Pura Vida

Pura Vida

[1 – 9 de julio] Costa Rica

Am 1. Juli 2013 machten wir uns mit dem TicaBus, eine für hiesige Verhältnisse noble Art zu reisen, auf von Granada nach San José in Costa Rica. Erst in der Nacht angekommen spürten wir die Höhe in Form von kühlen Temperaturen. San José seines Zeichens Hauptstadt von Costa Rica liegt auf etwas über 1100m ü.M. Endlich wieder einmal etwas Abkühlung.

Nach einer Nacht in der Hauptstadt San José verliessen wir am nächsten morgen die Stadt per Bus – unser Ziel war das einstige Fischerdorf Cahuita an der karibischen Küste. Via Puerto Limón mit dem grossen Überseehafen von Moin sind wir nach einer weiteren guten Stunde in Cahuita dem Bus entstiegen. Tausende von Tonnen Bananen werden von Puerto Limón durch die Unternehmer Del Monte, Chiquita usf. nach Nordamerika und Europa verschifft. Eindrücklich sind die tausenden Schiffkontainer, die rund um die Hafenstand stehen (China Shipping, Hamburg Süd, Marsk Sealand, Del Monte usw.).

Nun, ca. 50Km südlich von Puerto Limón in Cahuita waren wir im karibischen Lebensstil inmitten von Afroamerikanern & Latinos angekommen. Pura Vida – der Ausdruck für einen gemächlichen Lebensstil ohne Zeitgefühl und Zwänge und der Botschaft, jeden noch so kleinen freudigen Moment des Lebens zu geniessen, bekamen wir hier erstmals zu spüren. Wir liessen uns von dieser Mentalität gerne anstecken und schlenderten mit gemächlichem Schritt durchs Dorf – die tropisch-heissen Temperaturen zwangen uns ohnehin zum Fortbewegen im Tortuga-Tempo.

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Das Klima mit seiner feuchten Gangart in der Regenzeit ist zeitenweise nur schwer ertragbar. Sobald es wieder 2-3 Stunden gewitterhaft, mit lauten, zerfurchten Donner und vorgängig nahegelegenen Blitzeinschlägen stark geregnet hatte und die Sonne danach die Feuchtigkeit wieder – dies ist annähernd sichtbar – aus den Böden sog, war eine gewisse Antriebslosigkeit unumgänglich. Die beste Art sich gegen dieses erschlagende Klima „zu stemmen“, war abwarten am besten in einer schnürigen Hängematte. Costa Rica steht an der Spitze des Happy Planet Index, eines ebenso künstlichen Index, wie der Artikel über Nicaragua von berichtet.

Der Happy Planet Index (HPI) ist ein Index, bei welchem Werte für Lebenszufriedenheit, Lebenserwartung und Ökologischen Fussabdruck kombiniert und somit das Kriterium der Nachhaltigkeit mit einbezieht. Vereinfacht gesagt wird die durchschnittliche Lebenserwartung mit der Lebenszufriedenheit (Kombination von subjektiven & objektiven Faktoren) multipliziert und durch den ökologischen Fussabdruck dividiert.

Costa Rica besetzt Platz 1 des Happy Planet Index aufgrund der hohen Lebenserwartung von 79.3 Jahren, der Lebenszufriedenheit von 7.3 (von 10 Punkten)  und dem moderaten ökologischen Fussabdruck von 2.5.

Latinamerikanische Länder wie Mexico, Jamaica, Kuba, Guatemala, Belize, El Salvador, Honduras, Nicaragua, Costa Rica, Panama, Venezuela, Kolumbien, Chile & Argentinien haben die höchsten Scores im Happy Planet Index, da sie eine relativ hohe Lebenserwartung und „viele glückliche Lebensjahre“ nachweisen und dazu die Welt mit einem ziehmlich tiefen ökologischen Fussabdruck belasten.

…vielleicht liegt es am „Pura Vida“? Vielleicht sollte man in Europa auch etwas mehr nach pura vida leben..

 

Cahuita – Sensación caribeña

[2 – 5 de julio]

An der südlichen Karibikküste Costa Ricas gelegen, trennt Cahuita nur noch rund 10Km von Panama. Wie bereits vermuten lässt, ist auch Costa Rica ein Land, dass praktisch in einem Tag durchreist werden kann. Man nennt Costa Rica nicht zuletzt wegen seiner – für zentralamerikanische Verhältnisse – vergleichsweise friedlichen Entwicklung auch als die Schweiz Zentralamerikas (eine Anspielung auf die schweizerische Neutralität, nicht auf den Reichtum oder die Grösse, obwohl beides auch zutrifft).

Die Karibische Küste Costa Ricas ist geprägt von der afroamerikanischen Bevölkerung (auch „Afro-Costa Rican„) – meist Schwarze. Nebst direkten Nachfahren aus äquatorialen Regionen Westafrikas (Ex Sklaven), besteht die grösste afroamerikanischer Gemeinschaft in Form von Diaspora-Gesellschaften aus Jamaica und Cuba (siehe hier). Die Lebensweise ist vergleichsweise locker-leicht, abgehangen und etwas abgefahren zu gleich. Cahuita ist Reggae – wunderbare Strände, positive Vibes – heisse, tropische Nächte, kühles Bier, viele Tiere (Affen, Vögel), dichte Vegetation und nicht zuletzt Bob Marley, Rasta und dolce es no hacer nada. So verbrachten wir auch unsere Tage hier in unserem einfachen, einsamen Cabaña direkt am Meer gelegen. Am morgen assen wir, nach dem Einkauf auf dem Markt, Müsli mit Mango und Yoghurt, lauschten der Brandung zu, liefen zum Playa Negra (nordwärts) oder zum schönsten Strand (vielleicht der ganzen Karibikküste) namens Playa Blanca im wunderbaren Parque Nacional Cahuita gelegen. Am Nachmittag verfolgten wir eine Gruppe Brüllaffen, die von Baum zu Baum sprangen und hin und wieder einen Ast oder eine Frucht nach uns warfen. Danach legten wir uns an den Strand, schliefen, lasen, assen Piña und Bananen und schwammen im fast 30-grädigen Golf von Mexiko. Am Abend schlenderten wir durch’s Dorf, assen und legten uns früh hin.

 

Trotz Hitze, Feuchte und viiiielen Moskitos hat’s uns gefallen in Cahuita!

 

 

Tortuguero

Im Dunkeln auf den Spuren der Schildkröten

[5 – 8 de julio]

Tortuguero – Platz, an den die Schildkröten kommen – erreichten wir von Cahuita aus mit einer Bus- und danach einer 4-stündigen Bootsfahrt über weite bis enge Kanäle durch dichte Vegetation. Zwar hatten wir die faszinierenden Meeresschildkröten in ihrem Element rund um die Galapagos-Inseln jeden Tag beobachtet, jedoch wollten wir noch etwas mehr erfahren über ihre Reproduktion.

Tortuguero ist ein Dorf mit etwa 700 Einwohnern und ist am besten über den Wasserweg oder alternativ per Flugzeug erreichbar. Im Dorf selber gibt es auch keine Strassen, nur ein sandiger Weg führt quer durchs Dorf, gesäumt von Hostals, Restaurants und Souvenirläden – die Haupteinkommensquelle der Bewohner Tortugueros ist der Tourismus.

Der Nationalpark Tortuguero wurde bereits 1975 gegründet, um den wichtigsten Nestplatz der Grünen Meeresschildkröt der westlichen Hemisphäre zu konservieren. Doch erst 2004 wurde das Turtle Spotter Program ins Leben gerufen, wobei ein einzelner Turtle-Ranger am Strand die nestenden Schildkröten sucht und dann eine kleine Gruppe mit Guide zu ihr führt. Zuvor konnte jeder auf eigene Faust am Strand nach den Tieren suchen. Dies stellte eine grosse Fremdeinwirkung in dieses Ökosystem dar.

Owen, unser sympathischer & sehr auf den Respekt gegenüber der Natur bedacht, erklärte und teilte uns im Schein der Taschenlampe sein ganzes Wissen über die faszinierenden Tiere mit.  Kurze Sequenzen durften wir dann etwas aufgeregt eine Grüne Meeresschildkröte bei der Eiablage beobachten. Wir waren sehr erstaunt über die riesigen Tiere, ihren grossen Kraftaufwand beim Graben des Nestes, bei der Eiablage in Trance und bei ihrer Fortbewegung an Land!

Nach aufregenden und spannenden Stunden auf den Spuren der Meeresschildkröten kehrten wir zufrieden ins Dorf zurück. Von Mora, der Grünen Meeresschildkröte, welche am nächsten Morgen freigelassen wurde, berichten wir weiter unten.

Grüne Meeresschildkröte – Fakten

  • der Name stammt vom grünen Fett direkt unterhalb des Panzers ab
  • migrieren lange Distanzen zwischen Futter- und Nestplätzen – einige über 2600km!
  • tauchen 4-5 Minuten, bevor sie 1-3 Sekunden an der Wasseroberfläche atmen
  • während dem Ausruhen & Schlafen könne sie mehrer Stunden unter Wasser bleiben!
  • Fortpflanzung alle 2-4 Jahre an demselben Ort, wo sie einst geboren wurden
  • Eiablage während 4 Monaten, im Abstand von 12-15 Tagen, insgesamt 100-200 Eier.
  • NUR 1% der einst geschlüpften Schildkrötenbabys erreichen die Geschlechtsreife zwischen 20-50 Jahren!

Kanutour beim Erwachen des neuen Tages

[6 de julio]

Owen wartete bereits deutlich vor 6.00 auf uns, wie wir beim kleinen Frühstück von der Laube aus sehen konnten. Zu viert sassen wir kurze Zeit später bereits im Kanu mit dem belgischen Honeymoon-Paar Sandrine & Edwin. In Regenkleidermontur & Flipflops konnte es losgehen. Nach dem bezahlen des Parkeintritts bogen wir in einen grösseren Kanal ein, bogen kurz danach in einen schmaleren Kanal ab und entfernten uns so von den Motorbooten. Gemächlich paddelten wir in der Stille des morgens, genossen das Geräusch des Regens, welcher auf die dichte Vegetation niederprasselte. Nach den gestrigen kaum auszuhaltenden, tropischen, feucht-heissen Temperaturen kam uns die Abkühlung sehr gelegen, wenn der Regen wohl auch einige tierische Bewohner des Waldes davon abhielt, sich nach einem Frühstück umzusehen. So kam es dann, dass sich neben einigen Tiegerreihern, Alligatoren aber einem prächtigen Exemplar eines Leguans nicht viele Tiere zeigten. Auch den Faultieren, welche wir wahnsinnig gerne beobachtet hätten um selbst beurteilen zu können, ob ihr Name wirklich gerechtfertigt ist, hatten es wahrscheinlich vorgezogen, im Schutz der Vegetation an einem trockenen Plätzchen auszuharren.

Kurz vor 9.00 paddelten wir dann erstmals mit voller Kraft zurück zum Strand, denn dort war für heute die Freilassung eines Grünen Schildkröten-Weibchens vorgesehen, welche am 4. Juli nach der Eiablage in Tortuguero gefangen genommen worden war, um sie zu Forschungszwecken mit einem Sender zu versehen.

Mora, der Name des erwachsenen Grünen Schildkrötenweibchens, hatte eine Panzerlänge von über 100cm; sie war bereits 2001 hier am Strand von Tortuguero angetroffen worden und wurde an einem Flipper gekennzeichnet, 2004 wurde sie beim Nesten wiedergesehen.

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Mora – erwachsene Grüne Meeresschildkröte nach der Eiablage in Tortuguero

 

Hier könnt ihr Mora’s Reise auf der Google-Map verfolgen! Sea Turtle Conservancy: http://www.conserveturtles.org/satellitetracking.php?page=tracking20

In 2000 begann die Sea Turtle Conservancy Meeresschildkröten zu taggen um ihre Migration vom Nestplatz in Tortuguero zu ihrem grossflächigen Futterplatz in der Karibik verfolgen zu können. Satelliten-Trasmitter werden auf dem Panzer der Meeresschildkröten fixiert, um die Bewegungen der Tiere zu beobachten, wenn sie wieder zurück im Meer sind. Grüne Meeresschildkröten und Karettschildkröten werden in diesem Projekt auf diese Weise erforscht, um mehr von den ihren Migrationspfaden zwischen Nest- und  Futterplatz zu erfahren. Von den Jungen der Meeresschildkröten ist bisher nur wenig bekannt. Drei bis Fünf Jahre verbringen die Jungen im offenen Ozean bevor sie sich dem permanenten Lebensstil im seichten Wasser hingeben und sich dort niederlassen. Es wird spekuliert, dass es 20-50 Jahre dauert, bis sie die Geschlechtsreife erreichen. Schätzungen gehen davon aus, dass nur 1% der geschlüpften Meeresschildkröten die Geschlechtsreife erreichen und für die erste Eiablage an ihren Geburtsort zurückkehren.

 

 

Costa Rica – eine Perle, wenn auch mit teilweise glanzloser Oberfläche

Der erste Eindruck den wir von der Busfahrt nach der Einreise von Costa Rica gewannen, ist zweiseitig. Einerseits scheint es, als wechsle man die Klimazone. Sofort schien es uns viel feuchter, die Wälder üppiger, die Vegetation grüner und irgendwie vielfältiger als eben noch in Nicaragua. Nicht weil Nicaragua sonderlich trocken und nicht grün ist, das ist es eben auch nicht! Andererseits ist’s wie ein Kulturschock, wenn man von Nicaragua nach Costa Rica kommt: Leuchtreklamen, Subway und Mc Donalds in jeder mittelgrossen Ortschaft – viel mehr Verkehr, mehr Lastwagen, modernere Gebäude und grosse, flache und gut beleuchtete Strassen, eine kurze Taxifahrt kostet schnell mal 5$US!… Vieles wirkte auf unsere Gemüter nordamerikanisch (ohne je da gewesen zu sein). Cahuita und Tortuguero, also die besuchten Orte an der Karibikküste sind allerdings wunderbare und glänzende Perlen, deren Erkundung einzigartig und faszinierend ist.

Tortuguero ist sehr touristisch – viele Lodges, viele 5-Sterne Unterkünfte „in the middle of nowhere„. Indirekt hörten wir von Wilderei an Schildkröteneier, was in einem Naturschutzgebiet gar nicht geht. Man hört auch immer wieder von Korruption hinsichtlich Bestechungen von Naturschutzführern – die Eier werden als Aphrodisiakum (vermeintlich!) für gutes Geld verkauft. Wie auch immer, sehr nachhaltig erschien uns die Bewirtschaftung des Parque Nacional Tortuguero nicht. Nebst höheren Preisen und aufwändigerem Reisen für Individualreisende (Backpacker) ist Costa Rica ein sehr schönes und vielfältiges Land. Wir haben Costa Rica nur während 9 Tagen besucht, waren in der Hauptstadt und in der Karibik, daher kennen wir nur einen kleinen Aspekt dieses Landes. Gefallen hat es uns aber auf alle Fälle!

 

 

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