Kambodscha ព្រះរាជាណាចក្រកម្ពុជា

Gepostet am Feb 17, 2014 in Alle Berichte, Asien, Geschichten sind Speisen für's Ohr.., Kambodscha | 5 Kommentare

Kambodscha ព្រះរាជាណាចក្រកម្ពុជា

Cambodia – beklemmend, fesselnd, verzaubernd!

[8. – 17. Februar 2014]

Eine Rückreise in ein fesselndes Land mit einer schrecklichen Vergangenheit, lebenserfreute, vergebende und äusserst sympathische Kambodschaner, das grösste Kinderspital der Welt Kantha Bopha, ein faszinierender fischreicher See und Angkor, die mystischen antiken Städte der Khmer, besonders bei Einbruch der Dunkelheit, wenn die Geräuschkulisse des Dschungels die Besucher langsam vertreibt. 

Per Mekongexpress von Viêt Nam nach Kambodscha

[8. Feburar 2014]

Mekongexpress, dies war die Buskompanie, welche uns von Ho Chi Minh City über die Grenze nach Kambodscha bringen sollte, und das tat sie auch. Allerdings auf der Strasse, nicht auf dem Mekong. Alles klappte wie am Schnürchen. Die sechs Stunden bis in die kambodschanische Hauptstadt Phnom Penh gingen unspektakulär über die Bühne. Bereits früh am Morgen wurden wir in Khmer, der kambodschanischen Landessprache begrüsst und dies zauberte uns ein Lächeln ins Gesicht, obwohl damit wenig schöne aber viele schockierende, herzzerreissende und beelendende Erinnerungen verbunden waren. Deshalb hatten wir’s wohl auch diesmal nicht geschafft, einen Bogen um Kambodscha zu machen, zu viele prägende Erinnerungen verbanden uns mit diesem Land. Der kambodschanische Begleiter war sehr zuvorkommend, sprach sehr gutes Englisch und kümmerte sich um ein Visum für uns, welches wir ohne Probleme erhielten.

Nach einem Stopp in Phnom Penh ging’s für uns am selben Tag weiter nordwärts, nach Siem Reap. Für die 350Km seien mit 7 Stunden zu rechnen, die Strasse sei in schlechtem Zustand und „under construction“, meinte unsere Begleiterin. Und sie hatte nicht zuwenig versprochen. Doch wir störten uns überhaupt nicht daran, denn ein bisschen Langeweile ist oft ganz gut, um anfangs hirngespinstische Ideen in ausgeklügeltere und realistische Pläne umzusetzen. Ausserdem wurde uns hinter den Fenstserscheiben des Mekong Express einmal mehr eine spannende Kulisse geboten. Das kambodschanische Leben war in vollem Gange – da wurden Hochzeitsfeste gefeiert (es war Samstagabend), Familien sassen vor ihren einfachen Hütten oder auf der Terrasse der Stelzenhäuser, die jetzt, in der Trockenzeit auch im Trockenen standen. Und dies in der zunehmenden Dämmerung, die rote Kugel sank langsam hinter den schwarzen Palmensilhouetten ab. Unverwechselbar waren die vorbeiziehenden Strassenszenen der Nachbaren Vietnam und Kambodscha, Welten zwischen den Lebensstandards. Aber es hatte für uns etwas verzauberndes, wie schon bei unserem ersten Besuch konnten wir es auch jetzt wieder fühlen.

Nach Einbruch der Dunkelheit hielten wir auf halber Strecke bei einem Restaurant und konnten uns endlich mit dem obligaten Gemüse & Reis und Fried Rice with Chicken verköstigen. Baquettes und „La vache qui rit“ Käsli – beides Relikte der französischen Kolonialherren – hatten wir bereits den ganzen Tag über gegessen und genug davon. Die letze Etappe in völliger Dunkelheit ging auch noch gut über vorrüber und wir erreichten unser Ziel, Siem Reap gesund und munter.

Have a break, have a TukTuk!

Have a break, have a TukTuk!

 

Verbrechen an den Kambodschanern

Kambodscha ist nicht zu verstehen ohne das Bewusstsein der schrecklichen Vergangenheit dieses Landes. Bei unserem ersten Besuch vor sechs Jahren dämmerte es uns durch unsere Reiseliteratur und dem Besuch von dem Gefängnis S21-Tuol Sleng in Phnom Penh von Tag zu Tag mehr, welch schreckliche Vergangenheit Kambodscha durch die Herrschaft der Roten Khmer, aber auch zuvor als Auswirkung der grossen Imperialisten Amerika, Russland, Frankreich, Japan und China und der Containment-Politik der USA, die im Vietnamkrieg mündete und mitunter Kambodscha in seinen Sog zog. Umso eindrücklicher ist ihre Art, wie offen, unerschrocken und äusserst freundlich sie anderen Menschen begegnen – sie scheinen all die Schreckenstaten verziehen und den Blick nach Vorne gewandt zu haben.

Die Roten Khmer hatten ihren Ursprung in der kommunistischen Partei Kambodschas. Bis 1970 hatte König Sihanouk Kambodscha aus den Region erschütternden Krisen (Vietnamkrieg und dessen Ausweitung auf Laos) durch geschickte Diplomatie herausgehalten und das Land galt als eines der politisch stabileren in Südostasiens. Doch warum wurde Kambodscha am Ende dennoch mit aller Gewalt getroffen? Den USA war es ein Dorn im Auge, dass die gegen die amerikansichen Truppen kämpfenden vietnamesischen Vietcong das östliche Territorium Kambodschas stillschweigend gebilligt durch Sihanouk als Versorgungspfad (Ho-Chi-Minh-, bzw. Sihanoukpfad) und als Rückzugsgebiet nutzten. Die kommunistischen Vietcong unterstützten auch die kommunistischen Khmer-Partisanen.

1970 wurde der Staatschef Sihanouk während eines Auslandaufenthaltes durch einen von den USA unterstützten Putsch vom Thron gestossen und der Armeegeneral Lon Nol an die Macht gehievt – Kambodscha erhielt von den USA umfangreiche Wirtschafts- und Militärhilfe. Im folgenden wurde versucht, Kambodscha von den kommunistischen Vietcong militärisch zu säubern. Indem sie den Krieg gegen das kommunistische Nordvietnam und den Vietkong auf kambodschanischen Boden ausdehnten, opferten die USA die Integrität des letzten unabhängigen Staates Indochinas. Ihre Flächenbombardements forderten mindestens 200’000 Menschenleben, vornehmlich unter Zivilisten, und trugen dazu bei, einen großen Teil der Bevölkerung in die Arme der Roten Khmer zu treiben. Obwohl der Ursprung des kambodschanischen Nationalismus nicht erst in den 1970er Jahren zu suchen ist, sondern bereits in den Auseinandersetzungen mit den benachbarten Vietnamesen und Thai nach dem Niedergang des historischen Reiches von Angkor, der jahrhundertelangen teilweisen Fremdherrschaft und schliesslich der Einverleibung Kambodschas in das französische Kolonialreich „Indochine“, erklärt die Tatsache, dass die Vietnamesen und Amerikaner ihren Krieg nach Kambodscha trugen, zu einem gewissen Teil den nationalistischen und hasserfüllten Kurs der Roten Khmer.

In den Jahren 1975-1978 wütete die maoistisch-nationalistische Guerillabewegung, welche einen Massenmord an der kambodschanischen Bevölkerung beging. Nach verbreiteten Schätzungen sind ihnen etwa 1.7 – 2.2 Millionen Kambodschaner zum Opfer gefallen, bei einer Gesamtbevölkerung von etwas mehr als 7 Millionen. Entweder wurden sie in Todeslagern umgebracht oder kamen bei Zwangsarbeit auf den Reisfeldern ums Leben. Im berüchtigten Sicherheitsgefängnis S-21 Tuol Sleng in Phnom Penh überlebten sieben von insgesamt 15 – 30 000 Gefangenen. Wer dort nicht an Folter starb, wurde auf den Killing Fields vor den Toren der Stadt umgebracht. Um Munition zu sparen wurden die Leute üblicherweise mit Eisenstangen erschlagen. Von Experten wird bei dem kambodschanischen Genozid auch von einem Autogenozid gesprochen, da die Vernichtungsmassnahmen der Regierung auf das eigene Staatsvolk zielten. In Strafprozessen gegen Angehörige der Roten Khmer wurden die Massenmorde ausdrücklich als Völkermord bezeichnet.

Der Vietnamkrieg fordert bis heute nicht nur in Vietnam selbst, sondern wohl gar noch mehr in Kambodscha und Laos seine Opfer. Durch die enormen Bombardements der USA und die exzessive Verminung grosser Gebiete Kambodschas durch die Khmer Rouge fielen und fallen viele Menschen spontanen Detonationen von UXO (unexploded ordonance), also nicht explodierten Bomben aber auch tausenden von nicht registrierten Minen, die zu einem grossen Teil bis heute unentdeckt blieben, zum Opfer. Die Folgen sind neben dem Tod eben auch die Verstümmelung von Hunderten von Kindern, Frauen und Männern die oftmals nur auf ihren Reisfeldern arbeiten, ihre Ziegen zurück in die Herde und zum Hof jagen oder ganz einfachen dem täglichen Leben nachgehen. Die Verstümmelung von Menschen ist ein sichtbares Relikt der Kriege in Indochina, ein dramatisches Relikt. Viele Tausend Menschen leiden unter den Folgen des Krieges, sei es unter den verwendeten Giften, die zu Entlaubungszwecken aus der Luft in die Wälder injiziert wurden oder eben auf Grund der Minen und nicht explodierten Bomben. Das schlimmste daran, die Verantwortung dafür die tragen die Betroffenen selber, meist ohne Hilfe der Verantwortlichen.

Musizierendes Minenopfer-Orchester

Viele Kambodschaner gehen mit mindestens zwei verstümmelten Extremitäten durchs Leben, anderen wurden gar alle Extremitäten während der Arbeit auf den Feldern abgerissen. Einprägsame Bilder, die einem sehr bedrücken. Doch alle versuchen einer Beschäftigung nachzugehen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Vor Tempeleingängen spielen Orchester traditionelle Khmer-Musik. Doch unser Lieblingsorchester, welches vor sechs Jahren noch in der einzigen Restaurantstrasse gespielt hatte, haben wir in dieser Formation leider nicht mehr gefunden. Damals waren wir einer Gruppe von ungefähr 15 Musikern begegnet, alle spielten sie voller Lebensfreude und einem breiten Lächeln im Gesicht (wenn es dann noch erkennbar war) irgend ein Instrument. Alle waren durch Minen schwer verletzt. Doch ob arm- oder beinamputiert, von Splitterverletzungen blind oder schlimm entstellt, alle spielten sie. Leider war dieses Orchester dem breiten Tourismus von Siem Reap und Angkor als wohl nicht mehr zumutbar eingeschätzt worden – schade! Doch haben wir die Truppe noch in Erinnerung, als ob es gestern gewesen wäre und trotz der Tragik, haben wir uns jeweils sehr amüsiert, ihnen beim Musizieren zuzuschauen.

 

Die duftende Blume Kantha Bopha

Eigentlich hat uns Kantha Bopha, der Aufbau der so genannten Kinderspitäler in Kambodscha und die herausragende Arbeit von Beat Richner und die damit verbundene Erfolgsgeschichte auf dieses Land „gwundrig gmacht“ und uns vor sechs Jahren dorthin gebracht. Wahrscheinlich die eindrücklichste und prägendste Reise, die wir je unternommen haben. Zu Hause waren wir fest entschlossen, unseren Beitrag zu diesem erfolgreichen und effizienten Entwicklungsprojekt zu leisten und hatten ein Jahr Geld gesammelt – Freunde und Familie hatten bei Besuchen jeweils einen Bazen ins Kässeli gelegt, statt sonst was mitzubringen. Und jetzt waren wir wieder zurück und ein Konzert von Beatocello – einen Auftritt von Beat Richner mit seinem Cello – durfte natürlich nicht fehlen. Witz, Zynismus, Ernsthaftigkeit, Kritik und Direktheit fehlen nicht, wenn er über die tragische Realität der kambodschanischen Kinder und das nicht existierende Gesundheitssystem und die grassierende Korruption in Kambodscha berichtet.

An der Veranstaltung bittet er die jungen Besucher für eine Blutspende, die älteren für eine Geldspende und die dazwischen, für beides. Da wir fanden, dass wir mit Ü30 auch nicht mehr zu den Jüngsten gehören, taten wir eben beides. Am nächsten Tag – beide mussten wir etwas über unseren eigenen Schatten springen – gingen wir zum Kantha Bopha namens Jayavarman VII in Siem Reap und spendeten beide das erste Mal tapfer einen Beutel Blut. Abgesehen von den Unfallopfern im täglichen Motorbike-Verkehr (die ganze Familie auf dem gleichen Töff) mit schweren Verletzungen mit grossen Blutverlust ist der Bedarf an Blutprodukten vor allem bei den schweren Fällen des hämorrhagischen Dengue-Fieber im Schock gross. 2012 war die letzte Dengue-Epidemie mit 29 000 schweren Fällen in Kambodscha, 2013 waren es „nur“ 11 505.

Es fühlte sich gut an, etwas für die Kinder dieses Landes getan zu haben. Die Blutspende erlaubte uns auch einen kurzen Einblick in das Spital. In einer grossen Halle warteten die Mütter mit ihren Kindern auf Tüchern auf dem Boden, darin gibt es eine Nische mit sauberem Wasser zum Waschen. Einen Blick ins Labor zeigte moderne Geräte für eine sorgfältige Diagnose, damit die kleinen Patienten eine adäquate Behandlung bekommen können. Beim Verlassen der Halle wurden wir von zig Blicken verfolgt – mit dankbaren Lächeln und herzlichem Winken der Mütter und ihrer Kinder wurden wir verabschiedet, was uns zutiefst berührte.

Eindrückliche ZAHLEN

60 Kinder kommen täglich im Jayavarman VII auf die Welt! 2013 wurden in der Maternité in Siem Reap insgesamt 17 747 Kinder geboren. Die Übertragung von HIV, Tuberkulose und weiteren Komplikationen wird somit vermieden/behandelt.

85 % der kambodschanischen Kinder werden in einem der fünf Kantha Bopha Spitäler behandelt! Auch die Grosskinder des Premierministers, obwohl die Regierung sich minimal an der Finanzierung beteiligt.

2013 wurden..

19 945 schwer kranke Kinder hospitalisiert

16 749 chirurgische Operationen durchgeführt

687 083 kranke Kinder ambulant behandelt

Wegen der steigenden Lebenskosten sind auch die Kosten für die Behandlung der Kinder gestiegen. Der Minimallohn der Angestellten beläuft sich auf 260 US Dollar pro Monat, was in Kambodscha definitiv einem überdurchschnittlichen Lohn entspricht. Heute arbeiten über 2500 Kambodschaner für die fünf Spitäler. Beat Richner setzt sich somit nicht nur für die Gesundheit der Kleinsten ein, sondern auch gegen die alles zerstörende Korruption. Die durchschnittlichen Kosten pro Hospitalisation belaufen sich auf 260 US Dollar – Laborkosten seien genau so teuer wie in der Schweiz, Bildgebungsverfahren wie CT und MRI ebenfalls aufwendig. Doch nur so könne eine exakte Diagnose gemacht und die Kinder gezielt behandelt werden.

Beat Richner kämpft an unterschiedlichen Fronten. Die Finanzierung, Rechtfertigung und Verteidigung der 5 Kinderspitäler kosten ihn sicher die grösste Mühe. WHO und UNICEF teilen die Philosophie der Kantha Bopha Spitäler nicht, weil die Behandlung aller Kinder grundsätzlich gratis ist. Sie vertreten die Meinung, dass die Leute für ihre Gesundheit selbst verantwortlich sind und deshalb dafür Kosten erhoben werden müssen. Aber dass die Realität laut Beat Richner ist, dass 80% der Kambodschaner zur armen Landbevölkerung gehören und von der Hand ins Maul leben und somit sicherlich kein Geld für die Behandlung ihrer Kinder aufbringen können, ist wohl nicht für alle auf dieselbe Weise verständlich. Unermüdlich kämpft er für die Gesundheit der Kleinsten von Kambodscha, trägt damit auch einen wichtigen Beitrag zum „Wiederaufbau“ des kriegsgepeinigten Kambodscha bei und gibt nicht nur den Kindern, sondern auch den 2500 einheimischen Arbeitskräften eine Ausbildung und eine gute Zukunft in ihrem eigenen Land. Für uns ist Beat Richner eine herausragende Persönlichkeit, einer der dafür sorgt, den Bewohnern Kambodschas die ihnen zustehende Gerechtigkeit zurückzugeben, welche sie irgendwann verloren haben, obwohl es allen Menschen auf dieser Welt zustehen würde.

Am Ende erwähnt er es nochmals: „Ohne Gerechtigkeit wird es nie Frieden geben auf der Welt!“

 

Tonle Sap

[16. Februar 2014]

Ein Ausflug zum Tonle Sap (in khmer „Grosser See“) darf nicht fehlen, wenn man nach Kambodscha reist. Denn dies ist der grösste See Südostasiens und eines der fischreichsten Binnengewässer der Erde.

„Mian dtoek, mian trey“ – „Wo Wasser ist, sind Fische!“ (Khmer Sprichwort) 

Leider verliert dieses Sprichwort heutzutage auch im Tonle Sap wie besonders in den Weltmeeren immer mehr an Bedeutung. Krokodilfarmen (Quelle für das äussert wertvolle Krokodilleder) verschlingen Unmengen an Nahrung, ausserdem nimmt die Wasserqualität des Mekong, welcher zuvor durch Tibet, China und Laos fliesst, zunehmend ab. In China und Laos sind zahlreiche Staudämme und Kraftwerke geplant, welche die Lebensgrundlage von Millionen von Menschen verändern wenn nicht zerstören wird.

Nie werden wir den Blick aus dem Flugzeugfenster vor sechs Jahren auf dem Anflug auf Phnom Penh vergessen. Das ganze Land stand unter Wasser und wir hatten Zweifel, ob es überhaupt ein trockenes Plätzchen gibt zum Landen, verschweige denn noch, Strassen und Wege zum weiterkommen. In der trockenen Jahreszeit hat der See eine Oberfläche von etwa 3000 km², der abfliessende Tonle-Sap-Fluss im Süden mündet in Phnom Penh in den Mekong. Jedes Jahr im Juni kommt es dort zu einem einzigartigen Naturphänomen. Der Mekong führt zu dieser Zeit aufgrund der Monsunregenfälle und durch das Schmelzwasser aus dem Himalaya bis zu vier Mal mehr Wasser als in den trockenen Monaten. Da Kambodscha grösstenteils sehr flach und eben ist, drängt das Wasser des Mekong in den Tonle-Sap-Fluss zurück, worauf dieser die Fliessrichtung wechselt. Die Wassermassen drängen zurück in das Becken des Tonle Sap und füllen den See, bis er auf über 10 000  km² (inkl. umliegende Flusslandschaften bis zu 25 000  km²) anwächst. Der Höhepunkt der Überflutung wird im September erreicht – zu dieser Zeit waren wir das letzte Mal in Kambodscha unterwegs und hatten die Überflutung aus der Vogelperspektive gesehen – ein unvergessliches Bild! Zu diesem Zeitpunkt ist knapp ein Drittel der landwirtschaftlichen Kulturfläche von Wasser bedeckt und deshalb wird wahrscheinlich im November auch das Wasserfest gefeiert, wenn der Fluss endlich wieder die Richtung wechselt, somit fruchtbares Land wieder freigibt und dies der Beginn der Fischereisaison bedeutet.

Ungewohnt war es, den Fahrtwind auf der Fahrt von Siem Reap zu einem der Dörfer am Tonle Sap im Gesicht zu haben. Aber per Tuktuk, dem einachsigen Anhänger vor ein Motorrad gespannt, gehts halt schneller vorwärts als mit dem Fahrrad. Eigentlich wollten wir zum entlegenen Dorf Kompong Khleang, aber wie es die Umstände wollten, fuhr uns der Tuktuk-Fahrer nach Kompong Phluk – auch gut.

Die meisten Stelzenhäuser stehen nun, gegen Ende der Trockenzeit im Trockenen, aber die Höhe der Stelzen lassen vermuten, wie hoch der Wasserpegel in den nächsten Monaten durch den starken Abfluss des Mekongs und Rückstau in den Tonle Sap sein wird. Mit einem Holzschiff wurden wir von zwei Jungen durch das „floating village“ gefahren, der Motor war ohrenbetäubend. Der Name Kompong Phluk bedeutet „Hafen der Stosszähne“, wohl die des Elefanten gemeint. Hier leben um die 800 Familien, wie uns erklärt wurde. Wir blickten fasziniert auf das Leben am Wasser – die Fotos sprechen für sich.

 

5 Kommentare

  1. Super wieder eure Berichte mit all den lehrreichen Erklärungen und Superfotos. Südvietnamesische Küste, das antike Kambuja,Kambodscha, das Werk von Beat Richner….sehr eindrücklich.

    Liebi Grüess u witerhin tolli Erläbnis(brichte!).

  2. Euer Bericht passt grad gut zur heutigen khmer khooking-session: papaya-salat, fisch-ananassuppe chicken amok …
    grüsse nach kambodscha stefan

    • Hallo Stefan

      Ich hatte in Kambodscha auch jeweils einen Favorit: Fish Amok aus dem Tonle Sap.. ganz toll das Essen da! Allerdings hätte ich mir bisher nicht zugemutet, das so gut zu kochen.. ;-)

      Viele Grüsse
      Raphael

  3. Vietnam, Cambodge waren für mich immer und bleiben es wahrscheinlich, Traumdestinationen. Ich war noch ganz klein als das französische Imperium fiel aber die Geschichte hat mich immer interessiert. Ich habe einen Buch über den Greueltaten der Khmer rouge gelesen(eine französin verheiratet mit einem Khmer rouge flüchtet mit ihren Kindern) le titre „Au-delà du ciel“. Es ist eine sehr beeindruckende wahre Geschichte.
    Von meinen Freunden, die Matrosen waren, bekam ich Postkarten von Phnom Phen, Angkor und diese Orte haben sich in meinem Gedächtnis geprägt.
    Vielleicht werde ich auch einmal dort gehen, wer weiss?
    Schöne weitere Reise und vielleicht bis bald.
    Ihr seid bei uns immer willkommen!

    • Hallo Nicole

      Lieben Dank für deine herzliche Meldung! „Indochine“ ist wirklich faszinierend und auch Laos sehr lohnenswert. In Laos findet man auch heute noch die höchste Dichte an Leuten die französisch sprechen. Luang Prabang und auch der Süden von Laos würde euch sehr gefallen. Gerade in Vientiane und in Luang Prabang ist die französische Kultur noch spürbar wie sonst nirgends in den anderen Ländern des ehemaligen Indochine Cambodge & Vietnam, wie wenn es noch nicht lange her wäre. Wir haben es jedenfalls sehr genossen nach den hundert Noodelsoups und Reisteller wieder einmal ein gutes Baguette mit fromage und jambon avec café au lait…. zu geniessen! :-)

      Jetzt sind wir im Süden von Thailand. Wir machen Ferien von den vélos und wir von ihnen. Denn Die vélos sind in Bangkok untergebracht. Wir werden aber nach dem Strandleben wieder auf die vélos und dann weiterschauen.

      Aprospos: Vietnam, Cambodge und Laos sind ganz einfach zugänglich und alle drei sehr preisgünstig (geblieben) zum bereisen! ;-)

      Vielen Dank für das herzliche Angebot.. Ganz viele Grüsse und bis bald!
      Sarah & Raphael

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