerrend und der Weg vermochte uns nach dem gestrigen Spektakel auch nicht so recht aufmuntern. Trotzdem erreichten wir nach kräfteraubenden 3.5h die Wiese vor dem Campamento y Refugio Paine Grande. Dort gönnten wir uns eine Coca Cola vom kleinen Shop und lagen knapp 2 Stunden bei warmer Sonne in der Wiese. Weil das Wetter wider erwarten schön war, planten wir bereits früh, das Campamento Paine Grande zu überspringen und direkt ins Campamento Italiano in der Mündung des Tales Valle Francés aufzusteigen.

Das Valle Francés ist eines von 3 sich gegen Norden in das Torres del Paine Massiv einschneidende Tal, das einen vertieften Einblick auf oder in das Gebirge offenbart. Das Tal ist geprägt von dem im Westen sich befindende Cumbre Principal, der mit seinem durch mehrere Eisspitzen geprägten Gipfel eine Höhe von 3050m erreicht und damit der höchste Berg des Torres del Paine Nationalparks ist. Mindestens so imposant ist seine Südostwand, die geschätzte 2000m in den Himmel ragt und die in mehreren Stufen riesige Eisabbrüche aufweist, die im Minutentakt Eis- und Schneelawinen ins Tal donnern lässt.

Nach dem „Mittagsschlaf“ liefen wir dann etwas nach 15.00Uhr los und begaben uns auf den malerischen Weg, noch knapp 8 Km standen auf dem Programm. Der Weg dorthin offenbarte wunderbare Ausblicke auf den Lago Nordenskjöld, führte entlang des Lago Skottsberg, dreht somit gegen Nordosten. In genau dieser Richtung zeigten sich danach die imposanten Steinschichtungen der Berge um den Gipfel Cuerno Principal,  die eines der berühmten Bilder des Nationalparks wiedergeben. Wir benannten die Berge im geologischen Sinne „Zwei-Schicht-Bergsysteme“. Wir tauften sie so, weil hiermit ein Jahrtausende andauernder geologischer Prozess (bereits im Bericht Fitz Roy beschrieben) in aller Ruhe betrachtet werden kann: Die Berge bestehen aus einer dunklen, noch mächtigen Auflage aus „altem“ Sedimentgestein der aufgeschobenen Südamerikanischen Kontinentalplatte; unten das aufgewölbt oder helle (jüngere) Gestein entstanden aus Diaphir(en) oder aus der subduzierenden Nazcaplatte selbst (Granit).

Nach dem dunkelblau-schwarz schimmernden Lago Skottsberg erreichten wir wiederum dichten Nothofaguswald und den rauschenden Rio del Francés, den wir über eine lotternde Brücke passierten und direkt ziemlich genau um 18.00Uhr im Campamento Italiano ankamen. Wir planten die Ankunft absichtlich spät, weil dieses Campamento wiederum ein eher feuchter und kalter Ort darstellt und wir dadurch nur noch zügig, Zelt aufbauen, kochen, essen, waschen und danach schlafen gehen konnten.

 

Día 6: Campamento Italiano – Valle del Francés – Campamento Los Cuernos

17.5 Km Distanz – 6h unterwegs (Valle del Francés 10.00 – 14.00, 15.15 – 17.00) – ca. 1130Hm ↑, 1130↓ Hm

[23.03.2013] Die ganze Nacht hatte es leicht geregnet – wir waren deshalb stets bemüht, im ohnehin sehr knapp bemessenen Zelt nie das Aussenzelt zu berühren. Dennoch hatte eine Ecke geleckt und die Mätteli waren auf der Unterseite nass geworden – alles andere inklusive wir waren jedoch trocken geblieben.

Unbeschwert im wahrsten Sinne des Wortes (nur mit dem Halbtagesausflugsrucksack am Rücken) ging es das Valle del Francés hinauf. Nach dem Camp verliessen wir den Wald und gelangten auf eine grosse, bereits bewaldete Seitenmoräne. Deren hat es ein paar, die sich lateral zum heutigen Gletscherstand des Glaciar Francés aneinander reihen. Bereits nachts waren wir wiederholt aufgewacht wegem dem Donnern über uns – bei guter Weitsicht hatten wir nun noch die Live-Bilder dazu. Vom fast senkrecht abfallenden Glaciar del Francés konnten wir Schneelawinen sowie Gletscherabbrüche beobachten, welche senkrecht in die Tiefe stürzten und beim Aufprall im Tal das Donnern verursachte – immer wieder blieben wir stehen, um den Ursprung des Donnerns auszumachen – ein eindrückliches Naturschauspiel wurde uns geboten und verkürzte den ohnehin lockeren Aufstieg ins Tal.

Das Tal öffnet sich je höher man gelangt und die Steigung des anfänglichen Weges nimmt mit zunehmender Distanz ab. Oben stiegen wir nur noch geringfügig entlang des rauschenden Baches und passierten das improvisierte Campamento Británico, dass nur für Bergsteiger benutzt werden darf. Hier in Chile bedarf es einer Genehmigung zur Besteigung von Bergen (gilt sicher für Torres del Paine). Etwa einen Kilometer nach dem Camp stieg der Weg in der östlichen Talwand steil empor, nach gut einer weiteren halben Stunde erreichten wir dann den Mirador Británico, den höchsten Punkt auf rund 1400m ü.M. des heutigen Tages.

Wieder zurück im Camp, nach dem Zusammenpacken und einem verzweifelten Versuch, unsere Mätteli & vor allem auch das stark in Mitleidenschaft gezogene Zelt über einen quer gestellten Baum gelegt zu trocknen, dies nur mit mässigem Erfolg, machten wir uns auf den kurzen Weg zum nächsten Camp.

Der Weg verlief eher unspektakulär am nördlichen Ufer des Lago Nordernskjöld entlang mit gewohntem und einmal mehr nervraubenden kurzen auf- und ab. Kurz vor dem Ziel führte uns der Weg direkt ans Ufer des Sees – an eine kleine idyllische Bucht mit Kieselsteinstrand – schwarze und weisse Steine, ein Abbild des Zwei-Schicht-Bergsystems, schwarzer Fels und weisser Granit. Im Campamento Los Cuernos mieteten wir kurzerhand ein Zelt – bereits auf einem Stelzenboden im Wald aufgestellt und waterproofed (!), wie uns der Junge im Camp versicherte. Dies bescherte uns etwas mehr Zeit, unser Zelt für die letzte Nacht draussen ohne solche Vorzüge wieder in Schwung zu bringen und vor allem ohne dass uns die Lust an unserer Trekking-Runde verging.

Nach einer Dusche gönnten wir uns im Refugio einen Pisco Sour – es gab nämlich was zu feiern – die 100 Km-Marke hatten wir heute überschritten! Auch ohne Grund hätten wir dies hier wahrscheinlich getan.. =) Noch bevor unsere Gläser leer waren, spendierten uns die beiden spanischen Mitstreitter ein Glas Rotwein – wir dachten schon, dass sie uns wahrscheinlich für den morgigen Tag ausbremsen wollten, gegessen hatten wir ja schon länger nicht mehr. Irgendwann stürzten wir uns dann wieder in die Dunkelheit und bereiteten unsere Mahlzeit vor: das Garden Vegetable Risotto schmeckte köstlich und das Essen tat gut!

Ohne Sorgen schlüpften wir in das riesige Iglu-Zelt mit 50 cm (!) Freiraum auf der einen Seite – in unserem Zelt mussten die Mätteli am Fussende gekreuzt werden und für die Rucksäcke war eigentlich kein Platz, gerade sitzen war ebenfalls nicht möglich. Wir schliefen gut und tief – abgesehen von einem dezenten knistern im Vorzelt wurden wir nachts nicht gestört. Am Morgen war dann der Schaden ersichtlich: ein Getier hatte sich dem angebrochenen Mais-Chipssack angenommen…

 

Día 7: Campamento Los Cuernos – Campamento Torres – Mirador las Torres (868m ü.M.)

24 Km Distanz – 7.5h unterwegs (Los Cuernos 08.30 – Campamento Torres 15.00, 17.00 – 19.00 Mirador las Torres) – ca. 1070Hm ↑,  500↓ Hm

[24.03.2013] Relativ früh starteten wir im Campamento Los Cuernos und liefen unter kleinen Regentropfen los. Alles war feucht, die Wolken zogen aus dem im Rücken liegende Valle del Francés, immer noch hörten wir das gelegentliche Donnern des abbrechenden Glaciar Francés. Stetiger Schritte führt der Weg hoch auf eine Anhöhe wo er dann im auf und ab entlang der Cuernos del Paine (Zwei-Schichten-Berge) und das Valle Bader begleitend und mit immer währendem Ausblick auf den grossen Lago Nordernskjöld sich gegen Westen schlängelt. Bereits auf halbem Weg ist Einblick in das Valle Ascencio gegeben. Wir machten den nächsten und letzten Übernachtungsort vom Wetter abhängig. Alternativen hatten wir ja genug: wir konnten unten im Flachen im Campamento las Torres übernachten, wir konnten ins Tal aufsteigen und im ersten, etwas tiefer gelegenen Campamento Chileno übernachten oder bis zum hintersten Campamento Torres auf rund 6oom ü.M. stiegen, wenn das Wetter sich verbessern würde.

Angekommen auf einer Anhöhe sahen wir von Weitem das grosse Hotel Las Torres und im Nordosten in das neblige und wohl regnerische Tal hinauf. Wir entschieden uns zum Hotel Las Torres zu laufen (ca. 2Km), weil wir nicht sicher waren, ob unsere Gas-Reserven ausreichen würden. Das Valle Ascencio hat seinen Reiz wegen der wohl berühmtesten Torres des Nationalparks: Torre Sur, Torre Central und Torre Norte. Nur selten zeigen sich die Türme. Bei stetiger Betrachtung des Valle Ascencio, in welchem sich diese Torres befinden, entstand nicht gerade Zuversicht..

Nach einer Cola und einem Brötchen (dieses genossen wir sehr!) entschieden wir uns trotz des sich nicht bessernden Wetters aufzusteigen. Der Weg dreht wieder zurück und steigt dann ziemlich steil direkt der westlichen Talflanke empor. Schnell gewannen wir an Höhe, der eiskalte Westwind verstummte, als wir ins Teil einbogen. Der Schleier im oberen Bereich des Tales schien sich etwas in die Höhe verschoben zu haben. Bald waren wir im Campamento Chileno angekommen. Unser Zeitplan, dem wir nun mindestens 1.5h im Voraus waren stimmte uns so positiv. Eine 3/4-Stunde später erreichten wir das durch den Wind gepeitschte Campamento Torres. Der Wind war indes nicht so schlimm, weil der dichte Wald ihn etwas im Zaum hielt. Zudem kam uns zu Gute, dass der starke Bergwind die Wolken und die Feuchtigkeit regelrecht wegfegte.

So kam es, dass wir uns gegen 17:30Uhr, nach dem Aufbau des Zeltes, im steilen und sehr felsigen Aufstieg zum Mirador Base Torres befanden. Der Aufstieg führt über rund 300Hm über riesige Granitfelsen empor, den Torres entgegen. Von unten hatten wir das langsam entstehende Blau am Himmel beobachtet und wussten, dass es gut kommen würde. Plötzlich standen wir völlig überwältigt vor dieser unvergesslichen Szenerie.

die stark abschmelzenden Gletscher, hier nur noch anhand eines kümmerlichen Rests ersichtlich, werden auch hier in naher Zukunft abgeschmolzen sein. Folge: kein konstanter Wasserlauf mehr, saisonale Trockenheit und viele Auswirkungen auf Flora und Fauna...

Nicht zuletzt wegen solchen Bildern gehen alle Anstrengungen, die Blase an der Ferse, die anderen Wehwehchen an der Hüfte und an den Knien sofort vergessen – die Szene ist anmutend und fabelhaft, wie wenn sich in einem packenden Film das Blatt so wendet, so wie man sich den Ausgang nie vorgestellt hätte. Wir genossen eine ganze Weile lang, auch wenn die Windböen wiederum fast vergleichsweise zum Paso John Gardner waren und diese uns langsam einfrieren liessen.

Zurück im Camp schlüpften wir nach heissem Tee, Tomatensuppe, Garden Vegetable Risotto und einem Gläschen Vino tinto das letzte Mal in unsere Penntüten im Zelt direkt unterhalb der Torres del Paine – der Wind liess den Wald die ganze Nacht stürmisch aufrauschen.

 

Día 8: Campamento Torres – Refugio Las Torres

7 Km Distanz – 3h unterwegs (9:45 – 13:00) – ca. 150Hm ↑, 600↓ Hm

[25.03.2013] Nach einer rauschenden und unbequemen Nacht (ziehender Schmerz in Rücken, Hüfte & Beine, eingepfercht im kleinen Zelt) streckten wir erst um 8:00 die Köpfe aus dem Zelt – und da fing es auch gleich zu regnen an. Für heute hatten wir keine Höger & Aussichtspunkte mehr auf dem Wanderprogramm, wir beabsichtigten nur noch heil runter zu kommen, zufrieden mit dem Erlebten & Gesehenen! Im windgeschützten Unterstand beim Kochen erzählten die anderen, dass sich die Türme beim Sonnenaufgang kurz 5 Minuten gezeigt hatten, bevor sie wieder hinter Nebelschwaden auf unbestimmte Zeit verschwanden.

Kurz vor 10:00 war alles eingepackt, Zelt, Mätteli & Schlafsack am Rucksack fixiert, Schuhe nochmals fest zugebunden und wir machten uns an den letzten Abstieg. Die letzten Tage war alles irgendwie leichter gegangen… Während drei Stunden schlenderten wir das Valle Ascencio hinunter, alle Stunde gab’s weiterhin Pause – die Petit Beurre mit einer gesunden Portion Nutella schmeckten fein. Unterwegs konnten wir aus guter Distanz zwei Kondore am Boden beobachten, einer segelnd davonfliegend – riesig diese Raubvögel!

Nach einem erneuten auf-und-ab-Parcours und steilem Abstieg kamen wir irgendwann auf der Fläche unten an, auf der Höhe des Lago Nordernskjöld, von dort ging’s nochmals 2 Km gerade aus bis zum Refugio Las Torres. Unsere Nase hatte uns dorthin geführt wegen grosser Lust auf Café…und tatsächlich wurden wir da fündig! Im Refugio Las Torres trafen wir ebenfalls eine Hütte mit warmer Atmosphäre zum Verweilen an – wir waren quasi die einzigsten, da die Trekker wohl alle draussen unterwegs waren.

Um 14.00 fuhr uns ein alter, abgefahrener Bus die kurvige, auf- und absteigende Staubpiste zum Parkeingang Laguna Amarga, wo unser Bus um 14.30 nach Puerto Natales zurückfuhr.

 

Fazit

Hinsichtlich unserer Vorbereitung des Treks ist alles super aufgegangen. Wir hatten genug und angepasste Kleidung dabei, genügend zu essen, die Marschroute stets im Griff und die Tagesetappen flexibel unserer körperlicher Verfassung und der Witterung angepasst. Rückblickend würden wir ab Tag 5 im Laden des Campamento Grey weitere Verpflegung einkaufen, da dieses Camp sicher durchwegs zuverlässig über den Fährweg mit Waren versorgt wird. Damit hätten wir überflüssiges Gewicht sparen können. Daneben würden wir heute mehr Vorsicht walten lassen bei der Auswahl des Zeltes oder besser noch, ein eigenes von zu Hause mitbringen, um böse Überraschungen vorzubeugen. Sicherlich lohnt es sich eher im Schultermonat März zu trekken, da der Nationalpark im Januar und Februar weitaus am meisten besucht wird, auch wenn man hinsichtlich des Wetters mit Einbussen rechnen muss.

Der Circuite Grande ist für uns eine unvergessliche Erfahrung, die wir nicht missen möchten. Mit Leib und Seele erfuhren wir das patagonische Wetter, wie wir es zuvor noch nicht erlebt hatten. Die Länge des Trekkings bedurfte ein nachhaltiger Umgang mit unseren verfügbaren (Kraft-) Ressourcen. Ebenfalls eine gute Gelegenheit, uns verschiedentlich in Geduld, Zuversicht und positivem Denken zu üben – wofür wir in unserer „Natur“ beinahe kein Verständnis mehr haben. Sehr genossen haben wir insbesondere die Einsamkeit, die meist unbelassene Natur und die schön gelegenen Campamentos. Unglaublich dankbar sind wir für die uns gebotene Möglichkeit, diese Erfahrung gemacht zu haben.

 

Map

Der GPS Logger hat eine Aufzeichnungsfrequenz (Logintervall)  von 130s., daher wird alle 2 Minuten und 10 Sekunden ein GPS Signal aufgezeichnet. Durch die Aufsumimerung der Wegdistanz ist davon auszugehen, dass die Wegdistanz, die wir im Bericht den Kartenwerken (Parque National TORRES DEL PAINE & der einzig offiziellen Landkarte TORRES DEL PAINE, Topomap 1:80’000 ISBN 978-1-879568-35-8) entnommen haben in der Realität etwas grösser ausfallen würde. Logger schien nicht überall gute Verbindung zu den Satelliten aufbauen zu können, deswegen fehlen die Aufzeichnung der Koordinaten ‚John Gardener Pass‘ (vielleicht topografisch bedingt), nahe des Glaciar Grey und Campamento Grey (vielleicht wetterbedingt) und Nahe des Campamento Italiano (ebenfalls Wetter).

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3 Kommentare

  1. Ganz toll – ist super interessant….. Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen und so soll es auch sein.

    Lg Ruth

  2. schön he! frohi osterä & aues guätä witterhin uf öirä reis!!! glg

  3. ganz einfach toll…Bericht und Fotos. Weiter so.

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