durch die Ostalpen, entlang von Flusssystemen, über Pässe in die Zentralalpen bis nach Hause

Gepostet am Apr 1, 2015 in Alle Berichte, Bern, en vélo, Europa, Geschichten sind Speisen für's Ohr.., Graubünden, Kärnten, Niederösterreich, Österreich, Schweiz, Steiermark, Uri, Wien | Keine Kommentare

durch die Ostalpen, entlang von Flusssystemen, über Pässe in die Zentralalpen bis nach Hause

unsere Heimkehr nach 444 unglaublichen Tagen in Freiheit

 

[26. April – 17. Mai 2014]

Beinahe 10 Monate sind vergangen, seit wir am 17. Mai 2014 von unserer langen Reise auf zwei Rädern zu Hause angekommen waren. Nun haben wir die Musse gefunden, die letzte Etappe noch zu Papier zu bringen und Fotos beizulegen.

Eigentlich fühlt es sich für uns an, als wären wir vorletzten Monat zurückgekehrt. Obwohl wir uns mittlerweile wieder in unseren Leben in der Schweiz gefunden haben, sind viele Erinnerungen an einzelne Fahrradetappen noch sehr präsent. Nur um es hier vorwegzunehmen – ganz so entspannt wie bei den Vorbereitungen angedacht, hatten wir die Fahrt nach Hause nicht hinter uns gebracht. Denn die kälteren Temperaturen, der Regen und Schnee, die deutlich spannendere und kräftezerrendere Topographie, die Kniegelenkbeschwerden aufgrund des „ungewohnten“ Klimas und der Belastungen, die sich täglich aufdrängende Materialpflege und der höhere Kalorienbedarf über die Alpen hatten wir etwas unterschätzt. Doch das Ziel war klar und wir spürten einen Impuls in uns, welcher uns jeden Tag von Neuem motivierte, weiter zu fahren, um Familie, Freunden und unserem Zuhause näher zu kommen. Natürlich freuten wir uns sehr auf das, was kommen würde, auch wenn wir nicht genau wussten, wie das aussehen und wie wir uns dabei fühlen würden.

In 18 Tagen waren wir mit ein paar Ruhetagen von Wien nach Amsoldingen gefahren…

auf dem europäischen Festland..

[27. April 2014]

Riesengrosse Erleichterung und Freude verspürten wir, als um 6.20 unser Airbus der Qatar Airways am Wiener Flughafen Schwechat seine grossen Räder auf die Landepiste setzte. Wieder zurück in Europa, all die Fahrten mit dem unberechenbaren öffentlichen Verkehr und dem Fahrrad hatten wir heil überstanden. Neben uns die wertvollste Fracht, unsere Fahrräder, waren auch beide in etwas gezeichneten Kisten angekommen. Die Passkontrolle lief so schnell wie schon lange nicht mehr: „Servus..“ und „Danke..“, dann waren die Einreiseformalitäten bereits erledigt. Noch am Flughafen genehmigten wir uns einen Kaffee und einen Kaisersemmel und mussten uns wohl oder übel überwinden, Socken und Schuhe (!) anzuziehen. Die letzten Monate waren wir en vélo nur mit Flipflops oder Birkenstöcke unterwegs gewesen.

Mit dem übervollen Taxi und dessen bosnischen Fahrer ging’s dann in die Stadt. Er wollte natürlich wissen, was es mit unserem vielen Gepäck und den Fahrrädern  so auf sich hatte. Wir erzählten ihm die Geschichte gerne und er erwies sich nicht nur als interessierter Taxifahrer, sondern auch als intellektueller, wunderbarer Gesprächspartner und interessante Persönlichkeit mit besonderer Herzlichkeit. Wir erzählten uns gegenseitig von unseren Beobachtungen auf der Welt und es zeigte uns ein weiteres Mal, wie herzlich doch viele Menschen sind – etwas das im Alltag oft etwas untergeht.

noch in Bangkok..

[26. April 2014]

Beide haben wir das Buch „der Schwarm“ von Frank Schätzing gelesen und als wir in Bangkok am grossen Flughafen Suvarnabhumi damit beschäftigt waren, die Löcher in den Ecken unserer Fahrradkisten neu zu verkleben, wurden wir von einem Mann beobachtet. Nach einigen Minuten rätseln überwand er sich und fragte, ob wir wirklich zwei riesige LCD Bildschirme nach Hause transportierten. Wir lachten und meinten – nicht zum ersten Mal auf diese Frage – es seien unsere zwei Fahrräder. Daraus entstand – mit dem Hintergrund der erwähnten Literatur – ein sehr interessantes Gespräch über seine berufliche Tätigkeit. Er lebt in Karachi (Pakistan) und arbeitet bei einem grossen US-Erdölunternehmen als Bohringenieur. Die amerikanische Gesellschaft für die er arbeitet, betreibt im Moment eine Offshoreplattform im Meer vor Bangkok und sein Job ist es eben, zusammen mit den Geologen Erdöl und Gas in den Sedimenten über 4000m unter dem Meeresspiegel zu finden. Er lud uns zum essen und trinken ein und freute sich unheimlich, uns über sich und seine Arbeit zu erzählen und aber auch unsere Geschichte zu hören.

Wir vergewisserten uns über den „Blowout“, ob es wirklich DIE reale Gefahr seines Berufes darstellt; er bejahte und sagte, dass man das auch ab und zu erlebe. Ein Blowout ist ein unkontrolliertes Herausströmen von Gas und Öl, dass bei der Bohrung aus den Sedimenten entweichen kann. Die Aktion kann bei grossem Ausmass wie eine Explosion wirken, wenn es sich um relativ leichtes Gas handelt (z.B. Methan), ist es zudem möglich, dass Schiffe, die mitten im blowout schwimmen, aufgrund des heraufströmenden Gases aus der Tiefsee sinken, weil sich unter ihnen eine nicht mehr tragende Masse bildet, die das Wasser verdrängt wie eine aufsteigende Luftblase. Uns ist beim Lesen an dieser Stelle des Buches spontan der Link zum Bermuda-Dreieck eingefallen, wo auf einmal Schiffe spurlos verschwinden. Die grösste Gefahr beim Blowout ist allerdings, dass das heraufströmende Gas im Umfeld der Plattform Feuer fängt und dann die ganze Plattform in die Luft fliegt, wie geschehen bei der Umweltkatastrophe verursacht durch die Plattform Deepwater Horizon des transnationalen Ölbohrunternehmens Transocean mit Sitz und Steuerdomizil in der Schweiz. Auftrag zur Bohrung im Golf von Mexiko gab der Ölgigant BP und die Katastrophe ereignete sich 2010. Im Jahr 2012 schrieb BP allerdings immer noch 12 Milliarden Gewinn (12’000’000’000 US $) auf Kosten der Welt und der Gesundheit aller Erdbewohner, sei es an der Folge solcher Katastrophen oder an der Verbrennung dieser Ressource. Wir waren sehr beeindruckt von seiner lebensfreudigen, offenen Art und natürlich auch fasziniert von seinen Erzählungen aus einem andersartigen Arbeitsalltag, obwohl wir beide alles andere als begeistert sind von der Ausbeutung von Rohstoffen auf unserer Erde.

 

Wien – Vienna

[27.-29. Apri 2014]

Im Wombat’s City Hostal am Naschmarkt wurden wir freundlich empfangen und unsere gute Laune wurde noch besser, als uns ein grosses Paket übergeben wurde. Unsere Mama’s hatten Zuhause ein paar überlebenswichtige und der Sicherheit dienenden Sachen wie Zelt, Regenponchos, Velohelme zusammengesucht, ein paar längst vermisste Leckereien als Proviant für die Heimreise dazu gelegt und uns nach Wien geschickt! Merci, ihr seit die Besten!! Unserer Heimreise nach Hause konnte also nichts mehr im Wege stehen. Wir kamen in einem 6er-Dorm unter – 3 von unseren Zimmergspändli waren Nachtschwärmer, die jeweils den halben Tag verschliefen, nachts ruhig ins Zimmer schlichen. Doch da war noch dieser mittelalterliche Herr, der ab 6.00 nervös und geschäftig im Zimmer umher schwirrte und uns mächtig auf die Nerven ging! Die Tage in Wien begannen jeweils mit einem Frühstücksbuffet wie aus dem Traum – preiswert und wirklich bestes westliches Frühstück seit ever…

Am nächsten Tag verliessen wir das Hostal mit den Kisten unter dem Arm. Die Fracht mit den unhandlichen 20kg war uns jedoch schnell zu schwer – nach 50m entschieden wir: ein Einkaufswegen musste her! Glücklicherweise wurden wir nicht enttäuscht – das pragmatische asiatische Modell taugte also auch auf dem europäischen Kontinent.

kurzerhand ein Einkaufswagen ausgelehnt.. =)

kurzerhand ein Einkaufswagen ausgeliehen.. =)

Über einer neu erworbenen Österreich-Landeskarte gebeugt, prüften wir die Machbarkeit unserer bereits in Thailand provisorisch geplanten Route nach Hause. Klar wurde nach dem Studium der Topographie: Handschuhe und Mütze gehörten unbedingt zur Grundausrüstung. Nach dem Packen der kambodschanischen Velotaschen brachten wir das überflüssige Gepäck zur Post und schickten die Pakete Nummer 9 und 10 auf die Reise nach Hause – diesmal war’s ja nicht so weit.

Wien ist unsere Lieblingsstadt auf dem europäischen Kontinent – gemessen an denen, die wir bisher besucht hatten. Freundlichkeit, Gastfreundschaft, Essen, Architektur, Kultur, alles top! Servus und Auf Wiedersehen!

 

enroute nach Hause 

Wien, Naschmarkt – über Gloggnitz hoch rauf nach Semmering über die Weltkulturerbe Radstrecke – Langenwang in der Steiermark
[30. April 2014, 1. Radlertag, 123Km, 7h im Sattel, 08:20h-18:00, Bundesländer Wien, Niederösterreich und Steiermark]

Nach Hundertwasser, Karlsplatz, Stephansdom, Innenstadt, Staatsoper und ein paar guten Wienerschnitzeln fuhren wir am 30. April morgens um 08:20 Uhr in Wien beim Naschmarkt los. Unser ehrgeizig gestecktes Ziel war es, in drei Tagen durch vier Bundesländer in die Hauptstadt des Bundeslandes Kärnten, nach Klagenfurt am Wörthersee zu gelangen. Klagenfurt liegt ganz im Süden von Österreich und somit fast an der Slowenischen Grenze (Luftlinie 340Km südlich von Wien). Zuerst führte uns Google-Maps auf direktem Weg aus der Grossstadt Wien hinaus, mühsam waren lediglich die zahlreichen Rotlichter.

In Sachen Freundlichkeit und Offenheit sind die Wiener den Schweizern um Lichtjahre voraus. Uns wurde zugewunken, von der anderen Strassenseite rief uns jemand „Good journey!“ zu oder eine 300m lange Einbahnstrasse musste reichen, um ein Resumée vom Resumée unserer Reisegeschichte zu erzählen. In allen Fällen stiessen die Geschichten sichtlich auf Freude und immer schaute einen herzlichen Wunsch der guten Fahrt heraus. So musste der letzte Abschnitt einfach gut kommen.

Nach Guntramsdorf (Kilometer 13 ab Wien) bogen wir rechts ab auf den Europaradweg 9 (Thermenradweg) bis Wiener Neustadt entlang des anfangs 19 Jh. gebauten Neustädterkanals. Der Kanal wurde 1803 eingeführt und diente dem Transport von Rohstoffen. Heute führte unsere ganze Radroute entlang des Kanals. Man überwindet auf den rund 50Km zwischen Wien und Wiener Neustadt 52 Schleusen und 103 Höhenmeter. Die Höhenmeter werden immer bei den Schleusen aufsummiert, weil der Radweg auch da immer nur steigt. Viele der ursprünglichen, aus Lehmziegeln und Holz gebauten Trogbrücken stehen heute noch und ab und zu dienen sie uns zum Überqueren des Kanals. Die Wiener Neustadt erreichten wir in wunderbarem Wetter, perfekten Temperaturen nach rund 50Km. Das Fahrradfahren ist ein richtiger Genuss, kaum Verkehr und eine unglaublich schöne Landschaft, die wir durchfahren dürfen.

Nach der Wiener Neustadt folgten wir dem etwas hügeligen Radweg entlang (Route 17) bis nach Neuenkirchen (Km 70), wo wir uns im Chilli Café Restaurant eine Kaffeepause gönnen – Cappuccino mit Schlagobers. Nach Neuenkirchen folgt Ternitz und ein wunderschöner Radweg führte uns durch Wald entlang der Schwarza, einem relativ viel Wasser führenden Fluss. In Gloggnitz zweigt der Radweg von der Strasse ab und führt über die vielversprechende Weltkulturerbe Radstrecke, die von Gloggnitz hoch nach Schottwien und via Maria Schutz bis Semmering (1043m) führt. Über Schottwien führt eine überdimensionale Autobahnbrücke, die zusammen mit dem darunter liegenden antiken Städtchen ein sonderbares Bild abgibt. In Semmering oben hatten wir beide einen kleinen Hungerast und das erste Mal etwas kühl, auch wenn das Wetter noch Stand hielt.

Kurz vor Mürzzuschlag, was nur einen Katzensprung von unserem vorgesehenen Übernachtungsort Langenwang lag, verschiffte es uns gleich am ersten Tag in Europa. Meine chinesischen Turnschuhe waren natürlich innert Sekunden voll mit Wasser und die nackten Knie begannen zu schmerzen. Nach etwa 20 Minuten war der Spuk vorbei und wir kamen kurze Zeit später am Europacamping in Langenwang an und fanden bis auf weiteres niemanden, der uns empfing. So duschten wir halt mit dem Eiswasser aus dem Hahn und breiteten über den halben Unterstand unsere nassen Sachen aus. Erst nach getaner Arbeit kreuzte die Campingplatzbesitzerin auf und meinte, sie hätte doch da was gehört! Unser Zeug durften wir dann leider nicht im Trockenraum trocknen lassen, der sei Privat.

Weil am kommenden Tag der erste Mai war und Österreich in Sachen Feiertage sehr konsequent, war der Billa zum Glück noch bis 20.00 Uhr geöffnet. Kurz vor 20.00 Uhr kam ich halt noch kurz reingeschneit und die herzliche Dame meinte bei meinem Einkauf „ohne Wurstl gehste ja nicht gerne raus“ und freute sich mit mir, dass ich doch noch schnell Proviant für den morgigen Tag beschaffen konnte.

 

unser Radmarathon durch Österreich

Langenwang – via Leoben und Judenburg – Camping am Badesee (6.5Km südöstlich von Neumarkt in der Steiermark) www.camping-am-badesee.at, 8822 Mühlen am Zirbitzkogel.
[1. Mai, 2. Radlertag, 159Km, 8.5h im Sattel, 7:30-19:00 unterwegs, Bundesland Steiermark]

Heute und das war uns bereits am Morgen beim Aufstehen klar, als wir unsere nassen Fahrradhosen und Schuhe anzogen, gibt’s keine halben Sachen. Wir wollten durch fast das ganze Bundesland in diagonaler Richtung fahren und das am Tag der Arbeit. Bis Judenburg hatten wir das nur mit Unterbrüchen in unserem gewohnten Rhythmus (1h fahren, kurze Pause) getan. Nun hatte aber Sarah den Rhythmus an die heutigen Bedingungen angepasst. Zuerst mussten 26Km abgespult werden, bevor wir uns eine Pause genehmigen durften. Die Fahrt war relativ unspektakulär, jedenfalls bis Bruck an der Mur. Nach Bruck folgt man dann der Mur, einem breiten Fluss. Bis Judenburg hatten wir nach neuer Regel nur zwei Pausen gemacht für die bereits zurückgelegten 80 Kilometer, aber wir kamen so gut voran und die morgendliche Bewölkung lockerte sich gegen den frühen Nachmittag gegen Westen hin auf, was bei uns beim Einfahren im sommerlich warmen und sonnenbeschienenen Judenburg richtig positive Stimmung aufkommen liess. Judenburg selber ist ein wunderschönes Städtchen auf einer Anhöhe umrundet von südlich erhöhten Wäldern. Mittelalterliche Bauwerke runden die Schönheit des Städtchen ab und wir entschlossen uns für einen Eiskaffee an einem sonnigen Plätzchen.

Nach Judenburg gelangten wir für einen kleinen Abschnitt auf die Schnellstrasse, was aber auch nicht anders möglich war. Direkt an der Mur auf eher unbefahrenen Kieswege, aber ziemlich eben und mit leichtem Rückenwind ging’s stetig der Mur entlang in wunderbarster Natur und wir passierten unvergleichbar idyllische Dörfer, jedes mit seiner eigenen Kirche. Den ganzen Tag schon schienen wir die glücklichsten Radfahrer zu sein. Rund um sahen wir immer wieder, wie es irgendwo wie aus Kübeln gewitterte, nur uns traf es nie richtig. Kurz vor Schiefling, wo wir mit ein paar kräftigen Pedaltritten wieder dem Gewitter entschwinden konnten, standen wir aber vor einem Autotunnel und einer Verbotstafel für Radler. Die Devise hiess so dann, umkehren und einen Umweg suchen. Keine Markierung war auszumachen und nach einem weiteren Verfahrer fanden wir dann die Strecke, welche weit oberhalb des Tunnels überführte.

Ab Schiefling ging’s dann hoch auf den Perchauer Sattel (995m). Mit den überaus müden Beinen war das ein Murks. Den Sattel erreichten wir aber und die steile Abfahrt bis Neumarkt genossen wir dann wieder. Ab 152Km erwartete uns nochmals ein Anstieg über die nächsten 6.5Km bis zum Camping, die Beine waren nun taub und das Blut schien sich zu weigern, noch durch die Adern zu fliessen. Nach langen und zum Ende hin harten 159Km kamen wir ziemlich kaputt, aber zufrieden in wunderschöner Abendstimmung an. Das Camping ist absolut empfehlenswert, die Region ist wunderschön, direkt am Zirbitzkogel in den Seetaler Alpen gelegen.

 

Abfahrt nach Klagenfurt 

Camping am Badesee Wernig am Zirbitzkogel – Klagenfurt am Wörthersee.
Spät aufgestanden, Knieschmerzen aus Überbelastung, beginnender Muskelkater.
[2. Mai, 3. Radlertag, 69Km, 4h im Sattel, Bundesländer Steiermark und Kärnten]

Heutiges Ziel war Klagenfurt, die Hauptstadt des Bundeslandes Kärnten. Die Fahrt dahin war schön entspannt, leicht aber konstant verloren wir an Höhe und sie zog sich durch das wunderschöne Görtschitztal. Wenig Verkehr und eine sehr schöne Natur, ab und zu ein idyllisch gelegenes Dörfchen mit wunderbaren alten Kirchen. Alles der Glan entlang kamen wir gut voran und nutzten die Gelegenheit, auch ab und zu ein Foto zu schiessen, zumal wir heute nicht unter „Zeitdruck“ waren. Kurz nach dem Start fuhren wir in unser 4. Bundesland, seit dem Start in Wien vor zwei Tagen. Wie schon die Steiermark ist auch Kärnten ein wunderbarer Flecken Erde, sehr ländlich, ruhig und schön gelegen mit viel Wasser, Wald und kleinen, einladenden Ortschaften. In Klagenfurt tranken wir erstmal einen Kaffee und fuhren danach durch die schöne Innenstadt zum Camping am Wörthersee. Auch wenn Klagenfurt verhältnismässig tief liegt (446m ü.M.), liegt die Stadt und ihr stark vom Wörthersee geprägtes Umland mitten in den steilen Bergen der südlichen Kalkalpen. Klagenfurt liegt im Klagenfurter Becken, welches vom Draugletscher geformt als Relikt der letzten Eiszeit übrig blieb und auch den Gletschersee (den Wörthersee) stehen liess. Was uns besonders überraschte, war dass fast alle Gipfel noch sehr winterlich aussahen, auch wenn diese sicher nicht viel höher als 2000m reichen. Wir blieben drei Nächte und mussten unsere lädierten Beine etwas schonen. Am zweiten Tag genossen wir die wunderbare Sonne am See. Von Klagenfurt käme man mit dem Fahrrad in etwa 3-4 Stunden nach Ljublijana, Hauptstadt von Slovenien.

Waschtag in Klagenfurt am Wörthersee

Waschtag in Klagenfurt am Wörthersee

freche Besucher kreuzen zum Sonntagsbrunch auf...

freche Besucher kreuzen zum Sonntagsbrunch auf…

 

Nach morgendlicher Knacknuss der Drau entlang

Klagenfurt am Wörthersee – Obervellach
Aufgestanden bei nur 1 Grad Celsius (Bise), Übernachtung in Obervellach (Sport Camp Obervellach) bei warmen und sonnigen Bedingungen
[5. Mai, 4. Radlertag, 123Km, 7h im Sattel, 8.00 – 17.00 unterwegs, Bundesland Kärnten]

Am Ostufer des Wörthersee gestartet, via das Nordufer und steil rauf auf den ersten „Pass“ bei Ebenfeld. Wir mussten da hoch, und die Steigung hatte es so richtig in sich, weil die ganze Norduferstrasse wegen Bauarbeiten gesperrt war. Wir verloren mindestens 1.5 Stunden, was dann auch die heutige Knacknuss war.

Wieder unten in Velden erwischten wir den Fahrradweg Drauradweg, der fast ausnahmslos der Drau, einem wunderbaren Fluss talaufwärts folgt, und weiter nach Villach führt. In Villach sind wir nun fast an der Grenze zu Slovenien, beziehungsweise ganz nah am Dreiländereck Italien, Österreich und Slovenien, unserem südlichsten Punkt hier in Österreich angelangt. Nach Kranjska Gora wäre es nur ein etwa ein-stündiger Katzensprung mit dem Fahrrad wie gleichwohl nach Tarvisio in Italien. Hier bricht Sarah’s Veloständer inzwei, und auch eines ihrer beiden Knie schmerzt, so dass sie im Flachen vor allem mit einem Bein trampelt. Ein asiatisches Tigerbalsam-Schmerzpflaster ist bereits aufgeklebt. Nun zweigt unsere Route aber gegen Nordwesten ins untere Drautal ab. Die Route direkt der Drau entlang ist sehr idyllisch. Der Drau folgten wir bis Lendorf, wo ihr Oberlauf westlich liegt. Wir erreichten Obervellach und wollten noch kurzerhand beim Billa Schokodrinks fürs Frühstück kaufen. Bei der Einfahrt auf den Parkplatz hielt uns eine Holländerin an und schenkte uns zwei Haselnussglacé! „Wir haben zwei zu viiile, ihr könnt sie haben!“ Willkommen in Obervellach. Glücklich ob dem schönen Wetter und den warmen Temperaturen konnten wir alles auf der Wiese trocknen lassen und gönnten uns einen Kaffee auf der Sonnenterrasse des schönen Sportcampings direkt an der Drau.

 

über und durch die hohen Tauern

Obervellach – Mallnitz – Verlad der Vélos mit der ÖBB durch die Hohen Tauern – Bad Gastein – Zell am See
Aufgestanden bei wohl Minustemperaturen, Übernachtung in Zell am See, hohe Zirren melden die Schlechtwetterfront des kommenden Tages an.
[6. Mai, 5. Radlertag, 69Km, 4h im Sattel, 8.00 – 13.oo unterwegs, Bundesländer Kärnten und Salzburg]

Am heutigen Tag ging’s an die hohen Tauern. Die hohen Tauern ihres Zeichen sind die höchste Erhebung der Alpen in Österreich. Mit dem Grossglockner 3798m beherbergen sie auch den höchsten Berg der Österreichischen Alpen wie auch den Grossvenediger 3662m (5. höchster Gipfel Österreichs). Beim Grossglockner geht die Hochalpenpassstrasse mit dem Scheitelpunkt auf 2505m vorbei, die wir ursprünglich eingeplant hatten. Allerdings war das Wetter unbeständig und man sagte uns, dass es wohl jetzt wieder Neuschnee gegeben habe dort oben. So entschieden wir uns für eine Abkürzung (in der Höhe wie in der Distanz).

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Bis Mallnitz kamen wir trotz morgendlicher Kühle ganz schön ins Schwitzen, zogen wir doch mit samt dem vielen Gepäck die steilen Strassen in das Berdorf hoch. So hatten wir bis dahin erst etwas nach 09:30Uhr bereits 600Hm und 8Km hinter uns gebracht. Doch von da an wurde es gemütlich. Mit der ÖBB verluden wir unsere Bikes für 5Euro/Person & Bike und liessen uns in nur etwa 10 Minuten durch – anstelle selbst über – die hohen Tauern fahren.

In Böckstein angekommen, zogen wir trotz Sonne alle unsere Kleider an: Beinlinge, Hochtourenhosen, Jacken, Halstuch, Mütze und Handschuhe. Es ging nämlich mächtig zur Sache und schnell waren wir unten im flacheren Gasteinertal und gönnten uns einen Kaffee in Bad Hofgastein und wärmten uns dort an der Sonne auf. Danach fuhren wir weiter das Tal runter. Durch zwei Tunnel, wo die Österreicher sogar eine extra Fahrradweg bereitstellten, Chapeau!

Zell am See ist ein schöner Ort an einem mittelgrossen See gelegen. Von da sieht man schön in die Höhen Tauern hoch. Der Ort selber hat extrem viele Hotels und wirkt sehr touristisch, bietet aber ein wunderschöner Quai am See.

 

Locker über den Griessenpass nach Kitzbühel

Zell am See – Saalfelden – Kaffee und Bienenstich in Leogang –  Griessenpass 963m – St. Johann – Kitzbühel
Camping am Schwarzsee, die Bewölkung nimmt stetig zu und eine halbe Stunde nach Ankunft regnet es in Strömen – die Wellnessoase nehmen wir gerne in Anspruch zum Auskurieren unserer Wehwehchen.
[7./8. Mai, 6. Radlertag, 70Km, 4h im Sattel, 7:30 – 12.45 unterwegs, Bundesländer Salzburg und Tirol]

In Zell am See überraschten uns die ersten Regentropfen bei der Abfahrt. Doch bald stellte sich heraus, dass es nichts Seriöses war und Sarah’s Wetterprognosen wie fast immer perfekt stimmten. In Saalfelden drehten wir Richtung Westen ab und stiegen langsam aber stetig hoch. Am Griessenpass waren wir fast auf 1000m und froh darüber, dass wir gerade wegen unseren lädierten Knien nirgends richtig steil hoch mussten. Auf dem Griessenpass passierten wir die Grenze ins Bundesland Tirol, nun bereits im 6. Bundesland angekommen. Danach zogen wir etwas rascher als sonst im Gegenwind gegen St. Johann – im Übrigen ein sehr schönes Dorf mit einem wunderbaren Dorfkern und einer beeindruckenden Kirche. In St. Johan bogen wir gegen Süden und überwanden wieder etwas Höhe bis Kitzbühel. Eine angenehme kurze Etappe und trotzdem waren unsere Beine schwer wie Blei. Unsere Knie hatte den Temperatursturz von dem südostasiatischen zum europäischen Klima nicht gut bekommen und wir litten immer wieder unter Schmerzen. Im Camping checkten wir ein und erhielten eine Karte für den Gebrauch des Hallen- und Sprudelbads inklusive Kräutersauna und Infrarotkammer.

Es regnete wie aus Kübeln, so war für uns klar, dass wir den Nachmittag im Bad verbringen würden. Sauna und Infrarotkammer taten unseren lädierten Gelenken und Muskeln gut. Am Abend gingen wir ins Städtlein zu Kitzbühel und genossen am Fusse des Hahnenkamms Pasta und ein Glas Rotwein. Erst gegen 22.00 Uhr zurück auf dem Campingplatz stellten wir im Dunkeln, dafür ohne Regen das Zelt. Am Folgetag war Regen angesagt, wir besuchten Kitzbühel, schlenderten etwas herum und genossen die Erholung bei Kaffee und Kuchen und am Abend einem ausgedehnten Bad.

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entspannt nach Innsbruck

Kitzbühel – Wörgl – Jenbach – Innsbruck (Camping Kranebitten)
Eine lange Etappe, die uns aber durch Rückenwind gut gesinnt durch das ganze Tiroler Inntal brachte.
[9. Mai, 7. Radlertag, 109Km, 5.5h im Sattel,  Bundesland Tirol]

Nach dem Erholungstag machten wir uns in Kitzbühel morgens zeitig auf den Weg. Beim Schwarzsee, wo sich unser Campingplatz befand, konnten wir direkt Richtung Kirchberg fahren. Bis Kirchberg mussten wir hierfür etwas Steigung in Kauf nehmen. Doch wie immer erwies sich dies auch hier als gute Einstimmung in den Radlertag. Das Wetter besserte sich nur allmählich, den auf der langen Abfahrt nach Wörgl wurden wir noch ziemlich durchnässt. Wir trugen es mit Fassung..

Auf dem Weg nach Innsbruck (110Km).. Trotz Regen vergeht uns der Spass nicht

Auf dem Weg nach Innsbruck (110Km).. Trotz Regen vergeht uns der Spass nicht

In Wörgl, einer nicht gerade beschaulich wirkenden Kleinstadt mit industriell geprägter Agglomeration und gut ausgebauten Umfahrungsstrassen, bedurften wir gewissen wegweisenden Aufwand, zumal wir den Fahrradweg fast nicht fanden. Das Kartenmaterial und Google maps brachte Licht ins Dunkle. Von nun an durften wir dem Inn folgen, wider erwarten länger als wir uns dies aus Unwissenheit ausmalten. Der Inn erstreckt sich über rund 520Km, ausgehend vom Quellgebiet am Malojapass (Graubünden). Der Inn fliesst von da durch den Silsersee, den Silvaplanasee, durchs Ober- und Unterengadin und danach durchs Tiroler Oberland, ins Tiroler Hauptinntal, durch Innbsruck bis nach Wörgl. Danach fliesst der Inn nach Norden ins deutsche Bundesland Bayern, um dann bei Passau an der Grenze zu Österreich in der Donau wieder nach Osten zu fliessen. Unsere weiter Fahrradfahrt würde uns bis Silvaplana führen, 272Km dem Inn entlang. Das entsprich rund 60% der Gesamtstrecke des Inns.

Das grosse Inntal durchfuhren wir nun stetig gegen Innsbruck zu. Der Weg nach Wörgl gegen Innsbruck zu war unvermittelter Dinge einer der ganz schönen Wege zum Ziel. Denn ein Schönwetterfenster mit einer berauschenden frühlingshaften Atmosphäre und leichtem Talwind (Rückenwind) liess uns die Fahrt zunehmend geniessen. Zudem war auch hier bemerkenswert, dass das gesamte Inntal mit einem schönen Fahrradweg ausgestattet ist.

Innsbruck war bereits zwei Mal Austragungsort von Olympischen Winterspielen. Die Stadt selber bekamen wir nur durch unsere Durchfahrt zu Gesicht. Alleweil ein schönes Plätzchen für eine Stadt und so schön eingebettet in die umliegenden Kalkbergmassive. Wir machten im Camping Kranebitten im Westen der Stadt Halt.

 

ab in die Berge

Innsbruck -Landeck – Prutz (Aktiv Camping Prutz)
In gebirgigen Gefielden dem Inn entlang
[10. Mai, 8. Radlertag, 88Km, 4.5h im Sattel,  Bundesland Tirol]

Initial wollten wir in Innsbruck zwei Tage halt machen. Gerade weil Innsbruck eine historisch sehr interessante Stadt ist, die viel Sehenswertes zu bieten hat, dachten wir an einen längeren Halt. Weil aber das Camping Kranebitten nicht so viel versprechend war und wir eher Bock auf Land den auf Stadt hatten, machten wir uns tags darauf dann auch wieder auf den Weg. Die ersten paar Kilometer nach Innsbruck waren purer Genuss, zumal sehr angenehme klimatische Bedingungen herrschten. Wir fuhren entfernt von der dicht befahrenen Strasse und genossen die schönen Landwege, gesäumt von spriessendem grünen Gras. Leichter Rückenwind erschwerte uns die Fahrt nicht, so dass wir sehr schnell vorankamen.

Eines war von heute an klar, nun waren wir so richtig in den Alpen angekommen. Die rund 70 Km bis Landeck waren gespickt mit teils saftigen Anstiegen aber dann auch wieder steilen und schnellen Abfahrten. Eine der längsten dieser Abfahrten war jene nach Imst. Im Talboden angekommen, entstand für uns hier erstmal Verwirrung, die wir mit Karte, Google maps und dann noch einem hilfsbereiten Tiroler Fahrradfahrer beheben konnten. Nach Imst mussten wir demnach recht hoch, steil hoch, denn für Radfahrer gibt es hier keine Alternative, ausser sich auf die Inntal Autobahn zu begeben, was verständlicherweise illegal und für uns keine Alternative war. Steil empor führte uns dieser Weg, wir mussten gar absteigen und stossen, damit wir hochkamen. Danach führte uns ein stetiger Radweg rund 16Km weiter das Inntal aufwärts. In Zams hielten wir für einen kleinen Proviantzukauf im Spar und fuhren nach Landeck. In Landeck drehten wir nach Süden ins Inntal – jetzt begann die Steigung anzuziehen. Doch wir hatten nicht mehr weit und konnten uns auf einen schönen Campingplatz freuen. Kurz vor Prutz, einem beschaulichen Ort eingangs Kaunertal, staut sich der Inn zu einem veritablen Staussee, wo die potentielle Energie des Wassers ein wiederholtes Mal auf seinem Weg genutzt werden kann. In Prutz angekommen, es war Samstag, machten wir im schönen Spar die nötigen Besorgungen, damit wir den kommenden Regensonntag am selben Ort gut überstehen würden. Das Kaunertal, dass sich von Prutz gegen Osten hinzieht, ist ein beliebtes Winter- und Sommersportgebiet. Es hätte uns angemacht, dort am Sonntag eine Wanderung zu machen, doch war es wirklich trüb, nass und je länger der Sonntag dauerte, desto strömender war der Regen. So nahmen wir die warme Stube des lokalen Dorfrestaurants gerne in Anspruch und füllten uns die Bäuche mit Wiener Schnitzel, Käsespätzle und frischem Salat.

 

 

Durch’s Unterengadin in den Schnee – auf den Spuren des Inns

Österreich – Prutz – Pfunds – Martina- Scuol – Zernez – Cinous-chel – SVIZRA
Über die Grenze nach dem Finstermünzpass, eine unerwartet Freude wieder zuhause zu sein!
[11. Mai, 9. Radlertag, 94Km, 6h im Sattel,  Bundesland Tirol, Kanton Graubünden]

Früh morgens, bei kalten Bedingungen aber bei sich auflösenden Wolken fuhren wir los. Es tropfte noch allenthalben aus den Restwolken, trotzdem kamen wir bis auf weiteres trockener Art weiter. Der weitere Weg konnte im Generellen nicht falsch sein, da es einfach talaufwärts ging. Je länger wir fuhren, desto mehr Autos mit CH-Nummernschilder kreuzten uns. Nach der Abfahrt in Pfunds lockerten sich die Wolken definitiv auf, nicht das nun die Sonne schien, doch es war nicht mehr so düster und die Tropfen der letzten 1.5 Stunden liessen uns in Ruhe. Die Strasse zog sich nun an einem grossen, rechtsseitigen Mauerwall entlang. Sie hat eine angenehme stetige Steigung und wir erreichten bald das Schild, dass die Schweizer Grenze zu jener der Bundesrepublik Österreich markierte. So erreichten wir die Pufferzone zwischen der Schweiz und Österreich – eine Art Niemandsland. Es kam nochmals eine Abzweigung, jene Richtung Reschenpass (Italien), die wir jedoch nicht einschlugen. In Martina, einem unspektakulären Grenzposten, erreichten wir nun definitiv die Schweiz. Hier, beim Grenzübergang, drückten wir den Stempel so richtig runter, denn uns lag es fern, die zwei kambodschanischen Fahrräder samt Körbli noch zu verzollen! Zuvor querten wir den Finstermünzpass, der sich nicht wirklich als Pass anfühlte, da die Steigung moderat gewesen war und wir diese ohne grossen Effort hinter uns gebracht hatten.

Nun waren wir also im Unterengadin, deutlich näher von zu Hause, als wir es die letzten knapp sieben Monate gewesen waren. Grosse Erleichterung machte sich breit, eine Art Heimatsgefühl beglückte uns in diesem Moment und wir waren uns sicher, dass wir die letzten Etappen bis nach Hause ohne Motivationsprobleme hinter uns bringen würden.

gerade die Schweizer Grenze überfahren

gerade die Schweizer Grenze überfahren

Auch wenn es nicht nur runter ging, rauschten wir bis nach Scuol zielstrebig durch die Gegend, ohne die vorbeiziehende Umgebung aus den Augen zu verlieren. In Scuol gab’s endlich Kaffeepause – auch wenn wir dafür nun wieder deutlich tiefer in die Tasche greifen mussten.

Strenge Aufstiege und mässig genüssliche Abfahrten (wegen den gefürchteten Gegenaufstiegen) führten uns durch die szenischen, sehr fotogenen Bergdörfer Ardez, Guarda und Lavin. Die Poststelle in Zernez war seit Tagen irgendwie ein ersehntes Etappenziel, denn während den anstrengenden Aufstiegen war uns jedes einzelne, überflüssige Kilo Gepäck lästig geworden und wir waren fest entschlossen, Ballast abzuwerfen. So kam es, war wir ganze 6kg (!) in ein Karton stopften und an unsere zukünftige Adresse in Amsoldingen adressierten. Zufrieden verliessen wir die Post und fanden, dass die „verlorenen Kilo’s“ unsere Weiterfahrt sofort erleichterte.

Auf dem weiteren Weg blies uns die kühle Bise entgegen. Wir mussten ungefähr 20 Minuten an einer Strassensperre warten und konnten währenddem beobachten, wie an einem steilen Hang über der Strasse Tannen abgeholzt und anschliessend das Gelände vor Holzfall kurz gesichert wurde. Anschliessend mussten wir einen Spurt bei leicht aufsteigendem Gelände hinlegen, damit wir in der berechneten Zeit die Einbahnstrecke hinter uns bringen konnten und die lange Kolonne hinter uns nicht noch anwuchs.

10km nach Zernez, in Cinous-chel stellten wir auf dem verlassenen Camping Chapella unter Tannen unser Zelt. Wir waren leicht fröstelnd, als wir uns entschieden, nochmals ins Dorf zurück zu fahren, um uns in der Gaststube des Restorant Veduta (www.veduta.ch) aufzuwärmen. Denn wir waren ohne Kochzeugs unterwegs und wollten uns sicher einmal pro Tag eine warme Mahlzeit irgendwo drinnen gönnen. Warmer Tee, hausgemachte Capuns und die äusserst gemütliche Athmosphäre in der Gaststube liessen Körper und Geist wieder erwärmen, so dass wir uns bei Dämmerung wieder nach draussen wagten. Doch etwas vermochte uns für die bevorstehende Nacht zu beunruhigen. Wir vernahmen vom Stammtisch nebenan, dass gestern im Dorf ein Bär (! tagesanzeiger) 5 Schafe gerissen hatte und nun wohl noch in der Gegend unterwegs war.

Zurück beim Zelt, hängten wir unser Essen weit weg von unserem Zelt auf und hofften, dass der Bär von seiner gestrigen Jagd noch gesättigt war. Wir waren noch wach, als es plötzlich sanft auf unser Zelt zu rieseln anfing. Später, als ein letzter WC-Gang nicht mehr zu verdrängen war, zeigte ein etwas schüchterner Blick nach draussen, dass es zu schneien begonnen hatte. Räphu wollte, trotz meiner Bitte, in seinem angewärmten Schlafsack liegen bleiben und mich nicht durch den stockdunkeln Wald bis zu den WC’s begleiten. Ich zog Hosen, Jacke und Schuhe an, sprach mit Gianni – so hatten wir den Bär getauft, so dass wir uns nicht gegenseitig erschrecken würden, sollte er wirklich hier rumlauern. Doch alles verlief glimpflich, ohne dass ich einem Bärenmännchen hätte in die Augen schauen müssen. Irgendwann später packte uns die Müdigkeit und wir schliefen durch das beruhigende Geräusch des Schneefalls ein.

 

Durch’s Oberengadin, Schneesturm am Julierpass und lange Abfahrt mit Hagel nach Thusis

Cinous-chel – St. Moritz – Silvaplana – Julierpass – Tiefencastl – Thusis
[12. Mai, 10. Radlertag, 89Km, 5.15h im Sattel,  Kanton Graubünden]

Bei der morgendlichen Abfahrt wussten wir noch nicht, dass wir heute den wechselnden Launen der Natur, dem Frühlingswetter würden ausgesetzt sein. Obwohl es am früheren Morgen wirklich kalt war, die Hände beim Zusammenpacken des Zeltes ohne Handschuhe taub waren und später beim Auftauen unangenehm schmerzten, konnten wir uns an dem beinahe ungewohnten Landschaftsbild – den gepuderten Tannen und weissen Bergen vor grün-weisser Talebene – sehr erfreuen. Ab dem Campingplatz fuhren wir dann dadurch etwas schneller die wenig steilen Strassen nach S-chanf und Zuoz hoch. Es wurde bei stetiger Erwärmung unserer Glieder eine angenehme Fahrt mit unterstützendendem Talwind und gewannen die Kilometer ohne grosse Mühen.

Heute würden wir anfangs ein paar Höhenmeter erklimmen, um dann auf einer ewig langen Abfahrt tiefer zu übernachten, als die Nacht zuvor. Das Oberengadin ist eines der höchst gelegenen Alpentäler überhaupt. Von dort würden wir 600 Höhenmeter auf den Julierpass aufsteigen, dann ca. 1400m runter nach Tiefencastel bis ins Rheintal fahren. In der Nähe von Bever weist der Inn eine ziemliche Breite auf. Die Sicht in den Taleingang bei Samedan nach Pontresina und die Mutmassung, fast bis zum Piz Bernina, dem höchsten Bündner Berg und dem östlichsten 4000er zu sehen, machte uns irgendwie glücklich. Von Samedan erhebt sich die Via Maistra unangenehm steil für ein paar Haarnadelkurven, der St.Moritzer Bopbahn entlang, doch fanden wir im Zentrum von St. Moritz die Konditorei Hauser . Dort gönnten wir uns mitten in St. Moritz bei einsetzendem Schneefall einen Nussgipfel und es war, von beiden bestätigt, der beste Nussgipfel der Welt.

Danach war wieder Fahrradfahren angesagt. Vom St. Moritzer Dorf gelangten wir mit Schuss runter auf die Seehöhe vom Silvaplanasee, wo wir schnell bei immer dunkler werdenden Bedingungen Silvaplana erreichten. Dort klingelte mein Telefon und mein baldiger Vorgesetzter meldete sich: „Bist du schon zu Hause?“ ich:“Nein, wir sind in Silvaplana, fahren nun auf den Julierpass und es fängt gerade an zu schneien.“. Ca. 20 Minuten telefonierten wir während der Fahrt durch Silvaplana und die ersten paar Kurven zum Julierpass hoch, vereinbarten telefonisch einen Termin und besprachen einige Punkte des bereits in Kambodscha via Skype verhandelten Vertrags. Wir erreichten nach den ersten paar Kurven, die uns relativ rasch höher führten, den flacheren Abschnitt. Zugleich wechselte das Wetter, der starke Schneefall ging  in strahlende Sonne über und wir beglückt durch die Umstände vermochten in einem Zug auf den Julierpass zu fahren. Hier hatte es noch Schnee, man hätte gar noch eine Skitour wagen können.

Jetzt, als wir bei schönem Wetter einen weiteren und den bisher höchsten Pass erreicht hatten, war die Vorfreude auf die 34Km Abfahrt nach Tiefencastel mit einem Höhenunterschied von rund 1400Hm gross! Nach 20Km Abfahrt brauchten wir dringend eine Pause – nicht, das es anstrengend gewesen wäre, aber wir waren etwas unterkühlt und wärmten uns schlotternd an einem sonnigen Flecken auf, kombinierten dies mit einer Verköstigungspause. In Tiefencastel erlebten wir einen Temperaturunterschied von gefühlten 25° Celcius, das war dann zuviel für uns. Wir entledigten uns hastig von den Gortex-Schuhüberzügen, Mütze und Handschuhe, Schal, Regenhosen- und jacke, Daunenjäckli und fuhren in leichtem Tenue weiter, denn es ging für einmal wieder obsi, nach Alvaschein. Widerwillig fuhren wir in schier endlose, stockdunkle Tunnel, die nur schmale Fahrspuren aufwiesen, und schon gar keinen Streifen für uns. So kam es, dass wir von heranbrausenden Riesen-Tönner knapp überholt und von der Vakumwirkung im engen Tunnel beinahe an die Tunnelwand geklebt wurden. Und dies nicht nur einmal. Nach dem ersten Tunnel mussten wir anhalten, denn Räphu äusserte sich nicht unbedingt positiv zu diesem Güter- und Freizeitverkehr auf mindestens vier Rädern und ich versuchte ihn, zu beruhigen. Es dauerte eine Weile, bis wir uns in den nächsten Tunnel wagen konnten. 3 ewig lange Tunnel später sahen wir uns am Ende der Tagesetappe nochmals kräfig in die Pedale treten, unterdessen wieder in Regenmontur, denn wir waren am Rand eines Gewitters unterwegs, und wir kamen nicht davon… Eigentlich wollten wir nicht aufgeben, doch als mich eines der grösser werdenden Hagelkörner auf der Lippe aufschlug und diese blutete, wurde ich richtig böse und wir wurden zum Anhalten gezwungen. Nach der kurzen Hagelsequenz fuhren wir weiter, nass waren wir ja bereits. Vom Wind wieder getrocknet, kamen wir etwas gezeichnet von den heutigen Wetterkapriolen, aber zufrieden in Thusis an.

 

Thusis

Wander- und Wellnesstag in der Viamala-Schlucht

[13. Mai, Ruhetag]

Direkt beim Eingang zur Viamala-Schlucht hatten wir auf dem Camping Viamala im Regenschatten von ein paar Bäumen gestern unser Zelt aufgeschlagen. Denn für den heutigen Tag war schlechtes Wetter angesagt, ausserdem konnten wir einen Ruhetag gut gebrauchen. Das Dilemma war jedoch, dass die Viamala-Schlucht mit seinen Erkundungspfaden samt packenden Geschichten lockte, das Wetter dann doch nicht so schlecht war und wir nicht wirklich zum Ausspannen kamen. Fast ein bisschen Pflicht war deshalb der Gang zum Mineralbad in der Viamala Schlucht.

Die Busfahrt durch die Viamala-Schlucht liessen unsere Reiseherzen ein bisschen höher schlagen. Die Szenerie war wirklich faszinierend – auch ein Ort, an welchem wir beide zuvor noch nie gewesen waren. Der fähige Postauto-Chauffeur liess vor den engen Kurven jeweils den vertrauten, wohlklingenden Dreiklangton ertönen, welcher dann durch die ganze Viamala-Schlucht zu hallen schien. Ausnahmsweise fühlten wir uns in einem Bus wieder sicher unterwegs und konnten die Fahrt wirklich geniessen.

Strontium, Magnesium und Kalium – diese Inhaltsstoffe des Mineralwassers des Mineralbad Andeer waren vielversprechend und tatsächlich fühlte es sich wunderbar an, sich in diesem Mineralbad bei angenehm warmer Wassertemperatur, an den potenten Wasserdrüsen im Aussenbecken an diesem eher trüben, regnerischen Tag massieren zu lassen. Die tauben Beine und der brettharte Rücken dankten es uns, auch wenn wir direkt nach unseren Wellnessstunden deutlich müder waren als zuvor. Zurück wollten wir einen der Erlebnispfade durch die Viamala-Schlucht unter die Füsse nehmen. So kam es, dass wir ca. drei Stunden gemütlich zurückschlenderten, mit Familie und Freunden telefonierten und unsere Ankunft zu Hause ankündigten.

Zurück beim Camping, assen wir etwas in der schönen Holzhütte und krochen früh in unser Zelt, denn morgen früh sollte es endlich weitergehen – wir konnten es kaum erwarten!

 

vom Hinterrheintal nach Disentis

Disentis – Oberalppass – Andermatt – Erstfeld – Flühelen

[14. Mai, 11. Radlertag ]

Aus Thusis heraus war bereits früh am Morgen eine Herausforderung. Nicht weil es rauf ging, nein eher weil wir mit der von schweren Lastwagen befahrenen Strasse etwas haderten. Irgendwie waren wir noch etwas zu stark von Österreich und dem Engadin verwöhnt, wo verkehrsmässig alles irgendwie ruhiger zur Sache geht. Vielleicht war es dann etwas Pech, doch der Regen, der zuvor aus der Prognose nicht eruierbar war, vermochte uns jetzt als Gegenspieler entgegenzutreten. Wir nahmen es mit Gelassenheit. Mittlerweile trotzten wir erfolgreich dem unbeständigen Frühlingswetter Europa’s und: wir wollten ja nach Hause! Gegen den Wind und den Regen fuhren wir danach das Hinterrheintal runter, obwohl.. eigentlich ging’s erstmals wieder rauf. Klingende Namen wie etwa Rhäzüns säumten die Strasse. In Bonaduz angekommen, wussten wir auf guten Rat eines Kollegen hin, dass der Umweg über Flims/Laax keine gute Idee sein würde. So fuhren wir direkt auf dem schönen Strässchen nach Versam. Die Route dorthin war gar fast etwas spektakulär, sie bot uns einen, wenn auch etwas verregneten Ausblick auf das Vorderrheintal.

Trotz ganztägigem Regenwetter schöner Ausblick

Trotz ganztägigem Regenwetter schöner Ausblick

Der weitere Weg führte uns dem südlichen Hang des Rheins an einer in die steilen Felsen eingekerbten Strasse entlang. Ab und zu passierten wir einen Tunnel und gelangten später in ein zerfurchtes Zuflusstal – das sogenannte Versamer Tobel, dessen Fluss, die Rabiusa, später in den Rhein fliesst. Nach dem Überqueren der Rabiusa stieg die Strasse nochmals in ein paar Haarnadeln hoch bis Versam, wonach es dann mit beträchtlich mehr Aussicht aufs Rheintal wieder flacher und westwärts ging. Auf der Abfahrt via Valendas und Castrisch bis Illanz picksten die spitzen Regentropfen immer noch im Gesicht. In Illanz legten wir einen längeren Kaffeehalt mit guten Buttergipfeli und der Tageszeitung ein. Auch das war irgendwie Teil des Nachhausekommens. Irgendwann bemerkten wir, dass sich das Wetter etwas gelichtet hatte und wir also getrost weiter fahren konnten. Unser Ziel war Disentis und der Plaza da Camping, ein Campingplatz unterhalb des Dorfes am Rhein. Die Rheinquelle liegt am Tomasee in der Nähe des Oberalppasses. Der längste Rheinzufluss einer anderen Quelle ist allerdings der Stausee am Lukmanierpass, dessen Abfluss hier beim Plazza da Camping vorbei fliesst. Der Rhein hat eben mehrere Quellen.

Die Windkraft nutzten wir zum Trocknen des Zeltes, der Mätteli und Schlafsäcke, fetteten die Fahrradketten, befestigten die lädierten Körbe neu, die feuchten Kleider wuschen wir in der Waschmaschine des Campingplatzes und nutzten ausnahmsweise den Tumbler zum Trocknen. Wir nahmen eine warme Dusche und dann waren Mensch & Material wie neu, erst recht nach dem köstlichen Nachtessen und dem „Saft vom Fass“, dem trüben Apfelwein von Mohl.

 

durch das obere Rheintal auf die Gotthardroute

Disentis – Oberalppass – Andermatt – Erstfeld – Flüelen

[15. Mai, 12. Radlertag, 74Km, 5.5h im Sattel, Oberalppass als Highlight und die wohl längste Abfahrt auf unserer Heimfahrt – 1600 Höhenmeter!]

Irgendwie hatten wir uns nun an die einzigartige, unverwechselbare Topographie Europa’s gewöhnt, nachdem wir aus dem topfebenen Kambodscha gekommen waren. Deshalb beeindruckte es uns auch diesen Morgen nicht, dass es die ersten Stunden vor allem obsi ging. Passfahrten waren unsere Lieblingsetappen geworden – auch wenn es streng war, gab es einen klaren Höhepunkt zu erreichen und wir nahmen die mentalen und körperlichen Herausforderungen gerne an. Und, wir wollten nach Hause!

In der frischen, aber sonnigen Morgensonne fuhren wir zuerst nach Sedrun hoch. Im Wissen darum, dass die grosse Arbeit, die Fahrt auf den Oberalppass erst noch kommen würde, verhielten wir uns noch etwas zurückhaltend. An Sedrun und dieses Gebiet haben wir sehr gute Erinnerungen, waren wir doch im Sommer zuvor vom Oberalpstock hier runter gekommen. Uns passte die Fahrt hoch, bald erreichten wir den Schnee. Je höher wir stiegen, desto mehr Schnee hatte es, doch die Strasse war sauber und mehrheitlich trocken. Die Aussicht auf die Berge heimelte uns. Bald gelangten wir in die Zone, wo die Seitenwalle des Schnees, die aber vor allem durchs Schneepflügen entstehen, mehrere Meter hoch wurden. Im oberen Bereich, etwa 2Km vor der Passhöhe waren Bauarbeiter daran, die durch den Winter arg gebeutelte Strasse, wieder herzustellen. Bald erreichten wir den Oberalppass, eine Schneelandschaft wie mitten im Winter. Wir zogen auf Grund der Kälte sämtliche Kleider an, die wir bei uns hatten, denn der Wind blies uns ordentlich um die Ohren und die Abfahrt in Schnee würde nicht gerade ein warmes Unterfangen werden.

Vorbereitungen für die Abfahrt nach Andermatt...

Vorbereitungen für die Abfahrt nach Andermatt…

Auf der Abfahrt nach Andermatt wurden unsere Glieder dann so durchfroren, dass wir unten angelangt in die erstmögliche warme Bäckerei hocken mussten. Ein Tee genügte nicht, und auch der frische Nussgipfel vermochte unsere Seelen nicht richtig aufzuwärmen. Danach, die Abfahrt war noch lange nicht vorbei, fuhren wir über die einigermassen – wider Erwarten – verkehrsarme Strasse nach Göschenen, Wassen Amsteg bis nach Altdorf. In der Ebene nach Erstfeld hatten wir leichten Talwind, was uns zwar rein physikalisch entgegen kam, nicht aber im mentalen Sinne. Bald waren wir am Urner Becken des Vierwaldstättersees angelangt. Hier suchten wir das Windsurf Camp in Flüelen, dass uns einen minimalen Zeltplatz bot. Wir hatten gerade Platz für das kleine Zelt und die zwei Fahrräder. Die Nacht im Zelt war, seit langem wieder einmal, lau und deutlich wärmer als sonst..

 

Vom Ufer des Urnersees nach Meiringen zu Familie Studer

Flüelen – Isleten – Bauen – Brunni – Stans – Sarnen – Brünnigpass – Familie Studer Meiringen

[16. Mai, 13. Radlertag, 82Km, 4.5h im Sattel, 2h Fahrräder inklusive Ladung getragen, Kantone Uri, Nidwalden, Obwalden, Bern]

Wieder waren die Finger taub, vor Abfahrt. Doch heute hatten wir einen Plan, und deshalb blieb keine Zeit, um uns darüber zu beklagen. Heute war seit langem wieder einmal ein Tag, an welchem wir eine Abmachung hatten – Familie Studer in Meiringen wartete auf uns, und wir wollten nicht zu spät bei ihnen ankommen. Ausserdem freuten wir uns sehr, sie als erste wieder zu sehen!

Gestern hatten wir beim abendlichen Picknicken am Ufer des Urnersees die Topographie des westlichen Ufers bei Isleten und Bauen aus der Distanz angesehen und die Karte studiert. Die Frau auf dem Camping meinte, es gäbe dort schon ein paar Stufen, über welche wir die Fahrräder wohl tragen werden müsse. Doch wir hatte einfach keine Lust, die gefährliche und laute Gotthard-Zubringerstrasse am Ostufer zu fahren – zu oft waren wir in letzter Zeit in den dunklen, ohrenbetäubenden Tunneln von den gefühlten 40-Tönnern beinahe an die Tunnelwand geklebt worden. Oft hatten wir uns dabei unsäglich erschreckt. Am zweitletzten Radlertag wollten wir also kein Abenteuer mehr eingehen.

Zeilstrebig fuhren wir an diesem wunderschönen Morgen ab, begutachteten noch das ufernahe Ökosystem des Sees und überfuhren auf den schmalen Pfaden beinahe noch eine Ente. Es war kühl, doch die Sonne stand bereits am Himmel, die Luft war rein. Zwischen Isleten und Bauen warteten nochmals zwei Tunnel – Räphu montierte nur wiederwillig die Velolichter und benutzte nur ungern den schmalen Velostreifen. Im Dorf Bauen informierte uns ein Wanderpaar vorsichtig, dass die Strasse hier ende und ein Weiterkommen mit den beladenen Fahrrädern wohl schwierig werden würde. Wir berichteten ihnen über unser Vorhaben, erzählten von unseren Beweggründen, nach Hause zu fahren und daraufhin wollten wie unbedingt ein Foto von uns samt Sack und Pack machen. Sie verabschiedeten uns herzlich. Hier in Bauen war dann vorerst fertig mit velofahren. Unsere besprochene Strategie war jene, dass wir jeweils zu zweit ein beladenes Fahrrad ca. 100m weit tragen würden, bevor wir das Zweite holen gehen würden. Anfangs waren wir guten Mutes, bissen auf die Zähne und versuchten, möglichst kräftesparend zu tragen, doch die Stufen waren endlos… Nach gut einer Stunde waren unsere Oberkörper ziemlich ausgebrannt, die 300 Höhenmeter jedoch noch nicht ganz überwunden. Ein Rückblick über das Urner Becken mit den weissbedeckten Bergen und dem wolkenlosen Himmel eröffnete uns ein wahnsinniges Panorama und liess uns zumindest für einen kleinen Moment die Strapazen vergessen. Nach harten zwei Stunden Fährräder uphill tragen war es bereits nach 10.00 Uhr, der Kilometerzähler zeigte erst 10Km und eigentlich hatten wir noch fast den ganzen Radlertag vor uns. Trotz allem war das Ziel klar – Familie Studer – und deshalb machten wir uns nach einem zweiten Frühstück auf einem Aussichtsbänkli weiter auf den Weg, endlich wieder fahrend.

Da die „Abkürzung“ viel Kraft gekostet hatte, kam es uns sehr entgegen, dass wir für den Rest des Tages fast die ganze Zeit über Rückenwind nutzen konnten. In Stans hatten wir bereits wieder Bärenhunger und genehmigten uns ein nährhaftes Sandwich und Kaffee.

Auf der heutigen Tagesetappe waren wir auf Schweizer Boden unterwegs, auf welchem wir zuvor noch nicht bewusst durchgefahren waren. Das angenehme Velofahrtempo kam uns ein weiteres Mal zu Gute und wir registrierten die vielen Seen, welche wir passierten. Vierwaldsättersee, Alpnachersee, Sarnersee und Lungerersee begleiteten uns an diesem Tag.

Ab Lungeren wartete der letzte grosse Anstieg unserer Heimreise auf den Brünnigpass auf uns. Im unteren Teil der Passstrasse konnten wir noch auf den Fahrradweg ausweichen, auch wenn das eine Steigung von über 10% bedeutete und nur noch Räphu partiell zu fahren vermochte, währenddem ich es vorzog, das Velo den Berg hoch zu schieben. Die Passstrasse im oberen Teil stieg angenehm, so dass uns eigentlich nur die mit knapper Distanz vorbeirauschenden Motorräder und Auto’s ein bisschen störten. Oben angekommen, kündigte Räphu bei Dani Studer unsere Ankunft an.

Vom Pass nahmen wir die schmale Bergstrasse über die Hohfluh nach Meiringen runter und freuten uns riesig, Familie Studer wieder zu sehen. Wir verbrachten einen gemütlichen Nachmittag und Abend bei ihnen im Garten mit einem feinen Drink und Apéro, brätelten Gemüse und Cervelat und hatten gegenseitig natürlich einiges zu berichten. Vielen Dank nochmals Moni und Dani, dass wir bei euch im Garten unser Zelt stellen durften und ihr uns so herzlich im Empfang genommen habt!

 

Heimfahrt

Meiringen – Interlaken – Thun – nach Hause!!

[17. Mai, 14. Radlertag, 56Km, 4h im Sattel, Kanton Bern]

Bei Studer’s im Garten hatten wir wie Steine geschlafen – doch beim Aufstehen machte sich da ein vorerst dezenter Muskelkater vom gestrigen Tag bemerkbar. Aber es war nicht mehr weit bis nach Hause. Zusammen starteten wir gemütlich in den Tag – natürlich mit einem typisch schweizerischen Frühstück – dies genossen wir nach langer Abstinenz sehr. Nach dem Zusammenpacken der sieben Sachen hiess es für uns schon wieder, Abschied zu nehmen. Etwas spät abgefahren, mussten wir uns sputen. Denn in Interlaken trafen wir nach sieben Monaten Bootsy wieder und durften die letzten Kilometer nach Thun in seinem Windschatten fahren und konnten uns so besser umsehen – die noch weissbedeckten Berge, das kristallblaue Wasser der beiden Seen, die frische Luft, der strahlend blaue Himmel – als hätten sich alle herausgeputzt und auf unsere Rückkehr gewartet…

So sind die letzten Kilometer unserer Heimfahrt von Wien auf den Mühleplatz in Thun noch einmal puren Genuss. Genau so wie wir es uns erträumt haben, finden wir uns nicht auf einen Schlag wieder zu Hause, sondern realisieren unsere Heimkehr mit jedem Pedaltreten. Das Panorama auf die uns vertrauten Berge, die glitzernden Seen und das strahlende Wetter belohnen uns. Auf dem Mühleplatz in Thun werden wir von Freunden empfangen – auch wenn wir insgeheim ein bisschen überfordert, sicher auch erschöpft sind und das lang ersehnte Ziel doch irgendwie plötzlich erreicht ist, freuen wir uns sehr auf den spontanen Empfang. Tausend Dank, dass ihr an diesem Tag da wart, auch wenn unsere Heimkehr nicht auf einen bestimmten Tag geplant war. Ihr habt uns eine grosse Freude gemacht!!

 

 

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