so laang wie breit..

ein Ausweichmanöver auf die Lauterbrunner – Tschingelhorn, Mutthorn und Breithorn!

[19. – 21. August 2015]

bei Regen und Nebel zur Mutthornhütte

[19.08.2015, 8:30 – 13:30, T4, über den Tschingelfirn]

Nicht gerade traumhaft war das Wetter am vergangenen Mittwoch. Garstig präsentierte sich die Lage in Stechelberg. Lauter Brunnen fielen nicht nur von den steilen Kalkfelsen im Lauterbrunnental, sondern ebenfalls aus dem verhangenen Wolkenfeld, dass zäh an den Alpen klebte. Angekommen mit dem Postauto von Lauterbrunnen her, erstiegen wir ein Taxi von der Garage Gertsch (hier) und ein richtiger Stechelberger brachte uns etwas nach 08.00Uhr bis zur Trachsellaunen. Der Taxifahrer erzählte uns von der Jubiläumsfeier von letztem Wochenende, wobei das 150ste Jubiläum der Erstbesteigung des Lauterbrunner Breithorns über den Westgrat durch Edmund von Fellenberg und die Führer Peter Michel, Peter Egger, Peter Inäbnit und Johann Bischoff gross gefeiert wurde.

Bergsteigergeschichte

Die Erstbesteigung des Breithorns – zu einer Zeit als viele Alpengipfel durch vorwiegend wohlhabende Engländer und Franzosen mit lokalen Führern erstiegen wurden – war nicht minder interessant, zumal der imposante Berg auf seiner leichtesten Route ein relativ schwierig zu erreichender Gipfel war und ist und weil sich zwei unabhängige Seilschaften ein Wettrennen boten. Als die Monte Rosa, bzw. die Dufourspitze im Jahre 1855 erstbestiegen wurde, begann das „Goldene Zeitalter des Alpinismus“. Zwar waren einige grosse Alpengipfel wie etwa der Mont Blanc, auf dessen Erstbesteigung gar ein Preisgeld durch den reichsten Genfer Horac Bénédict de Saussure ausgesetzt war, bereits 1786 durch den Schotten Thomas Blaikie bestiegen. Auch der Mont Vélan wurde in diesem Zeitraum durch die Mönche Michel-Gabriel Paccard und Jacques Balmat des Klosters auf dem Grand Saint-Bernhard um 1779 ersterstiegen. Viele hohe Alpengipfel folgten, die meisten 4000er waren 1865 bereits bestiegen. Im selben Jahr wie die Erstbesteigung des – was die Höhe angeht etwas unbedeutenderen – Lauterbrunner Breithorns wurden einige grosse Alpengipfel erstbesteigen. Darunter fanden sich die bedeutenden Alpengipfel: Grand Corniere, Grand Jorasses, Piz Roseg, Aiguille Verte, das Obergabelhorn, das Matterhorn, Aiguille Bionassay und das Gross Grünhorn. Letzteres wurde von derselben Seilschaft (ausser Peter Bischoff) nur sieben Tage nach dem Breithorn erstbestiegen.

Zumal wir die Tour nur oberflächlich planten, wussten wir von dem historischen Ereignis gar nichts. Im Nachhiein, in Anbetracht der Geschichte der Erstbesteigung wurde uns erst bewusst, wie gross der Krampf dieser mutigen Männer wohl gewesen sein muss. Sie hätten bei der Ersteigung des Breithorns ähnliche Bedingungen gehabt wie wir vor wenigen Tagen – viel Schnee, relativ milde Temperaturen und ein weicher Gletscher beim Zustieg. Ohne Steigeisen, Bohrhaken und Sicherungsstangen bei den Schlüsselstellen, dürfte dies eine nicht gerade ungefährliche Angelegenheit gewesen sein. Beim Aufstieg auf die Wetterlücke hatte die Seilschaft mit riesigen Gletscherschründen zu kämpfen. So hatten sie auf dem Weg zur Wetterlücke ohne Eisschrauben eine 10m Hohe Gletscherwand aus einer Spalte hinaus hochzuklettern, die sie nur so überqueren konnten, was über zwei Stunden dauerte. Dazu schlugen die Bergführer mit den Pickeln Tritte und Griffe ins Eis. Hinzu kommt der geradezu Gänsehaut vermittelnde Krimi der zwei Seilschaften im engen Wettbewerb, den Gipfel als erste Seilschaft zu erreichen. Zur selben Zeit waren nämlich die zwei britischen Alpinisten Thomas Henry Philpott und James John Hornby mit den Lauterbrunner Führern Christian Almer und Christian Lauener unterwegs, die den Gipfel des Breithorns nur gerade 10 Minuten nach der Seilschaft um von Fellenberg erreichten: „Eben war unsere Fahne eingepfanzt worden und flatterte lustig im Winde, als Almers kirschrot verwettertes Gesicht über dem Gipfelgrate erschien.“ (OK 150 Jahre Jubiläum der Erstbesteigung Lauterbrunner Breithorn, zitiert nach „Der Ruf der Berge“ von Ernst Jenny, 1925). Die zweite Seilschaft hatte aber nicht Minderes geleistet, denn sie stiegen bei der Erkenntnis, dass von Fellenberg das Breithorn von der Wetterlücke erreichen will, direkt von der Steinbergalp um 02:00 Uhr los, gelangten beim Mutthorn vorbei und umrundeten Richtung Petersgrat das Tschingelhorn um den Einstieg zum Westgrat des Breithorns zu erreichen. Wer bereits einmal von der Mutthornhütte zum Normaleinstieg des Tschingelhorns auf dessen Südseite gelaufen ist, dem wird sofort klar, welche Leistung diese Seilschaft unter die Füsse nahm: rund 15Km und über 2000Hm – dies in vorwiegend unbeschriebenem Gelände!

Bei leichtem, aber beständigem Regen stiegen wir abwechselnd durch Wald und Wiesen mit je einem Wanderstock in der einen und einem aufgespannten Regenschirm in der anderen Hand hoch zum Obersteinberg. Zweckoptimismus war angesagt und in Anbetracht der prognostizierten Wetterbesserung auf den Nachmittag hin, gönnten wir uns im schönen Berggasthaus zum Obersteinberg einen Milchkaffee. In der Stube fühlt man sich wie zu Zeiten von von Fellenberg. Danach, das Wetter hatte sich keinen Deut verbessert, stiegen wir dem schönen Bergweg folgend hoch entlang der Tschingel-Litschina, die den Tschingelgletscher entwässert. Nach dem Oberhoresee stiegen wir auf die südöstliche Seitenmoräne des Tschingelgletschers, den man aber von da aus noch nicht sehen kann – nicht mehr. Über viel Schutt und teilweise weglos, aber markiert erreichten wir den Tschingelgletscher und stiegen in dichtem Nebel hoch und peilten die nicht sichtbare südöstliche Ecke des Mutthorns an, denn da steht die Mutthornhütte SAC 2901m. Kurz vor der Hütte erreichten wir eine grosse Spaltenzone deren Überquerung nicht gerade trivial war und das schleckt keine Geiss weg! Trotz Nebel und leichtem Wind waren die Temperaturen unangenehm hoch und das Gehen auf dem Gletscher erforderte durch die grosse Einsinktiefe viel Kraft.

Trotzdem erreichten wir ziemlich durchnässt – insbesondere vom vielen Transpirieren – die gemütliche Mutthornhütte. Neben uns dreien waren noch zwei weitere Gäste angemeldet, die dann aber die Hütte scheinbar nicht fanden und per Telefon absagten. Sie legten sich anstelle in der Mutthornhütte im tiefer gelegenen Schmadribwak des AACB aufs Ohr.

Tiefblick vom Mutthorn 3035m - auch hier springt einem der Windkessel unterhalb der Hütte ins Auge!

Tiefblick vom Mutthorn 3035m – auch hier springt einem der Windkessel unterhalb der Hütte ins Auge!

Wir hofften, dass der Nebel in der Nacht verschwinden und dadurch die Temperaturen sinken würden. Denn nur so lässt der Gletscher die langwellige Emission aus dem erdnahen Bereich in die Atmosphäre entweichen und nur so kann der Gletscher gefrieren und damit hart werden.

Geologie des Gebiets

Das Gasterntal ist ein Übergangsbereich zwischen den Helvetischen Sedimentdecken, hier insbesondere der Dolenhorndecke, bzw. der Wildhorndecke, die man u.a. zwischen Doldenhorn und Blüemlisalp- und Gspaltenhornmassiv findet. Das Gasteretal selber wird bereits dem Aarmassiv zugeordnet, wie auch der Petersgrat. Das vorwiegende Gestein dort sind mittelkörnige Biotitgranite. In Richtung Lötschental folgen einige autochthone Sedimentschichten, die von einer allfälligen Überlagerung herrühren. Autochthon weil sich das Gestein wohl während der Überlagerung aus Ablagerungssedimenten neu formierte. So entstand wahrscheinlich auch das Tschingel- und Breithorn bestehend aus Metasedimenten bzw. metamorphen Gneisen (Paragneise). Im Bereich des Tschingel-, und Breithorns liegt der Granitsockel des Aarmassivs unterhalb der anosnten dominanten Gneisen und Schiefern. Durch die starke Vergletscherung des Gebiets findet man natürlich viele quartäre Ablagerungssedimente, vorwiegend aus der Doldenhorndecke, aber auch aus dem Aarmassiv. Tschingelhorn und Breithorn bestehen aus Gneisen, die etwas weniger fest sind, als das Granitgebirge weiter südlich und östlich, weswegen die Griffigkeit mal gut, aber manchmal auch zu wünschen übrig lässt.

 

Die Lauterbrunner

Tschingelhorn 3562m und Mutthorn 3038m

[20. August 2015, Tschingelhorn 6:00 – 13:00; Mutthorn 15:00 – 16:30]

draussen unterwegs, im kühlen Morgenwind und mit einem solchen Ausblick - da vergisst man alles um einem herum!

draussen unterwegs, im kühlen Morgenwind und mit einem solchen Ausblick – da vergisst man alles um einem herum!

Erst etwas nach 06.00 Uhr verliessen wir bei wolkenlosem Himmel die Mutthornhütte. Der Gletscher war glücklicherweise zumindest teilweise gefroren. Passagenweise sanken wir trotzdem mal tief, mal weniger ein. Jedenfalls war die Situation deutlich besser als am Vortag beim Hüttenzustieg. Wir erreichten den Windkessel auf dem Petersgrat beim südwestlichen Felsausläufer des Tschingelhorns, wo wir unsere Marschrichtung gekonnt und zügig nach Nordosten fortsetzten. Unterhalb des kleinen steil hochragenden Tschingelhorns auf rund 3260 erreichten wir den offenen Gletscherschrund unterhalb des Schneecouloirs, welches in der späteren Saison oft nicht mehr als Aufstiegsroute verwendet werden kann (Ausaperung oder der Schrund kann nicht mehr überquert werden). Ganz rechts des Schrunds bestand eine kleine etwas heikle Gletscherbrücke, die wir „on the edge“ und um eine „Kurve“ überqueren konnten. Danach erkletterten wir den Felssporn rechts des Schneecouloirs. Unser Bergführer führte uns gekonnt über den mit mindestens knöcheltiefen Schnee belegten Sporn.

Wir kletterten die ganze Route mit Steigeisen, wobei die Kletterei nicht schwierig war und wir das als gute Übung für den Westgrat des Breithorns ansehen konnten. Die Richtung des Zustiegs scheint logisch, denn oberhalb des Sporns kommt ein etwa 45 Grad steiles Firnfeld, welches wir gegen die Scharte zwischen dem kleinen Tschingelhorn und dem Tschingelhorn Hauptgipfel erreichten. Über den Grat, etwas ausgsetzt, erreichten wir den abflachenden Gipfelfirn und freuten uns über die Aussicht und die schöne Besteigung eines sehr schönen Berges in berauschendem Ambiente! Uns gefiel vor allem der Talblick nach Stechelberg, die Sicht zur Jungfrau und jene über die Gamchilücke zwischen Gspaltenhorn und Morgenhorn. Wir gönnten uns eine längere Pause und bestaunten den tief verschneiten Westgrat des Breithorns direkt östlich vom Tschingelhorn. Etwas Unsicherheit entstand bei uns allen, denn es schien nicht genug warm, um dass der doch viele Schnee heute wegschmelzen würde. Die Tour auf das Breithorn dürfte so doch auch anspruchsvoller und interessanter werden, meinte der Bergführer. Ein bisschen, nein noch mehr Respekt machte dies uns schon. Es war eines dieser Gipfelerlebnisse, dass einem die überflüssigen und vielen Gedanken an das Leben da unten vergessen lassen liess. Ein schönes Gefühl, dass man am liebsten lange und immer wieder fühlen möchte.

..geschafft! auf dem Gipfel des Tschingelhorns 3562m - bei wunderbar mildem Wetter!

..geschafft! auf dem Gipfel des Tschingelhorns 3562m – bei wunderbar mildem Wetter!

Wir stiegen auf derselben Route ohne Probleme ab und erreichten rund 7h nach dem Verlassen der Hütte am Morgen wieder die Muthornhütte. Der Rückweg über den nun ziemlich nassen Gletscher war kraftaufwändig und zog sich unerwartet in die Länge.

Zurück in der Hütte hatte uns eine Rösti neuen Lebensgeist eingehaucht, so dass wir nachmittags noch zum Mutthorn aufbrachen. Zuerst folgten wir von der Hütte den weghaften Wegspuren. Die Gratkante, so meinte der vormalige Hüttenwart, der zu dieser Zeit gerade auf der Hütte zu Besuch war, sei etwas brüchig und nur wenig lohnenswert. Das Mutthorn ist von der Hütte schnell erreicht und bis auf eine kurze Kletterpassage im II Grad kurz vor dem Gipfel ist es eher eine Wanderung als eine Klettertour. Lohnend ist das Mutthorn alleweil, schon nur der Aussicht auf den in nördlicher Richtung abfallenden Tschingelfirn mit seinen wohl geformten Mittelmoränen, den Kanderfind auf der Südseite wegen und auch überraschend schön die Sicht auf das vorausgehend bestiegene Tschingelhorn und das Gspaltenhorn und die Blüemlisalpgruppe von deren „Hinterseite“! Leider zog der Nebel hoch, weswegen wir auch nicht über das Lauterbrunnetal hinweg sahen. Wir genossen einen längeren Gipfelrast und schwatzten viel.

..eine kompakte Wolkendecke hat sich wieder manifestiert - dies beschwert uns milde Morgentemperaturen und eher weichen Untergrund

..eine kompakte Wolkendecke hat sich wieder manifestiert – dies beschwert uns milde Morgentemperaturen und eher weichen Untergrund

Ungefähr anderthalb Stunden nach dem Losmarschieren waren wir wieder bei der Hütte und sahen uns nun doch mit rund 15 weiteren Gästen beim Nachtessen.

 

die königliche Tour – Lauterbrunner Breithorn 3780m

zehn Stunden ununterbrochen in den Steigeisen

[21. August 2015, 4:00 – 17:15, Mutthornhütte – Wetterlücke 6km, 450Hm↑, 200Hm↓, 2h; Westgrat Aufstieg ca. 1.8km, 650Hm↑, ca. 4h; Abstieg über den Westgrat über das Üisters Tal (Äusseres Fafleralptal) bis Fafleralp 1765m, 2015Hm↓, 11Km, 6h]

Tagwach war früh, sehr früh! Um 02:44 Uhr grübelte mir Sarah ein Oropax aus dem linken Ohr, damit ich meinen Wecker hören würde. Mir wurde sofort klar, welch verrückte Tour wird heute vor hatten und an die zehn Minuten Weiterschlaf, bis mein Wecker geklingelt hätte, war gar nicht erst zu denken. Zu nervös war ich bereits. So packten wir leise unsere sieben Sachen zusammen, während die anderen Zimmernachbarn noch tief schliefen und gesellten uns in den Essraum. Wir packten unsere Rucksäcke so, dass wir im Grateinstieg auf der Wetterlücke ein paar Säcke deponieren konnten, deren Inhalte wir auf dem Grat nicht brauchen würden.

Etwas nach 04:00 Uhr stiegen wir bei der Mutthornhütte auf den heute wieder sehr weichen Gletscher. Fast jeder Tritt forderte hohe Konzentration, mal rutschen wir links weg, mal rechts, die Sache war kraftaufwändig wie am ersten Tag beim Hüttenzustieg. Die Wolken und der Nebel verschwanden erst gegen den Morgen und der Tag war ja noch eine Weile nicht angebrochen. Die Temperatur bei der Hütte betrug 5 Grad C. Geführt durch unseren sehr fitten Bergführer konnten wir aber Fährte auf unserer Spur vom Vortag aufnehmen und gelangten zügig zum Windkessel beim südwestlichen Felsausläufer des Tschingelhorns. Danach stiegen wir immer noch auf derselben Route, südlich unterhalb des Tschingelhorns vorbei. Dort mussten wir etwa 80Hm aufsteigen, oberhalb der Spaltenzone durch, um danach wieder abzusteigen unterhalb des Felssporns bis ca. 3100m. Danach ging‘s direkt auf die Wetterlücke, wo wir kurz vor dem Einstieg zum Westgrat noch ziemlich tief in den Gletscher einsanken. Dort deponierten wir unsere Ware, die wir für die Ersteigung des Grats nicht verwenden würden.

gooood morning new day!

gooood morning new day!

Es war halb Sieben, als wir den Einstieg in den Westgrat von der besagten Wetterlücke angingen und nach dem ersten steilen Stück mit bereits doch herausfordernden Kletterpassagen den ersten Turm erreichten. Wir kletterten mit Steigeisen, weil auch schon im unteren Bereich einiges an Schnee auf der Gratkante lag. Dieser erste Teil des Grats ist bereits eine von drei Schlüsselstellen, denn nach dem ersten Turm folgen drei steile und sehr ausgesetzte kleine Gendarme, die wir übergingen und beim letzten mit ordentlich Luft unter dem Hintern in die Nordwand in ein mit labilem Schnee untermauerten Quergang traversieren mussten. Die Tritte waren etwas zweifelhaft, doch glücklicherweise hatte es da drei Bohrhacken, wo wir Expresse einhängen konnten. Es half uns, den Spreizschritt über die Kante etwas sicherer zu begehen. Danach folgt eine ausgesetzte, leicht aufwärtsführende Gratkante, die man nur oben durch ganz vorsichtig gehen kann, äusserst ausgesetzt und das bereits im ersten Fünftel des Grates. Wie würde das weiter oben bei den zwei vertikalen Felsbändern (Schlüsselstellen) aussehen?

..da macht klettern richtig Spass!

..da macht klettern richtig Spass!

Der Schnee war zwar relativ hart, aber wir wussten nie so genau, ob er hielt oder ob wir darunter, beim Durchbrechen durch die Schneeschicht ins Leere traten. Es folgten einige IIIer-Stellen, manchmal etwas weniger beunruhigend in der Gratrichtung und manchmal ausweichend um die Ecken in die Nordwand, was mir oft ein etwas mulmiges Gefühl bereitete. Doch wir waren jederzeit sehr gut gesichert und mit der Zeit gewöhnten wir uns an die grosse Kompetenz und Sicherheit unseres super Bergführers. Wir gelangten zum Triangulationspunkt und begutachteten die weitere Route. Was wir sahen, war Schnee und vor allem, dass wir noch ein mächtiges Stück „Arbeit“ vor uns hatten.

Während einer kleinen Schokoladenpause holte uns die französische Seilschaft, bestehend aus einem Guide de Montagne und seinem Gast, ein. Sie waren nicht schneller als wir, mussten und wollten aber auch nicht spuren und wegfinden. Zumal der ältere Bergführer noch nie da war, liess er uns weiterhin den Vortritt. Der Abschnitt ist etwas leichter, doch mit dem vielen Schnee galt es grosse Vorsicht an den Tag zu legen. Immer wieder bäumt sich der Grat leicht auf und einige Kletterstellen folgten. Die Tour ist durchs Band weg anspruchsvoll, auch für den Kopf, da sie andauernd hohe Konzentration erfordert. In diesem mittleren Abschnitt bewegten wir uns eher in der oberen Südwand, ohne Schnee würde man hier ab und zu, zwischen den Kletterstellen Wegspuren sehen – das war aber heute nicht so. Wir erreichten das erste Felsband, doch davor galt es eine plattig gestufte Steinrampe, die durch und durch mit Schnee gefüllt war, ohne die Möglichkeit einer Absicherung, Richtung Osten zu traversieren. Ein bisschen nervöser wurden wir dadurch schon. Als wir die Passage überwunden hatten, stiegen wir ein sehr steiles Schneecouloir, entlang der sich rechts von uns aufbäumenden Felsbarriere hoch. Danach traversierten wir nach rechts (SE) zu einer gestuften Verschneidung. Dort befindet sich etwas links oben der Verschneidung eine Reepschnur an einem Bohrhaken, an der man sich hochziehen kann. Die Tritte und Griffe waren gefroren und dies machte die Sache für uns nicht sicherer, doch auch diesen Teil meisterten wir. Wir folgten dem Kabel, das gerade bei Schnee, Wassereis und auffeuchtenden Bedingungen sehr rutschig war. Die obere Sicherungsstange ist ins Lötschental runterbogen, aber wir konnten am abgesicherten Kabel einen Karabiner zur Sicherung anbringen. Danach drehten wir entlang weiterer Sicherungsstangen nach Nordwesten zurück auf den Grat, wonach wir über einige Felsbänder, die mit mindestens 20cm Schnee bedeckt waren, weiter zur oberen Felsbarriere gelangen. Wieder verliessen wir weiter oben den Grat leicht absteigend in die Südwand. Danach querten wir entlang etwa 4 Eisenstangen und hier war gerade bei der zweiten Sicherungsstange nur wenig Schnee auf den abschüssigen Platten.

Tiefblick in die Südwand des Breithorns - gesichert an einer Sicherungsstange während einer ausgesetzten Traverse

Tiefblick in die Südwand des Breithorns – gesichert an einer Sicherungsstange während einer ausgesetzten Traverse

Mit äusserster Vorsicht gelangten wir danach wieder in ein mit viel Schnee gefülltes Felscouloir, dass wir relativ gut erklettern konnte. Weiter oben, linksseitig sahen wir eine Reepschnur, doch wir mussten zuerst den Schnee etwas fortwischen, damit wir geeignete Tritte und Griffe fanden. Der Bergführer meinte, hier hätte es irgendwo eine Kette zum Abseilen, die wir aber auf Grund der Schneeauflage noch nicht fanden.

So erreichten wir guten Mutes den steilen, gegen Süden abschüssigen Gipfelfirn, den wir allerdings durch seine guten Bedingungen einfach aber mit Vorsicht begehen konnten. Relativ schnell erreichten wir danach den ausgesetzten Gipfelgrat, der uns über zwei Kulminationspunkte, die uns mit viel Luft beidseitig unter den Füssen zum Gipfel geleiteten. Ein fantastischer Gipfel, worauf wir nun zu fünft standen, dadurch nur ganz wenig Platz zum Verweilen hatten. Wir genossen die unglaubliche Ruhe, die Weitsicht und das Naturspektakel rund um uns. Das bis dahin Erlebte, die Herausforderung, die Anstrengung, der grosse Respekt vor dem Berg, all das war für kurze Zeit in den Hintergrund getreten, wir freuten uns einfach an der Gegebenheit, dort oben zu stehen und das fantastische Panorama auf das Bietschhorn, das Nest-, Aletschhornd, das Gross- und Mittagshorn, Aebni Flue bis Jungfrau, Mönch und Eiger, Tschingelspitz, Gspaltenhorn, Blüemlisalpkette, Dolden-, Balmhorn und Altels. Auch viele Walliser Eisriesen sind zu sehen, alle weiss verschneit, wirklich schön!

ein harmonisches Bergsteigerteam! Ohne Christoph's kompetente und sichere Führung hätten wir diesen Gipfel nicht geschafft.. DANKE!!

ein harmonisches Bergsteigerteam! Ohne Christoph’s kompetente und sichere Führung hätten wir diesen Gipfel nicht geschafft.. DANKE!!

Nach ein paar Gipfelfotos machten wir uns auf, in den Abstieg, auf derselben Route. Langsam gewöhnten wir uns daran, in ausgesetzten Passagen zu Klettern, wir genossen den Abstieg, der knapp 3 Stunden dauerte. Unten nochmals volle Konzentration über die kleinen Gendarme und der letzte steile Teil kletterten wir sicher ab, als ob wir nicht viel anderes tun würden in unserem Leben.

im ausgesetzten Gelände heisst es nochnals - SICH konzentrieren und jeden Schritt sicher gehen!

im ausgesetzten Gelände heisst es nochnals – SICH konzentrieren und jeden Schritt sicher gehen!

Unten bedankte sich der französische Bergführer, der mit seinem Gast nur wenige Minuten vor uns unten war, herzlich bei unserem Bergführer pour faire la trasse und pour guider le chemin! Unser Abstieg war noch ein Stück. Wir liefen von der Wetterlücke wieder am Tschingelhorn vorbei, drehten danach aber oberhalb der Spaltenzone direkt nach Süden in Richtung des Vordere Fafleralptal. Wir verliessen den nur am Ausstieg aperen Gletscher auf der – von oben her gesehen – rechten Seite des Tals, wo wir Steinmänner ausmachten. Diesen folgend gelangten wir auf den steilen Bergweg, der uns ins imposante Tal runter führte. Unterwegs beobachteten wir in der unteren Wand der Chrindelspitza, eine Steingeiss mit ihrem Jungen, die beide Flink in der Felswand rumturnten.

Unser Bergführer meinte, wir hätten um 17:08 Uhr ein Postauto ab Fafleralp. So schritten wir ihm, schneller Schritte, hinterher und so erreichten wir durstig und mit müden Beinen den Parkplatz, wo wir noch etwas zum Trinken kaufen konnten. Ein letzter Rückblick auf das wunderbare Breithorn war uns – glücklich und auch etwas stolz –  gegönnt.

2000 Höhenmeter tiefer auf der Fafleralp im Lötschental - ein letzter, ehrfürchtiger Blick zurück auf das Lauterbrunner Breithorn!

2000 Höhenmeter tiefer auf der Fafleralp im Lötschental – ein letzter, ehrfürchtiger Blick zurück auf das Lauterbrunner Breithorn!

Nach 13h fast pausenlosen Bergsteigen waren wir am Ziel angelangt, im sicheren Hafen der Fafleralp und fühlten uns müde aber überausglücklich und zufrieden – was für ein Tag!

 

Tipp zur Handhabung der Bildergalerie: wenn das erste Bild durch klicken vergrössert wurde, oben rechts auf X klicken und somit das erste Foto schliessen, damit dasselbe Foto dahinter erscheint und damit auch die Beschriftung dazu.

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