Dem Vreneli durch’s Gärtli getrampelt

Gepostet am Jun 23, 2014 in Alle Berichte, Europa, Geschichten sind Speisen für's Ohr.., Glarus, Hochtour, Mountains, per pedes, Schweiz, Wandern kleiner T4 | Keine Kommentare

Dem Vreneli durch’s Gärtli getrampelt

Eine wunderbare Tour und Einstieg in den Hochtourensommer

Tour Datum: 21 Juni 2014
Tour-Schwierigkeit: T3+ – Alpinwandern / Hochtour: WS / Klettern: II (UIAA-Skala)
Auf- und Abstieg: 2080 m / 2080 m
Kartennummer: 1153 Klöntal (1:25’000) / map.geo.admin.ch
Strecke (Landkartenpunkte): Plätz 853 m, Bodenberg 870 m, Chäseren 1272 m, Wärben 1385 m, Glärnischhütte SAC 1990 m, Glärnischfirn 2500 m, Pkt 2860, Schwander Grat 2857 m, Glärnisch – Vrenelisgärtli 2904 m

Zufahrt mit SBB/Postauto: Amsoldingen-Thun-Zürich-Glarus-Klöntal Plätz

Seit nun rund zwei Jahren ist uns das Vrenelisgärtli ein Begriff. Was aber das Vreneli mit dem Gärtli und einem steilen Kalkmassiv zu tun hat, ausser das dessen östlichster Gipfel (der höheren Gipfel), der steil von Glarus hochragt, so heisst, das war uns bis gestern schleierhaft. So haben wir die Rucksäcke spät Abends nach einem „faux pas“ nach dem Klettersteig Allmenalp (ich habe meine Jacke beim Sportgeschäft Alpincenter Adelboden liegen lassen) trotzdem gepackt und sind am nächsten Morgen zu moderaten Zeiten mit dem geschätzten CH-ÖV aufgebrochen. Nach rund 3.5 Stunden hatten wir das schöne Klöntal gefunden. In engen Kurven fuhr uns das Postauto unter sporadischem, aber typischen Postautogehupe hoch auf die Ebene, wo sich der Klöntalsee befindet. Entlang des nördlichen Ufers gelangten wir so zur Endstation Klöntal Plätz, wo wir mit dem Hüttenzustieg begannen. Kaum eine Menschenseele trafen wir bis hin zur Hütte. Dies dürfte in der späteren Saison nicht der Fall sein, in fast keinem Fall vermutlich…

Die Sage um das Vreneli

Ein kühner Bursch aus Glarus nun, der gelockt von der Schilderung der Gemsjäger, die das schöne Mädchen von Ferne erblickt haben wollten, Tag und Nacht nicht zur Ruhe kommen konnte, machte sich eines Morgens auf, die grause Felsenburg zu erklimmen. Sie liebten sich vom ersten Blick an, und Vreneli verbarg ihn vor dem Auge des Vaters. Aber dieser witterte Unheil. Er flog zum Schein über die Berge, kehrte aber unvermutet wieder zurück und fand das Paar in zärtlichster Umschlingung.

Sein untilgbarer Hass gegen das Menschengeschlecht, das ihm seine Gemsen tötete, machte ihn unerbittlich. Er schleuderte den Burschen über die hohe Wand hinab und verwandelte sein schluchzendes Töchterlein in einen grauen Felsklotz. Und nur, so erzählt die Sage, wer in Liebe dreimal den richtigen Stein küsst, kann das schlafende Kind wieder zu Leben erwecken. Tausende von Steinen liegen auf dem Gärtli. Eis und Schnee hat der zürnende Vater darüber gegossen. Wer weiss, wie lang die Geschichte schon her ist!

(Die Sage ist der Speise- und Getränkekarte der Glärnischhütte entnommen.)

Glärnisch

Der Glärnisch ist ein ganzheitlich im Kanton Glarus sich befindender Gebirgszug, der sich von Glarus hoch übers Vrenelisgärtli (2903.9m) dem Schwandergrat entlang Richtung Westen zieht. Ein Gipfel (ohne Namen) auf dem Kartenmaterial Pkt 2860 genannt, ist der Zweigpunkt für die Auftrennung des Schawandergrats in einen westwärtsgerichteten Gratabschnitt via Ruchen (2901.1m), über den Inneren und Äusseren Fürbärg runter zum Näbelchäppeler ziehend. Der Schwandergrat zieht sich nach dem Pkt 2860 in west(süd)licher Richtung über den höchsten Punkt des Glärnisch (ohne Namen) Pkt 2915 weiter bis zum Bächistock (2914,3m), der im Westen des Massivs den höchsten Gifpel darstellt.

Bildschirmfoto 2014-06-23 um 20.51.12

In Glärnisch’s Zentrum bildet der Glärnischfirn das Herz und die ideale Zugangsunteralge auf alle diese Gipfel, vorausgesetzt man will nicht über die verschiedenen Grate auf die Berge des Glärnischs gelangen. Ursprünglich verfolgten wir das Ziel, zwei Nächte in der Glärnischhütte zu verbingen, dadurch die Glärnischgipfel Vrenelisgärtli, Ruchen und Bächistock zu besteigen. Weil wir aber umplanten und nur eine Nacht in der Glärnischhütte verbrachten, reichte es nur für das Vrenelisgärtli (Ruchen wäre zeitlich auch drinnen gelegen).

[20.06.2014] Beim Hüttenzustieg liessen wir uns nicht viel Zeit, zu gross war unsere Befürchtung, dass uns der Regen einholen würde. Dunkel, neblig und verhangen präsentierte sich uns die Landschaft im Rosmattertal. Auch der obere Wegteil nach der Alp Chäseren und der Alp Wärben, der steil über die Südflanken der Fürbärge hinauf zur Glärnischhütte führt, war nicht freundlicher. Nichts desto trotz ist die Blumenpracht zur Zeit ein richtiger Hingucker und die Hütte erreichten wir nach 3 Stunden um ca. 14:30 Uhr. Wir genossen das Hüttenleben, lasen in der Hüttenliteratur und wärmten uns am Chemineofen bei einem guten Kafi auf. Zumal die Hütte – zwar in Betracht des Wochentages und der Saison gut besetzt – nur zu einem geringen Teil besetzt war, hatten wir viel Platz und konnten ohne Lärm früh und genug schlafen.

Der Schwandergrat ist das eindeutige Merkmal des Glärnischmassivs. Punkt 2860 ist der abzukletternde Fels am Grat und im Hintergrund auf dem Fortlauf des Grats ist der Bächistock zu sehen. Rechts davon auf der anderen Gratscheitel ist der Ruchen (hier nicht sichtbar). Im Hintergrund sieht man den höchsten Glarner, der Tödi.

Der Schwandergrat ist das eindeutige Merkmal des Glärnischmassivs. Punkt 2860 ist der abzukletternde Fels am Grat und im Hintergrund auf dem Fortlauf des Grats ist der Bächistock zu sehen. Rechts davon auf der anderen Gratscheitel ist der Ruchen (hier nicht sichtbar). Im Hintergrund sieht man den höchsten Glarner, der Tödi.

 

[21.06.2014] 05:30 Uhr, exakt wie geplant, liefen wir bei der Hütte ab. Die Wettersituation hatte sich nur insofern gebessert, als das es nicht mehr regnete. Über den steilen und felsigen Bergweg ostwärts und über ein paar Schneefelder erreichten wir nach ca. 45 Minuten den Gletscher, der bis heute ganzheitlich zugeschneit ist. Schnell angeseilt waren wir die erste Seilschaft, die den Gletscher betrat. Zügig stiegen wir direkt (alles gerade aus) durch dichten Nebel hoch zum Punkt 2860 auf dem Schwandergrat. Bis dahin waren wir nicht aus dem Nebel gekommen, zudem stärkten die kalten Windböen mit zunehmender Höhe auf. Der Nebel war so dicht, dass wir ausser der Spur nichts sahen. Die Spur war sodann der einzige, wenn auch vage Hinweis, dass wir auf richtigem Wege waren.

Auf dem Punkt 2860 stiegen wir ohne Steigeisen (der Fels war aper) ziemlich rasch ab. Wir sahen den spektakulären Verbindungsgrat (Schwandergrat) zum Vrenelisgärtli nicht. Etwa 10 Minuten und ziemlich viel Vorsicht später standen wir auf dem Schwandergrat, der Abstieg ist nicht einfach, zumal der Fels leicht feucht war und trotz Ketten und Eisen die ganze Sache doch ziemlich exponiert ist (ca. 30m). Unten angelangt hiess es, die Steigeisen wieder zu montieren. Dies tut man in der frühen Saison besser, da der Grat aus Schnee besteht und dessen nördlicher Teil doch steil abfallend – später dagegen kann es hier aper, sprich auf Fels und Schotter zum Gifpelaufbau des Vrenelisgärtli gehen.

Wie aus dem Nichts riss sich der Himmel auf, der Nebel verzog sich und der wunderbare Verbindungsgrat war sichtbar. Mit Sonne im Gesicht und sich ständig gegen die eiskalten Windböen stemmend, meisterten wir den Grat genüsslich. Gegen den Gifpelaufbau steilt sich der Grat im Schnee und die Schlusspartie, drehend in die Aufstiegsroute des Guppengrats (T6), meisterten wir mit Seil und Steigeisen ziemlich schnell. Etwas unterkühlt aber überaus glücklich und erfreut erreichten wir den schönen Gipfel und erfreuten uns vor allem ob der wunderbaren Sicht auf die umliegende, faszinierende Gebirgslandschaft. Die nun freie Sicht garantierte uns einen Weitblick vom Berninamassiv im Südosten über den eher nahe gelegenen Tödi, den Clariden, das Windgällenmassiv und im Westen die hohen Berner Alpen wie insbesondere das Finsteraarhorn und den Mönch.

 

Spektakulärer Abstieg. Die ersten paar Meter geht es fast entlang des Gupengrats, man dreht dan aber frühzeitig auf den Schwandergrat. Die aufsteigende Seilschaft ist eine Bergführerseilschaft und erreicht den Gipfel in wenigen Minuten.

Spektakulärer Abstieg. Die ersten paar Meter geht es fast entlang des Gupengrats, man dreht dann aber frühzeitig auf den Schwandergrat. Die aufsteigende Seilschaft ist eine Bergführerseilschaft und erreicht den Gipfel in wenigen Minuten.

 

Zufrieden stiegen wir wieder ab, einige Seilschaften kamen uns noch entgegen, doch war es, wie sonst in der Saison wohl nicht, eine überaus ruhige Tour, wo wir kaum „gestört“ wurden durch andere Berggänger. Den Schwandergrat und den rund 30m höhen vertikalen Felsaufstieg zurück auf Punkt 2860 verliefen problemlos und wir stiegen nach einer kurzen Pause auf dem besagten Punkt (ohne Ruchen) direkt ab zur Hütte und nach einem genussvollen Möhlsaft (suure Moscht) direkt runter zum Ausgangspunkt Klöntal Plätz.

Wegdistanz, Höhenmeter & Zeitbudget

– Ca. 18 Km Klöntal – Vrenelisgärtli Gipfel
– Klöntal Plätz – Glärnischhütte 11Km (1140Hm Aufstieg) 3h 11:30-14:30
– Glärnischhütte SAC – Gifpel 6 Km (900Hm Aufstieg) 3h 05:30 – 08:30

Gesamtabstieg ab Gifpel: 2080Hm 4-5h (nicht mehr genau nachvollziehbar)

Geologie

Das Glarnerland ist klar geprägt vom Helvetikum. Das aus der „letzten“ Überschiebung herrührende Material besteht fast ausschliesslich aus Kalkstein und ist hinsichtlich Schichtung oft interessant (Siehe z.B. die Glarner Hauptüberschiebung >>).

Fazit

Der Glärnisch, wie das Massiv als ganzes heisst, hat uns trotz erst verhangenem Wetter willkommen geheissen und wir durften einen super Gipfeltag, auch wenn es sehr kalt war (Wind) geniessen. Das Vrenelisgärtli als Gipfel lohnt sich insbesondere in der Frühsaison, weil der Schwandergrat zugeschneit viel interessanter und auch fürs Auge schöner ist. Daneben dürfte man in den ersten Wochen, den ansonsten sehr hoch im Kurs liegende Berg, eher noch etwas einsamer begehen dürfen – eine super Tour und wir habens so richtig genossen!

 

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