Rimpfisch-, Strahl- und Fluchthorn

weisse und felsige Riesen des Allalins

Rimpfischhorn, Fluchthorn und zur Krönung Strahlhorn

[19. – 21. März 2016]

 

 

Die strapaziöse Königstour gerade zu Beginn

[19. März 2016] Tag 1: Rimpfischhorn 4199m

Am späten Freitag Nachmittag erreichten wir die Station Felskinn am Fusse des Allalinhorns und schnallten die Bretter an die Skischuhe, um zum Bügellift runterzufahren, der uns dann in nur wenigen Minuten ins Egginerjoch zog. Oben angekommen und gar angetan von der schönen, kurzen Piste legten wir unsere schweren Rucksäcke oben ab und fuhren ein paar mal die Piste runter, bis wir uns auf den kurzen Weg zur Britanniahütte SAC (15 Minuten) begaben. Die Höhe machte sich bereits etwas bemerkbar. Beim Check-in erkundigten wir uns über die Frühstückszeit. Etwas konsterniert über den nicht verhandelbaren Frühstückstermin um 5:30h liessen wir die aber angenehme Nacht über uns ergehen und warteten gespannt auf den samstäglichen Morgen. Ein erster Blick aus dem kleinen Zimmerfenster verschaffte uns am Morgen schnell Klarheit. Ohne Hunger stopften wir das obligatorische Müesli und eine Scheibe Brot in uns bis wir um ca. 6:00h bereit vor der Hütte standen.

Das Wetter war prächtig, die Dämmerung bereits in vollem Gange. Mit eiskaltem Bergwind im Gesicht fuhren wir den eisigen und steilen Abhang von der Britannia auf den Hohlaubgletscher runter, wo wir anseilten- und fellten. Danach stiegen wir auf die Moräne des Ausläufers des Hohlaubgrats hoch und querten unter diesem weiter bis zur Abzweigung Richtung Allalinpass (ungefähr bei Höhenlinie 3240m). Unser Ziel war das Rimpfischhorn, bzw. jedenfalls mal den Rimpfischsattel zu erreichen. Glück hatten wir an diesem Tag, denn die zwei vorangehenden Seilschaften hatten dasselbe Ziel. Die Tour auf das Rimpfischhorn ist eine sehr lange und wir waren froh, waren wir nicht die einzigen, die das Vorhaben ins Auge fassten. Es gab uns die nötige Sicherheit, keine falsche Entscheidung zu treffen. Spuren waren nämlich bis dahin keine ersichtlich, die auf den Pass führten. So stiegen wir langsam hoch, überholten die erste grössere Seilschaft und beim steiler werdenden Aufstieg zum Pass montierten wir nach der ersten Kurve die Harscheisen. Auf dem Pass angekommen, stellten wir ein erstes Mal fest, dass die Abfahrt sicher kein grosses Vergnügen sein dürfte. Der Wind hatte ganze Arbeit geleistet da oben…

Die Innerschweizer SAC-Tourengruppe legte ein sehr angenehmes Tempo ein und spurte vor uns, wo es etwas zu spuren gab. Nach Routenbeschrieb und Route 261a müsste ebendiese unter dem ersten Sporn direkt unten durch führen. Dieser Weg kann man sich allerdings sparen, denn da gibt es kein Durchkommen. Ein riesige Querspalte trennt die ehemalige Route dort auseinander. Kurz vor dem Sporn hiess es danach also Umkehr und runter in die Mulde westlich des Allalinpasses. Von da stiegen wir wieder auf auf die Route entgegen des zweiten Sporns unterhalb des Pkt 3791 auf. Dort ist wiederum auf eine grosse Querspalte Acht zu geben, die man allerdings direkt überquert (weil sie bis auf ein paar cm gut zugeschneit ist). Insbesondere sollte man das in Gedanken behalten beim Runterfahren (die Aufstiegsspur ist da zu treffen).

Im doch rechten Abhang musste die SAC-Tourengruppe vor uns nun definitiv auch die Harscheisen setzen, was uns nun zu den Ausreissern im Sinne des Radsports (auf Skiern) machte. Wir zogen stetig hoch Richtung Rimpfischsattel, was ein gewaltiger Effort erforderte. Etwas ausgelaugt, erreichten wir nach rund 4 Stunden die Sonnenstrahlen auf dem Rimpfischsattel 3990m. Nach einer notwendigen Verschnaufpause auf nun fast 4000m hatten wir wieder die Energie, uns das Couloir, dass auf das Rimpfischhorn führte, etwas genauer anzuschauen. Bis hierhin hatten wir uns noch nicht definitiv entscheiden können, das Horn des Rimpfisch zu ersteigen. Nun, nach Ansicht der Situation, war der Mut erstmal etwas weg. Das Couloir war von oben bis unten durchsetzt mit in der Sonne glänzendem Wassereis. Nur gerade in der Mitte gibt es eine Aufstiegsmöglichkeit in hartem Schnee, eventuell? Einmal Glück, immer Glück für den Tag war allerdings die Devise. Denn die nur wenige Minuten nach uns ankommende SAC-Tourengruppe aus der Zentralschweiz sah zuversichtlich hoch und dachte gar nicht erst an einen Abbruch, was uns dann wieder unheimlich Mut machte. Und dann habe ich, als eher vorsichtiger Mensch immer noch sarah an meiner Seite, die immer an einen Weg auf den Gipfel glaubt und ganz fasziniert sagt: „komm wir gehen, wir können immer umdrehen“… … …

Okeeeeee. Steigeisen, Eisschraube, Seilverkürzung bis auf etwa 10-12m. Los. Die ersten Meter noch im leichten Zick-Zack unseren Vorsteigern nach. Danach schneller auf den Frontzacken auf die Felsen zu in unglaublich griffigem Hartschnee. Auf der Höhe der Felsen beginnt das Eis, deswegen wichen wir ins felsige Gelände aus und erstiegen diese, zwar mit wenigen Griffen versehenen Felsen aber zumindest mit guten Tritten. Da befindet sich eine erste Bandschlinge, die wir aber nicht brauchen. Danach stiegen wir weiter den Felsen entlang und gelangten unterbrochen von einzelnen kurzen Frontzackenpartien auf die Höhe, wo wir das doch ziemlich steile etwa 10m breite Stück auf dem Eis von rechts nach links queren mussten (in Aufstiegsperspektive). Die Vorsteiger montierten in der Mitte eine Eisschraube und der Tourenleiter sicherte die Nachkömmlinge an der Bandschlinge auf der anderen Seite im Fels. Danach stieg ich ein. Der Pickel konnte man nicht ins harte Eis schlagen, zu hart war es. So mussten wir das ganze Vertrauen in die Frontzacken setzen, was dann auch klappte. Drüben konnte ich dann Sarah an der eben besagten Bandschlinge sichern.

Man dreht danach in leichter Steigung Richtung Rimpfischsattel zurück in leichtem Blockgelände, um nur wenige Meter höher wieder Richtung Gipfel zu drehen. Da stiegen wir hoch, in immer noch leichtem und nur wenig abschüssigem Gelände. Danach, direkt auf der Gratkante nun in etwas schwieriger Kletterei. Etwa drei Stufen überwanden wir danach, ab und zu kommt eine Bandschlinge und drei mal bestehen kleine Sicherungsstangen, die sehr hilfreich sind. Nach der zweiten Sicherungsstange querten wir links in ein steiles Firnfeld mit relativ pulvrigem, aber darunter gutem Trittschnee. Bei der obersten Sicherungsstange, wieder auf der Gratkante quert man rechts des Grats und mit ziemlich Luft unter dem Hintern erklettert man ein relativ steiles, aber gut strukturiertes Stück Fels hoch. Oben kann man die Nachsteiger an einer Reepschnur sichern. Danach querten wir gegen links in Fels und Schnee und erreicht in wenigen einfachen Stufen den luftigen Vorgipfel, dessen überwechteten Verbindungsgrat uns nun nur noch vor dem kurzen Gipfelaufbau (etwa 20Hm)  – dem Gipfel des Rimpfischhorns – trennte!

Beim Übergang auf dem ausgesetzten Grat querten wir die SAC Gruppe, die bereits den Abstieg unter die Füsse nahm und siehe da: Da standen wir alleine auf dem Rimpfischhorn und genossen für kurze Zeit unser Gipfelglück, auf dem nur wenig Platz bietenden Gipfel. Nach gut 6 Stunden anstrengendem Aufstieg hatten wir uns dieses Glück verdient und waren auch ein bisschen stolz, berauscht und überwältigt. Die Aussicht ist fantastisch, Sicht auf zig 4000er und noch mehr andere Berge, Täler, überwältigend!

Nach kurzem, aber intensivem Gipfelerlebnis stiegen wir vorsichtig und die ganze Route sichernd wieder ab. Wir nahmen uns Zeit und erreichten vielleicht eine Stunde nach dem Gipfel die Eispassage bei der besagten Bandschlinge. Dort seilte ich Sarah die rund 30m ab. Danach ich 25m, was gerade reichte um von oben her gesehen links auf ein Felsband einen guten Stand zu erhalten, um das Seil abzuziehen. Beim Abseilen muss man sich mit den Steigeisen gegen links bewegen, damit man vom Couloir linkerhand weg vom Aufstiegsgrat auf die Felsen gelangt. Danach stiegen wir auf den mittleren Felsen analog zum Aufstieg ab und danach rückwärts die ersten vielleicht 20Hm in den Frontzacken abwärts, bis wir wieder im „Normalgang“ unten auf dem Sattel angelangten.

Danach fuhren wir vorsichtig runter bis in die Senke vor dem Allalinpass, wo wir erneut anfellten und den Allalinpass erreichten. Die weitere Abfahrt vollzogen wir jeweils in der Nähe der Aufstiegsspur und erreichten die Moräne unterhalb des Hohlabgrats und danach ziemlich ausgelaugt wieder die Britanniahütte.

Hüttenabend in total ausgebuchter Britanniahütte mit leichten Kopfschmerzen und grosser Zufriedenheit ;-)

Bemerkung: Die Gletscher sind nicht gut eingeschneit.

Wegdistanz (einfach): 11.5Km, 1426Hm, Zeitbudget: 6.5h Aufstieg, 3.5h Abfahrt (mit kurzen Pausen) bis zur Britanniahütte (mit Gegenanstieg)

 

Kurz und bündig, nicht aber flüchtig aufs Fluchthorn – Abfahrt im Pulvertraum

[20. März 2016] Tag 2: Fluchthorn 3795m

Heute hiess es zuerst einmal Ausschlafen. Das tat nach dem gestrigen Tage ganz gut. Die leichten Kopfschmerzen waren verflogen, die schweren Beine leicht wie nach den Strandferien, aber um einiges spritziger. Wir warteten auf Sara und Mike, die dann vom Stollenloch (Ausgang vor dem Mittelallalin) herunter fahren sollten, um uns auf der Moräne unterhalb des Hohlaubgrats zu treffen. Wir rechneten mit einer Ankunftszeit um etwa 9:00h. Unter diesen Umständen war ein später Abmarsch nicht problematisch, da der Gletscher und der Schnee darauf über den ganzen Tag in fast allen Expositionen gleichbleibend waren. Pünktlich trafen wir uns sodann auf dem Hohlaubgletscher – die Abfahrt war von Schmelzharsch geprägt sei kein Vergnügen gewesen, berichteten sie.

Frohen Mutes zogen wir wieder von Dannen bis zur „Abzweigung“ auf das Fluchthorn auf der selben Route wie am Vortag. Danach – etwas oberhalb der Höhenlinie 3220Richtung Pkt 3451 entlang der Felsformation, die zu ebendiesem Punkt führt. Dort machten wir eine kurze Pause und zogen dann weiter entlang des nordwestlichen Abbruchs des Gletschers der direkt auf den Gipfel des Fluchthorns führt. Etwa 45 Minuten später erreichten wir via Fluchtpass das Fluchthorn, bereits zum zweiten Mal da oben, das erste Mal im Winter. Den Gipfelaufenthalt genossen wir bei nur wenig Wind und relativ angenehmen Temperaturen. Danach machten wir uns auf die Abfahrt, querten dazu nordseitig gegen die Innere Turre und von da an runter in die untere Fläche des Allalingletschers. Der letzte Hang war einfach nur perfekt, Pulvertraum!

Fluchthorn - ein schöner Tag erneut

Fluchthorn – ein schöner Tag erneut

Nach dem Anfellen stiegen wir wieder hoch auf die Moräne unterhalb des Hohlaubgrats, wo wir das Materaildepot aufräumten und uns wieder auf den Aufstieg zur Britanniahütte begaben. Am Abend assen wir gediegen Rösti für die Vegetarier und etwas Fleischiges für Sara und Mike.

Bereits am Abend berichtete einer der heute auf dem Strahlhorn war, dass man ab dem Adlerpass mit den Steigeisen hochsteigen „müsse“. Wir liessen uns überraschen.

Wegdistanz (einfach): 6.5Km, 865Hm, Zeitbudget: 3h Aufstieg, 2h Abfahrt (mit kurzen Pausen) bis zur Britanniahütte (mit Gegenanstieg)

 

Die Königin zum Dessert

[21. März 2016] Tag 3: Strahlhorn 4190m

Heute war der Frühstückstermin verhandelbar. Die herzliche und sehr umsorgende Bewartung schenkte uns eine viertel Stunde früher Frühstück. So sassen wir um 5:15h alle am Frühstückstisch und füllten unsere Bäuche, mit dem was grad so rein ging. Danach, etwas vor 6:00h fuhren wir wieder ab Richtung Hohlaubgrat. Heute war es noch ruppiger als die Vortage. Unterwegs verlor ich einen Ski. Nur dank Stopper musste ich nicht allzu weit absteigen, um den Ski mit Mike’s Hilfe wieder zu montieren. So „verloren“ wir nur wenig Zeit. Die Damen waren bereits fast parat als die Herren einfuhren. Danach legten wir sämtliches Material, dass wir nicht auf das Strahlhorn schleppen wollten, wieder bei unserem Materaildepotstein auf der Mittelmoräne des Hohlaubgrats ab. Danach liefen wir wieder dem selben Weg wie die Vortage hoch, eigentlich ziemlich gerade auf den Adlerpass zu. Nach der Zweigung zum Fluchthorn, geradeaus gelangten wir zur Abzweigung zum Rimpfischhhorn um danach auch diese rechts liegen zu lassen.

Die Distanz zum Strahlhorn zieht sich dahin, allerdings ist die Steigung durchs Band weg moderat, worauf wir kaum Mühe bekundeten. Das einzige was am Strahlhorn etwas bemühend ist: Man sieht den Gipfel und den Adlerpass fast die ganze Tour über, was letztere ein bisschen zum Psychospielchen machen lässt, denn der Pass will jedenfalls in der ersten Hälfte nicht so recht in die Nähe rücken. Trotzdem erreichten wir ihn als zweite Seilschaft um ca. 10:00h. Die letzte Kehre machte uns bei der Betrachtung (unterhalb der Kehre besteht eine grosse Spalte) noch etwas Sorgen, doch es ging ohne Harscheisen und wir erreichten den sicheren Hafen. Dort montierten wir die Steigeisen und die Skier an den Rucksack, stiegen auf dem schönen, nicht schwierigen Grat am kurzen Seil hoch bis auf die Fläche, worauf wir die Skier wieder an die Füsse schnallen konnten.

Nach dem Adlerpass müssen wir die Skier aufbinden

Nach dem Adlerpass müssen wir die Skier aufbinden..

Danach stiegen wir in rund einer 3/4h auf den westlich des Gipfels liegenden Sattel. Dort schwatzen wir kurz mit den Fribourger, die daraufhin die Abfahrt angingen. Wir stiegen die letzten Meter zu Fuss auf den Gipfel und wow, diese Aussicht wieder! Ein Traumtag, Berge so weit das Auge reicht. Fantastisch!

Nach Fotosession und Genuss stiegen wir wieder in den Sattel ab und gönnten uns einen Snack.

Danach fuhren, bzw. stiegen wir auf derselben Route ab. Der Schnee ist zur Zeit ziemlich kompakt, Pulver gibt es nur stellenweise. Die Abfahrt ähnelt etwa jener einer Piste vor Feierabend. Immerhin war es ziemlich kräfteschonend. Auch hier verliessen wir die Aufstiegsspur nur jeweils um einige Meter, jedenfalls da, wo wir das Gefühl hatten, dass die Spalten nicht so gut eingeschneit waren.

Am Depot unten gönnten wir uns eine längere Pause, bevor wir uns auf die Abfahrt machten. Wir querten unterhalb des Allalingletschers auf Pkt 2678 zu und suchten uns ein Abfahrtsmöglichkeit in den doch noch steilen Nordhang der Moräne. Schöner Pulver in dieser steilen Flanke bescherte uns ein kurzes aber intensives Gefühl bei der Abfahrt. Dieser Hang muss aber vorsichtig beurteilt werden! Danach fuhren wir mit schwerer werdenden Beinen die gesamte Moräne auf der Suche nach fahrbarem Schnee runter. Die Suche blieb erfolglos, runter kamen wir trotzdem. :-)

Unterhalb der Allalinweid querten wir gegen rechts (in Richtung Mattmark-Staudamm) um da bei Pkt 2033 auf die Strasse zu gelangen. Der Strasse nach fuhren wir ohne grosse Unterbrüche bis nach Saas-Almagell – perfekt aufgegangen.

 

Wegdistanz (einfach): 9.5Km, 1360Hm, Zeitbudget: 5.5h Aufstieg, 4h Abfahrt bis Saas-Almagell (Pausen inbegriffen)

 

Tourenschwierigkeit

Rimpfischhorn: ZS- III (Kletterstellen sind nicht sehr schwierig, eine effiziente Seilhandhabung ist allerdings gefragt, das Couloir war die heikelste Angelegenheit, da stark vereist), Abfahrt: Aufpassen auf etwas listige Spalten: ZS+.

Fluchthorn: L bei normalen Bedingungen, Skiabfahrt WS+, Abfahrt auf dem oberen Nordrücken des Fluchthorns birgt einige Spalten, unten ist der Hang auf den Allalingletscher bis 35Grad aber oft noch sehr schön zu fahren, da kaum von der Sonne beschienen.

Strahlhorn: WS, Gratbegehung ab Adlerpass, aufpassen auf Spalten kurz vor Adlerpass. Skiabfahrt nach Saas-Allmagel: Routenfindung beachten. Unterhalb des Allalingletschers bestehen steile Passagen, insbesondere der Abhang der Moräne. ZS-ZS+.

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