das antike Kambuja – បុរាណខ្មែរអង្គរវត្ត

Gepostet am Feb 17, 2014 in Alle Berichte, Asien, Geschichten sind Speisen für's Ohr.., Kambodscha | Keine Kommentare

das antike Kambuja – បុរាណខ្មែរអង្គរវត្ត

Angkor – die antike Khmer-Stätte im Dschungel Kambodschas

[08. Februar 2014 – 17. Februar 2014]

Tagelang sind wir auf zwei Rädern durch den kambodschanischen Wald gefahren, haben steile Tempel erklungen, geschwitzt, erkundet und begutachtet. Bereits zum zweiten Mal haben wir nun die wohl bedeutendste und meistbesuchte archäologische Stätte Südostasiens, neben Bagan in Burma wohl die erhabensten aller Bauwerke besucht. Die im vor-mittelalterlichen Zeitraum unter immensen Aufwendungen und einer unvergleichbaren Detailtreuheit gebauten Städte, mit unvergleichbaren Steinreliefs, mystischen Darstellungen von Königen, Geistlichen, Götter und Religionen mitten im wuchernden Dschungel eines der heute ärmsten Länder Asiens: Angkor!

Angkor Wat

Angkor Wat

Wer Angkor nie besucht hat, der kann sich kaum vorstellen, welches Ausmass die Zivilisationen vor rund 1000 Jahren angenommen haben dürften. Und doch scheint bis heute weit weniger über diese Zivilisationen bekannt zu sein, als vergleichsweise etwa über die Völker Zentralamerikas (beispielsweise die Maya, Azteken oder die Teotihuacán und die Inkas in Südamerika). Ihnen allen gemeinsam ist, dass sie allesamt keine oder nur eine uneinheitliche Schriftsprache besassen und die Erforschung der Völker daher ein sehr schwieriges und aufwändiges Unterfangen darstellt. Ihnen auch gemeinsam ist, dass sie ihr ausgeprägtes Wissen und ihre ausserordentliche Kunst in bis heute sichtbare Bau- und Kunstwerke verewigten, dies auf unglaublich faszinierende Weise, die zum Nachdenken anspornt. Wie weit waren sie wirklich, diese Kulturen? Was oder wer brachte sie zum oftmals unmittelbaren Niedergang? Warum wurde nur wenig oder gar nichts überliefert, ja warum sind einzelne Kulturen gar abgetaucht, von der Landkarte verschwunden und deren Relikte erst hunderte von Jahren später wieder gefunden?

Bücher von Jared Diamond, wie „der Kollaps“ oder „Guns, Germs, and Steel“ mögen vielleicht zumindest teilweise Aufschluss darüber ergeben. Allerdings gibt es weder im Fall der Inka, noch jenem der mittelamerikanischen Kulturen (Maya, Azteken, Tolteken usf.) oder der Rau Mui auf den Osterinseln und eben auch nicht im „Fall“ der Khmer nur ansatzweise eine Theorie, die eine berechtigte, stimmige und nachvollziehbare Konstante aufweist und global vertreten wird.

Oft – und dies scheint für fast alle antiken Völker die nächstliegendste Theorie zu sein – haben sie im Überfluss gelebt. Die Blütezeiten führten jeweils zu erhöhtem Druck auf die Umwelt, die Gesellschaften expandierten auf der Suche nach Rohstoffen wie Wälder, Land zum Anbau, Frischwasser und Baumaterial aller Art. Der Bevölkerungsdruck und der Druck auf die Natur führten zu Expansion in andere Territorien, in Territorien anderer Völker hinein. Kriegerische Auseinandersetzung und unerbittliche Existenzängste und -kämpfe waren die Folge. Menschenkrankheiten innerhalb der Gesellschaften brachen aus: Armut, Seuchen, Flucht und extrem irrationaler Aberglaube (die Gesellschaften waren in jedem Fall übermässig religiös).

Leider ist man heute aber immer noch nicht im Stande die Gründe ganzheitlich zu entschlüsseln und was noch viel einprägsamer und erstaunlicher scheint, man ist immer noch nicht im Stande, die gleichen Fehler, die offenbar in allen Kulturen gemacht wurden, und die in jedem Fall zum UNTERGANG führten, nicht mehr zu machen.

 

Eine sagenumwobene Geschichte der antiken Khmerreiche

Die Königreiche um den Angkor Wat Tempel liegen nördlich des grössten Süsswassersees Südostasiens, dem Tonle Sap. In sicherer Distanz dazu – das Wasser dehnt sich nach der Regenzeit in seiner Fläche bis zu 700% aus – aber trotzdem nicht zu weit weg, um den See und die Wasserwege über den Tonle Sap Fluss und Mekong an die Küste zu nutzen, liessen sich verschiedenen Königreiche nieder, wovon der Tempel Angkor Wat nur ein zentral angelegter Tempel in einer Stadt von vielen war.

Unsere aufgezeichneten Erkundungstouren mit dem Bike und zu Fuss:

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Angkor ist damit nicht nur einfach Angkor Wat, es ist viel mehr und viel eindringlicher, erstaunlicher und einprägsamer. Mehr als 1000 Tempelbauten, religiöse Gebäude in den zentralen Stadtteilen, aber auch Gebäude mit infrastrukturellem Hintergrund wie etwa Spitäler in Angkor Thom wurden bis heute ausgegraben.

Man geht bisweilen davon aus, dass im Gebiet um die heutigen Ruinen Angkor Thom’s in der Blütezeit bis zu einer Million Khmer lebten und sich die Stadt unter dem König Jayavarman VII auf eine Fläche von rund 1000Km² erstreckte. Weil er offenbar an Lepra litt, erschuf sein Sohn und Nachfolger Jayavarman VIII die Terrassen des Lepra-Königs (terrasses of the leper king), eine der wohl auffälligsten und zugleich aber noch gut erhaltenen Darstellungen von religiösen und gesellschaftlichen Skulpturen aus der Zeit.

Das Baumaterial bestand zu einem grossen Teil aus Laterit- und Sandstein. Letzterer insbesondere auch weil er die Reliefs darstellt und der Laterit „nur“ als Basismaterial (Fundamente) verwendet wurde, ist in diesen Klimaten natürlich sehr anfällig auf Verwitterung. Trotzdem blieb auch nach fast 1000 Jahren einiges über, dass sich die gewaltige Natur nicht zurückgeholt hat.

Die Entwicklung zum „Angkor“ oder Kambuja, wie man das erste einheitliche Königreich im heutigen Gebiet Kambodscha, Thailand, Laos und Vietnam nannte, geht wohl auf den König Jayavarmann II zurück, der im zweiten Teil des 8. Jahrhunderts n.Chr. lebte und wohl südöstlich des heutigen Siem Reap herrschte. Die arechäologische Stätte ist heute als Bakong bekannt und wird wenig besucht, zumal sie etwas weiter entfernt zu überragenden Angkor Wat und Angkor Thom liegt.

In der Folge reihten sich einige Nachfolger an Jayavarmann II und bauten zentrale Tempelbauten, insbesondere Phnom Bakheng (Phnom = Berg), der fast gegenüber von Angkor Wat liegt. Insbesondere König Yasadharapura war massgeblich damit beschäftigt, das mittlerweile grösser gewordenen Königreich mit einer einheitlichen Stadt zu erschliessen.

Mit dem Bevölkerungswachstum, wuchs auch die Notwendigkeit, die zunehmende Bevölkerung zu versorgen. Neben Strasseninfrastruktur, wurden grosse Anbauflächen angelegt, König Yasovarman I liess das östliche Baray bauen, ein gewaltiges Wasserreservoir dessen Fläche 13.5Km2 einnimmt. Heute ist das „eastern baray“ trocken gelegt. Es gibt nur noch wenige Wasserseen darin. Nach mehreren weiteren Königen herrschte Jayavarman V, der nach nach langen Jahren des Krieges und der relativ raschen Abwechslung der Könige eine Blütezeit der Khmer einläutete.

Nach dem Tod Jayavarman V wurde das von der Tempelstadt Banteay Srei her regierte Khmerreich in Wirren und Tumulte gestürzt, weswegen sich die Regentschaft des öfteren ablösten bis Suryavarman an die Macht gelangte. Er regierte von 1002 bis 1049 n. Chr. Er wiederum dehnte das Khmerreich enorm gegen Westen und gegen Süden aus. Er liess, vor allem weil die Bevölkerung der Khmer ihren Zenit erreichte, das westliche Baray anlegen, welches eine Wasserfassung von über 40 Mio m3 für die künstliche Bewässerung gewährte.

1113 n. Chr. baute der König Suryavarman II in 37 Jahren den überragenden Tempel Angkor Wat, der dem Hindugott Vishnu gewidmet wurde. Suryavarman II dehnte das Khmerreich aus. Er stiess mit seinen Streitkräften nach der Überwindung der Mon-Königreiche (heutiges Thailand) bis an die Grenzen Bagans (heutiges Myanmar). Im Süden gelangten die Khmer bis auf die Malaiische Halbinsel und im Osten (heutiges Vietnam) bekämpften die Khmer die Cham (Provinzen der Champas). Die Khmer eroberten dabei nicht einfach im Stil eines Dschingis Khan, sie mussten auch einige empfindliche Niederlagen einstecken.

 

Offenbar ist der zwischenzeitliche Untergang des Khmerreichs unter den Nachfolgern Suryavarman II durch die Cham herbeigeführt, die in einer Schlacht auf dem Tonle Sap unter der Führung des Cham Königs Jaya Indravarman IV um 1177 n.Chr. die Khmer schlugen und die Städte plünderten.

Nachdem die Cham Angkor erobert hatten, zog sich ein Heeresführer namens Jayavarman VII in der Nähe von Preah Vihear (heutige Grenzstadt zwischen Nordkambodscha und Thailand) in den Tempel Preah Khan zurück. Er sammelte dort ein Heer zusammen und es gelang ihm das Gebiet um  Angkor und damit die vormalige Hauptstadt zurück zu erobern. 1181 bestieg er den Thron und kämpfte weitere 22 Jahre gegen die Cham.

Die Gesichter des Avalokiteshvara oder des Khmerkönigs Jayavarman VII auf dem Bayon Tempel in Angkor Thom.

Die Gesichter des Avalokiteshvara oder des Khmerkönigs Jayavarman VII auf dem Bayon Tempel in Angkor Thom.

Jayavarman VII ist wohl einer der bekanntesten Khmerherrscher. Er liess Angkor Thom bauen und sei ein Tyrann gewesen. Er ging vor allem in die Geschichte ein, weil Angkor Thom (=grosse Stadt) wohl die bemerkenswerteste Stadt in der antiken Khmergeschichte war und die Zeugen dieser Zeit es bis heute geblieben sind. Der zentrale Tempelbau Bayon ist der weitaus komplexeste Bau aus dem antiken Khmerreich. Seine Architektur unterscheidet sich von den Anderen, indem das Zentrum des Baus (meist eine Kapelle) rund und nicht eckig ist. Bayon besteht aus rund 200 in Sandsteinblöcke gemeisselte Gesichter, die bis zu 7 Meter hoch sind. Jedes Gesicht hat eine eigene Ausstrahlung, doch ist der Ausdruck nie böse.

 

 

Die Stadtmauern Angkor Thoms zeichnen ein Quadrat mit der Seitenlänge von 3 Kilometer. In jede Himmelsrichtung steht ein mächtiges Tor an dessen Spitze wiederum in jede Himmelsrichtung ein Gesicht des Avalokiteshvara in die Ferne schaut (South-, North-, West- and Eastgate). Die selben Gesichter wie sie in einer sagenhaften Anzahl von 200 auf dem Bayontempel in alle Himmelsrichtungen schauen, bewachen die zentrale Stadt Angkor Thom. Jayavarman VII führte den Buddhismus als Staatsreligion ein und war wohl der grösste Bauherr aller Regenten im antiken Kambuja. Er liess Ta Prohm, Preah Khan in Angkor, Neak Pean, Banteay Kdei, Ta Som, Ta Nei, Srah Srang, Angkor Thom, Bayon und die Elefantenterrassen bauen.

Während seiner Herrschaft nahm das Khmerreich seine grösste Ausdehnung an. Neben dem Sieg über die Erzfeinde Cham gelang ihm die Einnahme des ganzen heutigen Laos und ebenfalls der Verwaltung der burmesischen Königreiche Haripunjaya, Annam und Java im heutigen Myanmar.

 

Untergang des Khmerreichs

Nach Quellen aus den Gebieten der Cham im Osten ist zu entnehmen, dass sich die Khmer ab 1220 n.Chr., 2 Jahre nach dem Tod von Jayavarman VII,  aus den Chamgebieten zurückzogen. Auch in den nördlichen Thaigebieten liessen sich die Khmer zunehmend verdrängen. Es kam zu mehreren Abspaltungskriegen in den besetzten Gebieten. Die Brahmanen unterstützten einen Austand von Shiva-Anhänger gegen die Ausbreitung des Buddhismus, auch wenn sie in ihrem eigentlichen Vorhaben scheiterten, dürften sie den Khmer Schaden zugefügt haben.

Über die letzten Khmerherrscher ist wenig bekannt. Unter Shrindravarman (1295-1307 n.Chr.) entstand Kontakt mit einem Chinesischen Gesandten Zhou Daguan. Dank ihm ist einiges der Geschichte der Khmer übrhaupt in einer Schrift festgelegt worden.

Der Untergang im 14. Jahrhundert ist ebenso mystisch wie bis heute nicht erklärt. Die Frage stellt sich insofern verstärkt, weil solche Zeugen der Zeit, solche Mächte dieser Grösse und Ausdehnung des Reiches, dieses Ausmasses nicht einfach verschwinden, zumindest nicht aus dem Gedächtnis.

 

Verschiedene Quellen zum Untergang: 

Dürren im 13. und 14. Jahrhundert / Überbevölkerung /  Verlust der Wettbewerbsfähigkeit mit anderen Völker / politische und gesellschaftliche Zerwürfnisse / zu wenig Know How mit Bewässerung, Anbau und Fruchtfolge..

Und hier ein aktueller Dok von SRF: http://www.srf.ch/player/tv/dok/video/das-mysterium-von-angkor?id=65522ff8-d516-48ba-bf1c-f3eea930e868

 

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