Pingüinos Rey

Pingüinos Rey

[29.03.2013] In der Bahía Inútil an der Magellanstrasse hat sich eine kleine Population Königspinguinen (Aptenodytes patagonicus) wieder angesiedelt, nachdem sie ungeachtet ihres wissenschaftlichen Namens in Patagonien nicht mehr vorgekommen waren. Je nach Saison sind auf dem chilenischen Tierra del Fuego im Parque Pingüinos Rey 20 bis 80 Königspinguine zu beobachten. Die Königspinguine in der Magellanstrasse haben begonnen, sich hier fortzupflanzen – aktuell konnten wir ein Pinguin-Junges in dickem braunen Federkleid sehen, laut der Aufseherin des Parkes 3 Monate alt. Der Sprössling ist im Moment der einzige Nachkomme dieser Population.

 

Bahía Inútil

 

Fakten Königspinguine

  • zweitgrösste Art der Grosspinguine nach den Kaiserpinguinen
  • 85 bis 95 cm Körperlänge
  • 10 bis 16 Kg Körpergewicht
  • Brutkolonien finden sich in den subantarktischen Inseln zwischen den 45. und 55. Breitengrad und aktuell auch in der Magellanstrasse
  • Erscheinungsbild adulter Königspinguine: auffallend leuchtende gelborange Flecken an den hinteren Kopfseiten, Vorderbrust gelborange aufhellend bis zum komplett weissen Bauch, Körperoberseite vom Nacken bis zum Schwanz silbrig graublau. Küken sind anfangs mit grau-braunen Daunen gefiedert, Junge tragen bis zu ihrem 10./13. Lebensmonat ein dichtes, braunes Federkleid. Noch nicht geschlechtsreife Königspinguine ähneln den Erwachsenen, bei ihnen erscheinen die gelborangen Federpartien jedoch weniger leuchtend, die Kehle ist noch grauweiss und die Federn auf dem Oberkopf haben graue Enden.
  • fliegen oder tauchen? Königspinguine sind flugunfähig. Ihre schmalen Flügel haben sich zu kräftigen Flossen umgewandelt und sind an ein Leben im Meer angepasst. Sie können Tauchtiefen von über 300 Meter erreichen und mehrere Minuten unter Wasser bleiben. Tauchgänge dauern durchschnittlich 5,5 Minuten.
  • Feinde: an Land keine natürlichen Feinde, einzig ihre Eier und Jungen fallen gelegentlich Riesensturmvögeln zum Opfer. Im Meer lauern Schwertwale und Seeleoparde.
  • Königspinguin-Paare sowie Küken und Elternvögel können sich an ihren Rufen gegenseitig wiedererkennen. Die Rufe unterscheiden sich zwecks Balzzeit, Paarbildung und Wiedererkennung.
  • sie ernähren sich von kleinen Fischen, Krill und Tintenfischen. Ihre Hauptnährgebiete liegen auf dem offenen Meer.
  • Fortpflanzung: mit dem 3. Lebensjahr werden die Königspinguine geschlechtsreif. Aufgrund der harten klimatischen Rahmenbedingungen für die Nachwuchsaufzucht leben sie streng monogam. Ein vollständiger Brutzyklus dauert nahezu 14 Monate, deshalb kommen sie – wenn alles gut verläuft – auf zwei Junge in drei Jahren. Sie brüten bevorzugt auf flachen Küstenabschnitten hinter Sandstränden in unmittelbarer Reichweite des Meeres. Das Weibchen legt ein einzelnes Ei, welches während der Brutzeit von beiden Elternteilen im zwei- bis dreiwöchigen Wechsel unter einer Hautfalte oberhalb der Beine bebrütet wird. Nach durchschnittlich 55 Tagen schlüpft das Junge. Nach dem Schlüpfen braucht das Jungtier weitere neun Monate lang elterlichen Schutz, Fürsorge und Ernährung. Erst nach 10 bis 13 Monaten erfolgt der Wechsel vom jugendlichen braunen Daunenschutz zum Erwachsenengefieder und schließlich die Loslösung des Jungvogels von seinen Eltern. Der zweite Brutzyklus beginnt nach einer Phase der Regeneration mit der nächsten Eiablage.

 

Reise zu den Königspinguinen

Mit einem Kleinbus voller südamerikanischer Touristen gelangten wir von Punta Arenas via Fähre in zweieinhalb Stunden Fahrt über die Magellanstrasse nach Puerto Porvenir, einer kleinen Stadt auf dem chilenischen Feuerland. Von da an ging’s an Land weiter zu dem Parque Pingüino Rey. Nach ein paar nicht erwähnenswerten Zwischenstopps auf Tierra del Fuego erreichten wir am späteren Nachmittag erneut die Meerenge Magellanes zur Überquerung, diesmal jedoch die engste Stelle des Estrecho de Magallans im Norden Feuerlands.

 

Kurz vor Ostern fanden wir uns dann in einer knapp zwei Kilometer langen, zweispurigen Warteschlange wieder. Doch unser Fahrer zeigte sich nicht lange geduldig, schwenkte nach kurzem Zögern das Lenkrad nach links und wir überholten die lange Warteschlaufe mit Schwertransportern, Lastwagen mit Anhängern und vielen Autos mit argentinischem Kennzeichen, die vom argentinischen Tierra del Fuego einen kurzen Streifen in Chile samt Überquerung der Magellanstrasse passieren müssen, um auf das argentinische Festland zu gelangen. Zuvorderst bei der Anlegestelle der Fähre angekommen, hielt unser Fahrer links an und wir heckten verschiedensten Pläne aus, wie wir mit guten Ausreden oder Notlügen die nächste oder übernächste Fähre wohl erwischen konnten, statt 5-6 Stunden im Osterstau zu warten oder vielleicht die ganze Nacht im Bus zu verbringen. Die Präsenz der Grenzpolizei verhinderte ein Einschleichen in die Kolonne beim Laden der Fähre. Da wurden wir Zeugen und zugleich Protagonisten der längst erfahrenen Fehden der vielfach – auf Grund vieler territorialen- und anderen Formen von Unstimmigkeiten – zerstrittenen Nachbarn Chile und Argentinien. Bei der zweiten Fähre wurden wir auf einmal überraschend von einem Carabinero in die langsam auffahrende Kolonne gewunken. Als chilenisches Fahrzeug wurden wir den Argentinischen bevorzugt. Für uns ein erleichtender Moment.

 

Parque Pingüino Rey

Innerlich ganz aufgeregt näherten wir uns ruhig der kleinen Pinguinpopulation nahe der Küste gelegen. Mit den dazu watschelnden Pinguinen zählten wir 41, den Sprössling eingerechnet. Das einzige Pinguinen-Junge dieser kleinen Kolonie ist wohl repräsentativ für den langwierigen und komplexen Brutzyklus unter harten klimatischen Bedingungen. Einige hatten sich flach auf den Bauch gelegt und schienen sich zu entspannen, andere schliefen im Stand, den Kopf mit dem Schnabel in die Flosse gesteckt. Das Junge legte sich wiederholt hin, wurde jedoch ständig wieder von Mama- oder Papa-Pinguin (Weibchen und Männchen lassen sich nur durch einen kleinen Grössenunterschied erkennen) mit dem Schnabel gepikst als Aufforderung, sich wieder normal hinzustellen. Als wir uns zur Küsten bewegten, konnten wir vier von der Jagd auf der Magellanstrasse zurückkehrende Pinguine beobachten. Trotz Schnabel und kaum sichtbaren Augen ähneln sie durch ihre Bewegungen und ihrem sozialen Verhalten erstaunlich dem Menschen. Die vier Pinguine watschelten zielstrebig hintereinander der Kolonie entgegen und kündigten ihr Wiedererscheinen gelegentlich durch ihre Rufe an. Ihr aufrechter Gang, das Schwingen mit den Flossen beim Gehen und das sich Bewegen in der Gruppe – nebeneinander, hintereinander, aufeinander wartend – liess uns wohl die Parallelen zu unserer Spezies ziehen. Die schrill trompetenden Rufe zählen im ganzen Tierreich wohl eher zu den aussergewöhnlicheren und für unser Ohr unangenehm – doch aus der Distanz ertragbar. Mit dem Ankommen der satten Pinguine kam Leben in die Pinguinen-Gruppe.

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eine lebendige Gruppe von Königspinguinen

Einige schienen sich nach einem kurzen Ruf mit abwehrenden Gesten des Schnabels ihre Abneigung gegenüber anderen zu äussern. Andere fingen an, sich der Pflege ihres Federkleides hinzugeben. Wieder andere spannten die Flossen aus, um ihre Körpertemperatur zu regulieren. Sie trotzen den kühlen, windigen Wetterbedingungen hier auf dem chilenischen Feuerland, währenddem dieser Abschnitt der Insel für uns als lebensfeindlich gilt – nur mit all unseren Kleidern und wahrscheinlich auch durch die anhaltende Faszination der Pinguine überstanden wir die Beobachtungsstunde ganz in der Nähe von ihnen – doch es wehte ein heftiger, unbarmherziger, kalter Wind.

Wohl auch das Erscheinungsbild der stolzen Königspinguine lässt einem auch an uns Menschen erinnern. Das weisse Federhemd strecken sie beim aufrechten Stehen stolz hervor, mit leuchtender gelb-orangen Fliege versehen und dem silbrig-grau-schwarz schimmernden Anzug sind sie reine, wunderschöne und faszinierende Tiere. Ebenfalls das Schnattern in der Runde ist ja auch eine bekannte Verhaltensweise unserer Spezies.

Auch wenn die Reise zu den Königspinguine über die Meerenge von Magellan weit war, hat sich diese Beobachtungstour auf alle Fälle gelohnt und wir werden wohl den Anblick dieser spannenden Tiere nie mehr vergessen. Im Park gibt es beim Beobachten der Königspinguine strenge Regeln: sich ruhig verhalten, mindestens 20 Meter von ihnen entfernt bleiben, kniend oder auf dem Bauch liegend beobachten, nicht mit Blitz fotografieren… Ausserdem dürfen sich nie mehr als 10-20 Beobachter in der Nähe der Pinguine befinden. Diese Auflagen werden von den Parkaufseherinnen streng überwacht.

Parque Pingüino Rey: www.pinguinorey.com

2 Kommentare

  1. Lieber Raphael, liebe Sarah

    Gratuliere zur ganz tollen Webseite – die Fotos von den Königspinguinen sind wirklich süss; das weckt Erinnerungen von meiner unvergesslichen Antarktikreise. Weiterhin viel Vergnügen – geniesst den Urlaub.

    Liebe Grüsse
    Ruth

  2. Die si aber u härzig vor auem dr chlin Brun.
    LG us em Büro am Mäntig am Morge (vo Früelig geng no nüt i Sicht)
    GLG
    MPSF

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