eine wilde Landschaft um den Volcán Quilotoa

Gepostet am Jun 19, 2013 in Alle Berichte, Ecuador, Geschichten sind Speisen für's Ohr.., Hochtour, per pedes, Wandern T4+ | Keine Kommentare

eine wilde Landschaft um den Volcán Quilotoa

Circuito Quilotoa

[05.06.2013] Ecuador

Früh morgens haben wir in Baños (de Agua Santa), einem Ort im verregneten und wolkenverhangenen Tal wo der Rio Pastaza hunderte von Meter tiefe Canyons in die von Vulkanen umrungene Landschaft frass, einen Bus nach Quito genommen. Baños liegt in einem westöstlich gerichteten Quertal rechtwinklig zum zentralen Hochland und verbindet damit das andine Hochplateau mit dem Oriente, wo sich der Amazonas hinstreckt. Der Bus hält in Ambato und Latacunga, wieder im zentralen Hochland an, bzw. er hält so oder so überall wo man aussteigen will. In Latacunga sind wir dem Bus entstiegen und rund einen Kilometer (5 Quadras) zum Terminal de Buses gelaufen. Latacunga ist eine relativ grosse Stadt, die auf den ersten Blick überhaupt nicht einladend wirkt. Allerdings soll sie ein schönes Zentrum haben, was wir aber nicht besucht hatten.

Latacunga ist  aber neben Zugangsort zum Parque Nacional Cotopaxi (im Osten gelegen) auch Ausgangsort für den sogenannten Quilotoa-Loop. Der Loop ist benannt nach dem Volcán Quilotoa, der wohl im Jahr 1280 zum letzten mal ausbrach (siehe hier) und dessen Kraterrand heute ganzheitlich umwandert werden kann. Der Volcán Quilotoa besitzt eine Caldera mit dem Umfang von rund 11Km und einem Druchmesser von knapp 4Km. Im Boden des Sees befinden sich Fumarolen, an der Ostseite des Vulkans gibt es warme Quellen. Die Auswirkung der Fumarolen kann man bei einem Kajakausflug auf der Wasseroberfläche sehen, es sprudelt manchmal ganz unverhofft neben dem Kajak hoch, manchmal auch stabil.

Der Volcán Quilotoa liegt im nördlich Teil des zentralen Hochlandes nur unweit der beiden Vulkane Illiniza Sur und Illiniza Norte und auch sehr nahe am Volcán Cotopaxi. Die indigene Bevölkerung geht davon aus, dass der Kratersee keinen Grund hat, sie glauben an ein Mysterium, Geologen dagegen gehen davon aus, dass der See bis zu 250m tief in die Caldera rein Wasser trägt.

Volcán Quilotoa

Die riesige Caldera des Volcán Quilotoa (klicke auf’s Bild)

Der sogenannte Loop beschreibt aber eigentlich nicht die Umrundung des Kraters, sondern die rundförmige Durchquerung des höchstgelegenen Teils des zentralen Hochlandes von Ecuador. Hierzu kann man in Latacunga entweder mit einem Bus, einem Taxi oder mit irgend einem anderen Gefährt mitfahren und in den verschiedenen traditionellen Siedlungen indigener Einwohner übernachten. In jedem Fall kann man zwischen den Fahrten auch von Dorf zu Dorf trekken. Viele Unterkünfte sind spartanisch, doch findet man auch immer wieder schöne Hostels oder nächtigt bei Einheimischen, die für die Trekker ein Zimmer haben.

Wie schon geschrieben ist die Region sehr hoch gelegen, viele Dörfer liegen zwischen 3500 und 3900m ü.M., dadurch können die Nächte sehr kalt werden und bei oft unwohnlichen Windverhältnissen ist auch tagsüber mit unangenehmen Temperaturen zu rechnen. Umso bedeutender wird dieser Zustand, als dass viele Häuser nicht oder nur spärlich geheizt werden, weil das Holz hier im zentralen Hochland nach jahrzehntelangem Abholzen der Wälder sehr spärlich geworden ist. Der Quilota-Loop kann in vielen verschiedenen Varianten durchgeführt werden. Vielen geht’s hier gar nicht unbedingt um’s Trekken, sondern der kulturellen Erfahrung wegen. Die Busse fahren von Latacunga über die Dörfer Pujilí – Tigua – Zumbahua (Hauptort) – Quilotoa – Chugchilán bis Sigchos. Quilotoa und die folgenden Dörfer sind aber mit dem öffentlichen Verkehr nur schlecht erschlossen, die Busse fahren stündlich bis Zumbahua aber nicht weiter. Allerdings fahren viele Trucks, kleine Privatautos und andere Camionettas von allen Dörfern nach Zumbahua, wo man danach den Bus zurück nehmen kann.

Die Strassen wurden in ganz Ecuador in den letzten vier Jahren gesamthaft erneuert oder saniert, was die Fortbewegung massivsten erleichtert. Hier auf dem Quilotoa-Loop sind die Bauarbeiten noch im Gange, zwangsläufig kann dies zu z.T. langen Wartezeiten führen.

Exkurs in die Unfallstatistik…

Jetzt soll doch an dieser Stelle ein kleiner und angeschnittener Exkurs zum öffentlichen Verkehr in Ecuador folgen. Manchmal, wenn wir im Bus sitzen, haben wir das Gefühl, dass diese Busfahren endlos dumm sein müssen. Wir nerven uns dermassen darüber, dass wir auch schon dem Busbetreuer mehr oder weniger freundlich mitgeteilt haben, man solle doch gefälligst langsamer fahren, die Sicherheit sei doch viel wichtiger als die Zeit, die man durch die sinnlose Raserei gewinnen würde. Ecuador hat eine traurige Unfallbilanz: 76’000 Verkehrsunfälle in den letzten drei Jahren, rund 20’000 Verkehrstote in den letzten gut 6 Jahren. Diese Zahlen verdeutlichen die Dummheit vieler Fahrer und untermauern unsere Befindlichkeit, wenn wir uns im Bus stets umschauten und die an sich gelassenen Gesichter der Mitreisenden anschauten. Warum es um die Statistik des öffentlichen Verkehrs so schlecht steht können wir nicht beantworten. Wir wissen lediglich, dass die Ecuadorianer durch ihren Präsidenten Rafael Correa seit rund 4 Jahren massiv in den Bau von neuen Strassen investiert haben. Praktisch alle Hauptstrassen entlang des zentralen Hochlandes (Hauptachsen) und an die wichtigsten Orte entlang der Küste sind rund um erneuert (oder erst gebaut) worden. Weil davor nur auf unbefestigten Kies-, Stein und Staubstrassen gefahren wurde, ist der Umgang mit dreispurigen Autobahnen (die meist immer noch durch an und für sich unwegsame Andentäler führen) heute noch nicht im Blut der Bussfahrer. Leider..

…zurück zu Quilotoa

Quilotoa ist die vielleicht höchst gelegene Siedlung bestehend aus ein paar Häusern, etwa 4 Hostels, zwei Restaurants (eines davon ist ganz schön am Kraterrand gelegen) und ein paar anderen Häusern. Die Landschaft ist sehr rural geprägt, weitaus die meisten Menschen leben von der Landwirtschaft, andere versuchen es im Tourismus, sei es mit dem Angebot an Fahrten mit den Camionettas nach Zumbahua oder als Guide für Trekkingtouren. Bieten tut das Dorf aber nicht viel, mal vom Trekken nach Hause gekommen, verbringt man den Abend vorzugsweise im Schlafsack, mal abgesehen vom Intermezzo das Nachtessen (la cena) heisst. In den Hütten ist’s halt auch verdammt kalt.. Die Menschen hier leben völlig traditionell, viele sprechen nur Quechua, die Ursprache grosser Teile der andinen Bevölkerung (über 7 Länder verstreut). Ecuador ist unserer Meinung nach stark zweigeteilt. Wenn man in die grossen Städte geht, hat man das Gefühl, dass Ecuador ein relativ gut entwickeltes bald reiches Land ist, gute Strassen, relativ sauber, viele Autos hat usw. Fährt man mit den Bussen in die Aussenquartiere oder vielmehr wirklich auf’s Land, so ist Armut, Hunger und Kampf um die eigene Existenz nicht fern ab jeglicher Realität. Menschen im zentralen Hochland, sind zu einem grossen Teil Landwirte und zudem noch Selbstversorger.

Sie betreiben noch heute eine Subsistenzlandwirtschaft, eine Ertragswirtschaft deren Früchte (im übertragenen Sinne geschrieben) gerade ausreichen, um den täglichen Bedarf an Kalorien, Mikronährstoffe (Vitamine, Spurenelemente, Elektrolyte etc.) zu decken, wenn überhaupt. Neben dem Kampf um Nahrung sind die Umweltbedingungen in grossen Teilen Ecuadors stark angeschlagen. Weil das zentrale Hochland durch jahrzehntelanges Abholzen der Wälder sehr karg geworden ist, ist ihre Existenz v.a. durch Erosion stark gefährdet. Durch Siedlungs- und Anbaudruck sind die Anbaugebiete insbesondere hier im zentralen Hochland in die höheren Regionen getrieben worden. Die Anbaugebiete der Ärmsten sind in die Hänge der Vulkane zurückgedrängt  worden. Dadurch und weil keine geschlossene Waldvegetation mehr besteht, entsteht beim kleinsten Niederschlag eine Rinne, nach ein paar Monaten ist ein wilder Abriss des Hanges zu verzeichnen, nach ein paar Jahren liegen die Hänge brach und sind stark desertifiziert (weil keine Pflanzenschicht die Entstehung neuer Humusschichten mehr unterstützt). Dies und steigende Preise für Lebensmittel / Treibstoffe und andere Güter führen zu sehr schwierigen Bedingungen für die Landwirtschaft im zentralen Hochland Ecuadors. Es bleibt zu hoffen, dass die Nachfahren der Bauern eine gute Schulbildung geniessen können, damit sie in der Zukunft in einer Stadt einen Beruf ausüben können.

… zum Trek

In Quilotoa sind wir so gegen 14.00Uhr angekommen. Weil man da eigentlich nicht viel unternehmen kann, ohne dass man bzw. FRAU sofort erfriert, ist die einzige Beschäftigung die Bewegung. So sind wir rasch, nachdem wir eine Unterkunft fanden runter zum Kratersee gelaufen. Der Weg führt auf Sand, etwas rutschig direkt vom Mirador beim Dorf runter, ist aber ganz leicht zu gehen. Unten angekommen (dort hat’s ein Hostel!), haben wir bei einer traditionell gekleideten Frau ein Kajak gemietet und sahen uns später padelnd auf dem See. Die Aussicht auf den den See umrandenen Gipfelgrat ist wunderbar. Der See hat eine seltsame grüne Farbe und ab und zu sprudelt es unter dem Kajak. Zurück liefen wir wieder hoch zum Kraterrand, was fast eine Stunde braucht (runter hatten wir weniger als eine halbe Stunde).

Oben angekommen, entschieden wir uns etwas in den Schlafsack zu liegen. Das einzige Intermezzo vom wohl schönsten Ort der Erde (zu diesem Zeitpunkt unsere Schlafsäcke) war das Nachtessen – Reis, Kochbanane, Erbsen, Kartoffeln und eine Sauce.

[06.06.2013] Am nächsten Morgen liefen wir bei relativ schönem Wetter los. Der Wind wehte allerdings stürmisch und das ist sehr typisch für diese Jahreszeit. Im Moment, also zwischen Mai und Ende Juni geht’s im zentralen Hochland Ecuadors in die Transition zwischen der eben vergangenen Regenzeit zur Sommer- bzw. Trockenzeit. Dies äussert sich zwar in bereits relativ mehr Trockenheit, aber auch starken Winden. Den Chimborazo, weit südwärts war für einmal zu sehen, der Cotopaxi im  Nordosten stark bedeckt mit dunkeln Wolken (ein Sturm war im Gange, was wir später vernahmen), die beiden Illinizas im Nordwesten wechselten vom Status „in Wolken umhüllt“ in den Status „frei von Wolken“. Es war ein wahnsinniges Schauspiel, die Wolken fegten mit hoher Geschwindigkeit über uns weg, die Sicht war überdurchschnittlich klar.  Ab und zu versuchten wir kleine Pausen zu machen, gerade dann wenn wir einen Ort auf dem Grat fanden, wo der Wind nicht so unbarmherzig blies.

Die Umrundung ist relativ einfach, der Weg nicht all zu schlecht zumal er ebenfalls als Weg für die am Berg lebenden Menschen dient. Wir sind den Loop gegen den Uhrzeigersinn gelaufen. Der Aufstieg auf den Kraterrinnen-Gipfel (3924m ü.M.), den höchsten Punkt im Osten des Loops gelegen, ist so im ersten Viertel des Treks zu gehen. Bevor dieser Aufstieg kommst, geht’s zuerst rund 200m runter, um dann rund 350m auf den „Kratergipfel“ zu steigen. Danach folgt der Weg meistens auf dem Grat und steigt stetig auf und ab. Die Ostpassagen sind dabei im Generellen eindrücklicher, als die die Westpassagen.

Eckdaten des Treks:

Kilometer: 10.87, Zeitbedarf: 4h 30m, Min Höhe.: 3711m ü.M., Max Höhe.: 3923m ü.M., total Aufstieg im Loop: 754m, total Abstieg im Loop: 747m

 

Download

 

Der Trek ist wunderbar, die Szenerie einzigartig, immer wieder erhält man eine anders gewinkelte Sicht auf die Lagune. Die Kraterberglandschaft ist wirklich atemberaubend und wird von uns allen, die gerne Trekken und Ecuador besuchen empfohlen. Nicht nur die überragende Sicht in den Krater, sondern bei gutem Wetter ebenfalls die Sicht zum Chimborazo, Cotopaxi und den beiden Illinizas ist einzigartig!

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