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	<title>Zentralamerika | sarah &amp; raphael enroute</title>
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		<title>zu Besuch bei den Maya</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Raphael Rohner]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 19 Jul 2013 03:47:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alle Berichte]]></category>
		<category><![CDATA[Belize]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten sind Speisen für's Ohr..]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralamerika]]></category>
		<category><![CDATA[Antike Kulturen]]></category>
		<category><![CDATA[Maya]]></category>
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					<description><![CDATA[Lamanai Das abtauchende Krokodil &#160; [14. &#8211; 16. Juli, Belize] Nachdem wir vor gut vier Jahren die überwältigenden kulturellen Überbleibsel der Azteken, Tolteken, Tula und allen voran Teotihuacan (!) im Norden von Mexico City und die mystischen Olmeken im Süden des riesigen Mexikos besucht hatten, neben den Inkas (Peru (!), Chile, Ecuador und Bolivien), Tiwanaku (Bolivien), bleiben (jedenfalls für mich Raphael) im Zentral- und Südamerikanischen Gebiet vor allem noch die Maya offen und unentdeckt.  Maya &#8230; Wissen über die Kulturen der Maya, die vorwiegend auf der Yucatán-Peninsula und damit den Ländern Mexico, Belize und Guatemala lebten, hatten wir bereits vor vier Jahren angehäuft. Ihre Siedlungen ziehen sich bis hinunter in das heutige Honduras und [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1>Lamanai</h1>
<h2>Das abtauchende Krokodil</h2>
<p>&nbsp;</p>
<p>[14. &#8211; 16. Juli, Belize]<em> Nachdem wir vor gut vier Jahren die überwältigenden kulturellen Überbleibsel der <strong>Azteken</strong>, <strong>Tolteken</strong>, <strong>Tula</strong> und allen voran <strong>Teotihuacan (!)</strong> im Norden von Mexico City und die mystischen <strong>Olmeken</strong> im Süden des riesigen Mexikos besucht hatten, neben den Inkas (Peru (!), Chile, Ecuador und Bolivien), <strong>Tiwanaku</strong> (Bolivien), bleiben (jedenfalls für mich Raphael) im Zentral- und Südamerikanischen Gebiet vor allem noch die <strong>Maya</strong> offen und unentdeckt. </em></p>
<h3>Maya &#8230;</h3>
<p>Wissen über die Kulturen der Maya, die vorwiegend auf der Yucatán-Peninsula und damit den Ländern Mexico, Belize und Guatemala lebten, hatten wir bereits vor vier Jahren angehäuft. Ihre Siedlungen ziehen sich bis hinunter in das heutige Honduras und an den Pazifik nach El Salvador &#8211; viele antike Städte oder jedenfalls Stadtteile sind längst noch nicht ausgegraben und erforscht.  Leider blieb das dicke Notizheft, dass wir in Mexico angefertigt hatten zuhause; das könnte man heute gut gebrauchen. Bei unserem Besuch im Januar 2010 im <a title="Museo Nacional de Antropología" href="http://www.mna.inah.gob.mx " target="_blank">Museo Nacional de Antropología</a> in Mexico-City haben wir uns mindestens 6 Stunden die Beine vertreten und die Augen ermüdet &#8211; am Abend überlegten wir uns ernsthaft, ob wir am Folgetag nochmals gehen sollen-ein fantastisches Museum! Dieser Ort &#8211;  im Universitätsquartier dieser gigantischen Stadt gelegen &#8211; ist das grösste, beeindruckendste und wohl auch best ausgestellte Museum, dass wir je gesehen haben.</p>
<p>Nun, jetzt sind wir in einem Land, dass noch bis 900 n.Chr. mehrheitlich den Maya gehörte &#8211; einem wie sich auch zeigte, sehr kriegerischen und gewalttätigen Volk. Die Maya haben sich auch hier über das ganze Land ausgebreitet. Im Norden sind vor allem die ehemaligen Städte <strong>Lamanai</strong> (rund 30Km südlich vom heutigen Orange Walk Town) und <strong>Altun Ha</strong> (nur wenige Km nördlich von Belize City) nennenswert. Lamanai erreichte um 700 n.Chr. über 25&#8217;000 Einwohner während <strong>Caracol</strong> (rund 40Km südlich von San Ignacio gelegen) in seiner Blütezeit wohl <span style="text-decoration: underline;">mehr als 150&#8217;000 Einwohner</span> (andere Quellen sprechen von 115&#8217;000) erreichte, damit so oder so eine der bedeutendsten Maya-Stadt überhaupt war. Daneben fast unbedeutend, aber nicht minder beeindruckend liegt nur etwa 14Km entfernt zur Grenze von Guatemala die Maya-Stadt <strong>Xunantunich</strong>, die ihrerseits in der späten Blütezeit um die 10&#8217;000 Einwohner erreichte und wohl zusammen mit der im heutigen Guatemala gelegenen Stadt <strong>Naranjo</strong> den westlichen Teil des Belize River kontrollierte. Auch <strong>Tikal</strong>, eine der bekanntesten Städte der Maya überhaupt liegt nur etwa 70Km entfernt von Xunantunich.</p>
<p><a href="http://tierra-safiri.com/wordpress/wp-content/uploads/2013/07/Mayan-Archaeological-sites-in-Belize-Map2.jpg"><img decoding="async" fetchpriority="high" class="aligncenter size-full wp-image-2702" alt="Mayan-Archaeological-sites-in-Belize-Map" src="http://tierra-safiri.com/wordpress/wp-content/uploads/2013/07/Mayan-Archaeological-sites-in-Belize-Map2.jpg" width="557" height="492" srcset="https://tierra-safiri.com/wordpress/wp-content/uploads/2013/07/Mayan-Archaeological-sites-in-Belize-Map2.jpg 557w, https://tierra-safiri.com/wordpress/wp-content/uploads/2013/07/Mayan-Archaeological-sites-in-Belize-Map2-300x265.jpg 300w" sizes="(max-width: 557px) 100vw, 557px" /></a></p>
<p style="text-align: center;"><span style="font-size: 80%;">(Bildrefrenz: http://mappery.com/map-of/Mayan-Archaeological-sites-in-Belize-Map, verändert)</span></p>
<h3></h3>
<h2>Belize</h2>
<blockquote><p>Belize, ehemalig <strong>British Honduras</strong>, seines Zeichens bis am 21. September 1981(!) eine <strong>britische Kolonie</strong> besitzt auch heute noch britische Aspekte. Einerseits sagt man Belize nach, dass es im Besitze einer überdurchschnittlich stabilen <strong>parlamentarischen Demokratie</strong> ist, zweitens ist die offizielle Landessprache <strong>Englisch</strong>. Damit ist Belize das einzige Land in ganz Lateinamerika, dass offiziell Englisch spricht. Allerdings sprechen die meisten hier spanglish oder <strong><em>english-creol.</em></strong> Englisch-spanisch, gemixt mit english Slang, gemixt mit kreolisch und wohl noch ab und zu ein Maya-Wort&#8230;Man traut den Ohren kaum! =) Andere englischen Merkmale fallen auch ab und zu auf. So blieb der Kopf der <strong>Queen</strong> auf sämtlichen belizianischen Dollar-Bills bestehen.</p>
<p><a href="http://tierra-safiri.com/wordpress/wp-content/uploads/2013/07/belize-dollar-400.jpg"><img decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2706" alt="belize-dollar-400" src="http://tierra-safiri.com/wordpress/wp-content/uploads/2013/07/belize-dollar-400.jpg" width="400" height="174" srcset="https://tierra-safiri.com/wordpress/wp-content/uploads/2013/07/belize-dollar-400.jpg 400w, https://tierra-safiri.com/wordpress/wp-content/uploads/2013/07/belize-dollar-400-300x131.jpg 300w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" /></a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Für Traveler ist Belize, das kleine Land mit nur etwas über <strong>320&#8217;000 Einwohnern</strong>, ein relativ einfaches Pflaster; von <strong>Belize City</strong> aus sind alle wesentlichen Orte in Belize innerhalb von 3-4 Stunden erreichbar. <strong>Belmopan</strong> wurde 1970 kurzerhand zur neuen <strong>Hauptstadt</strong> erklärt, weil Belize City an der Küste zu stark den immer wieder über das Land fegenden Hurricanes ausgesetzt ist. Belize ist nur rund halb so gross wie die Schweiz, besitzt keine hohen Gebirge und ist durch den Northern-  und Southern Highway gut erschlossen. Was die Bevölkerung betrifft ist Belize ein vielseitiges Pflaster. Der Hauptteil der Bevölkerung machen die <strong>Mestizen</strong> aus (Vorfahren: Weisse und Indigenas), rund 30% der Bevölkerung besteht aus <strong>Schwarzen und Kreolen</strong> (ursprünglich Sklaven und Saisonarbeiter aus umliegenden Ländern und der Nordkaribik). Einen besonderen Anteil machen die <strong>Garifuna</strong> aus (auch schwarze Kariben). Der Rest der Bevölkerung besteht aus Indern, Arabern und v.a. <strong>Chinesen</strong>, die fast alle Lebensmittelläden wie ein Monopol in ihrer Hand halten. Das speziellste und für unsere Augen immer wieder (irgendwie) faszinierendste Menschenbild ergibt sich aber aus demjenigen der <strong>Mennoniten &#8211; Altkolonier</strong> &#8211; deren Anzahl man hier auf etwa 15&#8217;000 schätzt. Mennoniten sind Weisse, mehrheitlich deutschsprachige (plattdeutsch/ deutsch und holländisch) Bauern und Handwerker. Sie stammen ursprünglich aus dem südwestdeutschen Raum (Deutschland, Schweiz) zogen zuerst nach Russland, danach nach Kanada. Während und nach dem zweiten Weltkrieg nach Mexico, Belize, Bolivien und Paraguay. Sie sind bis heute traditionell gekleidet: der Mann trägt Hemd, Hut und eine meist weit hochgezogene Hosen. Die Frau hat ein langes Kleid und oft eine nonnenartige Kopfbedeckung. Kontakt zu den anderen Menschen in Belize scheint höchstens durch den Handel ihrer Güter zu bestehen. Sie sind konservativ christlich und haben eine ebensolche Einstellung zu Mode, Technik, Medien und Lebensstil. Unter der sonst sehr farbigen Gesellschaft von Belize erscheinen die Mennoniten hier als spezielle Abwechslung.</p>
<p>&nbsp;</p></blockquote>
<h2>Orange Walk Town und Lamanai</h2>
<p>Unser Ziel war es eben, einige dieser Maya-Ruinen zu besuchen. Sicher auf unserer Maya-Wunschliste waren: 1. Lamanai, 2. Caracol, 3. Xunantunich. Dafür mussten wir aber unser schönes Inseldasein auf <a title="Belizianische Inselwelt" href="http://tierra-safiri.com/?p=2659" target="_blank">Caye Caulker</a> aufgeben. So fuhren wir am Morgen des 14. Juli 2013 mit dem Caye Caulker Water Taxi nach Belize City, liefen mit Sack und Pack durch die unschönen Gassen von Belize City (die Einheimischen nennen es kurz Belize) zum Central Bus Stop. Dort stiegen wir in einen Chicken Bus, der Kofferträger meinte der weisse Bus da fährt nach Orange Walk Town &#8211; wir vertrauten ihm. Ein paar Minuten später sahen wir uns auf dem Northern Highway unterwegs &#8211; alles lief gut und wir machten uns auf eine 3.5-stündige Busfahrt gefasst. Dies meinten jedenfalls unsere beiden Sitznachbarinnen. Nach 90 Minuten waren aber bereits in Orange Walk Town &#8211; auch gut. <strong>Orange Walk Town</strong> stellte sich dann als Gespensterstadt heraus, aber es war halt auch Sonntag Nachmittag.</p>
<p>Am kommenden Tag: rund 2-stündige Bootfahrt, allerhand Wildlife unterwegs und zur Krönung die grossartigen Tempel von Lamanai! Mit dem Boot fuhren wir den New River hoch, schauten zuerst einem Klammeraffen zu, wie er die Bananen vom Boot holte, die wir ihm hinstreckten &#8211; schnell und flink war er!</p>
<p><a href="http://tierra-safiri.com/wordpress/wp-content/uploads/2013/07/DSC09466.jpg"><img decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2708" alt="DSC09466" src="http://tierra-safiri.com/wordpress/wp-content/uploads/2013/07/DSC09466.jpg" width="4399" height="2798" srcset="https://tierra-safiri.com/wordpress/wp-content/uploads/2013/07/DSC09466.jpg 4399w, https://tierra-safiri.com/wordpress/wp-content/uploads/2013/07/DSC09466-300x191.jpg 300w, https://tierra-safiri.com/wordpress/wp-content/uploads/2013/07/DSC09466-1024x651.jpg 1024w" sizes="(max-width: 4399px) 100vw, 4399px" /></a></p>
<p>Danach fuhren wir los mit dem Motorboot, wir zwei und sechs Amerikaner. Hier in Belize, so ist jedenfalls unser Eindruck, gibt&#8217;s sowieso kaum andere Touris als US-Amerikaner. Naja, in der Low-Season mag uns das so oder so nicht richtig stören. Wie auch immer, sind wir mehrheitlich alleine unterwegs &#8211; die Chickenbuses werden wohl von den Amerikanern nicht gebraucht, die fliegen lieber.</p>
<p>So waren wir dann im Wirr-Warr des New Rivers unterwegs &#8211; den Weg hätten wir nie gefunden; hier eine Abzweigung, hier eine Verengung, die wir mit dem Boot durchfuhren, dann wieder eine scharfe Kurve nach links, gefolgt von einer Abzweigung nach rechts&#8230; Der New River teilt sich immer wieder &#8211; wir wären verloren gewesen, hätten wir da durch-navigieren müssen. Doch unser Guide Carlos wusste wo es lang ging. Unterwegs streiften wir die einzige Siedlung namens Shipyard, was eine Siedlung einer Mennoniten-Community ist.</p>
<p>Der New River wurde nach der Ankunft der Spanier im 16 Jh. mit grossen Schiffen durchfahren. Die Spanier und später die Britischen Kolonialherren durchforsteten die Regenwaldgebiete und schlugen die Mahagonibäume raus und konnten sie mittels Wassertransport verhältnismässig einfach an die Küste transportieren. Leider fiel auch hier fast der ganze Urwaldbestand der Gier der Europäer zum Opfer. Heute sind grosse Teile der Gebiete zwar dicht bewachsen, hier wird aber heute von <strong>Sekundärwäldern</strong> gesprochen.</p>
<p>Die Reise zu Lamanai, einer gut versteckten Siedlung, endet in der unglaublich langen New River Lagoon. Die New River Lagoon erstreckt sich von da an 48 Kilometer nach Süden, über den Orange Walk District heraus und wirkt wie ein langer Binnensee. Lamanai, was in der Mayasprache <strong>untertauchendes Krokodil</strong> bedeutet, war primär eine Handelsstadt der Maya. Der gute Zugang via Fluss zur Lagune war signifikant für den Handel zumal man zu dieser Zeit noch kaum gute Strassen baute. Lamanai ist deshalb auch besonders interessant, weil die Stadt zu denjenigen Kultursiedlungen gehört, die am kontinuierlichsten besiedelt war, nämlich von rund 1500v.Chr. bis zum Untergang der Maya-Kultur um ca. 800-900 n.Chr. <em id="__mceDel"><br />
</em></p>
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<p>&nbsp;</p>
<p>Die Erkundung durch den teils dichten Wald war sehr aufregend, zumal die Tempel von der Lagune aus nicht ersichtlich sind. Einzig der Spitz des höchsten Tempels konnten wir von rund 200m vom Schiff aus sehen. Danach zogen wir durch den Wald und erkundeten zuerst den Maskentempel, danach den &#8222;Hightemple&#8220;, den Ballspielplatz und zu guter Letzt den Jaguartempel. Das Ballspiel ist uns auch bei den anderen Mesoamerikanischen Kulturen (Azteken, Tula, Teotihuacan etc.) immer wieder begegnet. Über das Ballspiel ist nicht viel bekannt. Wissenschaftler gehen davon aus, dass das Spiel voller Rituale und Kulte war &#8211; bei Niederlage wären nicht selten die ganzen Verlierermannschaften den Götter geopfert worden.</p>
<p>Die Erkundung Lamanai&#8217;s war ein schönes Reisli und machte zugleich mehr Lust auf weitere Maya-Ruinen. Interessant ist, dass von der ursprünglichen Stadt Lamanai nur rund 10% der Ruinen ausgegraben sind, der Rest bleibt teilweise unter dichtem Wald, Büschen und Gras verschollen.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Vom Glück des Zufalls &#8211; Armut und Reichtum</title>
		<link>https://tierra-safiri.com/vom-gluck-des-zufalls-armut-und-reichtum/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Raphael Rohner]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Jul 2013 22:40:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alle Berichte]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten sind Speisen für's Ohr..]]></category>
		<category><![CDATA[Nicaragua]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralamerika]]></category>
		<category><![CDATA[Armut]]></category>
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					<description><![CDATA[&#160; Nur der Zufall der Geburt trennt uns von den Opfern!  (von Jean Ziegler) Warum ist Nicaragua arm? Inspiriert von der Reiselektüre &#8222;Wir lassen sie verhungern! Die Massenvernichtung in der Dritten Welt&#8220; von dem Soziologen Jean Ziegler und dem Bewusstsein, dass wir uns in einem von grosser Armut betroffenem Land bewegen, sind wir der Frage &#8222;Warum ist Nicaragua arm?&#8220; nachgegangen. Denn häufig täuscht der erste Eindruck. Die scheinbar grenzenlose Vegetation und somit gute Voraussetzungen für Landwirtschaft (gutes Klima, fruchtbare Böden), Berge tropischer Früchte, die grösstenteils sauber und gut gekleideten Menschen im Bus, auf dem Markt, in den Strassen. Doch wenn man mit offenen Augen in einem Land wie Nicaragua unterwegs ist, [&#8230;]]]></description>
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<h2>Nur der Zufall der Geburt trennt uns von den Opfern!<b> </b></h2>
<p>(von <i>Jean Ziegler</i>)</p>
<h3>Warum ist Nicaragua arm?</h3>
<p>Inspiriert von der Reiselektüre &#8222;Wir lassen sie verhungern! Die Massenvernichtung in der Dritten Welt&#8220; von dem Soziologen Jean Ziegler und dem Bewusstsein, dass wir uns in einem von grosser Armut betroffenem Land bewegen, sind wir der Frage &#8222;Warum ist Nicaragua arm?&#8220; nachgegangen. Denn häufig täuscht der erste Eindruck. Die scheinbar grenzenlose Vegetation und somit gute Voraussetzungen für Landwirtschaft (gutes Klima, fruchtbare Böden), Berge tropischer Früchte, die grösstenteils sauber und gut gekleideten Menschen im Bus, auf dem Markt, in den Strassen. Doch wenn man mit offenen Augen in einem Land wie Nicaragua unterwegs ist, erhält man auch viele Eindrücke und Bilder, die den bescheidenen Lebensstandard einer Familie widerspiegeln, jedoch sammelt man so keine handfesten Fakten und Zahlen für Armut.</p>
<p>Immer wieder auf unseren Reisen werden wir mit Armut konfrontiert; man erlebt die krassen Gegensätze zwischen sich und der Frau mit den zwei Kleinkindern auf dem Sitzplatz nebenan hautnah. Dabei wachsen die Fragen danach, was die vielseitigen und komplexen Gründe dafür sein mögen. Immer mehr davon überzeugt, dass der Zufall über Armut oder Reichtum entscheidet, haben wir uns dieser Frage angenommen und Zahlen und Fakten gesammelt. Der folgende Text ist jedoch weder vollständig noch stets immer mit handfesten Beweisen untermauert, da er teils einfach auch unserer subjektiven Einschätzung entspricht. Die Betrachtung von Nicaragua ist dabei exemplarisch, denn viele Entwicklungsländer tragen ähnliche Schicksale.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h3>Was ist Armut?</h3>
<p>Wir sind nicht zuletzt hier in Nicaragua vielen Menschen begegnet, deren Besitztümer vielleicht auf den Wert unseres Gepäcks reduziert werden können – für uns als materialistische Bewohner eines Industriestaates fast unvorstellbar. Allerdings gewinnen wir des öfteren den Eindruck, dass ihr persönlicher Wohlstand &#8211; geprägt durch das Sozialsystem „Grossfamilie“, ihre Lebenszufriedenheit und -qualität &#8211; der HÖHERE ist, als denjenigen materiellen und auf das Geld bezogene Wohlstand wir als solchen ansehen. Unser Verständnis von Wohlstand und Zufriedenheit ist eine gewachsene Vorstellung, in der Geld und materieller Reichtum die Hauptrolle spielt. Ist Wohlstand, Armut und Reichtum also eine Frage der Definition?</p>
<p>Bitter und unserer Meinung nach wesentlich ist Armut im Verhältnis zum Reichtum, wenn Menschen Hunger leiden, wenn sie aus verschiedenen Gründen schwer erkranken (Unter- und Mangelernährung, Tropenkrankheiten, hygienisch bedingte Erkrankungen), keinen Zugang zu einem Gesundheits- und Bildungssystem haben oder dies nicht bezahlen können. Wenn übertragbare Krankheiten Familienmitglieder aus dem Leben reissen und die Familiensysteme instabil machen, brutale Verbrechen an unschuldigen Menschen geschehen und wenn (einer der Haupttäter der Armut) die blutrünstige Korruption auf allen Ebenen einer Gesellschaft wütet. Wenn dies zutrifft, dann ist ein Mensch in unseren Augen arm.</p>
<p>Was bedingt die Armut? Welche Faktoren bedingen die Armut in Nicaragua?</p>
<p>&nbsp;</p>
<h3>Wirtschaft und Staat</h3>
<p>Gemäss Jean Zieglers Buch &#8222;<i>Wir lassen sie verhungern</i>&#8220; sieht es folgendermassen aus:</p>
<p>Der Hunger betrifft in Lateinamerika und der Karibik<b> 53 Millionen Menschen</b>. In Nicaragua wird jedes Jahr ein Korb mit den 24 Grundnahrungsmittel definiert, die einen 6-köpfige Familie im Monat braucht, um zu überleben. Im März 2011 kostetet der Korb in Nicaragua 6250 Córdobas, entsprechend 500US$. Doch der gesetzliche Mindestlohn eines Landarbeiters belief sich damals auf 1800 Córdobas oder 80US$.</p>
<p>Gemäss letzten Schätzungen und Hochrechnungen des UNDP (United Nation Developement Programme) beträgt der <b>Durchschnittseinkommen</b> der Nicas rund 1700$US im Jahr (entspricht in etwa dem BSP pro Kopf). Auf den Monat runter gerechnet entspricht dies einem mittleren Einkommen von rund 142$US.</p>
<p>Neben den absoluten Kennzahlen wie Bruttoinlandsprodukt (BIP) und Bruttosozialprodukt (BSP) ist die Einkommensverteilung in Nicaragua bemerkenswert: nur rund 20% der Bevölkerung generieren ein Einkommen von 65% des Gesamttotal aller Einkommen der Nicaraguaner. Der diesen Zustand wiedergebende Indikator heisst <b>GINI-Index</b> und liegt bei etwas über 40 &#8211; dies entspricht einer im weltweiten Durchschnitt relativ starken Ungleichverteilung der Einkommen und Vermögen. Gerade wegen der ungleichen Einkommensverteilung, die wir im GINI-Index sehen, muss man aber davon ausgehen, dass die 80% der Bewohner Nicaraguas, die vom Gesamteinkommen nur einen Anteil von ca. 35% generieren, unter 142$US pro Monat an Einkommen erreichen. Somit dürften sich mehr als 60% der Gesamtbevölkerung den an und für sich notwendigen Warenkorb nicht leisten können. Konsequenz ist primär: Unter- und Mangelernährung, schlechte Hygiene, sehr eingeschränkte Gesundheitsversorgung etc.</p>
<p>Allerdings muss hier auch der Richtigkeit wegen dargestellt werden, dass der Landwirtschaftsanteil mit ungefähr 50% (Quelle Weltbank) einen so hohen Anteil ausmacht, dass sich viele Nicas in einer mehr oder weniger ausgeprägten Subistenzlandwirtschaft zumindest saisonal sich unabhängig ernähren können, ohne die Lebensmittel auf dem Markt beschaffen zu müssen. Wenngleich gemäss einer Messung der Weltbank noch im Jahr 2005 12% der Nicas mit weniger als 1.25$US auskommen mussten, was uns happig erscheint und sich wohl bis heute nicht massiv verändert hat. Das hierfür nicht dichtere Daten vorliegen lässt die Geschichte nicht wesentlich besser dastehen.</p>
<p>Ein Vergleich aller Zentralamerikanischer Staaten (ausgenommen Belize, was keine Zahlen lieferte) &#8211; Bruttoinlandseinkommen</p>
<div style="width: 300px; font-family: 'Helvetica Neue', Helvetica, Arial, sans-serif; line-height: 20px;">
<div style="background-color: #333; padding: 0px 5px; font-weight: bold;">
<div style="color: #fff; font-size: 12px; line-height: 20px;"><a class="active" style="color: #fff; text-decoration: none;" href="http://data.worldbank.org/indicator/NY.GNP.MKTP.CD/countries/NI-PA-CR-HN-SV-GT?display=graph">GNI (current US$)</a></div>
</div>
<p><script type="text/javascript">// < ![CDATA[
// < ![CDATA[ widgetContext = { "url": "http://data.worldbank.org/widgets/indicator/0/web_widgets_3/NY.GNP.MKTP.CD/countries/NI-PA-CR-HN-SV-GT", "width": 300, "height": 225, "widgetid": "web_widget_iframe_b4a58eb01da3a89d7cab0a29b5f2a08d" };
// ]]&gt;</script></p>
<div id="web_widget_iframe_b4a58eb01da3a89d7cab0a29b5f2a08d"></div>
<div style="font-size: 10px; color: #000;">Data from <a style="color: #ccc;" href="http://data.worldbank.org/indicator/NY.GNP.MKTP.CD/countries/NI-PA-CR-HN-SV-GT?display=graph">World Bank</a></div>
</div>
<p>&nbsp;</p>
<p>GINI-Index in der Entwicklung: http://devdata.worldbank.org/DataVisualizer/</p>
<p>Die <b>Landfrage</b> ist in Nicaragua ebenfalls ein grosser Konflikt. Im Laufe der politischen Umwälzungen wurde das Land mehrmals vergeben, ohne immer die Besitzer bei den zuständigen Ämtern einzutragen. So ergaben sich überschneidende Besitzansprüche auf dasselbe Stück Land. Dies führt bis anhin zur Enteignung von Land, damit Acker- und Weideland und nicht zuletzt Lebensraum. Meist sind die Ärmsten der Armen betroffen, müssen in nicht beanspruchtes Gebiet weiterziehen oder vom Land in die Elendsviertel der Stadt flüchten. Der Staat schafft es bis heute nicht eine Garantie für Eigentumsrechte zu erbringen.</p>
<p>Der <b>Human Development Index</b> (HDI) Index der UNO ist ein Wohlstandsindikator für Länder, welcher neben dem <i>Pro-Kopf-Einkommen</i> die <i>Lebenserwartung</i> und den <i>Bildungsgrad</i> berücksichtigt. Der Faktor Lebenserwartung wiederum gilt als Indikator für Gesundheitsfürsorge, Ernährung und Hygiene.</p>
<p>Das Ranking 2012 zeigt, dass  die Schweiz erwartungsgemäss mit Rang 9 unter die Kategorie &#8222;Hohe menschliche Entwicklung&#8220; fällt. Die folgenden Staaten fallen unter die Kategorie &#8222;Mittlere menschliche Entwicklung&#8220;: 108. Bolivien, <b>129. Nicaragua</b>, 138. Kambodscha und zusammen mit vielen anderen afrikanischen Staaten unter „niedrige menschliche Entwicklung“ auf Platz 152 Tanzania.</p>
<p>Beim Reisen durch Nicaragua wurden wir durch Begegnungen mit Nicas in den unterschiedlichsten Situationen sehr beeindruckt. Ihre lebensfreudige, sympathische und offene Art hat uns gezeigt, wie zufrieden sie wirken obwohl sie unter &#8222;erschwerten Lebensbedingungen&#8220; leben, mit grossem Fleiss motiviert einer Beschäftigung nachgehen und versuchen, für den Lebensunterhalt einer Grossfamilie zu sorgen. Der Happy Planet Index bestätigt den Eindruck der hohen Lebenszufriedenheit.</p>
<p>Der <b>Happy Planet Index</b> (HPI) ist ein Index, bei welchem Werte für Lebenszufriedenheit, Lebenserwartung und Ökologischen Fussabdruck kombiniert und somit das Kriterium der Nachhaltigkeit mit einbezieht. Vereinfacht gesagt wird die durchschnittliche Lebenserwartung mit der Lebenszufriedenheit multipliziert und durch den ökologischen Fussabdruck dividiert. Von 193 Staaten besetzt Nicaragua Platz 8, die Schweiz bereits den 34. Platz. Währenddem wir in der Schweiz eine durchschnittliche Lebenserwartung von 82.3 haben, eine Lebenszufriedenheit von 7.5 (von 10 Scores) und einem ökologischen Fussabdruck von 5 (Ressourcenverbrauch von 5 Erden für diesen Lebensstil aufrecht erhalten zu können) haben, hat Nicaragua eine Lebenserwartung von 74, eine Lebenszufriedenheit von 5.7 und einen ökologischen Fussabdruck von 1.6. <a title="Happy Planet Index" href="www.happyplanetindex.org/data" target="_blank">www.happyplanetindex.org/data</a></p>
<p>Auch wenn Nicaragua mit Platz 8 im Happy Planet Index mit der relativ hohen Lebenserwartung (im Vergleich zu Ländern wie Tanzania mit 58.2) und der hohen Lebenszufriedenheit relativ gut dasteht, soll dies nichts vergolden. Denn der weit unterdurchschnittlich tiefe ökologische Fussabdruck in Nicaragua aufgrund des minimalen Konsumverhalten (Konsumgüter, Nutzung von motorisiertem Verkehr, Freizeit ect.) hebt das Land auf diese Spitzenposition und ist deshalb mit grosser Vorsicht zu geniessen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h3>Der Staat und internationale Betrachtungen</h3>
<p>Durch die Machtübernahme der Sandinisten in den späten 70er Jahren, der bis heute regierenden Mehrheit, hatte Nicaragua einen mächtigen Gegenspieler, der im Rahmen der Eindämmungspolitik gegen den Kommunismus sämtliche antikommunistischen Lager weltweit unterstützte. So unterstützte die USA durch finanzielle Mittel und Waffenverkäufe eine paramilitärische Organisation, die jahrelang auch von Honduras aus operierte und so einen Bürgerkrieg über Jahre aufrechterhielt. Der Bürgerkrieg forderte bis 1990 30&#8217;000 Todesopfer, zerstörte Infrastruktur und führte zu anhaltenden gesellschaftlichen Instabilitäten, die weder wachstumsfreundlich noch nachhaltig waren.</p>
<p>Das durch die Geschichte entstandene Verhältnis mit den USA zieht seine Fäden bis heute &#8211; weniger ausländische Investitionen fliessen nach Nicaragua als zu sämtlichen Nachbarn Costa Rica, Honduras, Guatemala, El Salvador und Belize.</p>
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<p>&nbsp;</p>
<h3>Korruption und Staatsschulden</h3>
<p>Fehlen tun bis heute eine stabile politische Grundgesamtheit, die keinen oder jedenfalls weniger Platz für Korruption beinhalten und auch die Einbindung von Minderheiten (-Meinungen) zulassen würde. In einem fortwährend berechneten Index über das Ausmass der <b>Korruption</b> in Staaten der ganzen Welt, nimmt Nicaragua einen &#8222;Spitzenplatz&#8220; ein (Korruptionswahrnehmungsindex ist sehr hoch: <a href="http://www.transparency.org/cpi2012/results">http://www.transparency.org/cpi2012/results</a>). Nur eine Handvoll Länder sind im Ranking korrupter als Nicaragua. Es mangelt des Weiteren an einer guten, das ganze Land umfassenden Strassen-, Verkehrs- und Versorgungsinfrastruktur (Wasser, Strassen &amp; Elektrizität).</p>
<p>Daneben leidet Nicaragua an sehr hohen <b>Staatsschulden</b> und einem diesen Umstand verschlechternden jährlichen Handelsbilanzdefizit (Importüberschuss im Verhältnis zum Export) von über einer Milliarde $US. Nicaragua gehört zu den 39 &#8222;heavily indepted poor countries&#8220; (<a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Heavily_Indebted_Poor_Countries">http://en.wikipedia.org/wiki/Heavily_Indebted_Poor_Countries</a>), also zu den 39 höchstverschuldetsten und zu gleich armen (Entwicklungs-) Ländern der Welt.</p>
<p><a href="http://tierra-safiri.com/wordpress/wp-content/uploads/2013/07/DSC08688.jpg"><img decoding="async" loading="lazy" class="aligncenter size-full wp-image-2563" alt="DSC08688" src="http://tierra-safiri.com/wordpress/wp-content/uploads/2013/07/DSC08688.jpg" width="1280" height="850" srcset="https://tierra-safiri.com/wordpress/wp-content/uploads/2013/07/DSC08688.jpg 1280w, https://tierra-safiri.com/wordpress/wp-content/uploads/2013/07/DSC08688-300x199.jpg 300w, https://tierra-safiri.com/wordpress/wp-content/uploads/2013/07/DSC08688-1024x680.jpg 1024w, https://tierra-safiri.com/wordpress/wp-content/uploads/2013/07/DSC08688-462x306.jpg 462w, https://tierra-safiri.com/wordpress/wp-content/uploads/2013/07/DSC08688-207x136.jpg 207w, https://tierra-safiri.com/wordpress/wp-content/uploads/2013/07/DSC08688-140x94.jpg 140w" sizes="(max-width: 1280px) 100vw, 1280px" /></a></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3>Erzwingung kapitalistischer Strukturen</h3>
<p>Gemäss Jean Ziegler „Wir lassen sie verhungern.“ beliefen sich die Auslandschulden der 122 Staaten, die die sogenannte Dritte Welt bilden, Ende 2010 auf über 2100 Milliarden Dollar und werden vom Internationalen Währungsfond (IWF) verwaltet. Damit diese Staaten die Zinsen und Amortisationsraten bei den Banken und dem IWF bezahlen können, brauchen die Schuldner-Länder Devisen. Devisen können sich die Entwicklungsländer beschaffen, indem sie die Produkte oder Rohstoffe gegen den (auf dem Weltmarkt gehandelten) Verkaufspreis ausführen, der ihnen in Devisen bezahlt wird. Der IWF gewährt den überschuldeten Ländern eine Refinanzierung ihrer Schulden. Dazu müssen sich die Länder jedoch Strukturanpassungsprogrammen unterwerfen. Im Kern dieser &#8222;<em>Strukturanpassungs- Massnahmen&#8220;</em> steht die Einführung des flächendeckenden Kapitalismus, damit Einbindung aller Personen in den Weltmarkt.</p>
<p>Diese Programme zwingen die betroffenen Länder allerdings zu oft massiven Kürzungen der Ausgaben für Gesundheitswesen, Bildungssystem und Sozialleistungen – etwa Subventionen auf Grundnahrungsmittel und Unterstützung bedürftiger Familien. Wo der IWF durchgreift, schrumpfen die Felder mit Reis, Mais und Getreide. Die Subsistenzwirtschaft stirbt. Der IWF verlangt die Ausweitung von Feldkulturen, deren Produkte – Baumwolle, Nüsse, Kaffee, Tee, Kakao etc. &#8211; auf dem Weltmarkt abgesetzt werden können und die Devisen bringen, die für Tilgung der Schulden nötig sind. Kleinbauern verlieren ihr Land, arbeiten bestenfalls auf einer dieser Plantagen als landlose Tagelöhner zu einem Hungerlohn, mit welchem sie auf dem „freien Markt“ die Nahrungsmittel zum Überleben der Familie kaufen müssen, wozu jedoch das Einkommen meist nicht ausreicht, um die wichtigsten Bedürfnisse abdecken zu können.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h3>Hurrikan Mitch</h3>
<p>Der Hurrikan Mitch im Jahre 1998 zeigt beispielhaft auf eindrückliche Weise, wie ein Land wie Nicaragua durch eine Naturkatastrophe geschädigt und unter den Folgen deutlich stärker und langfristiger zu leiden hat, als wenn dasselbe Unglück in einem Industrieland geschähe. Das Nichtvorhandensein eines Warnsystems beziehungsweise nicht Erreichen der ärmsten Bevölkerung in den Risikogebieten, Korruption, ausbleibende oder willkürliche Katastrophenhilfe und die weiterhin ungeklärte Landfrage machte die strukturellen Probleme Nicaraguas deutlich.</p>
<p>Bei diesem Hurrikan, der über die Länder Mittelamerikas fegte, kamen 19 000 Menschen ums Leben, wobei Honduras und Nicaragua die am schwersten betroffenen Länder waren. Nach 10 Tagen Dauerregen wurden Menschen unter riesigen Schlammlawinen begraben, Gebiete wurden überschwemmt und Ernten zerstört. Obwohl die zuständigen Behörden von dem bevorstehenden Dauerregen informiert waren, warnten sie die Menschen in den betroffenen Regionen nicht. Die Opfer waren fast durchwegs die Ärmsten, da sie an Flussufern und steilen Hängen in Hochrisikogebieten lebten, die wirtschaftlich so wertlos sind, dass niemand die &#8222;illegalen Siedler&#8220; vertrieb. Sie verloren ihre Häuser, Tiere und Ernten, wodurch eine grosse Landflucht einsetzte. Nicaragua&#8217;s Infrastruktur wurde massiv zerstört. Seuchen brachen aus und die Preise der Grundnahrungsmittel stiegen um das Dreifache. Das Ausmass der Katastrophe hätte eingedämmt werden könne, wenn die Menschen gewarnt worden und später die Hilfe an die Bedürftigen gelangt wäre. Doch der damalige Präsident Alemán handelte vor allem zu seiner persönlichen Bereicherung, bediente zuerst die Gemeinden seiner Partei, baute neue Strassen zu seinen Immobilien. Die jahrelangen Einsparungen an den Sicherheits- und Verkehrsinfrastrukturen machten sich bemerkbar, da die Hilfslieferungen nicht in die betroffenen Gebiete transportiert werden konnten. Die  finanzielle Katastrophenhilfe der Industrieländer versickerte beinahe spurlos.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h3>Fazit</h3>
<p><b>Korruption mächtiger Personen, Krieg, Tropenstürme und andere Naturkatastrophen, kein Eigentumsrecht, ungenügend politische Rechte, ungerechtes Einwirken grosser Spieler im Weltgeschehen &#8211; Einflussfaktoren der Armut. </b><em>Armut geht uns alle an, denn nur der Zufall der Geburt trennt uns von den Opfern der Armut.</em></p>
<p><em> </em></p>
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		<title>Nicaragua &#8211; América Central</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Raphael Rohner]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Jun 2013 01:48:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alle Berichte]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten sind Speisen für's Ohr..]]></category>
		<category><![CDATA[Nicaragua]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralamerika]]></category>
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		<category><![CDATA[öffentlicher Verkehr]]></category>
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					<description><![CDATA[Nicaragua &#8211; herzliches Bienvenido für Fremde &#38; eine tropische Busfahrkultur [12 de Junio] Nicaragua Per Flieger und deshalb viel zu schnell landeten wir quasi auf einem anderen Kontinenten unserer Erde &#8211; das erste Mal setzten wir unsere Füsse auf nicaraguanischen und somit auf zentralamerikanischen Boden. Mit grossem Respekt und vielleicht auch ein wenig Angst waren wir im &#8222;gefährlichen&#8220; Nicaragua angekommen. Auch das erste Mal betraten wir wohl ein Land mit dermassen wenig Wissen und Plänen wie kaum je zuvor. Am Flughafen in der Hauptstadt Managua schnappten wir an der Touristeninformation ein paar ansprechend gestaltete Prospekte und eine Landeskarte, im Gepäck hatten wir nur die PDF-Dateien eines Reiseführers gespeichert. Mit einigen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h1>Nicaragua &#8211;</h1>
<h2>herzliches Bienvenido für Fremde</h2>
<h2>&amp; eine tropische Busfahrkultur</h2>
<p>[12 de Junio] Nicaragua</p>
<p>Per Flieger und deshalb viel zu schnell landeten wir quasi auf einem anderen Kontinenten unserer Erde &#8211; das erste Mal setzten wir unsere Füsse auf nicaraguanischen und somit auf <strong>zentralamerikanischen Boden</strong>. Mit grossem Respekt und vielleicht auch ein wenig Angst waren wir im &#8222;gefährlichen&#8220; Nicaragua angekommen. Auch das erste Mal betraten wir wohl ein Land mit dermassen wenig Wissen und Plänen wie kaum je zuvor. Am Flughafen in der Hauptstadt <strong>Managua</strong> schnappten wir an der Touristeninformation ein paar ansprechend gestaltete Prospekte und eine Landeskarte, im Gepäck hatten wir nur die PDF-Dateien eines Reiseführers gespeichert. Mit einigen Vorurteilen gespickt durch Geschichten, die man sich unter Reisenden erzählt, war unsere Absicht, die Millionenstadt Managua so schnell wieder zu verlassen, wie wir hier erschienen waren.</p>
<p>Das offizielle Taxi bringt die Touristen für 30 US$ vom Flughafen an quasi jeden Ort in der Stadt, das halboffizielle für 20 US$ und das an der Strasse ausserhalb des Flughafenareals für ein paar zerquetschte Córdoba überall hin wo man möchte. Wir entschieden uns für das halboffizielle Taxi und liessen uns an einen der beiden Busbahnhöfe, benannt Roberto Huembes fahren. Bei der 15-minütigen Autofahrt mit Blick aus dem Fenster und dem beschränkten, natürlich subjektiven Gefühl von Sicherheit wurde uns erstmals bewusst, dass reisen in Nicaragua nicht mehr in die Kategorie <strong>&#8222;Exotik für Anfänger&#8220;</strong> gehören würde. Vielmehr dürften die Erfahrungen hier wieder mal Neuland &#8211; purere Exotik, nicht alltägliche Geschichten, Neuerfahrungen gespickt mit Verblüffung, Erstaunen und Bewunderung werden.</p>
<p>Der Verkehr war nicht wie man sich das von Millionen-Hauptstädten gewohnt ist &#8211; ein paar Busse, Autos und Motorräder waren auf den Strassen unterwegs. Die meisten Menschen können sich hier nicht einen eigenen motorisierten Untersatz leisten. Der öffentliche Verkehr &#8211; so unsere Ansicht nach dem ersten Reisetag in Nicaragua &#8211; schien nicht schlecht ausgebaut. Der Taxifahrer hatte uns mit guten Wünschen wie &#8222;Versteckt eure Reisepässe ja immer gut im Gepäck!&#8220; anfangs einer Staubpiste abgesetzt. Wir passierten einige Marktstände, bevor wir einen Platz ohne viel Infrastruktur vor einem grossen, luftigen Wellblechgebäude mit ein paar davor stehenden abgekarrten Bussen stationiert, erreichten. Ohne dass wir hätten fragen müssen, waren unsere Rucksäcke nach unserem bestimmten Eingreifen zuhinterst in einem Bus und nicht auf dem Dach verstaut und wir getrennt auf den letzten Sitzplätzen untergebracht und unterwegs nach <strong>Rivas</strong>, einer Stadt nahe unseres Reiseziels. Die ca. dreistündige Busfahrt kostete 50 Córdobas (2 CHF). Aufmerksam beobachteten wir, was um uns herum passierte und hatten die Backpacks stets im Augenwinkel. Denn an der Hinterseite des Busses gab es eine Türe, die meist als Ausstieg benutzt wurde und unser Gepäck immer wieder gefährlich an den Abgrund brachte.</p>
<p>Unterwegs hielten wir und es wurde abgeladen: ein paar Stacheldraht-Rollen, Holzbretter, einige Kisten Bodenplättli, Metallstangen&#8230; da hatte wohl jemand im Baumarkt eingekauft! In Rivas war Endstation und wir erlitten unseren zweiten Kulturschock: wie auch in asiatischen Ländern üblich, wurden wir von einer Horde Männer empfangen die alle lauthals auf uns einredeten. Innert kürzester Zeit waren wir im nächsten Bus &#8211; gleiches Modell, jedoch deutlich verbrauchter &#8211; untergebracht. Eine Stunde später fuhren wir in <strong>San Juan del Sur</strong> an der pazifischen Küste zum Einleben auf dem &#8222;unbekannten Terrain&#8220; ein.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h2>San Juan del Sur</h2>
<p>[12 &#8211; 19 de junio]</p>
<p>Über die Woche San Juan del Sur an der pazifischen Küste ist schnell berichtet: schlaaaafen, waschen, Desayuno Nica, Curry-Reis, Playas Maderas &amp; Hermoasa, plantschen, Buch lesen, Affen beobachten, uns über Nicaragua informieren, Reisepläne schmieden, verschnaufen von der bisherigen Reise, uuuuund&#8230;</p>
<p>&#8230;nichts tun!</p>
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<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<h2>Tropisch-nicaraguanische Busfahrkultur</h2>
<p>Losfahren heisst auch hier wie wahrscheinlich in ganz Lateinamerika nicht zielstrebig eine Destination anstreben, sondern einfach losfahren. Denn der Bus hält unterwegs in jedem Fall hundert Mal mehr, als einem lieb ist, auch wenn das nur ein paar Schritte neben dem Busbahnhof ist &#8211; der Bus hält immer und überall, wenn jemand zu- oder aussteigen möchte.</p>
<div id="attachment_2295" style="width: 952px" class="wp-caption aligncenter"><a href="http://tierra-safiri.com/wordpress/wp-content/uploads/2013/06/Collage.jpg" target="_blank"><img aria-describedby="caption-attachment-2295" decoding="async" loading="lazy" class="size-full wp-image-2295   " alt="Ausschnitte aus dem öffentlichen Verkehrsleben in Nicaragua" src="http://tierra-safiri.com/wordpress/wp-content/uploads/2013/06/Collage.jpg" width="942" height="706" srcset="https://tierra-safiri.com/wordpress/wp-content/uploads/2013/06/Collage.jpg 942w, https://tierra-safiri.com/wordpress/wp-content/uploads/2013/06/Collage-300x225.jpg 300w" sizes="(max-width: 942px) 100vw, 942px" /></a><p id="caption-attachment-2295" class="wp-caption-text"><strong>Chicken-Bus-Life (&lt;click&gt;)</strong></p></div>
<p>Dem Geschehen im Bus zuzusehen und selbst daran teilzunehmen ist eine äussert spannende und amüsante Angelegenheit und bringt nicht zuletzt neuen Wind in unsere bereits längere Reisegeschichte. Die tropische Busfahrkultur zauberte uns beiden ab der ersten Minute ein entzücktes Lächeln ins Gesicht und der Fahrtwind beim Kopfausdemfensterhalten liess das geliebte Freiheitsgefühl aufflackern.</p>
<p>Die für uns bis dahin unbekannte Gefährte sind alte, wahrscheinlich eher uralte <strong>Chicken-Buses</strong>, längst ausgemusterte amerikanische Schulbusse, welche alle &#8211; zumindest von aussen betrachtet &#8211; kreativ in Schwung gehalten werden mit den farbenprächtigen Bemalung der Karosserie. Sie bieten keinen Platz für gar nichts, jedenfalls nicht für die Beine eines durchschnittlich grossen Mitteleuropäers. Nebst der auffälligen Bemalung ist der Motorenlärm auch aus grossen Distanzen zu vernehmen, so dass man sich noch gemächlich an die Strasse begeben und den Bus anhalten kann.</p>
<p>Einmal unterwegs, werden ständig Sachen eingeladen und im spärlichen Laderaum des Busses aufeinandergestapelt, nach ein paar Kilometer wieder ausgeladen, die Baumarkt-Einkäufe für den Haus-Anbau transportiert. Da werden Nüsse, Früchte, Gebackenes, Fritiertes und ganze Mahlzeiten mit Chicken, Pommes und Salat verkauft, andere erklären anhand von Darstellungen in Anatomiebüchern pathologische Prozesse im Körper und verkaufen unter anderem Parasitentabletten. Busfahren in Nicaragua ist somit ein bisschen unsere Lieblingsbeschäftigung geworden und morgen geht&#8217;s dann auch weiter, im Chicken-Bus und die Zeit wird wie gewohnt wie im Flug vorbeigehen mit dem gebotenem Schauspiel&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
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