Leissiggrat & Morgenberghorn 2249m ü.M.

Gepostet am Sep 18, 2012 in Alle Berichte, Bern, Geschichten sind Speisen für's Ohr.., per pedes, Schweiz, Wandern T4+ | Keine Kommentare

Leissiggrat & Morgenberghorn 2249m ü.M.

Leissiggrat & Morgenberghorn 2249m ü.M.

Tour-Datum: 18 September 2012, Zeitbedarf: 7h / Tour-Schwierigkeit: T5+; II (UIAA-Skala)
Auf- und Abstieg: 1700m 1200m
Kartennummer: 1228 Lauterbrunnen 1:25’000
Strecke: Saxeten – Pkt 1890 (Rotenegg) – Pkt 1934 – Pkt 2039 (Schiffli)- Pkt 2029 – Pkt 1974 – Stand – Rengglipass – Pkt 2069 – Pkt 2144 – Morgenberghorn 2248.8 – Brunni – Suld (1059m)

Zugang / Wegfahrt: Mit dem ÖV von Thun nach Interlaken West – Postauto nach Wilderswil Bahnhof, danach Postauto nach Saxeten / Postauto nach und von Suld fahren nur am Wochenende (bis am 07.10.)…

Unterkunftmöglichkeiten: Saxeten bietet einige Ferienwohnungen und mind. ein Hotel. Im Suldtal gibt es keine Hotels – Aeschi ist zu Fuss in 1.5h zu erreichen (da hat es einige Hotels).

03-01-2013 10-29-24

Am Morgen des 18. September wachten wir mit dem Motiv auf, das Morgenberghorn  endlich – eine bereits lange gehegte Idee – zu bewandern. Da Sarah das Bewandern auf dem „normalen Wanderweg von Saxeten oder von Suld“ – so schien es – etwas zu langweilig erschien, war die am Vorabend geplante Tour unter zu Hilfenahme von hikr.org und anderen Quellen – eine Begehung des Leissiggrats ab Saxeten vorgesehen. Der Leissiggrat zieht sich von Interlaken durchgängig über mehrere Gipfel und/oder Punkte auf’s Morgenberghorn. Der Leissiggrat hat seinen tiefst gelegenen Ursprung in Interlaken. Auf der Westseite des Erhebungsbeginn liegt Därligen, am östlichsten Teil des Thunersees gelegen, auf der Ostseite liegt das Dorf Wilderswil. Der zum Morgenberghorn sich ziehende Grat ist geologisch ein stark deformiertes Produkt aus Molassebestandteilen mit darunter vokommenden Richtung Nordwesten gerichteten Flyschelementen des (Ultra-)Helvetikums aus dem oberen Mesozoikum (Kreide). Die plattigen dünnen- bis mitteldicken- Kalkschichten sind stark verwittert und sehr brüchig, weswegen man beim Begehen der Felsen Vorsicht walten lassen muss.

Mit dem Zug sind wir in Interlaken West angekommen und stiegen auf das Postauto nach Wilderswil um (fährt direkt vom Bahnhofsplatz). Nach nur 5 Minuten stiegen wir bei schönem Wetter im noch schattigen Wilderswil Bahnhof auf den VW-Bus-Postauto Shuttle. Frau Zingrich, unsere Fahrerin toppte dann in Kürze sämtliche Komiker, die mir bis anhin in den Sinn gekommen waren. Sie kommentierte das Dorfleben von Wilderswil, die steilen Strassen nach Saxeten und das Dorfleben in Saxeten in einer, man meint gar professionellen trockenen und überaus komischen Art – uns hat’s fast vom Sessel geworfen!  :-)

In Saxeten angekommen, mussten wir uns mal erst erholen vom vielen Lachen – wenn sie so weiter macht, dann bezahlt man auf dieser Strecke sicher einen Comedy-Zuschlag von 10CHF.

Wir liefen los – der Wanderweg führt steil direkt Richtung Westen entgegen den Leissiggrat. Zuerst folgten wir dem Wanderweg „Rundweg Usserberg“ – ist auf der Wanderkarte 1:50’000 eingezeichnet und zogen weiter im Zick-Zack durch den schönen moosigen Ankerewald und schweiften nach dem Wald auf der Alp etwas gegen Südwesten (Usserberg). Dort befindet sich eine Alphütte, die wir rechts passierten. Der Weg führt weiter auf breitem Weg, der Richtung Grat erläuft. Etwa nach 5 Minuten dreht der Weg (rechts) Richtung Nordosten und exakt wenn man wieder in den Wald eindringt, verlässt man den Wanderweg und steigt um die konische Form der Rotenegg (1890m ü.M.) in Kuhtritten leicht hoch bis an den Wald wieder verlässt. Dort ist der Leissiggrat direkt erblickbar. Danach passierten wir eine gegen oben immer steiler werdende Wiese, die ganz oben durch sehr unstabile Steinplatten ausgestattet ist. Diese kraxelten wir hoch, was auf und der sehr brüchigen und ausgesetzten Passage sicher schon eine, von ca. 4 Schlüsselstellen ist. Danach kann man sich innerhalb von 30-40 Metern Aufstieg an kleinen Tannengewächsen und später an Alpenrosen und Heidelbeerstauden festhalten, was den ersten Aufstieg auf die Rosenegg etwas erleichtert. Erst oben auf dem Grat sind die Trittspuren wieder auszumachen. Verschwitzt und bereits etwas angemüht – der Aufstieg hat’s doch noch in sich – erreichen wir den Gratrücken.

Von der Rotenegg sieht man zum Punkt 1934. Der Weg dahin  offenbart auf den ersten Blick eine schöne Gratwanderung ohne in’s Auge stechende Gefahren. Dem ist dann auch so, nur ein paar mal quert man einzelne Passagen auf der sehr ausgesetzten Leissigereite – allerdings sind immer die Alpenrosenbüsche zur Stelle, wenn man sie braucht! :-) Wir liefen teils balancierend und mit dem nötigen Respekt über den schmaler werdenden Grat Richtung den eben angedeuteten unkt 1934. Da war zum ersten Mal kleine Kletterei angesagt.

Das Bild oben zeigt zu vorderst, etwas unterhalb des ersten „Spitzes“ den Punkt 1934. Bei genauerer Betrachtung sieht man den ersten Aufschwung, der leicht Links abbiegt:

Diese Passage ist sehr steil und sehr ausgesetzt. Wohl wäre es gegangen, den ersten Fels direkt zu erklettern. Weil allerdings die sich verlierenden Trittspuren seeseitig weitergehen und das Gestein kaum Tritte zulässt, stiegen wir in die fast senkrechte Wiese (rechts des Pkt. 1934), die mit Büschen und kleinen Tannen versetzt ist. Für mich der weitaus schwierigste Teil des ganzen Grates! Wir brauchten in etwa 15 Minuten, diese Passage zu überwinden. Wir stiegen in einzelnen „Tritten“ immer weiter in die steile Westwand ein. Das Gras ist bisweilen so lang, dass keine Trittspuren auszumachen sind. Wenn man runter schaut wird’s luftig… Immer wieder mit den Bergschuhen vortastend geht’s langsam weiter und ca. in der Mitte der Wand stiegen wir direkt sehr steil hoch auf den Punkt 1934. Endlich oben angekommen mit etwas schlottrigen Beinen ;-) offenbart sich der weitere Gratverlauf:

Zu sehen ist nun das „Schifli“ (siehe Landkarte). Das Schiffli (das Morgenberghorn ist der fein ersichtliche „Spitz“ neben dem Gipfel des Schifflis) mit dem höchsten Punkt auf 2039m ü.M. hat zwei nicht ganz einfach Passagen, die man direkt auf dem Grat überquert. Zuerst ist der erste ersichtliche Felsteil, den man leicht links des Grates umgeht (jedoch fast on top). Dieser Teil besteht aus sehr brüchigen, abwärtsgerichteten Felsplatten. Man kann sich nur schlecht halten, da jede
Platte, die man in die Hände nimmt gerade abbricht. Nichts desto trotz schien es uns einfacher als die Umgehung auf den vorangehend beschriebenen Pkt. 1934. Im oberen Teil geht’s nochmals steil aufwärts über feine Tritte zum Schiffli. Der Gipfel ist ein relativ flaches, für den Leissiggrat breites Gelände mit zwei parallel laufenden Scheiteln, das man innerhlab der Senke einfach begehen kann.

Danach legt sich das Gelände abwärts und der Grat wird immer ausgesetzter. Zwei Passagen folgen, bei denen etwa 5-8 Meter auf ca. nur 10cmGratscheide balanciert werden müssen. Eine Begehung wurde von Sarah gar in Reiterposition
erfolgreich durchgeführt.

Kurz vor dem Aufschwung auf’s Morgenberghorn brachen wir die Übung dann ab. Mehrere Gründe sprachen dafür. Ersten sieht der letzte Aufschwung aufs Morgenberghorn noch ausgesetzter aus als alle bisherigen, zweitens sind wir nicht sehr geübte T6-Wanderer und wir wollten doch auf’s Morgenberghorn, ohne noch mehr Risiken einzugehen. Drittens ist wie bereits beschrieben die Trittspur im Moment (Jahreszeit) oft nicht mehr so gut auszumachen, weil das Gras grosszügig und schlampig über den Grat abhängt, was die Begehung nicht erleichtert. So stiegen wir etwas nach Punkt 1974 direkt ab auf die Alp Stand und blieben hoch um zum Rengglipass zu gelangen. Da machten wir eine Verschnauf-, und Verpflegungspause und stiegen bei schlechter werdendem Wetter in ca. einer Stunde auf den Gipfel. Im oberen Bereich ist alles mit Ketten gesichert. Allerdings müssen diese schleunigst mal renoviert werden, viele Stangen sind ausgerissen. Also Vorsicht da!

Auf dem Gipfel angekommen genossen wir das wunderbare Panorama, auch wenn das Wetter nicht mehr so schöne Aussicht gewährte wie noch am Morgen. Wir stiegen dann nach Suld über die Alp Brunni ab. Achtung: Ab der Alp Brunni, denn man den Wanderweg Richtung Aeschi nimmt ist nicht angeschrieben, dass der Wanderweg, der nach 15 Minuten links nach Suld (durch den Leimerewald) abzweigt, gesperrt ist! Wir nahmen ihn trotzdem. Die Wegfindung ist nicht einfach, da die Pflanzenwelt den Wanderweg fast vollständig überwuchert hat. In Suld sind wir dann gegen 17.00Uhr angekommen und hatten durst und waren unglaublich geschafft. Der Berg ist nicht ohne, auch der Abstieg hatte es noch in sich!

Glücklich ob der trotzdem schönen Tour gönnten wir uns im Restaurant Pochtenfall eine kühle Cola. Übrigens: der Pochtenfall ist ebenfalls ein schönes Naturschauspiel und ist vom Restaurant in 15 Minuten zu erreichen.

Zur Schwierigkeit: Zumal wir nicht  T6-Wanderer sind, haben wir die Begehung des Leissiggrats evtl. etwas schwieriger eingeschätzt, als er tatsächlich ist. Meiner Meinung nach ist der Leissiggrat allerdings, verglichen mit dem Grat auf’s Stockhorn via Nüschlete oder mit dem Fromberghorn und den meisten Teilen des Niesengrats mindstens vergleichbar. Ich hätte jetzt aus dem Bauch eine T6 – gegeben. Hielt mich allerdings nun bei der Bewertung an die anderen Hikr-Berichte, deren Verfasser am selben Ort abbrachen.

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