Überirdische Granitzähne der Anden

Überirdische Granitzähne der Anden

In El Chaltén, dem Bergsteiger- und Trekker-Mekka in Patagonien, warteten wir geduldig zwei Tage lang auf besseres Wetter – und auf unsere Freunde Veronika & Frank – Welcome! El Chaltén bedeutet in der Sprache der Ureinwohner – der Tehuelche-Indianer – „rauchender Berg“ wegen der oft an der Spitze des Fitz Roy 3405m ü.M. sichtbaren Wolken. So hiess der Fitz Roy zu Zeiten der Tehuelche noch El Chaltén, was heute des Dorfes Namen ist. Der Fitz Roy wurde dann durch die in Patagonien landendenden Europäer getauft. Er wurde nach dem Kapitän der Beagle, dem britischen Vermessungsschiff, auf welchem Charles Darwin fast 5 Jahre um die Welt segelte, benannt. El Chaltén ist wegen der grossen Granitberge bekannt, die zackenartig und überaus mächtig in den Himmel schiessen. Berüchtigt ist es, weil das Wetter vielen Besuchern, die hauptsächlich wegen Fitz Roy und Cerro Torre kommen, sehr oft einen Strich durch die Rechnung zieht. So verlassen halt auch viele Touristen den Ort, ohne die Berge je gesehen zu haben. Wir haben uns genau deswegen etwas mehr Zeit genommen.

Eckdaten
unterwegs von 9.00 – 20.30: 11.5h
28 km retour, 1098m Höhenmeter
Mind. Höhe: 385m
Max. Höhe: 1217m
Wander-Schwierigkeit: T2
Koordinaten Fitz Roy: 49° 16′ 00„S, 73° 4` 00„W.

Wegpunkte

El Chaltén (Start des Trails) 400 m
Laguna Capri 780 m
Arroyo del Salto 790 m
Poincenot
Laguna de los Tres
Cerro de las Piedras 1217m (eigener Wegpunkt)

In El Chaltén, dass sich in einem von Felsen umrungenen Talkessel befindet, war die Sonne noch nicht spürbar, es war kühl, die Gipfel noch wolkenverhangen.

Heute standen die Chancen laut dem Wetter-App nicht schlecht, doch der Blick aus dem Fenster beim Frühstück mochte uns noch nicht überzeugen. Gerade die Unberechenbarkeit des Wetters in Patagonien, mögliche Enttäuschungen oder Überraschungen erzeugte eine Spannung in uns, mit welcher wir losmarschierten.

Um die Ecke betraten wir zuerst „unsere“ Panaderia, in welcher es köstliche Empanadas (Teigtaschen mit unterschiedlichen Füllungen wie Pollo, Jamon y Queso, Choclo (Mais), Espinacha, Cebolla, Caprese) und andere Köstlichkeiten zu kaufen gibt. Mit der reichhaltigen Verpflegung im Rucksack marschierten wir längs durchs ganze Dorf, weil der Ausgang zum Wanderweg ganz im Norden des Dorfs liegt und wir im Süden nächtigten.

Ausgangs Dorf steigt der Weg in wunderbarem gelben Gras und mittelgrossen Nothofagusbäumen. Die langsam zwischen den Wolken durchschimmernde Sonne verlieh der dezent herbstlichen Landschaft eine unwirklich malerische Stimmung. Die Grashalme waren bedeckt von leichtem Tau und die feinen mehrgliedrigen Baumblätter leuchteten abwechselnd im kühlen Wind. Wir stiegen relativ rasch entlang einer hohen Felswand empor, der Weg legte sich nach der ersten Steigung und wir sahen tief ins Tal wo der Rio Fitz Roy den Lago Desierto und mehrere grosse Gletscher Tal entwässert. Wieder in tiefen Wald mit nun grossen Nothofagusbäumen bewachsen, gelangten wir auf eine Ebene hoch, die zwar auf Grund des Waldes nicht sichtbar war, allerdings wurde der Weg relativ flach. Da gelangten wir zur Laguna Capri, wo sich ein sehr schöner Campingplatz befindet (das wäre sicher unser Favorit). Campingplätze bedeutet hier im Parque Los Glaciares ausgeschilderte und abgegrenzte Plätze, worauf man ein Zelt stellen kann. Sie befinden sich meistens im Wald und als Infrastruktur besitzen sie nur eine Toilette. Feuer machen ist im ganzen Park verboten.

Entlang der grün-blauen Lagune zieht sich der Weg durch Wald, durch Buschlandschaft und über Bachläufe mit wunderbar klarem und auch trinkbarem Wasser. Die Ebene zieht sich von der Laguna Capri ca. 5Km weiter in Richtung Westen, also genau auf den Cerro Fitz Roy zu. Da befindet sich das nächste Camping (Camping Poincenot). Zum Begriff Poincenot gibt es eine Geschichte: Poincenot ist der Name eines sehr erfahrenen Bergsteigers, der auf einer französischen Expedition zur Besteigung des Fitz Roy bereits im Anmarsch bei einer Flussüberquerung ertrank. Wahrscheinlich ertrank er im selben Bach, in dessen Kieselstein-Bachbett wir etwas später – nahe am Camping Poincenot gelegen – unseren Mittags-Nap bei traumhaftem Wetter hielten.

Die ganze Bergkette um Fitz Roy hielt sich erwartungsgemäss hinter Wolken versteckt. Wir bewiesen Geduld und genossen den prächtigen und vielfältigen Wanderweg, nutzten die schönen Plätzchen für Raste zum Verweilen und gingen unserem Hobby, dem Fotografieren nach. Da wir es nicht riskieren wollten zu früh bis zur Laguna de los Tres auf 1140m ü.M. aufzusteigen, blieben wir unten in der wärmeren und vom Wind verschonten Zone. In Patagonien und insbesondere in den Bergen hier muss man sich der starken Winde immer bewusst sein, die aus dem Nichts auftauchen können und beträchtlich am Wohlbefinden zerren können. Um 14.00  setzten wir dann zum letzten steilen Anstieg von Poincenot zur Laguna de los Tres an. Voller Anspannung und Ungewissheit, ob uns Fitz Roy heute gut gesinnt war und sich zeigen liess, schritten wir stetig voran. Etwa eine Dreiviertelstunde später erreichten wir dann die grosse Moräne vor dem Gletschersee. Oben angekommen, blieb uns der Atem nicht nur wegen der zuvor überwundenen Höhe weg – der mächtige Granit-Berg Fitz Roy – wie wir ihn bisher nur auf Werbeprospekten gesehen hatten – stand vor uns: in voller Lebensgrösse, im Vordergrund die grün-blaue, klare Laguna de los Tres und strahlend blauer Himmel im Hintergrund! Dies war für uns alle ein Moment grosser Freude!

Ein Moment der Freude - Fitz Roy und  Vroni, Fränk, Räphu & Säru

Ein Moment der Freude – Fitz Roy und
Vroni, Fränk, Räphu & Säru

Berauschend war die Sicht auf dieses Naturschauspiel – auf diesen ehemaligen gigantischen Diaphir der heute ein Granitkoloss mit unheimlichen Ausmassen ist – der Cerro Fitz Roy. Sein Gipfel liegt 3405m über Meer, seine Ostwand, an die wir gebannt starrten ist geschätzt rund 1800m hoch und glatt, wahrscheinlich undurchsteigbar. Auf dem Gipfel und in den wenigen Adern des Granits liegt Schnee und Eis, trotz der fast täglichen Peitschenhiebe durch die unbarmherzigen Winde steht er bereits hunderttausende von Jahren da, wohl in seiner Form nicht massgeblich verändert. Seine Südseite ist geprägt von weiteren Auswüchsen zahnartiger Granitspitzen. Es reihen sich da Cerro Poincenot, Cerro Rafael Juarez, Aguja (wie Aiguille) Saint Exupery aneinander – tiefer aber nicht minder imposant.

Weil es schon relativ spät wurde und der Rückweg noch lange werden würde, waren wir bereit für einen zügigen Abstieg. Im absteigenden Sonnengang, die Strahlen im Rücken liefen wir im Eiltempo zurück, Abstieg ins Camp Poincenot, auf die breite Ebene in der schönen Natur über Bach, Stein und Waldwege. Unser nächstes Ziel war der Sonnenuntergang zu fotografieren und zwar vom Mirador Fitz Roy. Dafür mussten wir die ca. 5Km breite Fläche durchqueren und leicht nach oben steigen. Von da hat man eine super Aussicht auf das gesamte Fitz Roy-Massif. Der Sonnenuntergang war auch Abschluss eines wunderbaren, sehr gelungen Tag mit Vroni & Fränk, welchen wir sehr genossen. Danach stiegen wir ab, zurück nach El Chaltén.

Auf dem letzten Abschnitt hielten wir Ausschau nach den seltenen Huemules (Bild) und befürchteten ein Treffen mit einem Puma, da diese nach 19.00 aktiv werden. Doch immer noch bei guter Laune trotz müden Beinen hatten wir wohl ohnehin alle Tiere in die Tiefe des Parque Nacional Los Glaciares verscheucht.

Ein super Tag ging zu Ende, bei Dämmerung erreichten wir El Chaltén.  

Ergeschichte

Die Andenfaltung hat im Tertiär ca. vor 65 Mio. Jahre begonnen, wobei sich die ozeanische Nazca-Platte unter die südamerikanische Kontinentalplatte schiebt (Subduktion). In der Subduktionszone bilden sich im Erdmantel Magmakammern mit flüssigem Gestein (Diaphire genannt), die durch die sich fortsetzende Plattenverschiebung aufsteigen und dort über hunderttausende von Jahren auskühlen und damit auskristallisieren. Nach verschiedensten weiteren Prozessen entstehen innerhalb der Kontinentalkruste riesige Granitblöcke, welche aus den Granit-Mineralien Feldspat, Quarz und Glimmer bestehen. In der aufgetürmten und gefalteten Kontinentalkruste befinden sich die stehenden Granitbrocken inmitten des Sedimentgesteins aus dem „alten“ Kontinentalgestein, das ebenfalls aufgetürmt wurde. Nach und nach wurden danach die Granitbrocken durch Erosion freigelegt. Granit (plutonisches Gestein) ist ein hartes Gestein mit hoher Dichte, welches deutlich geringer erosionsanfällig ist als das umliegende alte Sedimentgestein. Diese geologischen Prozesse lassen dieses phänomenale Erscheinungsbild dieser Granitzähne von Fitz Roy & Cerro Torre erklären.

 

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5 Kommentare

  1. Hallo dir zweu Wanderfüdli hammer pics bsundrigs panorama eifach der wahn

  2. Hey dir zwöi..gseht hammer us di wahnsinns Ussicht u di Bärge..da chöi mir zämäpacke mitem stögu:)))..gniessets fescht!!

  3. SUPER…weiter so!!!!
    Grüessli vom Thunersee

  4. Säruuuuuuu, mir vermisse di ganz fest u dis lache fäut üs!!gniesses u heb dr sorg, liebi grüess vo dä IMC Lüt

    • hola chicos!
      o wenn mr d’arbeit no grad nid fäuht, würd ig uuuu gärn schnäu mau mit euch d’köpf zämestrecke & chli brichtä! häbet geduld, ig chume ja de widr! =) dänke a euch!!
      besitos

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