Rinderhorn und Steinböcke im Lämmerental

Gepostet am Sep 12, 2013 in Alle Berichte, Bern, Geschichten sind Speisen für's Ohr.., Hochtour, Mountains, per pedes, Schweiz, Wallis, Wandern T4+ | Keine Kommentare

Rinderhorn und Steinböcke im Lämmerental

2 Sommernächte und -tage draussen…

[15. – 17. August 2013]

Die Berge um die Gemmi faszinieren uns immer wieder. Mittlerweilen kennen wir dort einige von oben und meinen das dies – sei es zum Wandern, zum Klettern, zum Bergsteigen oder zur Kombination aller Dreien – eines der schönsten Gebieten ist, welches das Berner Oberland bietet. Von der Gemmi ist der Wildstrubel via Lämmerenhütte erreichbar. Anderereits besteht am Daubenhorn, unmittelbar südwestlich vom Gemmipass, einer der spektakulärsten Klettersteige. Auf der gegenüberliegenden Seite winken zwei schöne Hochtourenberge mit einer der besten Panoramasichten, die es überhaupt gibt: Rinderhorn und Balmhorn.

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Per Bergbahn erreichten wir von Kandersteg aus die Bergstation Sunnbühel, von dort marschierten wir auf flachem Terrain ca. 1h über das Gebiet der Gemmi.

Oberhalb des Arvenwäldli und unterhalb des Schwarzgletschers fanden wir ein Biwakplätzchen in einer Lichtung des ohnehin nur noch spährlichen Waldes, dennoch etwas versteckt. Über einen kurzen Pfad konnten wir praktisch den wilden Gletscherbach als Wasserquelle, zum Abwaschen und zur Gletschermilch-Körperpflege erreichen, sogar eine Feuerstelle gab es dort. Ein prächtiger Platz, um die nächsten zwei Nächte zu verbringen und sich von den Bergtouren zu erholen. Währenddem wir zwei im Zelt schliefen, hatte Mike den Militär-Biwaksack mitgebracht und bevorzugte das Schlafen draussen, direkt unter dem Sternenhimmel!

Nach einer geruhsamen Nacht, einer frühmorgendlichen, obligatorischen Portion warmem Ovo-Müsli mit Milchpulver starteten wir um 05.00 Uhr dem Wanderweg entlang Richtung Schwarenbach und weiter Richtung Daubensee. Kurz vor dem Daubensee zweigt eine kaum ersichtliche Wegspur nach links Richtung Osten. Dieser folgt man und schon bald sieht man den Rindersattel, den zu erreichenden Übergang zwischen Klein Rinderhorn links und Rinderhorn rechts. Einem schuttigen, steiler werdenden Pfad folgend erreichten wir ohne Schwierigkeiten den Rindersattel in dem empfindlich kühlen Tal (zumindest für frau). Im Schatten der ersten Sonnenstrahlen sahen wir mindestens 3 andere Seilschaften bereits den Rindersattel beschreiten. Als wir den Sattel erreichten, wehte ein kühler Wind, aber die Sonne wärmte zugleich wunderbar und die Sicht runter ins Kandertal und zurück auf die Gemmi waren bereits berauschend.

Nach einer kurzen Pause schritten wir den Rindersattel zügig hoch und seilten kurz vor dem steilen Felsband, dass sich vom Einstieg in den Gletscher bis zum Gipfel hoch zieht, an. In unserer Dreierseilschaft stiegen wir beherzt in den bereits im Anfang sehr steil werdenden Gletscher ein. Die Bedingungen waren wie erwartet gut. Im (Spät-) sommer kann vor allem der steile Gipfelhang über die Normalroute auf das Rinderhorn erheblich schwieriger sein, sobald keine Schnee- oder Firnauflage mehr auf dem Gletscher liegt und Blankeis zum Vorschein kommt. In diesem Falle hätten wir den Gletscher nicht betreten und wären wohl oder übel wieder umgekehrt.

Froh, dass der Firn bis zu diesem Tage gehalten hatte, schritten wir relativ rasch ziemlich direkt, entlang des eben angesprochenen Felsbandes hoch, der Firn war hart gefroren und relativ griffig. Die Steilheit ist bei dieser Tour der einzig schwierige Faktor, bei der Umgehung der steilen Steinplatten (man kann links oder rechts rum) liegt der steilste Teil vor uns, geschätzte 40 Grad sind das da schon, ein guter und jederzeit sicherer Tritt ist absolut erforderlich – einen Seilschaftsabsturz kann man sich hier nicht leisten.

Wir meisterten die steile Passage und nun ging’s etwas weniger steil dem Gipfel entgegen. In grosszügigem Zick-Zack stiegen wir dem Gipfel entgegen und machten nochmals eine kurze Pause auf dem Steinband, bevor wir den Gipfelsturm angingen. Wenige Minuten später freuten wir uns zusammen auf dem Gipfel zu stehen – ein strahlender Tag, eine Aussicht, die man nicht so schnell wieder vergisst! Geniessend verbrachten wir eine gute halbe Stunde auf dem Gipfel und freuten uns über den schönen Erfolg!

Beim Abstieg wählten wir die selbe Route bis zu den steil abfallenden Steinplatten. Da entschieden wir uns, den anderen Weg, also von oben links rum zu gehen. Allerdings ist die Route auch da lang etwa gleich steil und ohne Tritte. Voller Konzentration und mit sicheren Schritten stiegen wir langsam ab – jederzeit parat, um einen Ausrutscher eines Seilpartners zu halten. Wir bewiesen Nerven und einen guten Teamgeist! Zufrieden und glücklich gelangten wir beim Pkt 3197 an der vorherigen Anseilstelle an. Von da an schritten wir den selben Weg runter, nutzten hie und da ein Schneefeld für den gelenkschonenderen Abstieg und gönnten uns zurück in Schwarenbach Kaffe & Kuchen und für die Jungs natürlich ein Bier.

Später schlenderten wir zum Biwak und hatten alle insgeheim das Balmhorn bereits etwas aufgegeben. Zu müde waren wir alle, vor allem waren die Beine etwas ausgelaugt (nach den „arbeitsintensiven“ Urner Alpen) und im Geiste wollten wir den schönen vergangen Tag noch geniessen, bevor die seriöse Planung des Folgetags eintreten sollte. Nach einer kurzen Besprechung und Begutachtung des sich rapide verschlechternden Wetters planten wir nun neu: „Es sollte zum Schwarenbach, über die Rote Chume hoch zum Tälligletscher gehen. Danach auf die Rote Totz Lücke, runter ins Lämmeretal zum Leiterli und danach auf’s Steghorn.

Die letzten Sonnenstrahlen des Tages erreichten noch die Bergspitzen, als wir bereits mit vollen Mägen in’s Zelt krochen und Mike in sein Biwaksack stieg – er hätte wohl am Besten noch seine Sonnenbrille aufgesetzt, so hell war es noch.
Wieder sehr früh abgelaufen (05:00 Uhr) legten wir am nächsten Morgen die ersten Kilometer zügig zurück. Ein wunderschöner und abwechslungsreicher Wanderweg führte uns etwas nach dem Berghotel Schwarenbach rechts hoch, danach entlang des Felshore. Im Täli der Rote Chumme stiegen wir hoch. Schafe begleiteten uns den ganzen Weg. Vom Einstieg in die Rote Chume stiegen wir gut 400Hm und erreichten die abgeschliffenen Gesteine des Tälligletschers. Diese runtergeschritten, betraten wir den mit viel Schnee bedeckten Gletscher. Mit Steigeisen ging das einfacher und bald erreichten wir die Rote Totz Lücke und machten da ausgiebig Pause während die Wolken am Tschingellochtighore und am Gemmipass unten ein schönes Spektakel ablieferten.
Schneller Schritten gelangten wir runter zum Einstieg des Leiterli im unteren Bereich des Lämmerentals. Allerdings gaben wir bereits hier das Steghorn auf, zu müde waren die Beine, bereits 5h unterwegs und der steile Gipfelanstieg wäre erst noch vor uns gelegen. So schritten wir der Aussicht wegen nur noch auf’s Leiterli und gönnten uns ca. eine Stunde später bei der Lämmerenhütte SAC eine Käseschnitte und Kaffee, bevor wir rund um über den Gemmipass in 2, eher monotonen Wanderstunden wieder zum Biwak gelangten.

Das Biwak abgebaut, wanderten wir vollbepackt zur Bergstation Sunnbühl und fuhren mit der Seilbahn zurück nach Kandersteg. Eine weitere Bergerfahrung am Rinderhorn und ein vielseitiger und überraschender Wandertag in erdenschöner, friedlicher und idyllischen Alpenflora und -fauna ging zu Ende – Balmhorn und Steghorn warten bestimmt auf uns!

 

Tourdaten

Kandersteg – Sunnbüel via Bergbahn, Sunnbüel 1934m, Spittelmatteseeli 1877m, Abzweigung Zackengrat 1890m, Berghotel Schwarenbach 2060m, Rindersattel 2909, Rinderhorn Nordgrat – P. 3197, Rinderhorn 3448, Rote Chumme 2302m, Rote Chumme Pass 2628m, Rote Totz Lücke 2805m, Lämmerengrat 2674m, Lämmerenhütte SAC 2504m, Lämmerenboden 2300m, Gemmipass 2322m, Daubensee 2207m. Schwierigkeit Alpinwandern: T4+; Schwierigkeit Hochtour: WS, Zeit Biwak-Rinderhorn: 4.5h (Abstieg ca. 3h).

 

 

 

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