Granada y León

Granada

Kolonialstadt der Mangobäume

[24 – 26 y 28 – 30 de junio] Nicaragua

Reisen in Nicaragua ist spontan, erlebnisreich, aufregend und ein bisschen anstrengend. So war dann auch die Etappe von der Isla Ometepe nach Granada. Obwohl erst am Anfang seiner Fahrstrecke hielt der Chicken-Bus schon recht voll und wir ergatterten die vorletzten Stehplätze hinten im Bus, die Rucksäcke fanden auf dem Dach ein Plätzchen. Wie gewohnt ging’s weiter mit regelmässigen Stopps – Velo aufladen, Reissäcke ausladen, ältere Frau die zwei Tritte hochzerren, Leute rein & raus – bis wir völlig eingepfercht in einer Ecke des Buses diagonal über der Gepäckbeige standen. Es war tropisch-heiss, die Atmosphäre jedoch fröhlich und entspannt. Beim Bus fahren kommt man den Nicas nicht nur körperlich sehr nah – man lacht über dieselben amüsanten Alltagssituationen, hilft einander beim Verstauen der Körbe, Taschen & Säcke, beim Ein- und Aussteigen über die steilen Tritte in den Bus. Für die knapp 25 Km Strecke hatten wir zwei Stunden gebraucht – alles lief nach Plan.

Bild 8

Auf der Fähre war’s diesmal nicht kalt & nass sondern windstill und die Sonne brannte auf uns nieder, als ob sie die letzten Tage hätte aufholen wollen. Die letzte Busstrecke war dann auch noch Mal intensiv, aber diesmal mit Sitzplätzen (3 Leute pro 2 Plätze). Zum z’Mittag versorgten wir uns bei den mobilen Proviant-Verkäufer im Bus mit 2Kg Bananen, frittierten Zuckerstangen, Nüssen, Popcorn und Wasser. Zu Fuss fanden wir dann ein entspanntes Hostal nach etwas zu lang geratenem Marsch in diesen Klimaten – zwei Nächte immerhin durften wir bleiben. Nach einer kalten Dusche (wie immer, jedoch heute besonders genossen) und nach einer kurzen Runde in der Hängematte ging’s hungrig in die Stadt.

Granada ist eine sympathische und sehenswerte Kolonialstadt am Westufer des Lago de Nicaragua und liegt am Fusse des 1344m hohen Vulkans Mombacho. Die Stadt wurde 1524 vom spanischen Eroberer Francisco Hernández de Códoba gegründet – nach ihm wurde die nicaraguanische Währung Córdoba Oro benannt. Während der Kolonialzeit hatte Granada einen der bedeutendsten Häfen Zentralamerikas. Mit der Handelsroute über den Nicaraguasee und weiter über den Rīo San Jan in die Karibik nahm der Handel weiter zu. Infolge des wachsenden Reichtums und der Auseinandersetzungen der Spanier mit England, Holland und Frankreich wurde die Stadt mindestens dreimal von Piraten überfallen und geplündert.

 

Tour de ciudad

Bereits am Vortag waren wir beim Parque Central auf die Kolonialstil-Kutschen mit davorgespannten Pferden aufmerksam und von Gabriel angesprochen worden. Er hatte uns vom ersten Moment mit seinem sprühenden Lebensgeist angesteckt und wir machten aus, am nächsten Tag vorbeizukommen und ihn zu suchen. Schon auf dem Weg zum Frühstück hatte er uns abgefangen und mit vollem Magen zurück waren wir etwas später auf der edlen weissen Kutsche mit rotem Ledersitz und dem davorgespannten Ramón unterwegs. Diese ungewohnte Perspektive auf Leute, Kolonialgebäude und Stadtleben sowie der Fahrtwind gefiel uns auf Anhieb. Wir kutschierten kreuz und quer durch Granada, manchmal wieder beim Parque Central vorbei um in ein noch nicht besichtigtes Stadtviertel zu gelangen. Gabriel wusste bei jedem Kolonialgebäude etwas zu berichten und nicht selten lachte er herzhaft über die Geschichten, die er uns erzählte. Auch nachdem wir uns danach verabschiedet hatten, sind wir die nächsten Tage öfters bei ihm vorbeigegangen für einen kurzen „Schwatz“ über die Aktualitäten und Pläne für die nächsten Tage. Er war ein bisschen unser Freund geworden.

 

Begegnungen

Überall, wo wir bisher hingekommen sind, sind wir überaus lebensfreudigen, offenen, engagierten und zuvorkommenden Menschen begegnet, die bereit sind auf eine packende Art ihre Ecke von Nicaragua zu zeigen. Viele dieser Begegnungen waren für uns sehr beeindruckend in Anbetracht der doch grossen Armut hier in Nicaragua. Unter harten Lebensbedingungen versuchen sie unermüdlich auf legale Art und Weise ihre Familien irgendwie durchzubringen. Javier, welcher uns per Kanu über den Nicaraguasee zum Fluss führte, Donald, unser „Bergführer“ auf den Vulkan Concepción, der Kutschenfahrer Gabriel, welcher uns die Stadt Granada aus seiner Perspektive zeigte und Juañita, die Mama des Hostals, welche um den Gesundheitszustand von Räphu besorgt war und ohne zu zögern uns zur Klinik begleitete. Allesamt haben sie bei uns durch ihre herzliche, sympathische und lebensfreudige Art einen packenden Eindruck hinterlassen und verdienen damit grossen Respekt und Bewunderung.

 

León

[26 – 28 de Junio]

Per Microbus verliessen wir  Granada vormittags nach Managua, dort stiegen wir gleich in den nächsten, etwas grösseren Microbus nach León ein. Bezahlt haben wir jeweils für 3 Fahrgäste, da unsere Rucksäcke einen Platz besetzten. Doch wir bezahlten die 25 Córdobas (1 CHF) gerne und der Bus war somit auch schneller voll – Abfahrt ist nämlich jeweils, sobald alle Sitzplätze besetzt sind.
Bereits bei Ankunft in León fühlte sich Räphu nicht gut, zudem herschte in León eine Tropenhitze, die kaum auszuhalten war – weder in unserem Zimmer, im Hostal sonstwo, auf der Strasse, im Schatten des Parkes vor der Kathedrale, überall war es eindeutig zu heiss. Gerne hätten wir mindestens 10 Grad per Windpost in die Heimat geschickt – dort fehlen wohl immer wieder ein paar Grad bis zum Erreichen der längst erhofften, stabilen Sommertemperaturen.

León, mit vollständigem Namen Santiago de los Caballeros de León liegt im Westen Nicaraguas nahe der pazifischen Küsten und ist ein Zentrum des Erdnuss- und Zuckeranbaus. Auch León wurde 1524 von Francisco Hernández de Córdoba gegründet. Das erste León befand sich allerdings ca. 30 Kilometer vom heutigen entfernt. Nach einem Ausbruch des Vulkans Momotombo, der die Stadt schwer traf, wurde León in der Nähe einer indigenen Siedlung neu gegründet. Die Ruinen des alten León gehören heute als León Viejo zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Am Fusse eines 60 Km langen Vulkanrückens gelegen, bekannt als die Maribios-Vulkankette ist der Nordwesten Nicaraguas die feuerigste und dampfenste Ecke – in literarischem und geologischen Sinne. León war immer schon ein heisses Pflaster für Intellektuelle, Revolutionen und Kampf um Unabhängigkeit. Die Stadt war ein Zentrum der Revolutionskämpfe 1978/79.

León als Zentrum der Revolutionskämpfe 1978/79

León als Zentrum der Revolutionskämpfe 1978/79

Als ich nach einer etwas unruhigen, viel zu heissen Nacht erwachte, glühte Räphu neben mir – der Verdacht wurde durch die 38.6° C gemessene Temperatur bestätigt. Juañita, die „Mama“ des Hauses, welche ich zuvor in der Küche kennengelernt hatte,  berichtete kurzerhand über die Vor- und Nachteile des Uni-Spitals, ihrer kompetenten Hausärztin und der nahegelegenen Privatklinik. Ohne zu zögern brachte sie uns zu ihrer Ärztin in einer Nische des Marktes. Diese fragte nach den Symptomen und meinte, dass es sicher kein Malaria oder Dengue-Fieber sei. Die Verabreichung der bei 35° gelagerten Penicillin-Spritze auf dem Bürotisch konnten wir gerade noch abwenden, stattdessen schrieb sie ein Rezept voll mit Antibiotika, Grippemedikament und Paracetamol, welches wir jedoch in der Farmacia nicht einlösten.

Unsere zweite Priorität war dann die Privatklinik. Dort nahmen wir direkt den Emergencia-Eingang, fragten nach einem Malaria-Test und wurden gleich zur  Apotheke verwiesen. Dort wurde nämlich als erstes bezahlt. Eigentlich werden die Untersuchungen nur auf Verordnung eines Arztes gemacht, doch mit ein paar überzeugenden Worten bekamen wir dann den Labortest und meinten, dass wir morgen für eine Arztkonsultation wiederkommen würden, falls es nicht besser gehen würde. Im Labor, welches mehr einer Giftmischküche mit ein paar einfachen Geräten ähnelte, darunter einer kleinen Zentrifuge,  wurde Räphu ein bisschen Blut abgezapft. Zwei Stunden später konnten wir das Resultat abholen – das Blutbild war unaffällig und der Malariatest negativ. Zurück im Hostal blieb nur eines: abwarten und ausruhen als beste Medizin bei einer Grippe. So kämpfte das Immunsystem gegen die Eindringliche in seinem Körper mit über 39° Fieber, aber er blieb tapfer. Juañita war ganz besorgt um ihn, gab Ratschläge und meinte, sie habe das ganze Zimmer mit einem antibakteriellen Mittel geputzt! =)

Am nächsten Morgen hatte Patient Raphael vorübergehend kein Fieber mehr und wir entschieden uns, León aufgrund des nicht allzu gut verträglichen Klimas zu verlassen und wieder nach Granada zurückzukehren. Die zweitägige Tour auf die Vulkane Cerro Negro und El Hojo mit den 8L Wasser im Rucksack hatten wir abgesagt – vielleicht waren wir also nicht das letzte Mal da.

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