Desierto de Atacama

Gepostet am Apr 11, 2013 in Alle Berichte, Chile, Geschichten sind Speisen für's Ohr.., Südamerika | 1 Kommentar

Desierto de Atacama

Desierto de Atacama

Etwas erkältet von der eisigen Pinguinexkursion in der Magellanstrasse kamen wir einen Tag später in Santiago am Flughafen an. Weiterer Irrtum bezüglich der Weiterreise in Patagonien: Wir dachten, in ca. einer 12-Stunden-Fahrt das zwischen Puerto Natales und Santiago de Chile gelegene Puerto Montt als Zwischenstopp zu erreichen – aber nein, in Chile führt keine Strasse der chilenischen Küste entlang, sondert die Weiterreise hätte über einen grossen Umweg in Argentinien nach Chile zurückgeführt. Wohl oder übel hatten wir gegen unsere Prinzipien das Flugzeug gegenüber einer 2-Tages-Odyssee vorgezogen.

In Santiago schlenderten wir 3 Tage durch die Quartiere Barrio Brasil, Santiago Centro und Bellavista und genossen in der fast 6-Mio Stadt etwas mehr Schlaf und Erholung. Durch die Ostertage bedingt, war es in der Stadt relativ ruhig, die Metro war bisweilen fast leer und leider waren auch viele Geschäfte und Restaurants geschlossen. Wir besuchten das sehr interessante und gut ausgestellte Museo de la memoria y los derechos humanos (klick). Die Ausstellung zeigt die erschreckende Verletzung der Menschenrechte und die hohe Zahl an „Verschwundenen“ unter Chile’s Militärregime zwischen 1973-1990, unter Diktator Pinochet †. 40 000 Opfer wurden gefoltert, gefangen gehalten und exekutiert. Die Machenschaften unter der Militärdiktatur Pinochets blieben lange Zeit im Verborgenen. Das eindrückliche Museum liess unser – bis dahin spärliches – Wissen über die jüngere Geschichte Chile’s etwas anwachsen.

Ein Besuch von Santiago de Chile lohnt sich, schon nur wegen den vielen gemütlichen Restaurants und dem an und für sich – trotz Grösse und Unübersicht – einladenden Flair der Stadt.

Ciao Santiago de Chile

Aussicht vom Cerro San Cristóbal (rund 300m über der Stadt gelegen).

Aussicht vom Cerro San Cristóbal (rund 300m über der Stadt gelegen). Die reale Grösse der Stadt ist nur bedingt auszumachen, zumal sie durch eine Smogglocke bedeckt der Sichtweite beraubt wird.

Nichts desto trotz, sind wir dann am 2.April 2013 mit Turnus die lange Reise nach San Pedro de Atacama gegangen – 23 Stunden waren vorgesehen…

Hola Atacama, hola San Pedro de Atacama

 

Die trockenste Wüste der Erde

Wenn man an Wüste denkt, so denkt man zu allererst an die Sahara in Nordafrika, die Wüste Gobi in Nordchina und der Mongolei oder an die grossen Wüstengebiete in Saudi-Arabien. Die Atacama-Wüste in Nordchile, wo wir uns zur Zeit befindet, ist aber mindestens einen Beitrag wert!

 

Die Atacama befindet sich in Nordchile und erstreckt sich über eine Fläche von bis zu 140’000Km² längs ca. über 6-8 Breitengraden von Norden nach Süden. Die Atacama ist die trockenste Wüste der Welt und beherbergt dadurch viele Weltraumteleskope. Das neueste, kürzlich eingeführte Radio-Teleskop der Welt  (ALMA) befindet sich nur einen Katzensprung östlich von San Pedro de Atacama auf rund 5000m ü.M. und besteht aus 66 Antennen. Man verspricht sich einen Einblick in das Weltall rund 100mal tiefer als bisher. Leider ist das Museum und die Führungen noch nicht für Touristen zugänglich (erst im 2014).

Die Atacama ist eine Küsten- und Nebelwüste deren Ursache der kalte von Süden herkommende Humboldtstrom im Westen und die hohen Andenkordilleren im Osten sind. Durch das kalte Wasser an der Oberfläche des Pazifiks entlang der Westküste Chiles wird die über dem Ozean sich befindende Luftmasse abgekühlt und die Luft kondensiert zu Nebel. Die Wolken (Nebel) sind aber so kühl, dass sie kaum weiter aufsteigen und damit eine stabil geschichtete Wetterlage bilden, die diesen oft langandauernden Küstennebel bedingen. In San Pedro und Umgebung, was sich im nördlichen Teil der Atacama befinden, gibt’s keinen Nebel. Die Temperaturen sind im Moment, also eher im Herbst in der Nacht zwischen 2 und -5 Grad und erreichen am Nachmittag ca. 30Grad. Die Luft ist extrem trocken, was sich in Form unseren ausgetrockneten Schleimhäuten und Haut äussert. Einige Wetterstationen in der Atacamawüste haben noch keinen einzigen Regentropfen gemessen. Alexander von Humboldt soll gesagt haben: „so nah am Wasser und so arm an Wasser..“.

Neben der durch Trockenheit stark konservierenden Eigenschaften, was für die Geschichte sehr interessant ist (Mumienfunde von Menschen, die vor über 7000 Jahren bestattet wurden) ist die Wüste ebenfalls wegen dem beachtlichen Klimaphänomen El Niño (das Christkind) das im Durchschnitt alle 7-8 Jahren entsteht bekannt. Dieses äussert sich in Form von Regenfällen über der Atacama, die dann zu einem grossen Teil gegen Weihnachten hin die Wüste ergrünen lässt. Bedingt wird das Phänomen durch das fast vollständige Aussetzen des Humboldtstroms. Durch die relativ hohen Wassertemperaturen entstehen dann Wolken, die auch ein hohes Regenpotential haben. El Niño hat weitgehende Auswirkungen auf der ganzen Welt, führt zu starker Trockenheit auf der anderen Seite des Pazifiks (Ostindonesien) und die ansonsten nährstoffreichen Gewässer an der Chilenischen Küste lassen manchen Fischer verarmen. Die genauen Ursachen und die weitreichenden Auswirkungen auf das globale Klima des El Niño-Phänomens sind immer noch Gegenstand der weltweiten Klimaforschung.

Geomorphologisch bietet sie ebenfalls fast alles: Sandwüste, Kieswüste, Salzwüste und Stein- und Felswüsten umfasst die Atacama auf relativ engem Raum. Aus diesen Gründen ist San Pedro de Atacama nicht nur als Zwischenhalt im Durchgang nach Bolivien sinnvoll, sondern einen längeren Halt wert. Die Erkundungstour in der Umgebung von San Pedro konnte losgehen…

Laguna Cejar – Ojos del Salar – Salar de Tebenquiche

Nahe von San Pedro befindet sich die Laguna Cejar in einem Senkloch. Eine Tiefe von 30m ist gesichert, eine deutlich tiefere Tiefe wird jedoch von Forschern vermutet. Das Spannende in der Lagune ist, dass sie eine Salzkonzentration von 5-28% aufweist und man wie im Toten Meer getragen wird. Schwimmen ist ein Ding der Unmöglichkeit, da die leichteren Extremitäten trotz Effort dagegen wie von einer unsichtbaren Kraft an die Wasseroberfläche gehoben werden. Beim Trocknen bleiben Salzkristalle auf der Hautoberfläche zurück, die beim Anziehen unangenehm kratzen. Die Abkühlung in der Nachmittagshitze der Atacama-Wüste  hat gut getan, das Wasser war ca. 20°.

In den Ojos del Salar – 2 tiefe Augen wie aus der Erdkruste ausgesägt, deren Tiefe unerforscht ist – dürfen wir in einem der beiden unsere unangenehme Salzkruste wieder abwaschen. Das Wasser ist zwar ebenfalls salzig – wir befinden uns ja schliesslich in einer Salzwüste – aber weist eine deutlich geringere Salzkonzentration auf.

Am Rande der Salar de Tebenquiche geniessen wir die Dämmerung und den lila-Sonnenuntergang bei einem Pisco Sour.

 

Valle de la Luna

Das Valle de la Luna (Tal des Mondes) haben wir am Nachmittag des zweiten Tages mit einem herzlichen und viel wissenden Guide besucht. Die Strasse führt uns nur unweit von San Pedro de Atacama in eine sehr hügelige Landschaft. Bestehend aus Sandstein, Kalkstein und viel Salzstein entstand in der westlichsten Andenkette, die die Atacamawüste durchdringt, die Cordillerenkette Cordillera Domeyko. Sie zieht sich parallel zur Andenhauptkette, die auf der östlichen Seite von San Pedro de Atacama verläuft und etwa 2 Duzend 5000er und 6000er Stratovulkane beherbergt.

Die Cordillera Domeyko ist geprägt durch ihre unwahrscheinliche Trockenheit und gehört zu den trockensten Gebirgen der Welt. Gerade eben dieser Fakt ist interessant! Den gegenteilig zu dem was man jetzt denken mag, ist ihre Geomorphologie (Gestalt der Oberfläche) primär durch Wasser geprägt. Dies ist mit der Tatsache zu erklären dass hier so wenig Niederschlag fällt, sind die Erosionsprozesse, die naturgemäss mehrheitlich mit Wasser einhergehen, hier auch Mangelware. Wenn es aber mal regnet, so ist dieser Prozess dann trotzdem prägend für diese erstaunliche Landschaft. Der Regen formt somit die wohl trockenste Gebirgskette der Welt – paradox aber wohl war.

Das Valle de la Luna ist denn auch gespickt mit wunderbaren und zum Teil auch seltsamen, aber für unsere Augen vielfach berauschende Gestaltungen in Form von Salz, Kalk, Sand und Fels. Dadurch dass der Guide uns viele Anekdoten näher bringen konnte, wurde dieser Ausflug mit dem Abschluss auf einem schönen Mirador, wo wir den magischen Sonnenuntergang genossen, zu einem der besten in San Pedro de Atacama.

 

Salar de Atacama, Lagunas Altiplanicas, Laguna Chaxa, Pueblo Sociare & Toconao

Die Laguna Chaxa liegt rund 50Km südlich von San Pedro de Atacama und erreicht Bekanntschaft als natürlicher Lebensraum von drei der fünf bekannten Flamingos Südamerikas. Die Lagune gehört zum Reserve Nacional „Los Flamengos“. James Flamingo, der Andine Flamingo und der Chileniche Flamingo nisten hier und verbringen den Winter in diesem Reservat, wenn die höher gelegenen Lagunen wie die auf dem bolivianischen Altiplano gefroren sind.

Auf 4300m gelegen befinden sich die wunderschönen Laguna Miscanti und Laguna Miñiques. Das Reservat wird von den lokalen Atacameños in Zusammenarbeit mit der Corporacion Nacional Forestal (CONAF) verwaltet und beaufsichtigt. Die Touristenpfade sind mit markierten Steinwegen stark eingeschränkt und bieten den Enten, Gänsen, Flamingos und Viguñas eine sichere Entfernung. Eine Herde Viguñas zieht zwischen der Laguna und uns vorbei – sie bewegen sich auf Transitwegen, die an den beiden Lagunen entlang führen, auch biologische Korridore genannt.

Im Pueblo Toconao ist bei unserem Halt im Dorf ein Fest in vollem Gange – mit Marktständen, lokaler Musik und Tanz eine feierliche Stimmung.

 

Geysers del Tatio

Um 4.00 wurden wir von einem mehr oder weniger geländegängigen Kleinbus beim Hostal abgeholt, welcher uns über 90 km staubige Schotterpiste zu den Geysers del Tatio – zum grössten Geysirenfeld der Südhalbkugel – bringen sollte. Trotz der rauen Fahrt napten wir nach dem frühen aufstehen nochmals. Nach ca. 2h Fahrt und 1900m höher waren wir am Fusse des Vulkankraters und seinem Geothermalgebiet mit erruptierenden Quellen und Geysiren angekommen. El Tatio ist mit 4300m ü. M. das höchstgelegene Geysirenfeld der Welt und heisst in der Sprache der Indios „Weinender Grossvater“. Sein Profil vom Gesicht ist im Kontrast der Sonnenstrahlen der aufwachenden Sonne in Bolivien deutlich erkennbar.

Draussen war es in der Dämmerung erbärmlich kalt – trotz Daunen- und zwei weiteren Jacken waren wir dem frostigen Klima schonungslos ausgesetzt. Da konnte auch das vom Fahrer hergerichtete Desayuno mit heissem Café und Tee keine Abhilfe schaffen. Bei den frühmorgendlichen Temperaturunterschieden zwischen der Aussentemperatur (ca. -10°) und den aufsprudelnden, aufspeienden und dampfenden Geysiren (Wassertemperatur 85°) waren die Dampfwolken besonders eindrücklich. Doch unsere tiefgefrorenen Füsse und Gemüter erfreuten sich sehr an den ersten Sonnenstrahlen, die über die Vulankette die Ebene erreichten. Nochmals bot sich uns ein mystischen Bild inmitten diesem spannenden Naturphänomen, welches von extremer vulkanischer Aktivität zeugt.

Bei einem kurzen Halt bei dem nahegelegenen, natürlichen Thermalbad packten wir die Chance und wagten uns aus den warmen Kleidern in’s warme Nass. Doch entsprach die Wassertemperatur nicht den erwarteten 40°. Erst später haben wir erfahren, dass sich in diesem Thermalbad eine warme Quelle und deutlich kühleres Wasser mischen. Wir hatten beim Baden wohl die kühlere Ecke erwischt, doch über der heissen Quelle hatten sich schon ein paar Touristen aneinandergedrängt, nicht gerade unsere Vorstellung vom entspannten Baden. Trotz dem frühen Aufstehen hatte sich der Ausflug an den Fuss des El Tatio gelohnt!

 

Stargazing – Sternen beobachten

San Pedro de Atacama oder die Atacama-Wüste ist auch bekannt für die klare Weitsicht und daher ein optimaler Standort für die Beobachtung der Sterne. Die Milchtrasse leuchtet hier so hell wie nirgends.. Neben den vielen Teleskopen gibt es auch für Touristen einige Touranbieter, die einem das Mysterium Weltall mit genialen Einblicken näher bringen können. Wir glaubten es kaum, als Sarah am Abend des letzten Tages in San Pedro draussen aufschrie und meinte es hätte Wolken. Denn genau an diesem Abend hatten wir die Tour 21:30-0.00Uhr gebucht. Es sollte dann eben nichts werden mit dem Beobachten der Sterne. Der Himmel blieb bedeckt. Anstelle durften wir von San Pedro de Atacama aus einen wunderschönen Sonnenuntergang beobachten.

1 Kommentar

  1. Gespanntes Verfolgen eurer Reise. Geniesst es und lasst uns weiterhin daran teilhaben. Danke und einen lieben Gruss aus dem frühlingshaften Thun

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