Life in Kathmandu

Gepostet am Dez 7, 2013 in Alle Berichte, Asien, Geschichten sind Speisen für's Ohr.., Nepal | 1 Kommentar

Life in Kathmandu

Lebhafte hinduistische und buddhistische Stätten, übervolle Gassen, schockierende Realitäten, differente Arbeitswelten und ein überaus atembelastender, chaotischer Verkehrsstrom in der Millionenstadt Kathmandu…

 

[12. November – 6. Dezember 2013]

Das Leben in Kathmandu hat viele Facetten. Kraftvolle tibetisch-buddhistische Orte, ein Herd der Unordnung, durch Staub & Abgase verpestete Luft, im unzimperlich-nepalesischen ÖV eingequetscht im Microbus unterwegs, fleissige Menschen in den übervollen, engen und vielfarbigen Gassen, auf dem Nach-Hause-Weg durch den noch geschäftigen Markt im Strom der Nepali in schwachem Licht, obligater Stromausfall bei Einbruch der Dunkelheit, kalte Herbstabende in den ungeheizten Räumen der Millionenstadt eines unterentwickelten Nepals, eindrucksvolle & beklemmende hinduistische Verbrennungsstätte Pashupatinath am heiligen Fluss Bagmati…

Nachdem das Leben in Kathmandu nach den erst zweiten Wahlen Nepals nach wiederholt aufkommenden Streik(nachmit)tagen wieder zur Normalität zurückgekehrt ist, sind wir harzig in unsere Projekte gestartet. Nicht, dass wir erwartet hätten, hier Felsen zu versetzen. Mit unseren Einsätzen beabsichtigten wir, einen Blick auf die nepalesische Gesundheitsversorgung und soziokulturellen Problematik von Menschenhandel und Benachteiligung des weiblichen Geschlechts zu werfen und uns damit auseinanderzusetzen. 

Womit wir nicht gerechnet hatten war, dass das, was wir auch im daily life zu sehen oder hören bekommen würden, oftmals schockierend, bedrückend und nicht selten wenig hoffnungslos sein würde. 

 

Von unserem vorübergehenden Zuhause, einem Haus im nördlichen Stadtteil auf einem Hügel gelegen – Dhapasi Heigts – wohnten wir zusammen mit anderen Voluntären. Kalpana, die herzliche 24-jährige Nepali, welche ein Zimmer im Haus bewohnte, bereitete morgens Frühstück, machte den Einkauf, hielt das ganze Haus in Schwung, bevor sie nachmittags selbst teilzeit im Public College für Journalismus ihrer Ausbildung nachging – abends zauberte sie für uns leckere nepalesische Gerichte und mit ihr zusammen lernten wir die Zubereitung von Momo’s (tibetische Teigtaschen) und das Nationalgericht Dal Baht.

Vier ihrer jüngeren Schwestern wohnen in einem der fünf Waisenhäusern von Nepal Orphans Home (www.nepalorphanshome.org), welche sich alle in mittelbarer Nähe des Volunteer House befinden.

Mit dem Einsatz bei Volunteer Nepal (www.volunteernepal.com) werden die fünf Orphans Homes finanziert. Michael Hess, der Gründer von Nepal Orphans Home, bietet damit über 140 Kindern ein Zuhause, eine Tagesstruktur mit Ausbildung in der nahegelegenen privaten Schule Skylark Engilsh School mit der Absicht, dass die einst verlassenen Kinder einmal auf eigenen Beinen stehen können. Der erste Eindruck bei dem Besuch der Kinderhäuser ist schockierend und demütigend – nicht, dass die Kinder es nicht gut hätten. Jedes hat ein eigenes Bett in einem 4-5 Bettzimmer, die Häuser sind aufgeräumt und äusserst sauber, bieten den Kindern genügend Platz zum Spielen und sie bekommen neben Zwischenverpflegung zwei warme Mahlzeiten am Tag. Volunteers helfen bei den Hausaufgaben und während den Ferien gibt es Koch- und Fotoshops, Ausflüge in der Region oder andere Projekte werden organisiert. Doch das dermassen viele Kinder durch Verwaisung oder Armut der Familien einfach weggeschickt und ihrem Schicksal überlassen werden, ist anfangs einfach nur schockierend, und zudem das Wissen, dessen was wir hier zu sehen bekommen, nur die Spitze des Eisberges ist. In der Zwischenzeit konnten wir uns mit der Realität auseinandersetzen und der anfänglichen Betroffenheit und Ohnmacht weicht die Hoffnung. Jedes Kind, aufgefangen in einem der fünf Waisenhäuser, ist ein gerettetes Kinderleben vor Hunger, Verwahrlosung und Menschenhandel mit der grossartigen Möglichkeit eines jeden, sein Schicksal ändern zu können.

 

Praktikum im Sahid Memorial Hospital

Nach je einer Woche auf der Intensivstation und auf dem Notfall des privaten Sahid Memorial Hospital als Praktikantin habe ich doch einiges gesehen und erlebt, was ich wohl nicht mehr so schnell wieder vergessen werde. Im nachfolgenden nur einige meiner erstaunenden, schockierenden und manchmal wenig hoffnungsvollen Beobachtungen…

Bei einem älteren Mann wird eine grössere Bauchoperation durchgeführt, gratis wie mir auf Nachfrage gesagt wird. Die Angehörige bezahlen lediglich für den Spitalaufenthalt, Medikamente (inklusive Bluttransfusionen) und Materialien. Nur liegt der Patient beinahe schon zwei Wochen auf der Intensivstation, wach aber immer noch künstlich beatmet – die Beatmungsmaschine schlägt mit 10 000 Rupien (100 CHF) pro Tag zu Buche. Hinzu kommt, das das Gerät mit dem Namen eines Doktors, dem Besitzer, angeschrieben ist – er wird wohl einen Teil dieser Einnahme für sich verbuchen. Insgesamt bezahlt die Familie pro Tag ca. 15 – 20 000 Rupien für eine ungenügende pflegerische und medizinische Behandlung. Denn der Patient ist offensichtlich mangelernährt, wurde seither nicht mobilisiert oder im Bett aufgesetzt, an Fersen, Gesäss und Hüfte weist er tiefe Druckstellen auf, seine Schmerzen werden offensichtlich auch nur ungenügend bekämpft. Den Gesichtern der Angehörigen ist die schwindende Hoffnung abzulesen, dass er wohl einst wieder nach Hause zurückkehren kann. In meinen Augen zeigt dieser Fall, in welchem der Patient unendlich leidet, den Angehörigen falsche Hoffnungen gemacht werden und sie sich finanziell überlasten, dass sich die Institution weitgehend überschätzt, unethisch und korrupt handelt.

Notfälle, darunter auch Schwerverletzte, werden meist per Taxi vor den „Emergency“ gebracht und dort unter  schreienden Lauten der Verletzten oder die bereits leblosen Körper aus dem Gefährt gezerrt. Ambulanzen gibts zwar, diese werden jedoch eher für Verlegungen oder bei genügend Zeit eingesetzt. Denn Kathmandu’s Verkehr erlaubt keine schnellen Transporte!

Bild 5

 

Selbst bei Notfallbehandlungen wird unmittelbar nach der Sichtung des Patienten aus der Ferne ein Rezept mit Notfallmedikamenten, Blutentnahmeröhrchen, Halskragen, Sauerstoffmaske geschrieben und sofort den Angehörigen übergeben, welche dieses bei der Spital-Apotheke gegen Bezahlung eintauschen. Meist haben sie zwar eine kleine Reserve an Medikamenten und Materialien, diese müssen jedoch sogleich wieder ersetzt werden. Damit wären wir auch schon bei einer weiteren Schwierigkeit. In Nepal gibt es im Gegensatz zur Schweiz keine Hilfeleistungspflicht – wenn man also verunfallt oder bewusstlos zusammenbricht und sich einem niemand annimmt, der einem ins nächste Spital bringt und vorerst für die Notfallbehandlung bezahlt, kann es unter Umständen für einem schlecht aussehen. Eine weitere Kuriosität, von welcher wir aus unterschiedlichen Quellen gehört hatten: Der Unfallverursacher muss für die ganze Behandlung und eine Art Schadensersatz für das Unfallopfer aufkommen. Wenn das Opfer jedoch stirbt, wird dagegen nur einmalig ein hoher Betrag fällig. Dies fördert eine Hilfeleistung und schnellstmöglichen Transport ins nächste Spital auch nicht gerade.

Komplementär- und Hausmedizin als Zwischenstufe zwischen Schamanismus und erschwinglicher Schulmedizin ist vor allem bei jüngeren Menschen nicht zu beobachten. Wegen bagatellen, kurzfristigen Erkrankungen wie Übelkeit, Durchfall, Erkältungen, Verstauchungen kommen sie auf die Notfallstation und werden behandelt – oft gehört Antibiose zur „Notfallbehandlung“. In den ländlichen Gebieten konsultiert die Bevölkerung weiterhin Schamanen, welche mit Kräuter und spirituellen Praktiken die Menschen zu heilen versuchen. In der Stadt scheint die von vielen gut erschwingliche, schulmedizinische Behandlung als die einzige Möglichkeit zur Heilung angesehen.

Das Praktikum hat mir einen tiefen Einblick in den Spitalalltag eines Privatspitals gegeben. Da eigentlich nur die Ärzte englisch sprechen, war der Austausch mit den Pflegefachpersonen begrenzt. Doch über die Sprachbarrieren hinaus konnte ich in Notfällen anpacken und als Assistentin kleine Hilfestellungen ausführen. Um pflegerische und medizinische Behandlungsgrundsätze von Staaten mit einem gut entwickelten Gesundheitssystem zu übernehmen, bedürfte es sicher noch vermehrt die Unterstützung von qualifizierten Fachpersonen unter Berücksichtigung gesellschaftlicher, kultureller und spiritueller Werte und Normen.

 

Praktikum bei CAP – Center for awareness Promotion

Ich als Mann in einer Frauenrechtsorganisation, das schien für mich als Volontär mal die erste Hürde zu sein. Dementsprechend harzig verlief der Start bei CAP Nepal. Die dort arbeitenden Frauen, insbesondere die Chefin Hira Dahal und ihre Stellvertreterin Sharda Paudyal waren etwas skeptisch und konnten sich nicht auf Anhieb mit ihrem neuen Mitarbeiter anfreunden. Hier in Nepal, so scheint es, ist die Struktur im Arbeitsleben ebenso wenig vorhanden, wie im öffentlichen Leben. Nach meinem dritten Interventionsversuch am ersten Tag, was den Inhalt meiner Arbeit sein würde, gab mir die Chefin doch einige Aufträge: Nach meinem Arbeitsbeginn um 09:45Uhr sollte ich jeweils mit dem Englischunterricht für die Frauen der NGO beginnen und nach einer guten Stunde mit meiner eigentlichen Arbeit fortfahren. Dies beinhaltete während der ersten Tage das Studium einiger Anträge für die Finanzmittelbeschaffung bei ausländischen „Hilfsorganisationen“, unter anderem bei Organisationen wie Geneva Global, Planète Enfants, United Nations Women.

Bis Freitag in der Folgewoche sollte der Antrag auf der Basis der anderen Papiere verfasst sein, der den finanziellen Support eines Projekts der NGO auf Antrag hin verlängern sollte. Dieses Business ist für NGO eine Kernaufgabe. Mal abgesehen vom Lesen bestehender Tätigkeitsberichte und dem zusammensuchen von Informationen gefiel mir die Arbeit ganz gut und die Arbeit, wonach ein grosser Teil darin besteht, Rechenschaft über die Tätigkeitsbereiche der Organisation abzulegen, kannte ich nur zu gut.

Die 6-Stunden-Arbeitstage gingen jeweils wie im Flug vorbei, die Frauen wurden immer herzlicher und dass sie mittags für mich mitkochten war irgendwann selbstverständlich. Die nepalesischen Speisen waren köstlich, auch wenn mich einmal eine grüne Chili fast um die Ecke brachte und der Masalatee (Gewürztee) mit Milch, dessen Konsum sie mich nach dem zweiten Tag überredet hatten, war mir ein Leid. Das Leiden hielt sich aufgrund des Gewöhnungseffekts in Grenzen, ich lernte viel und so wurde die Arbeit bei CAP gleichzeitig zu einem kulturellen Austausch.

Die Organisation setzt sich für die Gleichstellung der Frauen in Nepal ein. Frauen in Nepal, vor allem in ländlichen Gebieten sind sehr stark benachteiligt. Sie arbeiten grundsätzlich harter und länger als Männer, sie sind schlechter gebildet. Bei einer Analphabetenrate von 49% sind die Frauen mit zwei Drittel davon betroffen. In den noch sehr traditionellen Gesellschaften erreichen Frauen nur einen gewissen Status, wenn sie ihrem Ehemann einen Sohn gebären. Ein Sohn zu haben ist auch aus spiritueller Sicht wichtig, denn im Hinduismus muss der älteste Sohn das Feuer zum Verbrennen des Vaters entzünden, um ihm damit einen friedlichen Übergang ins nächste Leben zu bescheren. Ausserdem verlassen Frauen mit der Heirat ihre Familien, währenddem Junge verpflichtet sind, für ihre Eltern bis zum Tod zu sorgen. Arme Familien mit vielen Mädchen haben dann viele Mäuler zu stopfen, können nicht alle Kinder zur Schule schicken und diese Begebenheiten führen zur Armutsspirale. Die Schwelle, die „überzähligen“ Mädchen einer Familie gegen Geld wegzugeben, sinkt mit zunehmender Armut.

Der Handel von Mädchen ist in Nepal’s verarmten ländlichen Gebieten ein grosses Problem. 10 – 15 000 Mädchen werden jedes Jahr zur Prostitution gezwungen oder nach Indien verschleppt, wo sie in Fabriken, Haushalten oder Bordellen versklavt werden. Siehe auch: http://www.nytimes.com/2013/09/01/opinion/sunday/women-bought-and-sold-in-nepal.html?_r=0).

CAP Nepal stellt vielen Frauen eine Möglichkeit zur Verfügung, damit sie aus ihren misslichen Lagen befreit werden. Unter anderem wird ein Frauenhaus unterhalten, dass die Reintegration der Frau in einen seriösen Arbeitsablauf unterstützt. Daneben werden die Frauen psychologisch unterstützt, medizinisch versorgt und ausgebildet.

 

…Life in Kathmandu 2

Microbus fahren braucht gute Nerven. Nachdem man irgendwann halbwegs den Durchblick bekommen hat, wohin die Kleinbusse in Kathmandu hinfahren, ist es jedoch ein sehr preiswertes Fortbewegungsmittel. Auf dem Rückweg vom Spital erziele ich einmal einen persönlichen neuen Rekord: im Kleinbus mit gut gerechnet 15 Plätzen zähle ich 24 erwachsene Personen, doch immerhin ist die Schiebetüre zu. Im abendlichen Pendlerverkehr sind nicht selten Micro’s unterwegs, welche ausserhalb bei offener Tür noch 2-4 Männer wie Trauben am Stiel hangen haben. Irgendwann kommen wir im Ort an, wo ich – mittendrin – aussteigen muss. Nachdem 3 Leute ausgestiegen sind, die anderen mir den Weg versperrenden stehenden Mitfahrenden keine Anstalten machen, auch kurz auszusteigen und mir der Beifahrer des Micros bereits energisch ruft, mache ich’s halt auf nepalesische Aussteiger-Art und quetsche mich durch, überall möglich festhaltend, rauszerrend und stossend befinde ich mich erstaunlich schnell wieder unter freiem Himmel. Wegen dem Sardinenbüchsenprinzip war es zuvor ganz dunkel gewesen, alle Fenster durch Menschen versperrt.

In Nepali zu kommunizieren ist schwierig – die einzige Chance die wir haben, um den Inhalt einer Unterhaltung aufzunehmen sind die englischen Wörter im Schwall von Nepali-Phrasen. Neben den Fremdwörtern und Dingen, für die es in Nepali keine Ausdrücke gibt, wird auch für Zahlen meist das Englische verwendet. Eine Eigenart der nepalesischen nonverbalen Kommunikation ist das hin- und herbewegen des Kopfes wie eine orientalische Tänzerin es tut. Währenddem das verneinen identisch ist mit unserem Kopfschütteln, bedeutet dies eine Bestätigung, Zustimmung und einfach „ja“. Amüsiert von dieser Geste versuchen wir’s ihnen gleichzutun, allerdings schaffen wir’s nicht mal ansatzweise.

 

Nepalesische Politik

Durch ein Attentat gegen die gesamte Königsfamilie wurde die Monarchie 2001 ausgelöscht. Nepal hatte zwischen 2001 und 2005 6 Premierminister und in insgesamt 10 Jahren wurde 9 mal die Regierung gewechselt. Die Verfassung, welche die politischen, feudalen und auch rechtlichen Rahmenbedingungen herstellen würde, ist seit nun gut 15 Jahren Verhandlungssache. Erst  gerade, am 19. November 2013 wurde eine neue verfassungsgebende Versammlung gewählt. Diese entspricht in der Tat nicht einem Parlament, sondern jetzt bereits nach 2008 (letzte Wahlen) das zweite Mal, der Wahl einer Übergangsregierung. Drei der mehr als 123 Parteien konnten einen grossen Anteil der Stimmen für sich gewinnen. Es sind die Siegerpartei die NC (Nepali Congress), UCPN (Unified Communist Party of Nepal, Maoists) und die Kommunistische Partei Nepal (Communist Party of Nepal (Unified Marxist-Leninist)).

Die Maoisten werden im Land eigentlich nur ungern gesehen, aber ohne Koalitionen geht hier in Nepal nichts. Sie waren für den erst 1996 beendeten Bürgerkrieg verantwortlich, worin mehr als 13’000 Nepali ihren unfreiwilligen Tod fanden. Weil sie trotzdem einen beachtlichen Teil der Wähler für sich gewinnen können (ob legal oder nicht, das sei mal dahingestellt), müssen sie in den politischen Alltag integriert werden. Die Bildung einer Koalition und einer vom Volk vertretenden Verfassung hat höchste Priorität. Dem Unterfangen wird allerdings immer noch nicht viel Chance beigemessen. Korruption, Misswirtschaft, aber auch einfach der mangelnde Goodwill fehlen in der Nepalesischen Gesellschaft, um zusammen vorwärts zu denken. Politik ist in der nepalesischen Gesellschaft nur eine Nebenerscheinung, wenn nicht gerade 2 Wochen andauernde Streiks vor den Wahlen stattfinden. Ein interessantes Zitat findet man in der Nepali Times Zeitung vom 6. Dezember: „Nepali voters don’t want politics as usual, in fact they don’t want politics. They want the economy to grow.“

Bei Gesprächen mit Nepali ist uns immer wieder aufgefallen, dass trotz hoher Priorität viele (allen voran junge und gut gebildete Nepali) nicht wählen gingen. Auf die Frage, wieso das denn so sei, gab’s eine entsprechend plausible Antwort: Die Wahlberechtigten mussten ihren aktuellen Wohnort verlassen, sofern er nicht Ihrem Heimatort entsprach. Kathmandu verlassen bedeutet hier als Beispiel  in „ihr Dorf“ zurückkehren und manchmal eine stundenlange oder mehrere Tage dauernde Fahrt hinzunehmen, ohne dabei aber entlöhnt zu werden. Daneben war der öffentliche Verkehr bereits Tage vor den Wahlen eingeschränkt, viele Menschen im öffentlichen Sektor streikten und wenn man sich ein bisschen umhörte, wurde immer wieder eine Furcht vor Angriffen auf das öffentliche Leben beschrieben. Deshalb blieben viele der Nepali Zuhause, um kein Risiko auf sich zu nehmen und verzichteten auf das Wählen.

Zum staunen & schmunzeln..!

Die Tageszeitung Kathmandu Post kostet offiziell 5 Rupien, das heisst 5 CH-Rappen!

Eine Langstreckenfahrt by Micro schlägt mit 20 Rupien zu Buche!

In Kathmandu’s Linksverkehr scheint die 3. Spur in der Mitte der Fahrbahn für beide Richtungen bestimmt zu sein!

Fussgänger bewegen sich selbstbewusst wie Vortrittsberechtigte im nepalesischen Verkehr, Zebrastreifen gibt es nirgendwo. Dies macht besonders den Pendlerverkehr zusätzlich lahm und gefährlich.

Der Kathmandu-Husten erwischt einem schnell und ist eher positiv zu deuten. Denn der viele in die Atemwege geratenden Dreck muss auch wieder raus. Dies erklärt auch das Gang und Gäbe des Schneuzens und Spuckens von Schleim auf die Strasse. Wir haben uns zwar noch nicht an die diesbezüglichen Verhaltensweisen angepasst und benutzen weiterhin Nastücher, ernten dafür aber oft staunende Blicke.

 

 

Curry without worry…

Beim Gemüse schneiden in einem Hinterhof eines Waisenhauses in Central Kathmandu haben wir den Gründer der NGO „Curry without worry“ kennengelernt – jeweils dienstags wird den Hungrigen von Kathmandu und San Francisco ein warmes und frisch zubereitetes Menu serviert. Shrawan Nepali, ein herzlicher, vor Lebensfreude sprühender Mann mit graumelierten Haaren spricht in perfektem English zu uns – wie sein Name schon sagt, er ist Nepali. Nachdem er 1971 mit 8 Jahren seine Grossmutter verloren hat, kam er ins Paropakar Orphanage in Kathmandu, wo er von 8 bis 16 Jahren aufwuchs. Er besuchte in Kathmandu das Public Youth College, bevor er 1985 dank seiner langjährigen Freundschaft zu einem Volunteer die Möglichkeit bekam, seine weitere Ausbildung in den USA zu absolvieren.

Nach seinem Studium arbeitete er bis 2001 in den USA, bevor er sich dazu entschied, sein bisheriges Leben aufzugeben, sein Haus zu verkaufen, um in seine Heimat zurückzukehren und dort für einige der meist unterprivilegierten Kinder Nepals ein dauerhaftes Zuhause zu schaffen und ihnen eine Ausbildung zu ermöglichen. Er gründete Ama Foundation (www.ama-foundation.org).

Mit seiner Liebe zum Kochen und Menschen am „Feuerplatz“ zusammenzubringen, mit der Unterstützung von Freunden von beiden Seiten der Welt, gründete er 2006 Curry Without Worry (www.currywithoutworry.org.np). Shrawan reist jedes Jahr zwischen San Franzisco und Kathmandu, um für diese beiden Organisationen zu werben und sie zu führen. 4 Monate pro Jahr verbringt er in Kathmandu, den Rest in seiner zweiten Heimat San Francisco.

Curry without Worry mit dem Leitsatz Healthy Food For Hungry Souls gibt es auch in San Francisco, das Menu beinhaltet dort genau dasselbe wie in Kathmandu. Stolz erzählt uns Shrawan, wie Curry without Worry in San Francisco einen Award für das reichhaltigste Essen „for free“ erhalten hat.

 Curry without Worry Menu in Kathmandu & auch in San Francisco:

9-Bohnen-Suppe

Reis

Gemüse-Curry

Fladenbrot

Kabis mit Timmur-Chutney

Fast unglaublich aber wahr: um 250 Schalen von Hungrigen übervoll zu füllen, werden „nur“ 20 000 Rupien (200 US-Dollar) aufgewendet. Die nepalesischen Köstlichkeiten werden mit frischen, auserlesenen und äusserst nährhaften Zutaten zubereitet.

Nach dem zubereiten der einzelnen Gänge begeben wir uns abends zu Fuss in ein paar Minuten zum Durbar Square, dem antiken Central Kathmandu, wo wir inmitten von Tempeln das Essen servieren. Als wir beim Platz ankommen, hat sich bereits eine Kolonne von Menschen – Frauen, Männer und auch einigen Kindern – gebildet, die sich wahrscheinlich bereits den ganzen Tag sehnlichst auf das bevorstehende Menu freuen. Wir fragen Shrawan, wie bestimmt wird, welche Leute nun als arm, bedürftig und „wirklich hungrig“ gelten und sich in die Kolonne stellen dürfen. Seine Antwort und somit Philosophie von Curry without Worry fasziniert uns: Währenddem er die wirklich Bedürftigen mit einer Mahlzeit ernähren möchte, gehört es ausserdem zur Philosophie, dass Hunger nicht nur durch einem leeren Magen definiert wird. Aus diesem Grund ist Curry without Worry für alle offen, die an irgend einer Art Hunger leiden. Seien es obdachlose oder mittellose Menschen, Studenten, Strassenkinder, alte Menschen… Die Mischung aus denen, die eine Mahlzeit akzeptieren, schaffen einen Sinn für Gleichheit, erleben gemeinsam eine friedliche Erfahrung und erlaubt denen, welche wirklich eine harte Zeit in ihrem Leben durchmachen zu erfahren, dass es Menschen gibt, die sich ihnen annehmen und alle zusammenbringen.

Mit dem schöpfen von Reis, Gemüse-Curry, 9-Bohnen-Suppe, Fladenbrot und dem Kabis mit Timmur-Chutney auf dem Durbar Square geht für uns ein beeindruckender Tag mit dem Gefühl zu Ende, etwas sinnvolles getan zu haben.

1 Kommentar

  1. Hallo zäme
    Da kann man nur staunen…was ihr da alles gemacht, geholfen und erlebt habt…chapeau.
    Ihr bringt uns da eine Welt näher, die wir nicht kennen…wird wohl für euch ein bleibendes Erlebnis sein!!

    Liebi Grüess
    Heinz

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