Flucht-, 3795m ü.M. und Alallinhorn 4027m ü.M.

Gepostet am Jun 30, 2012 in Alle Berichte, Geschichten sind Speisen für's Ohr.., Hochtour, per pedes, Schweiz, Wallis | Keine Kommentare

Flucht-, 3795m ü.M. und Alallinhorn 4027m ü.M.

Tour Datum:    30 Juni 2012
Wandern Schwierigkeit:     T3 – Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit:     WS+

Wegpunkte:
Saas-Fee 1798 m – Mittelstation Morenia 2575 m – Felskinn – Station 2989 m – Chessjengletsjer 3000 m – Egginerjoch 2989 m- Britanniahütte SAC 3030 m- Kleines Allalin 3070 m – Fluchthorn  3795m – Bergstation Mittelallalin 3457 m – Feejoch 3826 m – Allallinhorn 4027 m

Zeitbedarf:     2 Tage

Auf- und Abstieg:     1800 m ↑ 1800 m ↓

Zufahrt zum Ausgangspunkt:     ÖV nach Visp; Umsteigen auf Postauto Linie 1 Saas Fee (Busse fahren direkt vor der Bahnhofshalle in Visp).

Unterkunftmöglichkeiten:    Viele in Sass-Fee, Britanniahütte SAC

Kartennummer:    1:25’000: Randa 1328 / Saas 1329 / Zermatt 1348 / oder 1:50’000 284 Mischabel

Ausbildungstourenwochenende in der Höhe oberhalb Saas Fee

Am 29.06.2012 trafen wir uns in Saas Fee, eine kleine Gruppe, die das Seilhandwerk für Gletschertouren auffrischen und vertiefen wollten.

Wir liefen schwer bepackt mit all den vielen Utensilien, die man halt braucht, wenn man in die hohen Berge geht, gegen die Talstation der Felskinn Seilbahn. Dort eingestiegen gings rasant hoch zur Bergstation Felskinn auf annähernd 3000m ü.M. Von dort liefen wir Richtung Osten (planiert) über den Chessjengletscher zum Egginerjoch (der Egginer ist ein steiler Felsaufbau der sich in Richtung Nordosten zieht).. Beim Egginerjoch angekommen nahmen wir die Ausbildung auf:

  • Repetition Anseilen (kurzes Seil / langes Seil / verschiedene Schlaufen) inkl. Rollenspiel in unterschiedlichem Gelände
  • Gletscherbergung nach Spaltensturz
  • Selbstaufstieg (Spaltenrettung)
  • Provisorische Zwischensicherungen und provisorische Verankerungen in steilem Gelände oder bei Spaltensturz / Aufstieghilfe durch den Tourenführer im Zusammenhang mit der provisorischer Sicherung etc.
  • Verhalten im Gelände
Pano am Abend vom kleinen Allalin

Fluchthorn – Strahlhorn – Rimpfischhorn & Allalinhorn mit Holaubgrat

Danach, gesättigt vom vielen Wissen, liefen wir auf schlechten Trittspuren über den Chessjengletscher entlang des Hinteren Allalingrates Richtung Britanniahütte. Der Weg führt heute eigentlich unten rum, weil der Chessjengletscher so stark abschmolz, dass die Flanke, die oben durch zur Britanniahütte führt, sehr steil geworden ist. Im Moment ist es noch einigermassen machbar, aber wenn der Schnee weggeschmolzen sein wird, dann muss man dann den Weg unten durch gehen, um nicht unnötige Gefahren einzugehen (dauert dann sicher eine halbe Stunde mehr).

Angekommen in der Britanniahütte richteten wir uns etwas ein, wir planten zwei Nächte zu bleiben. Nach einem kurzen Ausflug auf’s kleine Allalin und nach genüsslicher Betrachtung der einzigartigen Szenerie der sich von Strahl-, Rimpfisch- und Allalinhorn durch die Gletschertäler windendenen Eismassen liessen wir uns das Nachtessen schmecken und legten uns etwas nach 20.00Uhr schlafen.

Nicht weil wir sonderbar müde waren, nein, weil um 02:50Uhr eine Stimme in schönem Wallisserdeutsch: „Guta moorgah, ufstah!“ *Licht*. Ok, eifrig und freudig geht das viel leichter, als es jetzt den Anschein macht. 03.00Uhr Frühstück und ca. 03.55Uhr sind wir Richtung Holaubgletscher runtergleaufen (Siehe Route). Dort angeseilt, und der Route entlang.

Der Schnee auf dem Gletscher gefror durch die Nacht bis auf den Gipfel nicht richtig, weswegen wir die Schneeschuhe dabei hatten (für den Abstieg). Dies wurde von der Hüttenwartin der Britanniahütte empfohlen. Es gab viele Stellen, wo man beim Nachsetzen zum nächsten Schritt absank, was doch auf die Distanz gesehen ziemlich kräftezerrend war. Unser Ziel war das Fluchthorn (3795m), ein schöner Berg, dessen Proiminenz durch die rundum sich befindenen Berge aber deutlich geringer ist. Klar mit diesen mächtigen Nachbaren: Rimpfischhorn 4199m ü.M., exakt dahinter (südwestlich) das mächtige Strahlhorn 4190m, und im Norden das Allalinhorn 4027m ü.M., dessen Südwand ein steiler Fels darstellt.

Dank der warmen Temperaturen konnten wir das Gipfelerlebnis auf dem Fluchthorn 3795 m ü.M. einigermassen geniessen. „Einigermassen“ weil die überaus starken Böen, die immer wieder über die Gletscher peitschten (Südwind), uns jeweils fast aus dem Tritt warfen. Die Aussicht ist gigantisch: Direkt dahinter die Ostwand es Strahlhorns und die felsige Ostwand des Rimpfischhorns, weiter im Süden sieht man der Monte Rosa mit den Gipfeln Nordend (4609 m), Dufourspitze (4634 m), Zumsteinspitze (4452 m) und Signalkuppe (4554m) – eindrücklich! Interessant ist die Gegebenheit, dass sämtliche Gipfel auf der Schweizer Seite relativ zur Südseite (Italien) „flach“ aufsteigen und südlich davon steil, felsig abfallen. An ganz schönen Tagen mit hoher Sichtweite (vielleicht nachdem die ansonsten schmutzige Atmosphäre in der Poebene durch Regen ausgewaschen wurde) soll man von der Zumsteinspitze bis nach Milano sehen können.

Unterwegs machten wir noch einzelne Übungen (Verhalten im Gelände mit Sicherungsmöglichkeiten) und kamen gegen 13.00Uhr wieder in der Britanniahütte an. Nach der Retablierung des Materials assen wir Suppe, Rösti mit Käse etc. und legten uns etwa 2h aufs Ohr. Am späteren Nachmittag liessen wir uns nochmals auf die Ausbildung ein (Repetition vom Vortag und Selbstaufstieg).

Am nächsten Morgen ging’s erst um 07.00Uhr mit Frühstück los – das Allalinhorn erwartete uns. Ziel musste sein, vor 14.00Uhr wieder zurück zu sein, damit wir den Regen umgehen konnten, der ab 14.00 Uhr prognostiziert war. So waren wir mit beträchtlicher Verspätung mit dem Metro Alpin auf dem Mittelallalin angekommen (der Computer spuckte im Zeitlupentempo Tickets raus). Angekommen, machten wir uns gleich auf den Weg, zuerst auf einem planierten Weg bis zum oberen Teil des Skilifts.

Danach auf tief eingestapften Spuren, die teilweise abrutschten. Der Schnee war sehr weich und viel zum Teil nasser Schnee liegt noch am Allalinhorn. Bis zum Feejoch passiert man 2 dicke Gletscherspalten, die zwar zugeschneit sind. Nach 100%iger Sicherheit sehen sie definitiv nicht aus. Ca. 1 Stunde dauerte der Aufstieg zum Feejoch vom Schlepplift, danach etwa eine halbe Stunde bis zum Verbindungsgrat der auf den Gipfel führt. Die Passierung des Grates und die beschränkten Platzverhältnisse beim stürmigen Wetter waren gar nicht so trivial, zumal die Windböen uns manchmal fast aus der Bahn wehten.

Der Abstieg kann im oberen Bereich mehr oder weniger direkt runter gemacht werden (Richtung Feejoch) –  aufpassen bei den Spalten und an der „Schlüsselstelle“ (Traversierung „erst“e Spalte von unten her gesehen).

Zeitbudget:
Allalinhorn von Mittelallalin: 2-2.5h (nach oben) / 1.5h (nach unten)
Fluchthorn von Britanniahütte:  5h (nach oben) / 3.5h (nach unten)

Fröhlich, zufrieden und glücklich genehmigten wir uns ein Bier im Drehrestaurant auf dem Mittelallalin. Der Umstand, dass es zu regnen begann, unmittelbar nachdem wir zurück kamen war bezeichnend für ein super Wochenende, wobei wir alle viel lernten und im Gleichen zwei sehr interessante Touren machen durften!

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