in der Welt der Eisströme

In eisiger Athmosphäre im Gebiet des Aletsch, Jungfrau & Finsteraarhorns unterwegs…

[27. August – 1. September 2013]

Die Landeskarte Finsteraarhorn 1:25’000 hatten wir bereits einige Male zu Hause auf dem Stubentisch ausgebreitet – dieser gigantische weisse Fleck, welcher sich beinahe über das ganze Kartenblatt ausbreitete und die mächtigen Gipfel faszinierten uns immer wieder von neuem. Doch der Gedanke daran, zu Zweit in dieser riesigen Eiswüste unterwegs zu sein, in welcher die Orientierung bei aufziehendem Nebel schnell mal schwierig wird, hinterliess jeweils einen einschüchternden Eindruck.

Doch seit bald 3 Jahren beschäftigen wir uns mit dem Vorhaben, auf dieser wunderbaren Tour die Berner und Walliser Hochalpen zu durchqueren. Und natürlich wollten wir endlich mal Sarah, Christoph, Levi und Mena – die Hüttenwartfamilie der Konkordia- und Oberaarhütte – besuchen.

Am Ende stiegen wir sogar noch auf einen der wunderbaren Aussichtsberge des Berner Oberlands!

Von Kandersteg auf den Lötschenpass

Dienstag 27.08.2013.  Start 09.00 Uhr.  Kandersteg  Eggeschwand via Talstation Sunnbühl,  GasteretalLötschenpass.  Talstation Sunnbühl 1195m ü.M. Lötschenpass 2690m ü.M. Distanz ~15Km, Höhenmeter: 1495m, 0m↓ Ankunft etwas vor 15:00 Uhr. Wetter: Gasteretal zunehmend stark bewölkt, starker Schneefall ab 15:00 Uhr auf dem Lötschenpass.

Gestartet sind wir aus Wetterprognosegründen einen Tag später als ursprünglich vorgenommen. So entstiegen wir am Morgen des 27. August 2013 dem Zug in Kandersteg und nahmen der Beine halber noch den Bus nach Sunnbühl, Talstation. Dort war’s dann vorbei mit Ausreden. Wir liefen in immer garstigerem Wetter durch die Schlucht namens Chluse wodurch die geografisch erst kurz oberhalb genesende Kander das Wasser aus dem Gasteretal entwässert. Der Weg ist einfach und steigt nur gerade im ersten Kilometer in die Gastereebene. Das Gasteretal ist umrungen von hohen Bergen und westlich, also eingangs Tal abgegrenzt durch den Gemmipassübergang, der in der Sunnbühl in südwestlicher Richtung seinen Fortlauf nimmt. Im Süden imponieren die gewaltigen Felswände des Balmhorns, des Altels und des oberen Tätelishore während im Norden pyramidenförmige Steinskulpturen die Fisistock- und Doldenhornsüdwände dominieren.

Bis kurz vor dem Ort Gastere (Pkt 1429) weist das malerische Gasteretal kaum Steigung auf. Bestehend aus einer Art Schwemmboden – durch die hier entstehende Kander – ist das Tal gut gefüllt durch Geröll und Stein. Nach leichter und trotz vollem Alpinrucksack gut erträglichen Steigung erreichten wir ein kleines Häuschen, wovor der Wanderweg einerseits links Richtung Selden oder rechts Richtung Lötschenpass führt. Klar kann man auch Richtung Selden (Gasthaus) gehen, bevor man auf den Lötschenpass steigt. Wir wählten aber den direkten Weg, weil sich das Wetter stetig verschlechterte. Der Weg führt nun schön hoch Richtung Gfellalp weiter auf eine Hochebene (Schönbüel), wo wir den imposanten Felshang sahen, worüber der Lötschengletscher liegt. Von da aus hat man erstmals einen schönen Ausblick auf das hintere Gasteretal und den Kanderfirn. Stetig stiegen wir hoch bis ich zu Sarah sagte: „Es riecht nach Schnee!“. Eine Minute später begann es zu schneien. Jacke und Regenhosen angezogen, schritten wir in neblig-mystischer Athmosphäre über den Lötschengletscher und stiegen den gut mit Ketten versicherten Bergweg hoch auf den Lötschenpass. Alleine im nicht ganz optimalen Wanderwetter unterwegs genossen wir die letzten Stunden im Nebel und die kühle Luft auf der Haut sehr. Relativ trocken und zufrieden erreichten wir die wunderbare Lötschenpasshütte, die nur durch insgesamt 6 Personen besucht war, wir und vier englische Scouts. Danach, um etwa 15.00 Uhr begann es so richtig stürmisch zu schneien bis alles weiss war – imposant und dies Ende August!

Historisches zum Lötschenpass: Der Lötschenpass ist der älteste Übergang zwischen dem Wallis und dem Kanton Bern. Er erlangte bereits im Mittelalter als Handels- und Verkehrsweg an Bedeutung. 1519 wurde ein Weg für Säumer und eine Suste (Hütte) geplant und gebaut. Ebenfalls plante man ursprünglich eine Passstrasse von der Berner Seite her, die dann aber aus verschiedenen, aber vor allem aus Aufwands-Gründen nicht realisiert wurde.

Geologie: Interessant in dieser Region ist, dass der Lötschenpass zugleich der Übergang zwischen den hohen Berner Kalkalpen (Ablagerungssedimente wie Wildhorn- und Doldenhorndecke) zum Aarmassiv (Kristallin) ist. Die Hockenhornumgebung ist in südwestlicher Richtung die erste Region, in der der Granit (Gasteregranit) zu Tage tritt. Das Lötschental selbst besteht dann aus altkristallinen Gesteinen und Gneisen, Schiefern sowie Amphiboliten in den oberen Übergängen. Die Lötschbergachse der NEAT (Neue Eisenbahn-Alpentransversale), also der Eisenbahntunnel zwischen Frutigen und Raron sowie der alte Tunnel von Kandersteg nach Goppenstein schneiden den Lötschenpass im Untergrund (seit dem Neuausbau der Lötschbergunterführung auf zwei Stufen). Geologisch gesehen zeigt der Verlauf der NETA Lötschbergachse sehr schön die Geologie des Frutigtals hinüber ins Wallis auf. Ab Elsighorn (Frutigen) dominiert erstmals die Wildhorndecke, ab Kandersteg geht die Wildhorndecke in die Doldenhorndecke über, danach kommt ein breiter Abschnitt des Aarmassivs (Granit), bevor dann an der Walliser Südrampe eine autochthone Zone folgt (Ablagerungssedimente der Überschiebungen im Beriech Lötschental und Jungfraugebiet).

 

Vom Lötschenpass durch das Lötschental zur Anenhütte

Mittwoch 28.08.2013. Start 08.10 Uhr. Lötschenpass, Laucherenalp Bergstation, Fafleralp, Guggialp (Anenhütte). Lötschenpass 2690m ü.M. Fafleralp 1795m ü.M., Anenhütte 2358m ü.M., Distanz: ~25Km, Höhenmeter: 890m 562m, Ankunft: 16:15Uhr. Wetter: Auf dem Lötschenpass am Morgen Nebel, danach stete Auflösung, Nachmittag Sonne, zunehmend warme Temperaturen.

Das Frühstück auf der Lötschenpasshütte war ausgedehnt und gut. Wir entschieden uns der Witterung halber für keinen frühen Start. Wir rechneten vom Lötschenpass bis zur Anenhütte mit 6-7 Stunden. Immer noch zog der Nebel vom Hockenhorn und vom im Rücken liegenden Gasteretal vorbei. Der starke Schneefall des Vorabends äusserte sich an diesem Tag nur noch als leicht gefrorene Kruste auf dem Boden, die sich aber mit zunehmender Sonnenscheindauer schnell aufweichte.

Wir zogen los Richtung Sattlegi Pkt 2566. Nun teilweise deutlich in granitischer Region war der Weg mit den vielen Auf und Ab etwas beschwerlich. Im Sattlegi angelangt, stiegen wir in dichtem Nebel in die Laucherenalp ab. Wir erkannten den Standort daran, dass auf einmal grosse Masten des Skilifts im Nebel sichtbar wurden. Bei der kleinen Kirche und dem Bergrestaurant Laucherenalp schritten wir den Wanderweg hoch, was unserer Meinung nach der direkteste Weg Richtung Fafleralp ist. So gelangten wir nach der Überquerung des Milibachs auf den Lötschentaler Höhenweg bis nach Fafleralp, wo wir uns gegen 14.00Uhr einen Kaffee genehmigten.

Der Weg zur Anenhütte ist – nach dem eher langweiligen Lötschentaler Höhenweg – wieder spannender und führt entlang schöner Fichten, oft ausgeprägt mit gigantischen Hangfüssen, hunderten von Alpenrosenbüschen und vielen Heidelbeeren, die ihren Maturitäts-Zenit gerade überschreiten. Auf der Gugginalp stehen wunderschöne Walliserhäuser und im späteren Nachmittagslicht lädt schon nur die Situation zum Verweilen und Beobachten ein – eine prächtige Stimmung! Bei Pkt 2108 querten wir den malerischen Anenbach und stiegen die letzten rund anderhalb Kilometer Distanz mit 250m Steigung hoch zur Anenhütte.

Die Anenhütte ist keine SAC-Hütte, auch wenn alles mehr oder weniger ähnlich funktioniert, gleicht sie preislich und auch vom Komfort her eher einem guten Mittelklassehotel – ausgestattet mit Dusche, angezogenen Betten und Kissen, wo der Hüttenschlafsack getrost im Rucksack bleiben kann. Wie auch immer, solange dies ökologisch vertretbar bleibt. Abgesehen davon waren wir froh, mussten wir nicht Lötschenpasshütte – Hollandia direkt laufen. Dies wäre dann sehr weit gewesen und die Partie über den Gletscher nachmittags unter die Füsse zu nehmen, wäre sicher nicht optimal gewesen. Gemäss dem Hüttenwart erstrecke sich der Weg zur Hollandiahütte SAC (auf der Lötschenlücke) in zeitlicher Hinsicht im Normalfall auf 4 bis 5 Stunden, was in der Vorausbetrachtung der Route sichtlich zu täuschen vermag.

Um ca. 17:15Uhr gelangten noch 2 junge Alpinisten bei der Anenhütte an. Die junge Frau war bereits hier sichtlich ausgelaugt. „Man hätte Verspätung und wolle eigentlich zur Hollandia“…, „wie lange dies denn noch dauern würde..?“ Wie auch immer, alle guten Worte und die Versuche, sie am Weitergang – in latenter Weise – zu hindern nutzten nicht, die Entscheidung der Beiden zu beeinflussen und, mit Inkaufnahme der höheren Kosten, das Risiko etwas zu minimieren und hier zu bleiben. So watschelten die zwei um 17:45 Uhr nach etwas Brot und Schokolade los. Der Hüttenwart der Hollandia wurde von der Anenhütte alarmiert. Nach dem Nachtessen wurde auf beiden Terrassen (hier und oben) mit den Feldstechern geäugt und gehofft, dass bei den Zweien alles gut kommen würde – 22:15 gelangten sie dann oben an. Nochmal Glück gehabt!

 

Über Lötschenlücke, Aletschfirn, Konkordiaplatz bis zur Konkordiahütte

Donnerstag 29.08.2013. Start 07:00 Uhr. Anenhütte – Langgletscher – Lötschenlücke – Grosser Alteschfirn – Konkordiaplatz – Konkordiahütte SAC. Anenhütte 2358m ü.M., Lötschenlücke 3173m ü.M., Konkordiaplatz 2700m ü.M. – Konkordiahütte 2850m ü.M., Distanz: ~16Km, Höhenmeter: 510m↓ 990m↑, Ankunft: 14:20Uhr. Wetter & Bedingungen: Einzelne Quellwolken am Bietschhorn, Aletschhorn, ansonsten sonnig und schön. Auf der Lötschenlücke kalt, auf dem Grossen Aletschfirn sehr warme Temperaturen. Grosser Aletschfirn im unteren Teil ziemlich aufgeweicht.

Um 07:00 Uhr zogen wir nach sehr reichem Frühstücksbuffet aber leider ohne Hunger los. Ziel war die Überschreitung der Lötschenlücke bei der Hollandiahütte SAC, danach den Abstieg über den grossen Aletschfirn. Wir rechneten ebenfalls damit, dass wir zwischen 4-5 Stunden brauchen würde, um auf die Lötschenlücke zu gelangen, was uns das vor-abendliche Ereignis aufzeigte. Von der Lötschenlücke sind es dann – in der Luftlinie gesehen – nochmals 7.5Km bis zum Konkordiaplatz, was aber in der Realität beträchtlich mehr ist, weil man vor allem im unteren Bereich oft im Zick-Zack den teilweise vielen Spalten aufweist und damit beträchtlich mehr Weg macht.

Der Einstieg in den Gletscher findet man auf der 1:25’000-Karte Lötschental nordöstlich der Anenhütte, jedoch zweigt er oben tendenziell gegen links ab. So schritten wir den Hang empor durch ein Felsband, wo wir am heutigen Tage bereits zum ersten mal richtig schwitzten. Am Anunggletscher angekommen (östlich von Pkt 2562), zogen wir die Steigeisen an und schritten den moderat steigenden Gletscher Richtung Osten gegen Höhenangabe 2700 auf der Karte und stiegen nochmals (etwa das 3. Mal) über Moränenschut hoch. Auf der Höhenlinie 2720, die sich exakt mit dem Gletscher schneidet, seilten wir an und stiegen direkt östlich hoch Richtung Höhenangabe 2900. Dort drehten wir in der steiler werdende Senke hoch und gelangten auf den flachen Zwischenteil, der wohl unter anderem Mitverantwortung über die Täuschung der zu bewältigenden Distanz nehmen muss, da diese Senke von unten natürlich nicht sichtbar ist. Von da an stiegen wir in breiter Spur direkt auf die Lötschenlücke rauf. 3 Stunden nach dem Abmarsch in der Anenhütte sind wir glücklich ab der berauschenden Aussicht oben auf der Lücke angekommen und schauten emsig um uns, waren gerade zu entzückt ob der wunderbaren Sicht auf den Äbeni Flue Firn und das riesige Gletscherfeld, rechts begrenzt durch das alles dominierende Aletschhorn und leicht nordöstlich den Konkordiaplatz, wo drei gigantische Eisströme zusammenfliessen.

Weil es hier sehr kühl war und zog, schritten wir runter, hielten uns zuerst leicht links und schritten dann in der langgezogenen länglichen Depressionszone (mehr oder weniger entlang des Schriftzugs „Grosser Aletschfirn“ entlang) den Gletscher runter. Etwa beim „L“ von Aletschfirn gelangten wir etwas zu weit links und waren etwas zu lange damit beschäftigt, die Spaltenzone zu traversieren. Auf diese Distanz kann dass schnell mal eine Stunde Zeit ausmachen. So gelangen wir nach den immer grösser werdenden Bächen, die man überqueren muss auf die Seitenmoräne unterhalb der Konkordiahütte am Konkordiaplatz. Der letzte Bach versinkt südlich des Schriftzugs Konkordiaplatz. Wichtig ist, dass man den Bach unten, also südlich quert. Andererseits läuft man ewig zum Abbruch des Ewig Schneefelds hoch, bis der Bach klein genug ist, dass man ihn überspringen kann.

Weglos geht’s über die „Seitenmoräne“ unter dem Fülbärg, wo auf einer ausgeprägten Felsstufe die Konkordiahütte 150m über dem Eisstrom liegt. An der Treppe angekommen, begannen wir mit dem Aufstieg und dem redundanten Zählvorgang der Treppenstufen. 468 Treppenstufen später und ein paar Meter über Fels erreichten wir die Konkordiahütte SAC auf 2850m ü.M. und wurden herzlich empfangen von Sarah, Mena, Levi, Maya, Yvonne und Gaia. Wir genossen den Sonnenschein und die T-Shirt-Temperaturen um die Hausecke und liessen den Tag, die Aussicht und das wunderbare Panorama auf die vielen Gletscher und Berge vergehen.

 

Konkordia-Hüttentag

Freitag 30.08.2013. Hüttentag. Klettern im hauseigenen Klettergarten. Vibramplatte bis UIAA III, danach Fülbärg bis UIAA IV-V. Frühstück ab 09:30Uhr mit dem Hüttenteam. Spielen mit den Kindern Mena und Levi sowie den Katzen Genepi & Pinot und dem Hund Cibo.

Wunderbarer Aufenthalt auf der Konkordiahütte. Zusammen mit der Hüttenwartin und ihren Kindern durften wir zwischen Klettern im Klettergarten das strenge und aber auch interessante Hüttenleben geniessen und fühlen. Viele Geschichten haben wir ausgetauscht. U.a. ist die schwarze Katze Pinot einmal einem Bergführer bis auf die Fiescheralp gefolgt. Als sie dann so kalte Pfoten bekam, dass sie nur noch auf einer der zwei Mittelmoränen lief (Kranzberg & Trugberg), nahm sie der Bergführer in den Rucksack. Der Hüttenwart Christoph brachte sie dann ein paar Tage später via Jungfraujoch und Jungfraufirn wieder an ihr Plätzchen in der Konkordiahütte – auch eine interessante Rundtour.

Wir genossen den Aufenthalt und stärkten unsere müden Beine, indem wir kaum Beinarbeit verrichteten.

 

Konkordiahütte – Grünhornlücke – Oberaarjochhütte

Samstag 31.08.2013. Start 06.00Uhr ab Konkordiahütte SAC, Grüeneggfirn, Grünhornlücke, Fieschergletscher, Rotloch, Galmigletscher, Studergletscher, Oberaarjoch, Oberaarjochhütte SAC. Konkordiahütte 2850m ü.M., Konkordiaplatz 2700m ü.M., Grünhornlücke 3280m ü.M., Fieschergletscher 2700m ü.M., Oberaarjochhütte SAC 3256m ü.M.  Distanz: ~12.5Km, Höhenmeter: 480m 1010m, Ankunft: 12:30 Uhr. Wetter & Bedingungen: Perfektes Wetter, Schnee und Gletscher bis Grünhornlücke hart gefroren, Abstieg auf Fieschergletscher leicht sulzig, Galmigletscher immer noch hart, Studergletscher bis Oberaarjoch Sulz (mühsam).

Am Samstag Morgen sind wir die ersten die gegen 05:20Uhr im Essraum der Konkordiahütte erschienen. Wir assen und machten uns exakt um 06:00Uhr auf den Weg, „ähem“ auf die Treppe, die uns die 468 Treppenstufen nach unten führte. Angelangt auf dem Grüneggfirn seilten wir an und stiegen hoch. Wir avisierten Punkt 3122 und kehrten nach dem Felsen leicht nach rechts und stiegen danach wiederum mehr oder weniger direkt in leichtem Zick-Zack (nicht zu nahe an die beidseitigen Felsen wegen Steinschlag) auf die Grünhornlücke hoch. Eine Stunde und exakt 40 Minuten brauchten wir von Haustür auf die Lücke.

Auf der Grünhornlücke eröffnete sich uns eines der schönsten Panorama der ganzen Tour und das auf den meiner Meinung nach schönsten Berg der Berner Alpen; das Finsteraarhorn! Nach kurzer Pause auf der Lücke zwischen dem Fiescher Gabelhorn und den Grün(egg)hörner schritten wir dem Fieschergletscher entgegen. Zuerst verlief unser Weg in Richtung Finsteraarhornhütte, danach leicht südlich drehend bis in die südöstlich sich bewegende Depressionszone. Ungefähr ab Höhenlinie 3000 drehten wir nach Süden und peilten die Mittelmoräne ausgehend von Wyssnollen an, deren linken Seite wir dann folgten und neu Richtung Rotloch (Pkt 2849) Fährte aufnahmen. Auf dem ersten Abschnitt entlang der Mittelmoräne hat es viele Spalten, deren Überquerung etwas Zeit bedarf. Auch kurz vor dem Rotloch und der kommenden Mittelmoräne vom Finsteraarrothorn bestehen viele Spalten, die teilweise eine Umkehr und eine Suche nach neuen Wegen erfordern. Allerdings hatten wir oftmals Glück und konnten auf den Galmigletscher rüberqueren.

Den Galmigletscher querten wir in langem Bogen entlang (aber nicht zu Nahe) des Vorderen Galmihorns und stiegen ungefähr durch das erste „e“ des Wortes Galmigletscher. Danach avisierten wir direkt die Felsen, deren entlang wir dann schlussendlich über den Studergletscher in tiefem Sulz und mitten in der nachmittäglichen Hitze etwas erschöpft auf die Oberaarjochlücke gelangten. Vom Rotloch aus müssen hier nochmals gut 500Hm abgespult werden, bis man im Oberaarjoch ankommt.

Angekommen auf dem Oberaarjoch, nach etwas Krampf im letzten Teil über den Studergletscher und die Jochslücke hoch ist die Hütte bereits nicht mehr weit. Sie liegt etwas oberhalb im Felsen, worauf man zuerst über unbefestigten Schotter und zwei-drei mühsame Stufen hochsteigen muss und danach eine Leiter erklimmt.

Angekommen, genossen wir die vielen Nachmittagsstunden und schauten bei einem kühlen Bier zu, wie sich die Oberaarjochhütte SAC  füllte und füllte und füllte. Die Hütte bietet 44 Schlafplätze und mit 48 Reservationen war die Kapazitätsgrenze erreicht, wenn nicht gar überschritten. Mindestens zwei unangemeldete Bergsteiger mussten noch am Vormittag wieder weggeschickt werden. Wir genossen den Abend und das ausgezeichnete Essen auf der übervollen Hütte. Dank unserer Beziehungen durften wir im Hüttenwartszimmer schlafen, was uns einen ruhigen, langen und sehr erholsamen Schlaf bescherte! =)

Am Abend halfen wir beim Abwasch, was in der Oberaarjochhütte SAC ab einer mittelvollen Belegung der Hütte fast ein Muss ist, da sie im Moment jeweils nur durch eine Person bewartet wird, was eine grosse Arbeitsbelastung darstellt.

Die Oberaarjochhütte SAC gefällt uns sehr. So ist sie noch eine dieser ursprünglichen SAC Hütten, die vor allem dafür dastehen, allen die sich in diesen unwirtlichen Gebieten bewegen wollen, einen Schutz- und Aufenthaltsort zu bieten, die Ihr Weiterkommen dann schlussendlich erst ermöglicht. Sie ist von Lawinen und Steinschlag durch Verbauungen geschützt und liegt einverleibt in die Felsen des Oberaarhorns, fast wie wenn der Fels und die Hütte seit Menschengedenken zusammen gehörten. Älteren Berggänger dürfte bei dieser Hütte eher noch nostalgische Gefühle bekommen, als bei einer Monterosa oder einer Wildstrubelhütte, wo dann manchmal fast Berghotelstimmung aufkommt.

 

Oberaarjochhütte – Oberaarhorn – Grimselpass

Sonntag 01.09.2013. Start 05:40 Uhr ab Oberaarjochhütte SAC. Direkteinstieg zwischen der alten Toilette und dem Mittelgebäude in steilen Fels (unten versichert mit Ketten). Danach teils weghaft und über Steinstufen an den Rand des grossen Firnfeldes. Steigeisen und je nach Bedingungen Seil erforderlich. Das Firnfeld ist an den steilsten Stellen gegen die 30 Grad, aber leicht zu gehen, Oberaarhorn 3629m ü.M., Oberaarjochhütte SAC, Oberaarjoch, Oberaargletscher, Oberaarsee, Berghaus Oberaar, Grimselpass. Oberaarjochhütte 3256m ü.M., Oberaarhorn 3629m ü.M., Berghaus Oberaar 2350m ü.M., Grimselpass 2164m ü.M. Distanz:  ~13.5Km,  Höhenmeter: 1380m 380m, Ankunft: 12:10 Uhr. Wetter stabil, leichte Bewölkung.

Christoph, der Hüttenwart der Oberaarjochhütte meinte, dass die im Hochtourenführer Berner Oberland von Ueli Mosimann beschriebene Route aufs Oberaarhorn 3629m ü.M. in einer Stunde auf allen Vieren machbar sei. Im Führer steht, dass die Normalroute (L) über Fels und Firn 1.5 Stunden bedarf. So richteten wir uns für eine Stunde ein und starteten etwas nach halb sechs Uhr (06:35 Uhr). Wir waren die letzten, die das Oberaarhorn für den Sonnenaufgang in Angriff nahmen und nach der gut markierten Kraxelei über Fels und das mässig steile Firnfeld, dass bis zum Gipfel führt, mitunter die ersten die den Gipfel erreichten. Das gute Training und die gute Akklimatisation der letzten Wochen scheint Früchte zu tragen.

Oben waren wir schlussendlich etwa um 06:15 Uhr und mussten dadurch fast eine halbe Stunde warten, bis sich das Finsteraarhorn etwas vor viertel vor sieben in orange-gelb-rote Farbe tünchte und eine wahnsinnige Stimmung verbreitete! Das Spektakel zieht sich länger hin, da vom Oberaarhorn viele grosse Berge, die von oben nach unten mit verschiedensten Farben zu leuchten beginnen, sichtbar werden. Neben den schönen Nachbaren wie Finsteraarhorn, Gross Wannenhorn und Schreckhorn machten auch viele Walliser 4000er bei diesem farbenfrohen Spiel mit!

Zurück in der Hütte assen wir eine super leckere Rösti, die wir vom Hüttenwart Christoph spendiert bekamen. Es war noch kaum 09.00Uhr und wir starteten danach Richtung Grimselpass, durften einer 3er Seilschaft folgen, die uns sehr freundlich anbot, mit ihrem Auto bis nach Meiringen mit zufahren. So stiegen wir den nicht ganz harmlosen Oberaargletscher (viele Spalten und nur noch schlecht zugeschneit) runter und kamen gut unten an (von oben her gesehen auf der linken Seite). Entlang des Oberaarsees stapften wir dann die letzten Kilometer ab, was uns dann schlussendlich – in der Betrachtung der ganzen Tour- fast etwas wie eine Pflichtübung vorkam.

Unterwegs bereits am sinnieren, können wir aber nur positiv darüber sprechen und freuen uns riesig über diese Tour, haben wir doch viel Neues entdeckt und durchs Band weg positive Eindrücke sammeln dürfen.

Bemerkungen zur Route: Die von uns gewählte Route erschien uns als der best mögliche Weg. Allerdings kann und wird sich die Gletschermasse und v.a. die Bedingungen von Tag zu Tag, von Woche zu Woche und so oder so von Jahr zu Jahr ändern. Wo bei uns noch ein sicherer Weg war, kann nächstes Jahre eine riesige Spalte zum Vorschein getreten sein. Als Zweierseilschaft so lange auf Gletscher unterwegs ist nicht optimal. Das Risiko kann allerdings mit früheren Abmarschzeiten und schnellem Voranschreiten minimiert werden. Andererseits empfiehlt es sich, eine grössere Seilschaft zu organisieren oder einen Bergführer zu engagieren. Die Kletterschwierigkeit bezieht sich auf den Klettergarten bei der  Konkordiahütte SAC.

 

 

Spezialitäten der Tour:

  • 468 Treppenstufen zur Erreichung der Konkordiahütte (gut 150HM)
  • Das Blatt Finsteraarhorn, dass den gesamten Jungfraubereich beinhaltet, ist das einzige Kartenblatt im Format 1:25’000, dass keine Strassen und vergleichsweise am wenigsten Wege enthält.
  • Der Fiescher- und der Galmigletscher tragen so viel abgefeuerte Geschosse der Armee, dass es einem fast angst und bang wird. Wir persönlich finden dies eine Schande und bedenklich für die Umwelt.

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